Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3022

Bulls großes Spiel – von Michael Marcus Thurner
Während Perry Rhodan auf Iya unterwegs ist und hinter das Geheimnis dieser Welt kommen möchte, ist auch Reginald Bull nicht untätig. Der Resident tut alles, um von den Aktivitäten des Einsatzteams abzulenken. Sein Gegenspieler auf cairanischer Seite ist Gad Zunurudse, der Stellvertreter von Protokonsul Paiahudse Spepher. Dessen Lebensgefährtin Stambag Lehumun bittet um eine Akkreditierung, um an den Verhandlungen mit Reginald Bull teilnehmen zu können.
Die Gespräche ziehen sich bereits seit Tagen hin. Und scheinbar führt die Anwesenheit von Stambag Lehumun zu einer Forcierung. Beide Seiten wollen das bisherige Geplänkel beenden und einen Wettkampf ausfechten. Es geht nicht alleine um das alleinige Messen der Kräfte. Es soll auch um einen Einsatz gerungen werden. Die Cairaner wollen die RAS TSCHUBAI und garantieren im Gegenzug die Souveränität der LFG. Wer zuerst 3 Partien des cairanischen Strategiespiels Spedd gewonnen hat, ist Sieger. Reginald Bull lässt sich darauf ein. Allerdings trifft der Resident auch Vorbereitungen. Und er schickt ein besonderes Team in den Einsatz. Der Paldener Spinoza Godaby soll zusammen mit dem TARA-Psi das Daten-Archiv der Cairaner aufspüren und Informationen zu Herkunft und Absichten dieses Volkes herausfinden.
Während das Spiel läuft und Reginald Bull in Rückstand gerät, überschlagen sich die Ereignisse. Bulls Infiltrationsteam wird entdeckt, Protokonsul Paiahudse Spepher mischt sich ein und Perry Rhodan will zur THORA zurückkehren. Die Cairaner setzen Bull unter Druck. Nun geht es nicht mehr alleine um den Wetteinsatz. Nun ist Bull selbst bedroht.
 
In seinem Blog äußert sich Michael Marcus Thurner zu seinem Roman. Unter anderem schreibt der Autor, dass es für ihn lange her sei, Bull im Zentrum eines Romans schildern zu dürfen und er fragt sich, ob er es jemals so intensiv getan hat.
Intensiv war die Darstellung Bulls ganz sicherlich. Zu diesem Bild trug aber nicht die alleinige Präsenz des Protagonisten bei. Es war vor allem das unerschütterliche Selbstvertrauen, dass der Autor seinem Helden zugeschrieben hat und das Reginald Bull so nachdrücklich charakterisiert wie schon lange nicht mehr. Bully wie er leibt und lebt. Der Unsterbliche darf poltern und im Gegenzug seine enorme Lebenserfahrung ausspielen.
Eine andere, eher skurrile Figur im Roman von Michael Marcus Thurner ist der Terraabkömmling Spinoza Godaby. Der Mann vom Planet Palden hat sich kybernetisch aufbessern lassen. Er kann mit seinen Implantaten in Positroniken eindringen. Nichts Neues eigentlich. Solche Figuren gab es schon öfters. Doch der Name des Paldener ließ etwas klingeln bei mir. In den frühen Jahren des Solaren Imperiums gab es mal einen Experimentalrobot der Whistler-Company, der den Namen Spinoza trug. Die Namensgebung des Autors könnte Zufall sein. Allerdings wurde der Whistler-Roboter als menschenähnlich geschildert. Und einer der Gedanken in diesem Roman ist, wie „positronisch geprägt“ Spinoza Godaby bereits sei. Also eine Umkehr der Vorzeichen. Der Whistler-Roboter wirkte menschlich und der Paldener positronisch.
Zurück zu Reginald Bull. Der Roman des Österreichers zeigt viele interessante Facetten seines Protagonisten. Eine ist beispielsweise, dass Bull sich in regelmäßigen Abständen darauf prüft, ob der chaotarchisch geprägte Zellaktivator Einfluss auf ihn nimmt und ihn Dinge tun lässt, die nicht seinem Willen entsprechen. Alleine über Sinn und Unsinn dieser Selbstkontrolle ließe sich herrlich diskutieren. Immerhin ist das Ereignis, das Bull Sorge bereitet, bereits mehr als 5 Jahrhunderte her. Zeit loszulassen, möchte man meinen. Oder ist der Punkt noch nicht erreicht, ihn auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen? Und würde Bull es überhaupt bemerken? Auch ich habe in meinen Romanbetrachtungen die eine oder andere Überlegung angestellt, wie es um Bull bestellt sei. Und ob beispielsweise der geschilderte Status quo in der Milchstraße wirklich Bulls Wesen entspricht oder sich der älteste Freund Rhodans verändert hat?
Auf diese und andere Fragen findet der Autor eine beinahe schon universelle Antwort. Thurner schreibt, dass Bull der Verwalter der vergangenen Jahrhunderte gewesen sei. Und nun sorgt Perry Rhodan für die Bewegung. Am Ende zumindest dieser Geschichte ist es dann doch eine Entscheidung oder vielmehr ein Bluff Reginald Bulls, der für Bewegung sorgt. Ein Roman, der mir gefallen hat.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3021

Eyshus Geschenk – von Leo Lukas
Die Aussagen des Orakels Eyshu, hinter dem sich YLA verbirgt, setzen Perry Rhodan zu. YLA hat behauptet, dass dies die Erde sei. Nun relativiert sie ihre Aussage. Der Planet befremdet sie und sie vermisst NATHAN. Sie erinnert sich nur an wenig. Nach dem Jahr 1552 NGZ hat sie einige Upgrades erfahren. Dass inzwischen Jahrhunderte vergangen sind, überrascht sie. Und sie ist eine Gefangene oder wird manipuliert. Aber alle Versuche Rhodans, dieses Rätsel zu lösen, scheitern vorerst. Da Rhodan zusammen mit Todoyhu vorausgeflogen ist, um vor den Cairanern am Haus des Orakels zu sein, gerät er unter Druck. Denn die SHAYED mit dem Rest des Teams macht gute Fahrt und die Cairaner folgen dicht auf. Paiahudse Spepher wurde von der Shoijona fest versprochen, dass er zum Orakel darf.
Das Team sorgt daher mit einigen Tricks dafür, dass sich der Flug etwas verzögert. Damit bleibt dem Unsterblichen mehr Zeit. Schließlich aber treffen das Luftschiff und die Cairaner ein. Und Paiahudse Spepher darf das Orakel an der Seite von Todoyhu und Rhodan besuchen. Der Besuch läuft anders als erwartet. Die Ereignisse überschlagen sich und Perry Rhodan kann aufdecken, wer YLA beeinflusst. Und bekommt dafür ein Geschenk.
 
Was bleibt von diesem Roman in Erinnerung? In meiner letzten Rezension schrieb ich, dass einzelne Cairaner ziemlich gewöhnlich, beinahe schon langweilig wirken und das Fluidum des Geheimnisvollen bei diesem Fremdvolk ziemlich verloren gegangen ist. Nun merke ich, wie abhängig es ist, welcher Autor schreibt. Bei Leo Lukas wirken die Cairaner nochmals menschlicher. Wenn der Österreicher seine cairanischen Figuren mit so irdischen Ausdrücken wie „vermaledeit“ oder „ich trete dir in deinen kümmerlichen Hintern“ oder „ihr räumt das Feld“ auftreten lässt, geht jegliches Fremdartige verloren. Allerdings stört es mich bei Leo Lukas nicht. Der Autor hat eben seine bestimmte Art.
In Erinnerung geblieben ist mir, dass die Erinnerung nach den Thoogondu im vorherigen Zyklus immer noch eine große Rolle spielt. Auch YLA kann sich nicht erinnern. Dabei ist sie zusammen mit NATHAN 1614 NGZ geraubt worden. Der Posizid kam später.
In Erinnerung geblieben ist mir auch die merkwürdige Aufdeckung des geheimnisvollen Unbekannten, der YLA in Griff hält. Er kommt ins Straucheln als Rhodan seine Rückenflügel unbewusst schlägt. Eigentlich dachte ich, dies wäre ein Moment, an der sich derjenige an seine Ausbildung oder ein anderes prägende Ereignis in seinem Leben erinnert. Aber ich erinnere mich nicht, das im Roman gelesen zu haben. Andererseits schreibt Lukas in einer seiner Kapitelüberschriften, dass Lyrik oft schwer verständlich sei. Lassen wir es also.
In Erinnerung geblieben ist mir noch die Erinnerungslöschung bei den Ayees, die der harten Ausbildung nicht gewachsen waren. Deren eingeschränkte kognitive Fähigkeiten ließen danach immerhin noch eine Laufbahn als Unterhaltungsmusiker oder Lokalpolitiker zu.
Am Ende des Romans wandeln Perry Rhodan, YLA, Zemina Paath und zwei Ayees bei Mondlicht auf verschlungenem Pfad durch einen verwunschenen Wald und graben am Fuße eines Baumes ein Schatzkästchen aus, das ein Stück eines Thesanit-Gehirns enthält.
Nun bin ich froh, dass die Handlungsebene wechselt.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 3

Gefährlicher Pakt – von Dietmar Schmidt
Die SZ-2 ist unter Perry Rhodans Kommando in den Weltraum vorgestoßen. Der geheimnisvolle Statthalter von Evolux ließ das Schiff entkommen. Perry Rhodan möchte wissen, warum sich ein Repräsentant der Kosmokraten so sehr für ein einzelnes Schiff interessiert. Und natürlich möchte sich der Unsterbliche auf der die Suche nach dem Mittelteil der SOL machen. Und seinen Sohn. Die Geretteten aus dem Tal haben vieles im Sinn. Jedoch nicht die Suche nach dem fehlenden Teil des Riesenschiffs. Sie wollen einen Schlussstrich ziehen und sich um sich selbst kümmern. Rhodan hofft, sie umstimmen zu können. Obwohl die Daten des Schiffslogs gelöscht sind, findet er das private Tagebuch der Schiffskommandantin Fee Kellind. Als er es abspielt, geraten alle an Bord in den Bann ihrer Erzählung, die 183 Jahre zuvor, 1369 NGZ beginnt.
Es ist das Jahr, in der Kellind von Perry Rhodan den Auftrag bekam, bestimmte Koordinaten in Tare-Scharm anzufliegen. Als Expeditionsleiter geht Rhodans Sohn Roi Danton mit an Bord. Von Beginn der Reise an, die 30 Jahre dauern wird, sind sich Kellind und Danton über ihre Zusammenarbeit an Bord nicht einig. Kellind sieht sich der SOL verpflichtet, Danton der Mission. Als die SOL Tare-Scharm erreicht und in eine prekäre Situation gerät, eskaliert die Situation an Bord. Unter Druck werden von Kellind und Danton Entscheidungen abverlangt, deren Auswirklungen bin in die Gegenwart zu spüren sind.
 
Der Roman von Dietmar Schmidt beleuchtet die Ereignisse, die zum Langzeitflug der SOL führten und wie es in Tare-Scharm dazu kam, dass die SOL-Zellen auf Evolux blieben. Der Roman ist Figurenlastig, soll heißen, die Hauptfiguren, ihre Interaktionen und ihre Gefühlswelt stehen im Mittelpunkt. Actionszenen gibt es auch, sie bestimmen aber nicht die Handlung und ihren Fortgang. Neben der Chronik der ehemaligen Kommandantin der SOL flechtet der Autor noch eine Nebenhandlung in der Gegenwart von Perry Rhodan ein. Auch darin stehen die Personen im Vordergrund. Einerseits kümmert sich der Autor um eine bestimmte Figur und ihre Suche nach einem Platz im Gefüge der neuen Besatzung der SZ-2. Andererseits nutzt er die Geretteten aus dem Tal, um „Stimmung“ zu machen. Was ich damit meine, weiter unten.
Der Beginn der Chronik hat mich gefesselt. Weniger wegen den harten und dennoch mysteriösen Fakten, die zur Mission der SOL führten. Vielmehr war es ein Wiedersehen, bzw. Wiederlesen von bekannten Protagonisten und Schauplätzen der mächtigen Perry Rhodan-Historie, die bei mir wohlige Schauer auslösten. Ein dankbarer Hintergrund, den der Autor gut in Szene setzen kann. Dietmar Schmidt findet eine gute Balance. Einerseits werden Stammleser der Serie angefixt, wenn Dommrath aufgesucht, an Außenposten der Menschheit in Vilamesch ein Halt eingelegt wird, Algorrian in den Mittelpunkt gerückt werden oder CHEOS-TAI eine Rolle spielt. Andererseits lässt sich der Autor nicht dazu verleiten, Lexikoneinträge abzuspulen. Neuleser würde das sowieso nichts bringen, abgesehen davon, dass die Länge der Geschichte das gar nicht zulassen würde. Und Stammleser wollen auch was Neues lesen.
In diesen Aufbruch und den beginnenden Flug der SOL mischt sich auch etwas Melancholie. Zumindest ich empfand es so. Dietmar Schmidt lässt das Tagebuch von Fee Kellind abspielen. Insofern wird alles aus der Ich-Perspektive der Kommandantin erzählt. Und diese Protagonistin hat einiges erlebt und ein hohes Alter erreicht. Zunächst schwingt ein bisschen Wehmut mit, wenn sie berichtet. Beispielsweise in der Szene, als sie mit Porto an ihrer Seite das Schiff inspiziert. Und Kellind ist klar, dass sie nicht ewig Kommandantin der SOL sein kann. Mit Roi Danton bekommt sie einen Zellaktivatorträger vor die Nase gesetzt. Eigentlich kann sie damit umgehen, denn Danton ist beileibe nicht der erste Unsterbliche, der eine Expedition der SOL leitet. Doch Kellind hat von Anfang an mit den Vorschlägen von Rhodans Sohn zu kämpfen. Später fühlt sie sich gar hintergangen.
Da die Chronik aus der Ich-Perspektive von Fee Kellind erzählt wird, fehlen mir ein wenig die Reaktionen der Solaner. Die Außenwirkung von Kellinds Auftreten wird nämlich ebenfalls aus ihrer Perspektive geschildert. Es sind aber immerhin 10.000 Besatzungsmitgliedern, die sich mit dem Schiff identifizieren. Hier hätte ich mir die eine oder andere Reflektion von Kellinds Auftreten gewünscht. Porto hätte so eine Figur sein können, an der Kellinds Gefühlwelt hätte reflektiert und ihre Wirkung auf die Besatzung hätte gezeigt werden können. Doch für Porto hat der Autor einen anderen Weg gezeichnet. Dieses Ereignis lässt Kellind einsamer und verbitterter werden. Die Entwicklung der Handlung ist nun sehr stark von Kellind und ihren Wahrnehmungen geprägt. Kellinds Verbitterung lässt leider eine andere, objektivere Betrachtung ihrer Person nicht zu, bzw. will der Autor, da es ein Tagebuch ist, auch gar nicht eine andere Betrachtung dieser Figur zulassen. So bleibt ein Stück weit offen, wie Kellinds Entwicklung in der Besatzung wahrgenommen wurde. Zumindest bei jenen Ereignissen, bei der um die Führung des Schiffes gekämpft wurde. Später, als das „Hütchenspiel“ scheitert, sind die Reaktionen mancher Solaner deutlicher.
Ganz anders sieht es mit den Reaktionen der Geretteten auf der SZ-2 in der Gegenwart aus. Hier treten die Emotionen und Stellungnahmen auf das Tagebuch sehr deutlich zu Tage. Es sind sehr einfache und deutliche Gemütsbewegungen. Die Nachfahren der Kinder der Solaner fühlen sich im Stich gelassen. Das meinte ich, als ich oben schrieb, der Autor würde diese Emotionen als Stimmungsmache verwenden. Aber diese Reaktionen dienen dem Autor dann auch für ein starkes Motiv seiner Figuren, die Suche nach dem verschwundenen Mittelteil der SOL und der damals verschwundenen Besatzung aufzunehmen. So wie Rhodan seinen Sohn finden will, wollen die Nachfahren der Solaner Antworten finden.
Ein guter Roman, der Lust auf mehr macht.