Ansichten zur Miniserie Wega Heft 06

Hinter den Truhen – von Dietmar Schmidt
Im Wegasystem regieren die Maccani mit harter Hand. Demonstrationen der Ferronen finden statt. Unter den Augen von Marium Polescar, der in einem Cyborg verwandelt wurde, werden von den Maccani Hinrichtungen an Zivilisten vorgenommen. Und Polescar, selbst Ferrone, lässt das weitgehend kalt. Er bereist verschiedene Wega-Planeten und wendet sich mit Reden an die Bevölkerung. Bewirken kann er nichts. Überall entstehen Widerstandgruppen und Sabotageakte werden verübt. Die Maccani breiten sich aus. Sie wollen nach dem Wegasystem die Neue Ordnung auch in die Milchstraße hinaustragen. Und Marium Polescar ist auf ihrer Seite.
In der Lanzette, dem Bohrwurm, haben Perry Rhodan und Gillian Wetherby inzwischen das Deck 2 erreicht. Karyptichon, der Erste Bewahrer der Garstag, lässt sie zu den Gebrüdern Vorannen vor, die nicht nur die Piloten der Lanzette stellen, sondern die auch die Bewahrer der Truhen sind. Der Kontakt gestaltet sich schwierig. Die Gebrüder Vorannen haben ihre Körperlichkeit vor langer Zeit verloren. Geblieben sind ihnen Rüstungen, in die Rhodan und seine Begleiterin einsteigen müssen, um mit ihnen zu kommunizieren.
Perry Rhodan und Gillian Wetherby machen sich nun auf, um in dieser seltsamen Umgebung, die ihnen alles abfordert, die Truhe zu finden, die sie im Auftrag von ES suchen sollten. Der Bastardprinz ist ihnen auf den Fersen. Krakatau beseitigt rücksichtlos alle Widerstände, um an Rhodan heranzukommen.
 
Nach der Lektüre des Romans von Dietmar Schmidt drängt sich mir erneut der Gedanke wieder in den Kopf, warum Krakatau die Situation nach der Ankunft in der Lanzette im Roman zuvor nicht genutzt hatte, um an den ZA von Rhodan zu gelangen. Nach den geschilderten Ereignissen in dieser Geschichte mit Krakataus Feldzug erst recht. Es ist beinahe so, als hätte Krakatau im Roman der Vorwoche ein Päuschen eingelegt. In Olaf Brills Roman wurde Rhodans Verfolger ganz anders geschildert. Anders ausgedrückt: Wäre Dietmar Schmidts Krakatau im letzten Roman so drauf gewesen wie in diesem, wäre es um Rhodans ZA längst geschehen.
Den Einstieg und mehrere Zwischenkapitel widmet der Autor jedoch Marium Polescar. Was diese Figur soll und welche Absichten die Autoren mit dieser Figur verfolgen, ist mir völlig unklar. Sowohl die Figur des Marium Polescar, der im Wegasystem dank der Maccani dem Tod entronnen ist, als auch die Situationen, in denen er agiert, sind sehr klischeehaft dargestellt.
Der Serientod dieser Figur erscheint unausweichlich und kommt hoffentlich bald. Polescar wird in diesem Konflikt den Kürzeren ziehen. Etwas erträglicher könnte sein Abgang nur noch sein, wenn ein Autor doch noch Erbarmen zeigt und in den letzten Zeilen seiner fiktiven Existenz Polescar eine Abkehr von seinem verhängnisvollen Kurs anschreibt und ihn eine letzte Heldentat zugunsten des ferronischen Volkes begehen lässt. Okay, na gut, auch das wäre Klischee. Die Figur ist einfach von Beginn an verhunzt. Die Autoren haben es versäumt, der Figur eine Vorgeschichte zu geben und haben den jetzigen Stand mit der Brechstange herbeigeführt. Das konnte nicht gut gehen. Das Agieren der Figur ist schrecklich schablonenhaft. Zu einem bestimmten Moment der Handlung gewinnt man den Eindruck, dass sich der Autor fragt: Hey, Moment mal, die Serie heißt doch Wega. Da muss ich unbedingt ein paar Schauplätze des Systems mit einbauen. Ich klappere mal ein paar Planeten ab. Und genau so wirkt das dann. Stereotyp und einfallslos.
Die Rhodan-Ebene konnte noch am ehesten überzeugen. Die Gebrüder Vorannen waren mal was Neues, der Einstieg in den Körperpanzer und die Suche nach den Truhen ebenso. Richtig voran kommt die Zyklushandlung um das galaktische Rätsel aber auch hier nicht. Rhodan und Wetherby bekommen ihre Truhe, können sie aber nicht öffnen.
Alle Handlungsebenen des Romans enthielten langweilige Passagen. In der Krakatau-Ebene und dann auch noch in der Polescar-Ebene ist der Autor der Ansicht, möglichst viele Todesarten beschreiben zu müssen. Im Wegasystem sind es vor allem Hinrichtungen wahlweise mit Kopfschüssen oder Enthauptungen. Im Bohrwurm gönnt der Autor dem Bastardprinz ein breiteres Spektrum an Tötungen mit diversen Waffen. Gefühlt auf jeder zweiten Seite platzte irgendjemand der Schädel. Sicherlich gibt’s Leser, denen das gefällt. Ich fand es, wie vieles andere an dem Roman, überflüssig und einfallslos. Für mich der Tiefpunkt der Wega-Serie bisher.

Ansichten zum Magazin SOL 102

Die 102. Ausgabe der SOL hat sich erneut ein Schwerpunktthema gegeben. Wie bereits dem TiBi zu entnehmen ist, sind es diesmal die Risszeichner, die mit ihren Arbeiten, die alle vier Wochen in der Heftserie erscheinen, zu Wort kommen. Ich selbst, das muss ich an dieser Stelle gestehen, bin nur noch mäßig an den Risszeichnungen interessiert. Die Zeiten, in denen ich die Hefte vor dem Lesen gleich im Mittelteil aufschlug, liegen schon etwas zurück.
Doch zunächst zur Pflichterfüllung. Im Editorial fragt Christina Hacker, ob in der SOL zukünftig QR-Codes statt URLs abgedruckt werden sollen, wenn es um weiterführende Informationen geht. Ich hätte nichts dagegen. Genauso könnten aber beide abgedruckt werden. Und da sich mein Blog gerade unter Steuerberatern steigernder Beliebtheit erfreut, leite ich auch noch die nächste Frage der Redakteurin hier weiter. Die SOL oder vielmehr der Verein der Perry Rhodan Fanzentrale, sucht einen Steuerberater, der den Verein unentgeltlich bei der Steuererklärung unterstützen könnte.
Nils Hirseland weist darauf hin, dass die PRFZ schon seit Anfang April eine neue Website hat. Gut zu wissen, so häufig schaue ich da auch nicht vorbei. Das liegt auch daran, dass nur selten was Neues unter den „News“ dort zu sehen ist. Tatsächlich gibt es seit der Auffrischung der Website, die ich gelungen finde, nur den Hinweis auf die neue SOL 102. Also seit 7 Wochen nichts Neues. Der Vorstand der PRFZ hat das auch erkannt und will die Seite aktueller gestalten. Den Gedanken finde ich gut. Vielleicht könnte man den Newsletter, der inzwischen Fanzine-Umfang hat, wieder etwas schlanker gestalten und Artikel daraus zum Weiterlesen auf die Website stellen?
Kritische Worte findet Matthias Hettler zum Abschluss des Mythos-Zyklus. Waren seine Reflexionen in der Vergangenheit etwas distanziert mit dem Fokus auf Inhalte und Querverbindungen, findet der Rezensent nun etwas persönlichere Worte zu den letzten Romanen des vergangenen Zyklus. Zudem wirft Matthias Hettler einen Blick auf die Romane 3100 bis 3108. Susanne Modl setzt das arkonidische Nachschlagewerk fort. Ich habe wieder was gelernt, was die Herleitung von Arkon angeht. Leonhard Beyrle reist zurück in die Ära der Videospiele. Als Sammler habe ich die vorgestellten Spiele von ITT Family Games auch. Aber nie gespielt. Die hatte ich erst entdeckt, als ich meine 2600er Konsole schon nicht mehr hatte. In diesem Report wäre übrigens der QR-Code gewünscht, denn die URLs auf Emulatoren sind doch recht lang.
Bei einem der letzten Online-Abende, die von Roman Schleifer organisiert werden, waren auch die Risszeichner Gregor Sedlag und Gregor Paulmann zugeschaltet und erzählten von ihrem Hobby. Christina Hacker hat diese Gespräche für die SOL veröffentlicht. Neu sind dann die Artikel zur Entstehung der THORA von Gregor Paulmann und der NESBITT-BRECK von Mark Fleck. Die Berichte sind mit zahlreichen Skizzen und Entwürfen versehen, die die Entstehung dieser RZ zeigen. Im Interview gibt Verena Themsen dann auch noch Antworten darauf, wie RZ ausgeschrieben werden, ob Exposé-Autoren Einfluss nehmen und wie mit Vorschlägen der Zeichner umgegangen wird. Und noch ein Interview zum Thema. Roman Schleifer befragt Georg Jörgens zum RZ-Journal.
Viele weitere interessante Artikel, bspw. zum Kurd Laßwitz Preis, für den übrigens auch die SOL-Redaktion nominiert wurde, füllen die aktuelle SOL-Ausgabe. Auf 78 Seiten ist wieder ein stattliches Magazin entstanden.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3118

Jäger und Sucher – von Robert Corvus
Perry Rhodan und Lyu-Lemolat haben ihr Abenteuer in der Arena der Träume gut überstanden. Nun sind die beiden auf der Suche nach Tryma Vessko. Die Tefroderin war eine Teilnehmerin der Gruppe, die von einem Konduktor in Traumwelten geführt wurde. Vessko besitzt Informationen über jemanden, der als der Krumme Gryllner bezeichnet wird. Im Traumgang sind Rhodan und Lyu-Lemolat auch einem Swekkter begegnet. Beide haben die Angst des Agenten des Chaoporters vor dem Krummen Gryllner gespürt. Wer auch immer das ist, es könnte ein wertvoller Verbündeter sein.
Perry Rhodan und sein Team kehren daher nach Ghuurdad zurück und machen sich auf die Suche nach Tryma Vessko. Sie beobachten ein ungewöhnliches Schiff, das am Rande des Systems aufgetaucht ist. Das Schiff besteht aus drei miteinander verbundenen Würfeln. Der Raumkontrolle des Ghuurd-Systems stellt sich das Schiff als JOZZVAR vor. Nur drei Individuen aus diesem Schiff wollen auf Ghuurdad landen. Die Terraner ahnen nicht, dass auch dieses Schiff vom Chaoporter FENERIK stammt. Die Munuam entsenden eine Meute, um den Krummen Gryllner zu jagen.
Auf Ghuurdad bleibt es nicht lange aus, dass sich Jäger und Sucher in die Quere kommen. Wer wird den Krummen Gryllner als Erstes aufspüren? Und welche Informationen hat der Gesuchte, die sogar einem Chaoporter Angst einjagen?
 
Zu Beginn des Romans steht, wie auch schon vor einer Woche, ein Prolog mit der Figur Reginald Bull. Wie immer, wenn der chaotarchisch geprägte Zellaktivator Reginald Bulls ins Spiel gebracht wird, warte ich auf die Auseinandersetzung mit dem Thema. In diesem Roman war dafür natürlich kein Platz. Der Prolog bereitet den Leser nur auf das Kommende vor. Aber dennoch, die Einseitigkeit der Betrachtung, welchen Einfluss ein chaotarchisch geprägter Zellaktivator auf seinen Träger hat, darf an der Stelle nicht einfach so stehen bleiben. Ich hoffe, dass in den Geschichten auch eine Auseinandersetzung in Bezug auf Perry Rhodan geführt wird, dessen ZA kosmokratisch geprägt ist. Wenn ich mich recht entsinne, hat ES bei der Neuverleihung der Chips auch auf die Besonderheit der beiden ZA von Atlan und Rhodan hingewiesen. Atlan hat seinen ZA zerstört, als er in den Jenzeitigen Landen unterwegs war. Sein Vitalenergiespeicher ist nun anderer Natur. Aber der Chip, den Rhodan trägt, könnte ein ähnliches Eigenleben entwickeln, wie der seines Freundes. Doch zurück zum Roman.
Diese Art von Geschichten mag ich. Zwei Parteien, die nichts voneinander wissen, die das gleiche Ziel verfolgen, die unabhängig voneinander agieren, die unterschiedliche Herangehensweise einsetzen und die, je näher sie dem Ziel kommen, in Auseinandersetzungen verstrickt werden. Doch zunächst leistet sich der Autor einen Schnitzer. Gleich zu Beginn der Geschichte wird ein fremdes Schiff gesichtet. In Zeiten erhöhter Hyperimpedanz sollte ein Schiff von außerhalb von Cassiopeia Aufmerksamkeit bei den Terranern erregen. In einer Galaxis mit einem Chaoporter sowieso. Doch das Thema ist für Perry Rhodan schnell erledigt. Für den gleichen Perry Rhodan, der in allen bisherigen Romanen dieser Handlungsebene jedes andere Raumschiff misstrauisch beäugt hatte. Die Absicht des Autors war klar. Das Team Rhodan sollte durch die Ankömmlinge, die den Lesern seit der Milchstraßenebene bekannt waren, überrascht werden. Nur, auf diese Weise baut man keine Spannung auf. Konkludentes Figurenhandeln wäre hier angesagt gewesen. Das muss nicht heißen, dass dadurch die folgende Handlung hätte anders laufen müssen. Aber es hätte zu den bisherigen Verhaltensgewohnheiten des Missionsleiters gepasst.
Apropos Verhalten und Figuren. Robert Corvus treibt die Geschichte aus Sicht verschiedener Figurenpaarungen vorwärts. Wie erwähnt, kennt der Leser bereits die Munuam. Die Meute, die in der Milchstraße die Deserteure des Chaoporters jagte, wird diesmal nicht aus dem Blickwinkel des Anführers geschildert. Da wir das schon kennen, greift sich der Autor ein Mitglied der Meute. Troparod steht in Konkurrenz zum zweiten Mann des Teams. Anführerin ist eine Irre. Mit dieser Konstellation schafft der Autor Abwechslung und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Meute mit dieser Anführerin unberechenbar bleibt und gleichzeitig Fehler machen darf. Im Team Rhodan lässt der Autor verschiedene Figuren berichten. Mit Axelle Tschubai darf die Missionschronistin mal wieder ran. Zu einem frühen Zeitpunkt nutzt der Autor diese Figur dafür, die Leser auf einen emotionalen Höhepunkt der Geschichte vorzubereiten. In Ich-Form, und damit noch mal ein Stück persönlicher, nimmt sie einen Gefühlsausbruch des Unsterblichen vorweg. Wenn Perry Rhodan so erregt wird, dass er ein paar Tränen vergießt, dann muss er schon eine bedeutsame Begegnung haben. Ich war gespannt.
Auf der Suche nach dem Krummen Gryllner, muss Rhodans Team zunächst die Tefroderin Tryma Vessko auftreiben. Was die mit dem ganzen Geschehen zu tun hatte, wird nach und nach erklärt. Vessko ist ein Opfer der Nano-Irritation. Als Ortungsspezialistin hat sie später eine Beobachtung gemacht, die nicht nachvollzogen werden konnte. Ihre Krankheit wurde dafür verantwortlich gemacht. Auch mit dieser Beobachtung der Figur ködert der Autor die Leser. Denn das beschriebene Raumschiff gab eine Marschrichtung vor. Für den Leser reicht es hier, wenn die besondere Farbe des Schiffes erwähnt wird.
Aber zunächst teilt der Autor die Gruppe und lässt sie unabhängige Informationen einholen. Ein wenig irritierte es mich, dass der Autor für Axelle Tschubai vom Ich-Erzählstil wieder in den personalen Erzählstil wechselte. Die Ich-Form fand ich für Axelle gut gewählt und hätte durchgezogen werden können. Zumal der personale Erzählstil auch bei den anderen Gruppierungen zum Einsatz kam.
In der Folge entwickelt sich eine Story, die dem Titel des Romans gerecht wurde. Die einen suchten, die anderen jagten. Es nahte der Höhepunkt der Geschichte. Autor Robert Corvus hatte unlängst beim Online-Stammtisch Köln meine Erwartungen an den Roman in die Höhe getrieben. Er versprach einen „Knüller“ am Ende seiner Geschichte. Seitdem zermarterte ich mir den Kopf, welche Sensation ich erwarten durfte. Auf die LEUCHTKRAFT und ihren Kommandanten bin ich nicht gekommen. Das ist tatsächlich ein Knüller. Auch einer, der zur Geschichte passt und nicht auf Teufel komm raus reingeschrieben wurde. Dazu fallen weitere Begrifflichkeiten und es werden verschiedene Andeutungen gemacht. Die Geschichte machte Lust auf mehr. Ich bin auf die weitere Entwicklung gespannt.