Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3124

Wo die Äonenuhren schlagen – von Oliver Fröhlich
Die beiden von der RAS TSCHUBAI entführten Besatzungsmitglieder sitzen noch immer im Chaoporter fest. Bei Anzu Gotjian setzt ein Schub erneut ihre Parakräfte frei. Sie kann einen der Parxen sehen. Es ist ein hochrangiger Vertreter, ein Verfahrensdenker. Er heißt Etrex Baibur und hat eine Waffe angefordert, um endlich die beiden Parabegabten, die von Tondar aus dem Transpositstrahl geangelt wurden, einzufangen.
Anzu Gotjian und der Haluter Bouner Haad haben zusammen mit Tondar in den Navakan inzwischen Verbündete gefunden. Die Beobachtung von Anzu wird diskutiert. Zunächst gilt es, den Aufenthaltsort von Etrex Baibur herauszufinden. Dies gelingt und man erfährt auch etwas über die Waffe, die sich äußerlich als große Rüstung präsentiert. Bouner Haad startet einen Alleingang, um den Feind zu überraschen und die Rüstung zu zerstören. Er scheitert und muss sich zurückziehen.
Die Navakan schlagen als sicheren Rückzugsort eine Äonenuhr vor. Sie vermuten, dass es sich bei der Rüstung um ein Chaofaktum handelt. Um mehr darüber zu erfahren, müssen die Wissensspeicher der Äonenuhr abgefragt werden. Die Informationen besagen, dass der Feind eine Sextadim-Zange zum Einsatz bringt. Damit werden, ähnlich dem Transpositstrahl, Parabegabte eingefangen. In Anzu Gotjian und Bouner Haad reift ein Plan, wie sie FENERIK verlassen und zurück zur RAS TSCHUBAI gelangen können.
 
Abschluss der „Angler-Trilogie“ durch Oliver Fröhlich. Wir erfahren etwas über eines der letzten Daseinsgründe des Chaoporters. Was das „letzte“ bedeuten soll, muss noch geklärt werden. Doch hauptsächlich widmet sich der Autor in seiner Geschichte zweien seiner Figuren. Eine ist Anzu Gotjian. Deren Fähigkeit, bei „passender“ Gelegenheit etwas zu „sehen“, was in der jeweiligen Situation hilft, machte mir bisher eine Bewertung dieser Figur schwer. Die Transmitterspezialistin aus der anderen Seite des Dyoversums ist mir vor allem in Erinnerung, als sie im Einsatz starb und von Iwán/Iwa Mulholland auf einer Schmerzensteleportation zunächst zurückgelassen wurde, um sie später zu retten. Mit ihrer Fähigkeit steht die Figur immer kurz davor, als „Deus ex machina“ den Spannungsbogen zu zerstören. Oliver Fröhlich findet nun eine Erklärung für ihre Paragabe. Keine gute oder sehr gute aber mit der Begründung kann man leben. Außerdem wird die Figur ein wenig vorangebracht, was die Steuerung ihrer Fähigkeit angeht. Die Charakterzeichnung bleibt ein wenig auf der Strecke. Das lag aber wohl am betont lockeren Stil des Romans. Obwohl im Chaoporter spielend, wird die Bedrohungslage mit viel Wortwitz heruntergespielt. Die im Roman aufgebaute Atmosphäre passte nicht so recht dazu, der Mutantin auch ernstere Seiten anzuschreiben oder ihre Wesenszüge besser herauszuarbeiten. Da muss in späteren Romanen noch was folgen.
Die andere Figur, die der Autor noch herausstellt, ist erneut Tondar. Hier schlägt der Autor einen großen Bogen zurück zu den Geschichten dieser Figur, ihrer Herkunft und ihrem Lebensweg. Der wird überraschend aber auch anschaulich und überzeugend mit den Navakan verknüpft. Eine schöne Idee, wie ich fand.
Der Ausflug in den Chaoporter hat mir gefallen, auch wenn im letzten Heft die Wortspielereien das eine oder andere mal etwas abgedroschen wirkten. Nun geht es nächste Woche wohl mit den zwischenzeitlichen Erlebnissen Perry Rhodans weiter, der den Geheimdienst der Tefroder in Cassiopeia besuchte.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3123

Der Krieger und die Navakan – von Christian Montillon / Oliver Fröhlich
Anzu Gotjian und Bouner Haad sind im inneren FENERIKS. Der Chaoporter hat sie mit einem Transpositstrahl entführt, weil sie über Parafähigkeiten verfügen und damit als 6D-Kanoniere eingesetzt werden könnten. Doch Tondar, ein Cyborg, hat die beiden aus dem Transpositstrahl geangelt. Nun sind sie im öden Land oder wie Tondar es nennt, dem Apathengrund. Die drei so ungleichen Wesen sind in einem Gehöft der Navakan von den Parxen angegriffen worden. Bei der Verteidigung ist das Gehöft schwer beschädigt worden und die Navakan berufen eine Verhandlung ein, um über die Schuldfrage zu debattieren.
Krarek, ein insektoides Wesen, das für die Navakan als Sammler der Droge Saphna tätig ist, spricht sich für die Terranerin und den Haluter aus. Beide sollen helfen, weitere Mitglieder aus dem Volk von Krarek zu retten. Außerdem sollen sie einen Ernteroboter reparieren, mit dem Saphna geerntet wird. Die Reise durch das öde Land nutzt Tondar, um seinen neuen Gefährten darüber zu berichten, woher er stammt, und wie es ihn in den Saum des Chaoporters verschlagen hat.
 
Im zweiten Teil der Abenteuer von Anzu Gotjian und Bouner Haad steht vor allem Tondar im Mittelpunkt. Der Cyborg erzählt Abschnitte seiner Lebensgeschichte. Die beiden Autoren wählen für diese Passagen ihrer Geschichte die Erzählperspektive des Ich-Erzählers. Diese Form war in jeder Beziehung passend für die Figur Tondar. Ebenso wie die Gestaltung Tondars als tragikomischer Held. Dazu passte auch die Ausmalung des Handlungsortes. Die Bezeichnungen als ödes Land oder hergeleitet von den Navakan, Apathengrund, transportierten düstere und resignative Eindrücke. Zu den phantastischen Phänomenen und den grotesken Bewohnern im Saum des Chaoporters mixen die beiden Autoren aber auch nachvollziehbare Verhaltensweisen, wie beispielsweise die Rettung der Saphna-Sammler oder die Reparatur der Erntemaschine.
Die Autoren haben eine gute Balance gefunden und verlagern bekannte Handlungen an einen absonderlichen Ort. Die Geschichte enthält viele Wortspielereien, ohne dass der Text zu verspielt wirkt. Auch melancholische Züge sind zu finden, aber der Spaß beim Lesen kam jedenfalls nicht zu kurz und die Dosierung passte.
Ein gelungener Roman. Etwas fürs Kopfkino.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3122

Im Apathengrund – von Christian Montillon
Nach den Geschehnissen auf Ghuurdad ist Perry Rhodan auf die RAS TSCHUBAI zurückgekehrt. Der Unsterbliche plant die nächsten Schritte. Er will das Vermächtnis der Tefroderin Lyu-Lemolat, die im Einsatz gestorben war, erfüllen. Sein Weg führt ihn zum Geheimdienst der Tefroder in Cassiopeia. Zur Agentur für die Stabilität Karahol.
Einen anderen Weg geht die Parabegabte Anzu Gotjian. Sie liegt nach dem Konflikt mit dem Zyu noch immer im Koma. Im Haluter Bouner Haad, der ebenfalls parabegabt ist, hat die junge Frau einen treuen Beschützer gefunden. Die beiden so ungleichen Wesen hatten sich auf dem Flug nach Cassiopeia kennengelernt und Haad besucht Gotjian immer wieder in der Medostation. Er ist auch zugegen, als von außerhalb des Schiffes ein Zugriff auf Anzu Gotjian stattfindet. Jemand oder etwas tastet nach dem Geist der Parabegabten. Alle Mitglieder des Parakorps an Bord spüren diesen Zugriff. Noch bevor die Schutzschirme hochgefahren werden können, wird Anzu Gotjian entführt. Und Bouner Haad, der sich in ihrer Nähe befand, gleich mit.
Anzu Gotjian erwacht in einer völlig fremdartigen Umgebung. Das Wesen, auf den Haad und Gotjian treffen, ist jedoch nicht der Entführer. Tondar, ein Cyborg, ist ein Angler und hat die beiden aus einem Transpositstrahl geangelt. Seine Beute kann sich jedoch befreien. An der Seite von Tondar müssen Anzu und Bouner vor fremdartigen Wesen flüchten. Die Parxen sind jedoch nicht die einzigen Wesen in der seltsamen Welt, in die es die beiden Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI verschlagen hat. Sie treffen auf die Navakan, deren Lebenspanne durch die Aönenuhren bestimmt wird. Bouner Haad sammelt in dieser seltsamen Welt Fakten und kommt langsam der Wahrheit näher, wohin es sie verschlagen hat.
 
Nach den actionbetonten Romanen der vergangenen Wochen, in denen sich die Terraner gegen unterschiedliche Hilfsvölker des Chaoporters FENERIK behaupten mussten, schlägt der Roman von Christian Montillon andere Töne an. Auch in seiner Geschichte gibt es Actionsequenzen, doch sind sie nicht Hauptzweck des Romans. Im Mittelpunkt steht eher ein epischer Abenteurerroman. Die Abwechslung war notwendig. Der Zyklus hat ein hohes Tempo, doch Woche für Woche andere Hilfsvölker aufmarschieren zu lassen, gegen die Perry und Co. ins Feld ziehen, wäre langweilig geworden.
Die Idee hinter diesem Roman ist es, die mir besonders gut gefiel. Bislang war es das Ziel Perry Rhodans, FENERIK zu finden und etwas dagegen zu unternehmen. Dies ist nach wie vor das Ziel. Doch die gewonnenen Erkenntnisse haben auch andere Pläne reifen lassen. Man kennt mit der LEUCHTKRAFT den Grund der Havarie. Dieses Schiff zu finden und damit auch seinen einzigartigen Kommandanten, würde einen starken Verbündeten schaffen. Andere Alliierte könnten die Tefroder sein. Die sind bekanntlich in Andromeda beheimatet. Diese Galaxis ist nicht weit und damit im Einflussbereich der Chaosmächte. Die Tefrodern sind bereits aktiv, wie der Einsatz von Lyu-Lemolat zeigt. Und das Thema MDI mit Soynte Abil steht noch im Raum. Allianzen sind schon immer die Stärke des Titelhelden gewesen. Selbst wenn sie unheilvolle Vorzeichen haben könnten.
Allerdings wäre es zum jetzigen Zeitpunkt auch verkehrt gewesen, weniger Wissen über FENERIK einzufahren. Zwei interessante Figuren bereiten dafür einen anderen Weg. Man schickt sie in den Chaoporter vor, um diese Welt sukzessive zu entschleiern. Und diese Welt ist komplex, wie dieser Roman zeigt. Die Serie blickt auf eine Fülle von unglaublichen Raumfahrzeugen zurück. Ab einem gewissen Level macht es kaum Sinn, ein gewöhnlich zusammengeschraubtes Vehikel ins Rennen zu werfen, gegen Kobaltblaue Walzen, Sporenschiffe, Kosmische Fabriken, Chaotendern und anderen Fahrzeugen. Eines haben diese fortschrittlichen Instrumente der Hohen Mächte gemeinsam. Sie wirken zeitlos, traumhaft und unwirklich. Entsprechend verwendet auch Christian Montillon in diesem Roman eine Sprache, um das Epische in seiner Geschichte herauszustellen. Auch wenn einiges weitschweifig geriet, langweilig war es nicht. Dafür sorgten auch die Figuren. Das Duo Anzu Gotjian und Bouner Haad belebte den Roman. Der Autor hatte die Figur der Transmitterspezialistin aus dem anderen Zwilling des Universums schon im Vorgängerzyklus eingeführt und sie im Roman gegen den Lichtfresser eingesetzt. Er ist mit der Figur vertraut und das merkt man. Die Erzählperspektive liegt auf Gotjian und insgesamt wird diese Figur sehr homogen zu den bisherigen Auftritten eingesetzt.
Die Geschichte findet, zumindest für mich, genau die richtige Form und den richtigen Ton in der Vermittlung der Erzählung zum Leser. Der Autor musste noch ein wenig die zweite Figur ins Boot holen. Der Haluter war schließlich bisher nicht als enger Begleiter Gotjians in Erscheinung getreten. Christian Montillon legt die Grundlage des Zusammenspiels seiner Hauptfiguren in Rückblenden. Die Schilderungen dieser individuellen Begebenheiten beim Kennenlernen der beiden Protagonisten waren zwar kurz aber dennoch gut erzählt und wirkten nicht aufgesetzt. Nebenbei vermittelt der Roman auch einiges über die gesellschaftlichen Zustände FENERIKS.
So kann es weitergehen.