Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3127

Mondmörder – von Kai Hirdt
Auf Luna hat Jean Lessing, Inspektor der Luna City Police, gerade mal wieder die Handschellen klicken lassen, als ihn ein neuer Auftrag ereilt. Ustus Ezoge, ein kleiner Gauner, der sich im Ylatorium auf dem Mond aufhielt, ist in ein Verbrechen verwickelt worden. Lessings Chef Debelius ist wenig begeistert, dass sich sein Inspektor den Fall schnappt. Denn Ustus’ Vater, der Industrielle Riemal Ezoge, fördert Debelius’ politische Laufbahn. Und Jean Lessing ist der Meinung, dass Riemal hinter Gitter gehört. Ihm fehlen bloß die Beweise. Der Fall beginnt jedoch anders, als es sich Lessing vorgestellt hat. Denn Ustus Ezoge hat kein Verbrechen begangen. Er ist selbst Opfer einer Gewalttat geworden.
Im Khasurn, dem auffälligsten Gebäude im Ylatorium, in dem auch Menschen leben, meist Aussteiger, beginnt Lessing mit seinen Ermittlungen. Seine Untersuchungen führen ihn auch zu den Ylanten. NATHANS Kinder, inzwischen 12 Millionen, führen ein merkwürdiges Eigenleben. Ustus Ezoge wurde verprügelt und liegt mit Knochenbrüchen auf der Medostation. Der Ganove behauptet, dass ein Ylant ihn zusammengeschlagen hat. Lessing kann das Gehörte kaum glauben, denn NATHANS Kinder sind seit Jahrhunderten nicht durch Gewalt in Erscheinung getreten. Lessing trifft auf Alshock, einem Ylant, auf Marisa Thenaki, eine Expertin für Ylanten und auf Bruno Cappa, einem Stresstrainer, der mit den Ylanten arbeitet.
Der Inspektor der Mondpolizei hat es nicht einfach, in den widersprüchlichen Aussagen und offensichtlichen Lügen, die Wahrheit über den seltsamen Vorfall herauszufinden. Offensichtlich mischt noch eine unbekannte Partei mit. Und NATHANS Kinder geraten unter Verdacht.
 
Gleich am Anfang der Geschichte rückt Autor Kai Hirdt seinen Protagonisten Jean Lessing auch bildlich in Szene. Der Inspektor, der ein Faible für frühe literarische Ermittler wie Sherlock Holmes und Hercule Poirot entwickelt hat, wird hochgewachsen wie Holmes geschildert und zu Ehren von Poirot trägt er einen Schnurrbart und das Haar glatt pomadiert. Trotz dieser Beschreibung drängte sich mir ein anderes Bild der Figur auf. Die des Detective „Joe“ Miller aus The Expanse. Und mit diesem Bild im Kopf „wanderte“ ich durch den Roman. Das ist nichts, worauf der Autor Einfluss nehmen kann. Es passiert einfach und es war auch kein Nachteil. Für mich war es ein Vergnügen.
Jean Lessing hat es eigentlich auf Riemal Ezoge abgesehen. Der hat seiner Meinung nach Dreck am Stecken. Dessen missratener Sohn tritt ebenfalls immer wieder mit Gaunereien in Erscheinung. Doch nie reichte es auch hier für das Gefängnis weil Beweismittel verschwanden. Entsprechend motiviert stürzt sich Lessing auf den Fall, als seine Suchroutinen mal wieder den Namen Ustus Ezoge auswerfen. Nur diesmal als Opfer. Lessing entpuppt sich in der ganzen Geschichte als die einzige „verlässliche“ Figur. Alle anderen haben irgendetwas zu verbergen, handeln nicht immer moralisch einwandfrei, sind drogenabhängig, aus zerrütteten Verhältnissen, psychisch angeschlagen, fehl programmiert oder ähnliches. Zwischenzeitlich ist Lessing gar auf die Hilfe seines Erzfeindes Riemal Ezoge angewiesen. Am Ende zeigt sich auch das Mondgehirn nicht einwandfrei moralisch handelnd.
Es ist eine gut ausgetüftelte Kriminalgeschichte, die Kai Hirdt hier geschrieben hat. Zu meiner Freude folgt sie Asimovs Definition von Science Fiction. Obwohl sie alle klassischen Zutaten einer Kriminalgeschichte hat, ist sie auch Science Fiction. Und sie ist auch Perry Rhodan. Und sie ist ein Beleg dafür, wie vielfältig die Serie sein kann. Obwohl die Kastellane erwähnt werden und in der Sache auch mitmischten, war es richtig, diese Gruppierung in diesem Roman nicht im Vordergrund der Handlung mitwirken zu lassen. Die Geschichte profitierte meiner Meinung nach davon, die Kastellane im Hintergrund zu halten. Das verstärkte die Wirkung des Romans.
Zu Perry Rhodan-Heft 3114 „Das Chaos auf Ariel“ von Leo Lukas merkte ich vor einigen Monaten an, dass es mal schön wäre, wenn nicht der überrepräsentierte TLD mit Agenten „vor Ort“ die Dinge regeln würde. Es tat gut, mal andere Exekutivorgane der Menschheit im Einsatz zu erleben. Wobei Debelius kein ruhmreicher Vertreter seiner Art war und sich mir beim Lesen immer ein „i“ für das zweite „e“ eingeschlichen hat.
Insgesamt eine Geschichte mit viel Finesse und lebendigen Charakteren. Hat mir sehr gut gefallen.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3126

Der unsichtbare Dritte – von Kai Hirdt
In der Milchstraße werden im Juni 2071 NGZ immer mehr Kastellane aktiv. Die Absichten dieser aus sieben Mitgliedern bestehenden Eingreiftruppe der Superintelligenz ES sind unklar. Das Solsystem hat sich in den TERRANOVA-Schirm gehüllt. Auf der Erde ist der Kastellan Alschoran im Gewahrsam der Regierung der Liga. Der mutmaßliche Anführer der sieben Unsterblichen ist ein Ase. Was genau diese Zugehörigkeit aussagt, liegt im Dunkel. Außerhalb des Solsystems schmieden zwei Kastellane Pläne, wie sie in das abgeschottete System gelangen können. Der eine ist der Calurier Kokuloón. Die andere ist Etter. Die Kastellanin hat zwei Köpfe, die sich einen Körper teilen. Ioniv Etter ist die Strategin und entscheidet, was getan wird, Vinoi Etter ist die Taktikerin, die sich um das Wie kümmert. Etter bestimmt den Plan und Kokuloón fügt sich zunächst. Das Eindringen der beiden Sextadim-Kapseln via Huckepack in einem Raumschiff durch eine Schleuse des Schirms wird jedoch entdeckt. Die beiden Kastellane hängen zunächst außerhalb des Solsystems fest. Sie sind in Sorge, denn sie wissen von der chaotarchischen Prägung des Zellaktivators von Bull. Zwar haben sie keine Beweise für eine fremde Einflussnahme, dennoch wollen sie erreichen, dass der Resident abgelöst wird.
Unterstützung bekommen die beiden Kastellane durch Alschoran. Der Pedotransferer kann sein Bewusstsein unbemerkt auf die Historikerin Madée Azham übertragen und zu einem terranischen Schiff schicken, in dessen Hangar die beiden Sextadim-Kapseln der Kastellane inzwischen eingeschleust sind. Die Terraner denken jedoch, es nur mit der neuen Kastellanin Etter zu tun zu haben. Kokuloón bleibt mitsamt seinem Schiff unsichtbar. Bull genehmigt schließlich den Einflug von Etter aber unter seinen Bedingungen. Dem wollen sich die Kastellane aber nicht beugen. Es entwickelt sich ein Verwirrspiel, im dem Madée Azham über sich hinauswächst. Auch Nazanin Gebru, die Leiterin des Kook auf dem Merkur, von dem der TERRANOVA-Schirm gesteuert wird, muss in die Geschehnisse eingreifen. Erreichen die Kastellane ihr Ziel?
 
Der unsichtbare Dritte ist wohl eine Anspielung auf den Thriller von Alfred Hitchcock, der im Original North by Northwest heißt und eine Agentengeschichte ist, die mit einer Verwechslung beginnt. Kai Hirdts Geschichte zielt stattdessen auf einen unsichtbaren Kastellan ab. Zumindest muss es für die Terraner so aussehen. Tatsächlich sind es zwei unsichtbare Dritte, denn es sind vier Kastellane, die den Weg ins Solsystem suchen.
In Heft 3112 hat Autorin Michelle Stern die Lebensgeschichte von Kokuloón erzählt. Daraus und aus dem Auftreten gegenüber den Glasfischern, hatte ich von der Figur einen Eindruck abgespeichert. Dieser Eindruck wird durch die Darstellung der Figur von Kai Hirdt ein Stück weit zerstört. Kokuloón bleibt in der Geschichte von Kai Hirdt unsichtbar für die Terraner, aber nicht für den Leser. Der Kastellan ist nicht gerade ein Freund von Etter, da er die Grenzen, die sie sich setzt, nicht akzeptiert. In der Folge schildert der Autor zwar kein Zerwürfnis zwischen den beiden Kastellanen, aber sie sind sich über die Vorgehensweise nicht immer einig. Überraschend für mich steht Kokuloón für die harte Tour. So hatte ich die Figur aus Michelle Sterns Roman nicht in Erinnerung.
Die Thematik einer Eingreiftruppe von ES spricht mich nicht so sehr an wie das Geschehen in Cassiopeia. Das liegt auch daran, weil in der Milchstraßenebene wieder jene PR-typischen Elemente herangezogen werden, ohne die, so glauben zumindest die Autoren, eine spannende Geschichte nicht geschrieben werden könnte. Also gibt’s mal wieder eine Invasion des Solsystems. Ja, ja, ich weiß, die Kastellane sind schon ein wenig anders. Aber das Eindringen mit überlegenen Schiffen, die Planung eines Regierungsumsturzes, die ganze Heimlichtuerei, und der Anspruch, einem ganzen Sternenreich zu sagen, wo es langgehen soll, sprechen eben eine anders Sprache. Und damit das Vorhaben der Kastellane auch funktioniert, werden wesentliche Faktoren erstmal ausgeblendet. Als da sind, Beweise für die angebliche Einflussnahme Bulls zu präsentieren. Die geschilderten Abläufe der letzten Jahrhunderte legen einen solchen Verdacht auch gar nicht nahe. Sogar dann nicht, wenn man die Rufe mit berücksichtigt, die Bull vom Chaoporter erhält. Apropos Bull. Bei der Schilderung des Residenten, wie in diesem Roman, muss man sich eher fragen, ob die chaotarchische Prägung zu einer Verdummung führt. Der Unsterbliche kommt in diesem Roman schlecht weg. Sehr schlecht weg sogar.
Ich habe die Hoffnung, dass der Invasionsplot bald eine andere Richtung erfährt und sich schnell eine Zusammenarbeit zwischen der Eingreiftruppe von ES und der Menschheit ergibt. Die aktuelle Konstellation, dass nämlich die Kastellane keine Ahnung haben, aber aufgrund ihres Status schon mal die Keule von oben herab schwingen, ist extremst ausgelutscht. Die Kastellane werden nicht als homogene Truppe geschildert. Ein typisches Merkmal terranischer Invasionsgegner war in der Vergangenheit der blinde Gehorsam, der die Invasoren von der Führung bis zum Fußsoldaten auszeichnete. Selbst ganze Völker, siehe Onryonen, hatten nicht die geringsten Zweifel an ihrem Tun. Die Mitglieder der Eingreiftruppe von ES haben jedoch alle ihren eigenen Kopf. Manchmal sogar deren zwei. Das verspricht etwas Abwechslung, auch wenn sie wohl im Zweifelsfall noch zusammenstehen werden.
Die Geschichte enthielt viele kleine Anekdoten. Der hereingelegte Reporter war eine witzige Einlage. Die beabsichtigte Suche der Historikerin nach dem ersten terranischen Stützpunkt im Wegasystem betont die unglaubliche Laufzeit der Serie, bzw. die verstrichene Zeit in der Serie. Historiker und Archäologen begeben sich inzwischen auf die Suche nach den ersten Spuren Perry Rhodans. Das wäre doch mal eine geniale Idee für ein Spin-Off der Serie. Eine Archäologin begibt sich auf die Suche nach Artefakten oder früheren Wirkungsstätten Perry Rhodans.
Kai Hirdts Geschichte ist sehr trickreich. Mal hat eine Partei die Nase vorn, mal die andere. Allerdings wurde auch schnell klar, dass sich am Ende die Kastellane zunächst durchsetzen werden. Der Roman hat mir zugesagt. Die Thematik der Kastellane, ich schrieb es oben, nicht.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3125

Ein Hauch von Vitalenergie – von Uwe Anton
Am 20.Juli 2071 NGZ erreicht die KE-wohlfeil das Molatvosystem in Cassiopeia. Um zunächst nicht zu sehr aufzufallen, hat der Paddler Kemur sein Schiff zu Verfügung gestellt und die BJO BREISKOLL hat es in der Nähe des Systems abgesetzt. Mit an Bord der kleinen Unternehmung sind neben Perry Rhodan noch Gucky und der Tefroder Dehodhat Opyas. Letzterer ist eine Tarnidentität von Vetris-Molaud, der die Expedition der RAS TSCHUBAI mitmacht. Nur Rhodan, Gucky und einige Eingeweihte der Schiffsführung wissen davon.
Mit Genehmigung des Stadtkommandanten Awozar Ombash der Hauptstadt Stinner dürfen sie auf dem Planeten Savevo landen. Perry Rhodan will den Leichnam von Lyu-Lemolat an Lousha Hatmoon übergeben und zudem das Geheimnis um das Amulett lüften, dem ein Hauch von Vitalenergie anhaftet. Obwohl Rhodan und Vetris-Molaud in Tarnidentitäten auftreten, vermutet der Kommandant der Agentur für die Stabilität Karahols sofort andere hinter seinen Besuchern. Die beiden Unsterblichen geben sich gegenüber Sparan Trov zu erkennen. Perry Rhodan wird von der Stellvertreterin des ASK-Kommandanten empfangen. Lousha Hatmoon erscheint zunächst als unnahbare Frau. Perry Rhodan erfährt jetzt hier, dass Lyu-Lemolat einen Sohn hatte, der bei Lousha Hatmoon lebt.
Vetris-Molaud erhält ebenfalls eine Einladung von Lousha Hatmoon und erkennt in ihr Ousha Rikmoon, die er 1638 NGZ bei seiner Reise nach Andromeda kennenlernte. Er fragt Lousha Hatmoon in der Gegenwart von Rhodan, ob sie Soynte Abil sei, der erste Faktor VII der MDI. Lousha Hatmoon weicht der Beantwortung aus.
Perry Rhodan und Vetris-Molaud haben noch aus einem weiteren Grund Kontakt zum ASK aufgenommen. Sie suchen Unterstützung gegen FENERIK. Doch die Aktivitäten eines weiteren Agenten des ASK, Pas-Okkalor, gefährden diese Pläne.
 
Ich lasse mich gerne überraschen und alle bisherigen Romane des Zyklus taten dies in Bezug auf Handlungsorte, eingesetzte Figuren, Themen, Fremdvölkern usw. Diesem Roman habe ich mit einer gewissen Neugierde und Spannung entgegengesehen. Speziell für die Thematik dieser Geschichte wurden schon vor langer Zeit Appetithäppchen gestreut. In 3058 wurde Vetris-Molauds gescheiterte Andromeda-Expedition aufgearbeitet. Der Unsterbliche sollte, wenn er Ousha Rikmoon wieder treffen wollte, nach Soynte Abil fragen. 433 Jahre später tut dies Vetris-Molaud nun. Eine Antwort darauf, ob Lousha Hatmoon tatsächlich eine MDI ist und damit ca. dreiundzwanzigtausend Jahre alt wäre, erhalten die beiden Galaktiker nicht. Am Romanende zeichnet sich gar ab, dass Rhodans und Vetris-Molauds Intermezzo mit Lousha Hatmoon schon wieder vorbei ist. Das war mir tatsächlich etwas zu wenig Stoff.
Apropos Stoff. Ganz so ereignisarm war die Geschichte, die Uwe Anton erzählt, nicht. Das Geschehen wurde von einem größenwahnsinnigen aber kleinwüchsigen Agenten des ASK durcheinandergewirbelt. Pas-Okkalor sah in Lousha Hatmoon die eigentliche Machtfigur des ASK auf Savevo. Sparan Trov war nur eine Marionette. Pas-Okkalor kommt dahinter, wer die Besucher sind. Und er enttarnt Gucky. Mit diesen Informationen und einer (un)gesunden Portion an Selbstvertrauen will der kleine Mann die Karriereleiter hochklettern. Dieser Part des Romans diente natürlich dem Zweck, die Katze der Identität von Lousha Hatmoon nicht zu früh aus dem Sack zu lassen. Da dies aber eh nicht geschah, entwickelte sich der Showdown im Park eher zu einem notwendigen Übel des Romans, der abgearbeitet werden musste.
Besonders häufig schildert Uwe Anton die Innenansichten von Perry Rhodan und dessen Überlegungen zu den Geschehnissen. Das geschah so häufig, dass der berühmte „Sofortumschalter“ einige Male eher einem Tagträumer glich. Nicht alle Gedankengänge, die Uwe Anton seinem Protagonisten verpasste, konnte ich in der jeweiligen Situation nachvollziehen. Die Figur schien manches Mal weit weg mit ihren Gedanken. Oder war es der Autor?
Ein etwas merkwürdiger Roman.