Ansichten zur Fan Edition 22 Sonnenwärts

Sonnenwärts – von Ulf Fildebrandt
Auf Manas, einem Planeten im Proxit-System, 100 Lichtjahre von der Erde entfernt, starten Jato und sein Vater Karamo im Januar 1200 NGZ zu einem touristischen Ausflug. Auf dem Planeten existieren Artefakte der Lemurer. Interessanter ist jedoch der Untergrund des Planeten. Dort leben seit vielen Jahrzehnten Menschen, die sich von der Außenwelt abgeschottet haben. Sie flohen einst vor Monos, dem Teufel in Terras Hallen. Kontakte zu ihnen sind eigentlich verboten, doch Touristenführer bieten hin und wieder Expeditionen in die unterirdischen Kavernen an. Die Besucher tarnen sich mit Deflektoren.
Als plötzlich die 5D-Technologie ausfällt, werden Jato und sein Vater, die gerade heimlich im Untergrund die Einheimischen beobachten, sichtbar. Sie versuchen, den Rückweg zur Oberfläche zu finden. Sie werden von den Höhlenbewohnern für Dämonen gehalten. Der Wächter Deshan folgt der Spur der Eindringlinge, um seine Mitbewohner vor ihnen zu schützen. Deshan muss sich seinen Ängsten stellen, die dunklen Kavernen verlassen und sonnenwärts gehen.
 
Der Autor verfolgt in seiner Geschichte zwei Handlungsstränge. Die eine, die von Jato und Karamo, ist eine Vater-Sohn-Geschichte, die einiges an Konfliktpotential birgt. Im zweiten Erzählstrang wird die Entwicklung des Einheimischen Deshan geschildert, der in einer von falschen Vorstellungen geprägten Welt aufgewachsen ist. Einer Welt, in der bestimmte Dinge und Ereignisse eine hohe symbolische Bedeutung haben. Als diese Welt durch den Kontakt mit Jato und Karamo auf den Kopf gestellt wird, muss Deshan seinen Weg finden.
Es dauerte sehr lange, bis sich bei mir beim Lesen ein deutliches Gefühl für die Thematik der Geschichte einstellte. Ebenso auch für den Ort und die Zeit. Ca. 50 Jahre nach Monos ist die Geschichte angesiedelt. Der Ausfall der 5D-Technologie hat mit dem Hyperimpedanz-Schock also nichts zu tun, denn der kam erst 1331 NGZ. Der Autor geht nicht näher auf den Ausfall ein, bzw. verzichtet er auf eine Erklärung. Es ist ein Element, die beiden Handlungsstränge in Berührung zu bringen und die handelnden Figuren unter Druck zu setzen.
Mit dem Vater-Sohn-Konflikt hatte ich so meine Probleme. Obwohl der Autor diesen Strang von Beginn bis zum Ende als Krise durchzieht, erzeugt er kaum Spannung. Es ergibt sich in diesem Konflikt kein erkennbarer Erzählbogen, kein Auf-und Ab, keine Entwicklung. Die fehlende Kommunikationsfähigkeit ist ein erkennbares Element in diesem Konflikt. Die Vermittlung der Emotionen von Jato ist manches Mal wie ein Pik, der aus der gleichmäßigen Gerade, in der die Beziehungsschwierigkeiten von Jato und seinem Vater geschildert werden, herausschießt und dann wieder zurückfällt. Reaktionen darauf bleiben aus und werden bis kurz vorm Romanende auch unterdrückt. Erst dann kommt zu Tage, warum der Vater nicht mit dem Sohn kann oder umgekehrt. Im Übrigen ist der Anlass des Konflikts sehr harmlos. Die Figur Karamo bleibt bis zum Romanende eine unbekannte Größe.
Besser geriet die Darstellung des Deshan. Die Figur ist bodenständig, wenn man das so sagen kann. Denn schließlich glaubt auch er an Dämonen und ähnlichen Dingen. Aber er hat Familie und einen Job. Und er hat Courage und packt die Dinge an, die angepackt werden müssen. Mit dieser Figur nähern wir uns dem anderen Erzählstrang an, denn der Wächter Deshan verfolgt die plötzlich sichtbaren Dämonen, die niemand anderes sind, als Jato und sein Vater Karamo. Deshan wird mit dem Wahrheitsanspruch der Mythen konfrontiert, bzw. fängt er an, diese angeblichen Wahrheiten zu hinterfragen. Nicht so gut fand ich an diesem zweiten Erzählstrang die zeitweise Verdrängung der Figur Deshan durch dessen Freund Atubur. Deshan wird in die Rolle des beobachtenden Verfolgers gedrängt. Atubur selbst trägt zu wenig zur Geschichte bei und es war mir nicht ganz klar, warum der Autor diesen Schritt tat. Schließlich tauschen Atubur und Deshan wieder ihre Rollen.
Etwas in den Hintergrund geriet der Titel des Romans. Ich war gespannt, wie der Autor den Leser da heranführen würde. Die erste Erwähnung war dann etwas farblos. Ich erkenne die Absicht, nicht alleine die dunklen Kavernen zu verlassen und an die Oberfläche zu gehen unter einer Sonne, sondern auch dunkle Zeiten und Vorurteile hinter sich zu lassen. Aber diese Motive wurden nicht so herausgearbeitet, wie ich es mir wünschen würde. Allerdings ist es ein Fan-Roman und meine Erwartungen sind da sicherlich zu hoch.
Am Ende geht die etwas zu lang geratene Geschichte etwas unspektakulär zu Ende. Der Vater-Sohn-Konflikt war doch nicht so brisant. Von Deshan bekommt der Leser noch die ersten Ansätze einer Änderung der Gesellschaft im Untergrund mit. Mein Fazit: Der Vater-Sohn-Konflikt hätte etwas mehr Schärfe enthalten dürfen. Die Figur Atubur war gut geeignet, bestimmte Werte, wie Freundschaft etc. bei Deshan herauszustellen. Aber Deshan hätte nach der Gleiterszene an die Seite von Jato und Karamo gehört und nicht Atubur.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3123

Der Krieger und die Navakan – von Christian Montillon / Oliver Fröhlich
Anzu Gotjian und Bouner Haad sind im inneren FENERIKS. Der Chaoporter hat sie mit einem Transpositstrahl entführt, weil sie über Parafähigkeiten verfügen und damit als 6D-Kanoniere eingesetzt werden könnten. Doch Tondar, ein Cyborg, hat die beiden aus dem Transpositstrahl geangelt. Nun sind sie im öden Land oder wie Tondar es nennt, dem Apathengrund. Die drei so ungleichen Wesen sind in einem Gehöft der Navakan von den Parxen angegriffen worden. Bei der Verteidigung ist das Gehöft schwer beschädigt worden und die Navakan berufen eine Verhandlung ein, um über die Schuldfrage zu debattieren.
Krarek, ein insektoides Wesen, das für die Navakan als Sammler der Droge Saphna tätig ist, spricht sich für die Terranerin und den Haluter aus. Beide sollen helfen, weitere Mitglieder aus dem Volk von Krarek zu retten. Außerdem sollen sie einen Ernteroboter reparieren, mit dem Saphna geerntet wird. Die Reise durch das öde Land nutzt Tondar, um seinen neuen Gefährten darüber zu berichten, woher er stammt, und wie es ihn in den Saum des Chaoporters verschlagen hat.
 
Im zweiten Teil der Abenteuer von Anzu Gotjian und Bouner Haad steht vor allem Tondar im Mittelpunkt. Der Cyborg erzählt Abschnitte seiner Lebensgeschichte. Die beiden Autoren wählen für diese Passagen ihrer Geschichte die Erzählperspektive des Ich-Erzählers. Diese Form war in jeder Beziehung passend für die Figur Tondar. Ebenso wie die Gestaltung Tondars als tragikomischer Held. Dazu passte auch die Ausmalung des Handlungsortes. Die Bezeichnungen als ödes Land oder hergeleitet von den Navakan, Apathengrund, transportierten düstere und resignative Eindrücke. Zu den phantastischen Phänomenen und den grotesken Bewohnern im Saum des Chaoporters mixen die beiden Autoren aber auch nachvollziehbare Verhaltensweisen, wie beispielsweise die Rettung der Saphna-Sammler oder die Reparatur der Erntemaschine.
Die Autoren haben eine gute Balance gefunden und verlagern bekannte Handlungen an einen absonderlichen Ort. Die Geschichte enthält viele Wortspielereien, ohne dass der Text zu verspielt wirkt. Auch melancholische Züge sind zu finden, aber der Spaß beim Lesen kam jedenfalls nicht zu kurz und die Dosierung passte.
Ein gelungener Roman. Etwas fürs Kopfkino.
 

Ansichten zur Miniserie Wega Heft 08

Hort der Transformation – von Roman Schleifer
Nachdem Perry Rhodan und Gillian Wetherby die Truhe gefunden und an sich genommen haben, wie es ihnen ES auftrug, kehren sie ins Wegasystem zurück. Der Fiktivtransmitter speit sie im Weinkeller eines Ferronen aus. Der Händler, der zunächst befürchtet, zwei Einbrecher würden ihm den wertvollen Eiswein stehlen, erweist sich als Glücksbringer für den Unsterblichen und seine Begleiterin. Sie erfahren nicht nur, dass sie 14 Monate weg waren, während für sie nur 6 Tage vergangen sind. Sie werden durch den Ferronen auch über die aktuelle Lage informiert. Das System ist nach wie vor abgeriegelt und die Ferronen leiden unter der Schreckensherrschaft der Maccani. Krakatau, der den beiden Terranern dicht auf den Fersen war, verschlägt es auf einen anderen Planeten des Systems. Der Bastardprinz lässt sich ebenfalls über die aktuelle Lage informieren.
Der Weinhändler bringt Rhodan zudem in Kontakt zum Widerstand. Der ist gut organisiert, kann aber nur wenig bewirken. Zudem ist man sich uneins in der Wahl der Mittel. Zu Rhodans Team stößt Akeno Serif. Der Hochenergieingenieur ist Leidtragender einer unbarmherzigen Aktion der Invasoren und führt einen privaten Rachefeldzug gegen die Maccani.
Perry Rhodan will mit Hilfe des Widerstands mehr über die Motive der Maccani herausfinden. Mit einem neu formierten Team geht der Unsterbliche in den Einsatz und erreicht den Hort der Transformation. Hier erfährt Perry Rhodan Erstaunliches über den Gegner. Und die Maccani scheinen mächtige Partner zu haben.
 
Im achten Wega-Band tritt der nunmehr 7. Autor auf. Am Ende werden es 9 verschiedene Autorinnen und Autoren sein, die Beiträge zu dieser Miniserie beisteuern. Roman Schleifer hat bereits in der Stardust-Miniserie Romane geschrieben und auch in Terminus. Die Geschichte lässt sich auf zwei Sätze reduzieren. Die Maccani vollziehen einen Wandel von Robotern zu organischen Wesen und nicht etwa umgekehrt. Und Blaunakken, die als Cyborgs bekannt sind, mischen irgendwie mit. Das galaktische Rätsel spielt erneut keine Rolle. Hier muss der zwölfte Band abgewartet werden. Inhaltlich konzentriert sich Roman Schleifer auf eine Schilderung der Situation im Wegasystem 14 Monate nach der Invasion. Der Zeitsprung kam wenig überraschend. In einem der Vorgängerromane wurde die Siedlung der Maccani bereits in einem Ausmaß geschildert, die unmöglich in sechs Tagen zu erreichen war. Allerdings sind 14 Monate auch ein Zeitrahmen, der im Grunde genommen effektlos blieb. Rhodan hat schon öfters derartige Erfahrungen gemacht. Der Unsterbliche quittiert es daher weitgehend mit einem Schulterzucken. Gillian Wetherby hat gerade mal mehr als 3000 Jahre übersprungen. Auch für diese Figur ist es egal. Krakatau sieht es ähnlich. Für eine, wie auch immer geartete, Belastung für die handelnden Figuren, die man hätte schildern können, wurde der Zeitsprung jedenfalls nicht benötigt.
Die Methoden der Maccani wurden schon in den anderen Wega-Romanen geschildert. Wobei dort die Perspektive eine andere war. Roman Schleifer macht die Gräueltaten persönlicher, indem er mit Akeno Serif eine zivile Figur einsetzt. Der Ideenreichtum des Autors verhilft der Geschichte an der einen oder anderen Stelle zu einem ungewohnten Leseerlebnis. Allerdings ist die Geschichte weitgehend spannungsarm. Eben ein hinlänglich bekannter Invasionsplot. Und Rhodan verbündet sich mit dem Widerstand. Der „Hort der Transformation“ hätte sich als gute Idee erweisen können. Allerdings widmet der Autor gerade diesem Thema zu wenig von seiner Geschichte. Seine Figuren können die Wendung mit ihren Reaktionen auch nicht dramatisch an den Leser weitergeben. Am Ende treten bekannte Cyborgs in Erscheinung aber mehr als der Name dieser Spezies fällt nicht.
Der Roman ist gut recherchiert. Hier liegt sicherlich die Stärke des Autors. Der Figur Gillian Wetherby verleiht der Autor im Zusammenspiel mit Perry Rhodan die eine oder andere Eigenmächtigkeit. Das sollte wohl frech wirken. Tut es aber nicht immer. Krakatau ist abgemeldet. Akeno Serif ist sicherlich die Figur, mit der sich der Autor am meisten beschäftigt hat. Einiges an der Figur wirkt dennoch schablonenhaft auf mich. So wie Akeno Serif eine positronische Liste anlegt, um seine Rachepläne voranzutreiben, so sah es nach einer Liste an Punkten aus, die erfüllt sein müssen, ob eine Figur einen tragischen Verlust erleidet. Verlust einer nahestehenden Person. Haken dran. Am besten schwanger. Haken dran. Am meisten störte es mich jedoch, dass der Autor es versäumte, den Leser tiefer in den Verlust, den die Figur erleidet, hineinzuziehen. Die Lebensgefährtin hätte einen Auftritt „vor“ ihrem Tod verdient gehabt. Den Verlust, den Akeno Serif erleidet, muss gewissermaßen in Rückblenden ausgekleidet werden. Einschließlich der Schwangerschaft. Hätte der Autor dem Pärchen ein, zwei Seiten einer unbeschwerten Beziehung vorher gegönnt, wäre es dramatischer gewesen. In den Racheplänen wiederum spielt der Autor für diese Figur seinen Ideenreichtum aus.
Ein großes Manko der Geschichte kann Roman Schleifer allerdings trotz vieler Ideen nicht beheben. Der Plot der Geschichte sprach mich insgesamt nicht an, weckte keine Emotionen bei mir. Es kann sein, dass ich in Band 12 ein „Wow, was für eine geniale Idee“ ausstoße. Doch der Weg dorthin ist zäh.