Ansichten zur Miniserie Wega Heft 02

Die Rollende Stadt – von Ben Calvin Hary
Perry Rhodan, Reginald Bull, Gucky und Gillian Wetherby sind durch den Transmitter gegangen. Aber sie werden getrennt. Zusammen mit der Raumjägerpilotin aus der Zeit der Dritten Macht materialisiert Perry Rhodan an einem unbekannten Ort. Ein riesiger Saal nimmt sie in Empfang, und als sie ihn verlassen, geraten sie in eine fremde Welt, die sich als gigantische Kaverne entpuppt.
Zur gleichen Zeit steht Quingarts Erlösungszeremonie an. Traditionell soll die Willkommenheißerin aus dem Volk der Oigan am 9999. Tag ihr Leben beenden. Doch die Ankunft zweier Fremder unterbricht die Zeremonie. Wütend eilt Quingart zur Halle der Willkommnung. Doch die beiden Fremden haben den Ort bereits verlassen und da sich die Halle ständig an einem anderen Ort befindet, kann Quingart ihnen nicht folgen. Doch plötzlich erscheint ein dritter Fremder im Empfangstransmitter. Der Fremde stellt sich als Krakatau vor, der seine Freunde sucht. Quingart soll ihn dabei unterstützen.
Perry Rhodan und Gillian Wetherby sind inzwischen in das pralle Leben von Fementa-Oist eingetaucht. Die Stadt bewegt sich und wird deshalb als Rollende Stadt bezeichnet. Die darin lebenden Oigan sind Kängurus nicht unähnlich. Die Wesen haben einen hohen Stoffwechsel. Sie sprechen sehr schnell und sind ständig am Essen. Die beiden Besucher haben es nicht leicht, an Informationen zu kommen. Die Oigan sind zwar an Fremde gewohnt. Gleichzeitig jedoch herrschen Tabus, die es ihnen verbieten Fragen zu beantworten. Dem Unsterblichen bleibt immerhin so die Zeit, ein wenig von der Lebensgeschichte Wetherbys zu erfahren.
Es gelingt Perry Rhodan dann doch, ein Ziel zu identifizieren. Das Innenkanton soll erreicht werden. Rhodan und seine Begleiterin ahnen nicht, dass Krakatau ihnen dicht auf den Fersen ist. Ihre Wege kreuzen sich schließlich und Rhodan braucht alle Hilfe um gegen seinem Verfolger zu bestehen.
 
Die Geschichte von Ben Calvin Hary wirft den Leser übergangslos in eine fremde Welt. Bevölkert von känguruartigen Wesen mit seltsamen Riten und Gebräuchen. Wetherby drückt es etwas anders aus, wenn sie bemerkt, dass die Leute hier wohl ziemlich verfressen sind. Erfreulicherweise verzichtet der Autor darauf, die Geschehnisse aus dem Auftaktband zu wiederholen. Zwei, drei Beobachtungen und Rückblicke von Perry Rhodan lässt der Autor zu und legt seiner Figur dann in den Mund, die Ereignisse einfach so zu akzeptieren. Sowas gefällt mir, wenn dem Leser auch etwas zugetraut wird. Der Roman beginnt also aus Sicht von Quingart, die sich darauf freut, ihrem Leben nach alter Tradition endlich ein Ende setzen zu dürfen.
Und wie so häufig stört unser Held durch sein Erscheinen die Abläufe gewaltig. Das erste Kapitel mit der Figur Quingart strotzt nur so von Details und von neuen Begriffen, bzw. auf eine fremdartige Kultur anwendbarer Begriffe. Beinahe schon etwas zu viel des Guten. Eine atmosphärisch dichte Story stellt sich erst nach und nach ein. Wetherbys schnoddriger Auftritt, gepaart mit Rhodans Erfahrung lässt stellenweise ein schönes Bild dieser Kultur entstehen. Das Lokalkolorit stellt sich sogar dann ein, wenn sich Quingart an der Seite von Krakatau auf die Suche nach Perry Rhodan und Gillian Wetherby macht. Denn der Jäger ist anfänglich zahm. So zahm, dass ich schon glaubte, im ersten Heft etwas überlesen zu haben. Und so überwiegen auch in diesen Passagen die Beschreibungen des fremden Ortes. Es dauert ein wenig, bis der Autor die Zügel anzieht und Krakatau auch als Bösewicht agieren lässt.
Die erwähnten Details führen an der einen oder anderen Stelle zu Widersprüchen. Hauptsächlich bezog sich das zunächst auf die Verwendung der Transmitter. Hier verwendet der Autor mal den Begriff Fiktivtransmitter und dann mal wieder Käfigtransmitter. Zur Erinnerung: Ein Fiktivtransmitter benötigt kein Empfangsgerät. Der Autor schreibt jedoch etwas anderes. Sehr amüsant empfand ich auch einige Textpassagen, die beinahe schon Paradoxien enthielten. Wer das Scherzgedicht „Dunkel war’s, der Mond schien helle …“ kennt, weiß, was ich meine. Es ist eine Abfolge widersprechender Aussagen. Nach der Ankunft im Transmitter massiert Rhodan Wetherbys Nacken. Fransen ihres lockigen Haars, pechschwarz und militärisch kurz geschnitten, verfingen sich zwischen seinen Fingerspitzen. Na so kurz sind die Haare wohl doch nicht. An anderer Stelle: Sie blieb stehen, salutierte und sah dabei auf ihre Stiefelspitzen. Wer schon mal salutiert hat, weiß, wie schwer es sein dürfte, dabei auf die eigenen Stiefelspitzen zu sehen.
Es gibt noch mehr solcher Textstellen, die mehr einem Scherzgedicht und weniger an Spannungsliteratur erinnerten. Am Ende zieht das Geschehen an. Bevor Lakramiel stirbt, verrät er Rhodan den Standort des Transmitters im hintersten Zugabteil und dass nur Quingart ihn aktivieren könnte. Darüber würde der Weg zum Innenkanton gehen. Doch diese Info vergisst Rhodan sogleich wieder. Er fragt die Willkommenheißerin nach dem Standort des Geräts, den sie nicht kennt und er schon wieder vergessen hat. Okay, die beiden haben ihn dann auch so noch gefunden. Warum Krakatau seine sensorischen Fähigkeiten erst am Ende der Geschichte einsetzt, bleibt unklar. Plötzlich kann er alle elektromagnetischen und hyperenergetischen Frequenzen scannen. Und im Sextadimband wird er fündig.
Rhodan vernimmt in seinem Kopf das homerische Gelächter von ES und einige zielgerichtete Gedanken. Wenn diese Botschaften auch an Krakatau gerichtet werden, dann lässt seine Antwort „Selbstverständlich … Vater“ Rückschluss auf seine Herkunft zu. Er muss demnach ein Geschöpf von ES sein.
Eine unterhaltsame Story mit einigen Aufs und Abs.

Ansichten zur Miniserie Wega Heft 01

Im Licht der blauen Sonne – von Michael Marcus Thurner
Der Thort der Ferronen hat Perry Rhodan und Reginald Bull ins Wegasystem gebeten. In ihren Ämtern als Liga-Kommissar und als Resident der LFG folgen die beiden Unsterblichen gerne dieser Einladung, die sie im Jahr 2059 NGZ an einen geschichtsträchtigen Ort führt. Auf Ferrol, im Roten Palast des Thort, genauer gesagt unter dem Palast des Thort, hat vor über 3500 Jahren das Galaktische Rätsel die Freunde beschäftigt. Begleitet von Gucky reisen die Unsterblichen mit der MARCUS EVERSON an.
Vor Ort sind sie dann doch ein bisschen überrascht, denn der alte Rote Palast ist einer neuen Konstruktion gewichen. Als Repräsentanten der Liga nehmen die Terraner an der Zeremonie zur Einweihung des neuen Palasts teil. Die offiziellen Feierlichkeiten sind kaum vorbei, da hat der Alltag die drei Unsterblichen wieder im Griff. Und das heißt, dass es Ärger gibt. An zwei Orten des Wegasystems stellt der mitgereiste geniale, aber auch exzentrische Wissenschaftler Kilian Gavril ungewöhnliche energetische Phänomene fest. Auf Höhe des 35. Planeten scheint sich ein Raum-Zeit-Spalt aufzutun und beim Zentralgestirn misst der Wissenschaftler auffällige hyperenergetische Energiespitzen.
Die Ferronen nehmen die Erscheinungen nicht ernst, also müssen die Terraner ran. Die nehmen die Raum-Zeit-Spalte in Augenschein und fangen zwei ungewöhnliche Körper ab, die den Riss passieren, bevor er sich wieder schließt. An andere Stelle geht derweil ein Plan in die Umsetzung, der lange vorbereitet wurde. Überall im System entstehen Raum-Zeit-Löcher. Daraus quellen Emitter hervor, die damit beginnen sich zu vernetzen. Das Wegasystem soll abgeriegelt werden. Die MARCUS EVERSON fordert Verstärkung von der Liga an. Während die Heimat der Ferronen abgeriegelt wird, erscheinen fremde Raumschiffe. Ein Wesen namens Krakatau bezeichnet sich als neuen Verwalter des Wegasystems. Er trägt den Beinamen Bastardprinz und gehört dem Volk der Maccani an.
Er fordert die Ferronen zur Auslieferung von Perry Rhodan und Reginald Bull auf. Die beiden Unsterblichen haben inzwischen das Geheimnis der beiden Körper gelüftet, die durch den Raum-Zeit-Spalt kamen. Ein alter Freund überbringt mit homerischen Lachen eine Botschaft und auf die drei Unsterblichen wartet das zweite galaktische Rätsel. Ein Fiktivtransmitter steht bereit.
 
Traditionell eröffnet der Exposé-Autor die neue zwölfbändige Miniserie Wega. Michael Marcus Thurner wird dann auch höchstwahrscheinlich in 24 Wochen den abschließenden Band beisteuern. Figurenmäßig macht die Serie keine Experimente. Es steht Perry Rhodan außen drauf, also muss auch Perry Rhodan drin dabei sein. Diesmal darf den Titelhelden noch Reginald Bull begleiten und auch Gucky ist mit von der Partie. Bei dem Thema zweites Galaktisches Rätsel wäre es aber natürlich unverständlich gewesen, hätten die Macher der Serie auf andere Handlungsträger gesetzt.
Das Geschehen ist in der aktuellen Zeit der derzeitigen Haupthandlung angesiedelt. Nur ein paar Jahre früher. Thematisch, und das wird in Band 1 deutlich, begibt man sich in die Anfänge der Serie zurück. Zumindest teilweise. Ob Krakatau und die Maccani auch einer früheren Epoche entstammen, wird sich zeigen. Der geheimnisvolle Auftraggeber von Krakatau hat jedenfalls Erinnerungen an früher und es wird im Roman geschildert, dass er kaum weniger Erfahrung hat, als die terranischen Unsterblichen. Neben der Figur der Gillian Wetherby, die als Relikt der Dritten Macht eingeführt wird, könnte also noch eine andere Figur aus dieser Zeit in die Gegenwart gelangt sein, um, wie es heißt, einen Fehler zu korrigieren. Ob diese Figur nur an den Zellaktivatoren interessiert ist, oder diese benötigt, um was auch immer zu tun, wird sich zeigen.
Thurner eröffnet die Geschichte mit den Kabbeleien, wie sie in den ersten Romanen zwischen Bully und Gucky recht häufig zu lesen waren. Glücklicherweise vermeidet der Autor aber das vollständige Abgleiten in andere Peinlichkeiten der damaligen Romane. Zumindest im ersten Band der Miniserie gibt es keine Flugeinlage für Bully. Die hebt sich der Autor wahrscheinlich fürs Finale auf.
Nichtsdestotrotz vermittelt der 1. Wega-Band ein wenig die Atmosphäre der frühen Romane, ohne aber den Stil zu kopieren. Die Dialoge sind etwas zielgerichteter, etwas einfacher und zuweilen derber als in der aktuellen Erstauflage. Als unnötig empfand ich die Angriffe der Maccani auf die Planeten des Wegasystems. Es könnte natürlich sein, dass dies dem Umstand geschuldet ist, dass ein so „böser“ Gegner auch bösartig auftreten muss. Das hätte man sich aus den früheren Heften nicht unbedingt abschauen müssen.
Es sind weitgehend bekannte „Zutaten“, auf die der Leser in dieser Geschichte trifft. Raum-Zeit-Anomalien, eine Figur aus der Vergangenheit, ein mysteriöses Rätsel von ES. Ein genialer Wissenschaftler. Dazu geschichtsträchtige Orte. Wohl auch emotionale Orte, wie Guckys Ausruf am Ende zeigt. Spannung ergibt sich aus dem Schattenmann, dem Auftraggeber hinter Krakatau. Der Auftakt war kurzweilig und ist solide geraten. Wenn ich zurückdenke, wie ich als Jugendlicher die Geschichten der Dritten Macht regelrecht verschlungen habe, ist meine Reaktion nach diesem Heft nicht so euphorisch. Allerdings habe ich das auch nicht erwartet. Ich war ein anderer, als ich die Romane um das Galaktische Rätsel las. Aber ich bin gespannt, wie sich diese Autorengeneration mit diesem Thema schlägt.
 
Dem ersten Heft lag für Bezieher der Abo-Edition eine exklusive Postkarten-Collection bei. 60 Jahre wird die Serie in 2021. Die Auswahl der Motive wirkt etwas einfallslos. Die gewählten TiBi sind sicherlich welche der Art, die bei 60 Jahren Perry Rhodan den meisten Lesern in Erinnerung sind. Allerdings wurden diese Motive auch schon unzählige Male verwendet. Von daher erlaube ich mir als Sammler und Fan meine Enttäuschung über diese Kärtchen zum Ausdruck zu bringen. Da hätte ich mir was anderes gewünscht.