Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3100

Sternenruf – von Christian Montillon / Wim Vandemaan
Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der cairanischen Epoche hat sich die Lage stabilisiert. Im Jahre 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung hat sich die Milchstraße neu geordnet. Das Tamanium gehört, ebenso wie die Liga und die akonische Räterepublik der Lemurischen Allianz an. Die Arkoniden haben die Kristallrepublik gegründet. Kristallkanzler ist Markul agh Fermi. In der Eastside hat sich die Herrlichkeit von Gatas gebildet. Ein Zusammenschluss der früher zerstrittenen Jülziish.
Ende Mai 2071 NGZ treten kurz hintereinander drei Ereignisse ein, die möglicherweise im Zusammenhang stehen. Resident Reginald Bull hat plötzlich Stimmen in seinem Kopf, auf dem Mars kommt es zu einem hyperenergetischen Phänomen, dem so genannten Mars-Impakt und im Tannhäusersystem tut sich eine Raumanomalie auf, die Kluft.
Perry Rhodan hält sich auf Terra auf, als er von Reginald Bulls Audition erfährt. Mediker untersuchen den Unsterblichen, können jedoch keine Veränderungen feststellen. Auch Iwán Mulholland erkennt nichts, was über Bulls eigene Gedankengänge hinausgeht. Gegenüber Perry Rhodan vertraut Bull an, der Ruf käme von den Sternen. Er hat einem Astrophysiker seine Eindrücke geschildert. Der Ruf kommt aus Richtung Andromeda.
Die aus der anderen Seite des Dyoversums stammende Anzu Gotjian tritt unterdessen ihre neue Stelle als Beraterin der Schiffskommandantin eines Explorerschiffs an. Die PINO GUNNYVEDA wird im Tannhäusersystem alsbald mit einer Raumanomalie konfrontiert. Anzu hat mit ihren Paragaben diese Anomalie schon vorher „sehen“ können. Die Kluft ist ein Loch im Weltall, in dem keine Sterne zu sehen sind. Die Kluft dehnt sich auf mehrere Kilometer aus. Sonden können darin eingeschränkt operieren. Perry Rhodan wird informiert. Verbindet man das Tannhäusersystem über eine Linie mit dem Solsystem und verlängert diese Linie, dann wird eine Satellitengalaxis von Andromeda erreicht. Andro-Eta, auch Cassiopeia genannt.
Im Solsystem kommt es zu einem weiteren Ereignis. Sichu Dorksteiger auf der RAS TSCHUBAI berichtet vom Mars-Impakt. Im Sirenenmeer des Mars sind fünf- und sechsdimensionale Impulse mit einer Zeitdauer von 129 Sekunden angemessen worden. Die RAS TSCHUBAI fliegt mit Perry Rhodan dorthin. Sonden entdecken in großer Tiefe ein tropfenförmiges Objekt, das langsam aufsteigt. Kontaktversuche scheitern. Als Gucky in die Nähe teleportiert, verschwindet das Objekt spurlos. Der Ilt berichtet von einer merkwürdigen telepathischen Wahrnehmung, die ihn an Pedotransferer erinnert.
Die PINO GUNNYVEDA ist indes in die Kluft eingeflogen und registriert ein Schiff, das sich schwer beschädigt aus den Tiefen der Anomalie nähert. Ein Stoßtrupp mit Anzu Gotjian geht an Bord des Wracks. Dort wird gekämpft. Das Schiff gehört Händlern aus Andromeda, die drei besondere Kunden befördern. Bei den Kunden handelt es sich um Deserteure des Chaoporters FENERIK. Die Deserteure haben mit Hilfe eines geheimnisvollen Aggregats die Kluft geschaffen und den Flug darüber in die Milchstraße bewerkstelligt. Ihr Ziel ist ein Resonanz-System in der Milchstraße, das auf die Havarie des Chaoporters reagiert hat. Das Ziel entpuppt sich als das Solsystem. Sie wollen dort um Asyl bitten. Doch sie werden verfolgt. Die Laichkangen bedrohen sie. Der Stoßtrupp verhilft den drei Deserteuren zur Flucht.
Die Deserteure werden ins Solsystem gebracht. Verhörspezialisten sollen ihre Geschichte prüfen. Am 8. Juni bricht Perry Rhodan mit der RAS TSCHUBAI nach Cassiopeia auf.
 
Zu Beginn des neuen Zyklus steht wieder mal ein Roman, der von zwei Autoren geschrieben wurde. Das ist in letzter Zeit häufiger der Fall gewesen. Warum macht man das? Früher war das wohl eher aus der Not geboren, weil ein Autor aus welchen Gründen auch immer, den begonnenen Roman nicht zu Ende schreiben konnte. Nun wird immer häufiger auf diese Zusammenarbeit zurückgegriffen. Zwei Autoren, d.h. auch zwei verschiedene Stile, zwei verschiedene Weisen eine Handlung voranzutreiben, zwei verschiedene Ideengeber, zwei verschiedene Ansichten zu den Inhalten der Geschichte usw. Vielleicht geht es den Machern darum, „für jeden Leser etwas“ zu bieten, wenn man den Roman von mehreren Autoren schreiben lässt. Das birgt natürlich auch die Gefahr der Gleichschaltung. Was bleibt von unterschiedlichen Autoren, wenn sie sich zusammenraufen müssen? Wer gewinnt, wer verliert?
Mir stellt sich gleich noch eine weitere Frage. Die Frage nämlich, ob man Jubiläumsbände noch bewerten kann? Oder sie bewerten darf? Doppel-Null-Romane sind Hybride. Einerseits eröffnen sie einen neuen Zyklus und damit eine neue, über 100 Romane (durch)gehende Geschichte. Andererseits sind sie Einstiegspunkte für neue Leser. Sie sollen Lesern, die der Serie schon länger folgen etwas Neues bieten. Und sie sollen Neulinge nicht abschrecken. Das über tausende von Romanen gewachsene Perry Rhodan-Universum stellt eine Herausforderung dar. Wie bewertet man Hybride? Ist es positiv, wenn sie es beiden Seiten Recht machen? Oder ist es negativ zu bewerten, eben weil sie es beiden Seiten Recht machen?
Nach der Lektüre kann ich sagen, dass dem Muster, einen Roman abzuliefern, der beiden Seiten gerecht wird, in diesem Jubiläumsband 3100 nicht gefolgt wird. Der Roman ist für Alt-Leser geschrieben. Die meisten notwendigen Erläuterungen beziehen sich auf den übersprungenen Zeitraum von 25 Jahren und den Veränderungen in der Milchstraße. Gefällt mir. Sorry, liebe Neu-Leser, da müsst ihr durch.
Zur Story selbst. Der Roman folgt den drei nahezu zeitgleich auftretenden Ereignissen mit unterschiedlicher Gewichtung. Dazwischen gibt es Einsprengsel. Sie dokumentieren eine Periode des Friedens und eine positive Zukunft. Inwieweit diese Einblicke unterschiedlicher Milchstraßenbewohner durch die Ereignisse dieses Romans bereits Makulatur sind, bleibt abzuwarten. Zu dem in Heft 2716 erwähnten „Projekt von San“ zumindest, wird es wohl auch in absehbarer Zeit nicht kommen. Und ob die abgespeckte Variante einer positiven Zukunft in der Zusammenarbeit der Milchstraßen-Völker auch Bedrohungen Stand hält, bleibt ebenfalls abzuwarten.
Auch in anderer Hinsicht folgt Band 3100 nicht bekannten Mustern. Es scheinen keine Figuren für längere Zeit geparkt zu sein. Alles was Rang und Namen hat, ist aktiv. Auch Reginald Bull. Letzte Woche kommentierte ich Bulls Entwicklung im vergangenen Zyklus und zeigte mich enttäuscht. Strafen mich die Exposé-Autoren nun Lügen? Ist der Resident durch den chaotarchisch geprägten ZA nun empfänglich für Botschaften der Chaosmächte? Auch das bleibt abzuwarten. Und meine Enttäuschung in der Figurenentwicklung bezog sich nicht alleine auf diesen Aspekt. Vielmehr sah ich den langen Zeitraum, den Bull ohne die meisten seiner alten Freunde durchlebte, als Kritikpunkt, bzw. was dies aus der Figur gemacht hat, bzw. eben nicht gemacht hat.
Weg von den Figuren, hin zur Handlung. Am Anfang entwickelte sich die Story für mich etwas holprig. Hoschpians Chroniken leiteten ein, die Flucht vom Chaoporter folgte, Bulls erste Wahrnehmung des Sternenrufs, gefolgt von Perry Rhodans Einführung, dann einer der „Positive-Zukunft-Einschübe“ und die Kluft. Sechs Blickwinkel auf sechs Romanseiten. Die schnellen Wechsel blieben noch einige Zeit erhalten und erschwerten etwas das Eintauchen in die Geschichte. Zur Romanhälfte wurde die Gewichtung geändert und außerdem die unterschiedlichen Elemente miteinander verknüpft. Die Ereignisse in der Kluft wurden länger beschrieben und bekamen mehr Action. Die Erkenntnisse aus den drei Ereignissen wurden von den Figuren kurz und bündig interpretiert, mit wissenschaftlichen Fakten unterlegt und mit politischem Segen in Aktionen umgesetzt. Sowas lese ich gerne, weil ich es immer mal wieder vermisst und deshalb gefordert habe. In dieser Konzentration war das beinahe schon unheimlich.
Bleibt noch die Antwort auf die Frage, wie ich das Zusammenspiel der beiden Autoren empfinde. In Band 3000 war das noch klar. Allerdings wurde da auch im Vorfeld verraten, wer welchen Part geschrieben hatte. Für diesen Roman kann ich nicht mit Sicherheit sagen, welche Handlung Montillon und welche Vandemaan verfasst haben. Christian Montillon würde ich eher auf die Beschreibungen in der Kluft verorten. Wim Vandemaan bei Szenen, in denen Perry Rhodan die Hauptrolle einnimmt. Nicht alleine wegen dem Hut, den der Held trägt. Unabhängig davon, ob ich das richtig sehe, stellt der Roman einen Kompromiss dar. Er bot gute Unterhaltung. Einen nur von Wim Vandemaan geschriebenen Roman würde ich dennoch den Vorzug geben.
Bleibt noch eine Merkwürdigkeit. Perry Rhodan bricht auf, bevor die geflohenen Besatzungsmitglieder des Chaoporters erschöpfend ausgefragt werden konnten. Oder wird das erst in die nächsten Romane als Rückblende eingeflochten? Ist aber auch typisch Perry Rhodan. Schon mal losfliegen und selbst Erkenntnisse sammeln. Man könnte auch sagen, es werden Informationen zurückgehalten, um die Spannung zu erhalten.
Ein solider Zyklusauftakt mit vielen interessanten Rätseln. Doch nun folgt der schwierige Part. Die Spannung bis 3199 aufrechtzuerhalten, den Faden nicht zu verlieren und die Story überzeugend zu einem Ende zu bringen.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3099

Die Kinder der Milchstraße – von Michael Marcus Thurner
In M13 ist die Situation eskaliert. Das Sternerad der Cairaner kann nicht mehr kontrolliert werden und wird bald in die Bleisphäre eintreten. Fluchtartig verlassen die Schiffe der Galaktiker über die Lichtschleusen das ausgediente Machtmittel der Cairaner. In dieser Lage trifft nun auch Reginald Bull am Ort des Geschehens ein und begibt sich an Bord der RAS TSCHUBAI. Dort ist man hilflos, angesichts der immer heftiger werdenden Wechselwirkungen zwischen Sternenrad und Bleisphäre. Opt-Atlan hat sich mit dem Supramentum gegen die Cairaner gewandt. Seine Schöpfer rufen die Galaktiker nun offen um Hilfe. Doch weder Markul agh Fermi noch Reginald Bull haben die Mittel zum Eingreifen. Wenn überhaupt, dann sind es Perry Rhodan, Gucky und Zemina Paath, die noch Einfluss nehmen können.
Die haben inzwischen den Golem erreicht, der kurz vorm Eintreten in die Bleisphäre steht. Das Schiff und seine Besatzung sind dabei, sich ständig zu verändern und zu etwas neuem zu transformieren. Nach seiner mnemo-mentalen Begegnung mit Mu Sargai erwacht Atlan aus seinem Schlaf und sieht sich Opt-Atlan gegenüber. Der Unsterbliche handelt sofort und greift sein Bioduplikat an. Der optimierte Atlan ist jedoch ein stärkerer Gegner als erwartet und Atlan flieht zunächst und versteckt sich an Bord des Golem. Zemina Paath versucht indessen Opt-TOIO, das Schiffsgehirn zu beeinflussen. Das gelingt nur teilweise. Perry Rhodan und Gucky müssen für Ablenkung sorgen. Zemina Paath ist zudem abgelenkt, denn sie spürt ihre Vertex-Schwester an Bord des Golems.
Jasmyne da Ariga hat inzwischen realisiert, dass Opt-Atlan Schwäche zeigt. Sie setzt sich mehr und mehr gegen den Initiator der Aktion durch. Ein Zeittorpedo soll in den Weißen Schirm gesteuert werden. Das Geschoss würde so an den Anfang des Universums geschleudert. Im Dilatationsflug soll der Torpedo in die Zukunft fliegen und die RAS TSCHUBAI im Moment ihres Erscheinens treffen. Damit soll Rhodan neutralisiert werden. Opt-Atlan zögert. Für ihn ist das Plan B. Doch Jasmyne da Ariga startet den Torpedo.
Zeitgleich hat Perry Rhodan eine starke Erinnerung, die sich in den Vordergrund drängt. Er erinnert sich der Begegnung mit Zemina und an die Zerstörungen an der RAS TSCHUBAI, als hätte sich etwas gewaltsam seinen Weg durch das Schiff gebahnt.
Opt-Atlan und da Ariga müssen akzeptieren, dass der Torpedo zwar sein Ziel nach Milliarden Jahren getroffen hat. Es ändert aber nichts daran, dass dieser Perry Rhodan sich an Bord des Schiffes befindet. Es kommt zum offenen Kampf zwischen Opt-Atlan und Perry Rhodan, in dem dann auch Atlan eingreift. Der Golem ist in die Bleisphäre eingetreten. Und auch das Sternenrad der Cairaner. Zemina Paath ergreift das Zepter. Sie schwingt sich zur Kommandantin des Supramentums auf. Sie ist die Kundschafterin, die den Golem in den anderen Zwilling des Universums führen soll und das Gebilde Emlophe gleich mit. Mit Hilfe des Paau transferiert sie die fehlenden Gehirnfragmente von Jasmyne da Ariga wieder in ihren Kopf. Und sie will auch mit Hilfe des Paau die Ritteraura von Atlan lösen. Letzteres misslingt zwar, aber der Golem kann bei der Operation einen Abglanz von Atlans Aura erfassen und in die mit Psi-Partikeln gespickte Hülle der Opt-THORA einspeisen.
Nun sind alle Voraussetzungen für den Transfer über die Zerozone in den anderen Zwilling gegeben. Mit dem Paau reisen Atlan, Perry Rhodan und Gucky zur RAS TSCHUBAI zurück. Auch der junge Aipu trägt nun seinen Teil zum Transfer bei. Mit dem Paau und dem Nashadaan verabschiedet er sich von seiner Mutter und fliegt zum Golem. Auch das Ewige Imperium unter Tormanac da Hozarius sieht nun seine Chance gekommen. Alle EPRIK-Raumer dringen in die Bleisphäre ein. Der Imperator hat eine letzte Botschaft an Perry Rhodan. Er sieht einen Schatten über der Milchstraße. Etwas, was dem Leben hier an die Substanz gehen könnte. Perry Rhodan erinnert sich an Gry O’Shannon, die davon sprach, einen Dunklen Glanz an der Milchstraße bemerkt zu haben. Am Ende sind Sternenrad und Golem verschwunden. Die Bleisphäre löst sich auf und die Arkon-Welten kommen zum Vorschein. Sie sind wohl in Stasis gefangen gewesen. Auf Arkon I geht wieder die Sonne auf.
 
Autor Michael Marcus Thurner beginnt seinen Roman mit Reginald Bull. Das ist einigermaßen überraschend. Spielt diese Figur doch im jetzt zu Ende gehenden Mythos-Zyklus nur eine kleine Rolle. Zur Präsentation von Band 3000 habe ich vor zwei Jahren an dem kleinen Jubiläums-Con in München teilgenommen. Und damals den Worten des Exposé-Autoren Wim Vandemaan gelauscht, der dem ewigen Zweiten der Serie in den Mittelpunkt stellte. Reginald Bull hat die 500 Jahre der cairanischen Epoche „mitgemacht“, sie erlebt. Perry Rhodan, Atlan, Gucky hingegen, sind gerademal zwei Jahre aktiv gewesen. Diese Zeit von 500 Jahren für Reginald Bull, so Wim Vandemaan, wird ihre Spuren hinterlassen. Und ganz am Anfang des Zyklus, als sich die Leser fragten, was denn nun mit Bully los sei, wurde das Thema Reginald Bull auch mal angerissen. Auch die Frage, ob er sich geändert haben könnte. Und als Leser fragte ich mich, was diese Figur in den 500 Jahren denn eigentlich so getrieben hat. Und dann, dann war plötzlich Schluss mit der Figur. Den Fragen, was die 500 Jahre aus Bull gemacht haben könnten, welchen Einfluss sein chaotarchisch geprägter ZA auf ihn nimmt, wie ihn die fehlende Familie, die nicht zurückkehrenden Freunde belastet haben. Das wurde plötzlich nicht mehr thematisiert. Und jetzt nimmt ihn Thurner in den Roman auf. Warum? Ich weiß es nicht. Bull passt nicht in diese Geschichte. Es ist wohl so, dass man sich seiner erinnert hat und wohl der „Vollständigkeit halber“ mit hereinnahm. Dann doch bitte besser verzichten. Seine Anwesenheit bewirkte nichts.
Die Opt-THORA nimmt nun, auf den letzten Metern, in ihrer Entwicklung auch an einer Fahrt auf, die man ebenso früher hätte ansetzen müssen. Ein Hybrid entsteht. Wie und warum bleibt weitgehend im Dunkel. Aber der Autor hat schon immer ein Faible für bedrohliche Atmosphären an Bord von Raumschiffen gehabt. Trotz aktiven Einschreitens sind die Figuren Perry Rhodan, Atlan und Gucky weitgehend machtlos. Für Perry und Atlan bleibt es bei ein paar wilden Prügeleien mit Opt-Atlan. Gucky ist als Spannungskiller mit dabei. Kann aber glücklicherweise auch nichts bewirken.
Zemina Paath, die 95% des Zyklus als die Frau mit dem „hautengen Anzug, der auch die Zehen umschloss“, abgemeldet war, ist nun die Nummer 1. Sie erkennt ihre Aufgabe und führt die Mitglieder der Vecuia ins gelobte Land. Vorher wird noch die Beschädigung der RAS TSCHUBAI in band 3000 geklärt. Letze Woche tat das Exposé-Team schon einen tiefen Griff in die Serienhistorie und beleuchtete Atlans Erlebnisse hinter den Materiequellen. Nun wird nochmals auf die Frühzeit der Serie referenziert. Vandemaans Lieblingskinder, die MDI, spielten Opt-Atlan die Idee zu, mit einem Zeittorpedo ein Zeitparadoxon herbeizuführen. Die Umsetzung ist, gelinde gesagt/ausgedrückt, hanebüchen. Apropos Lieblingskinder. Die Kinder der Milchstraße, das ist Zeminas Eindruck von Perry Rhodan und Atlan. Während die weiter spielen dürfen, setzt Zemina ihr Leben als Erwachsene im anderen Zweig des Dyoversums fort. Dafür den Titel des Romans zu wählen, wäre mir nicht in den Sinn gekommen.
Am Ende wird, wie so häufig, einiges entsorgt. Das ewige Imperium tritt ab, die Bleisphäre, eine Hinterlassenschaft aus dem Atopen-Zyklus löst sich geradezu in Wohlgefallen auf. Der Zyklus beinhaltete zwei starke Elemente. Das eine war der Mythos Erde, das inzwischen gelöst wurde. Das andere die avisierte Flucht der Cairaner in einen Raum ohne Hohe Mächte. Dieses Motiv ist nicht neu. Im weitesten Sinne hat Thoregon etwas Ähnliches verfolgt. Auch die Sayporaner haben mit dem Neuroversum einen Raum erschaffen, der sie vor den Hohen Mächten verbarg. Nun das Dyoversum, als Rückzugsort vor den Hohen Mächten. Mythos Erde gefiel mir. Auch wenn die Umsetzung zu Zyklus-Beginn arg holprig war. Von der Handlungsebene der Cairaner in der Milchstraße fühlte ich mich nur selten angesprochen, bzw. mitgenommen. Ich bin jetzt tatsächlich froh, dass der Zyklus vorbei ist. Das habe ich, soweit ich mich erinnere, noch nie zu einem Zyklusfinale formuliert.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3098

Letzte Rast bei Mu Sargai – von Leo Lukas
An Bord des Supramentums verfolgen Opt-Atlan und Jasmyne da Ariga das Ziel, Atlan von der Ritteraura zu befreien. Doch zunächst versucht da Ariga mit ihren besonderen Fähigkeiten Atlans Erinnerungen an die Zeit hervorzuholen, als sich der Unsterbliche hinter den Materiequellen aufgehalten hat. Sie holt Atlan aus der Suspension und dringt über eine SEMT-Verbindung in sein Gehirn ein. Zumindest versucht sie es. Sie erkennt Pforten, die ihr verschlossen sind und klopft gewissermaßen an.
Außerhalb der THORA, genauer gesagt, außerhalb des Duplikats der THORA entwickelt sich die Lage dramatisch. Das Sternenrad driftet in Richtung der Bleisphäre und die Cairaner können ihr Machtinstrument nicht wieder unter Kontrolle bringen. Perry Rhodan verfolgt den Plan, mit Hilfe von Gucky und von Zemina Paath ins Supramentum vorzustoßen und den originalen Atlan zu retten. Das aufgerüstete Schiff Opt-Atlans setzt ihm jedoch mehr Widerstand entgegen, als ihm lieb sein kann.
Der originale Atlan kämpft inzwischen mit seinen Erinnerungen. Er findet sich in einer surrealen Umgebung wieder. Was er nicht weiß, die Bemühungen Jasmyne da Arigas, in seinen Geist einzudringen, hat zusammen mit anderen Effekten eine Erinnerung, ein Holofrakt der Kosmokratin Mu Sargai, aktiviert. Atlan kann mit den verschiedenen Erscheinungen der Kosmokratin kommunizieren. Dabei erfährt der Unsterbliche, warum er keine Erinnerungen an seinen Aufenthalt hinter den Materiequellen hat, wer dafür verantwortlich ist und wie Mu Sargai die cairanischen Aktivitäten beurteilt. Außerdem stellt sich Atlan der Situation, ob er seine Ritteraura weiter tragen möchte.
 
Meine Leseeindrücke auf den ersten Seiten des vorletzten Romans des Zyklus waren zweigeteilt. Einerseits gefiel mir der Auftakt. Autor Leo Lukas lässt das Bioduplikat von Atlan auf das Original blicken und mich als Leser an den Gedanken von Opt-Atlan teilhaben. Sprache und Stil ließen mich in die Geschichte eintauchen. Der Autor riss eine interessante Story an. Die Ritter der Tiefe, ihre Aura, Atlans Aufenthalt hinter den Materiequellen und die Erkenntnisse zu diesem Thema. Synchronie, Pensor und andere Begriffe versprachen einen kosmischen Touch der zu erzählenden Geschichte.
Doch nach diesem verheißungsvollen Auftakt verlief der Roman zunächst ganz anders. Und nicht unbedingt besser. Der Autor begann damit, bei einem wenig plausiblen Plan Perry Rhodans, andere Begrifflichkeiten des Zyklus in den leeren Raum zu werfen, um sie lang und breit zu erklären. Wir erfahren die technischen Daten eines Kampfroboters ebenso wie die Daten der Bleisphäre, wie Thermokanonen funktionieren und einiges mehr. Waren die Szenen aus der Vergangenheit, die Atlans Ritteraura in den Fokus der Erzählung rückten, gewissermaßen das Salz in der Suppe, verdarben die anderen stereotypen Banalitäten den Genuss der Speise.
Atlans Abenteuer, genauer die Suche in seinen Erinnerungen, waren intensiver. Starke Bilder wechselten sich ab mit Szenen, die in Erinnerung bleiben werden und Einblicke in kosmische Zusammenhänge boten.
Dann wieder die Perry Rhodan-Ebene. Auch hier wurde es nun kosmisch, aber nicht besser. Weitere Elemente des Zyklus werden hervorgezerrt. Das hat man nun davon, wenn man einen Zyklus in den letzten zwei Heften beenden will. Zu vieles, was nicht abgeschlossen wurde und nun erwähnt werden muss, weil sonst der Leser danach fragt. Die Rhodan-Ebene verlangte nach Dramatik. Und Leo Lukas gab sie ihr. HATH’HATHANG ging zur Neige, ein endgültiges Verlöschen, verblassen, verwehen. Ein unkontrollierter Sturz des Sternenrads, ein Vergehen der Bleisphäre, ein verheeren von M13. Die Uhr tickte. Unaufhaltsam. Die Zeit drängte. Das alles auf einer Seite des Romans. Ent-dimensionieren, ent-realisieren. Schauderhaft in dieser Fülle.
Ich tat etwas, was ich sonst nie tue. Ich übersprang die Rhodan-Handlung. Las nur die letzten Zeilen davon und bin absolut davon überzeugt, nichts verpasst zu haben. Der Rhodan-Strang war unlesbar. So ziemlich das Schlechteste, was Leo Lukas je geschrieben hat. Sprechen wir nicht mehr davon.
Die Atlan-Ebene war Lichtjahre besser. Sie thematisierte nicht einfach nur den kosmischen Überbau der Serie, sie lud dazu ein, das Geschriebene mit Genuss zu verfolgen, weil die Geschichte auch Charme und Witz hatte. Diesen Part kann man auch nochmal ein zweites Mal lesen.