Ansichten zu Perry Rhodan Atlantis 12

Nekrolog – von Ben Calvin Hary
Caysey ist mit dem Speicherkristall in die Vergangenheit gereist. Entsetzt muss sie feststellen, dass der Zeitsprung viel zu kurz war. Ihr bleiben nur 35 Minuten, bevor Tolcai das Talagon öffnet. Die Zeitzwillinge von Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger erhalten sonst nicht mehr die wertvollen Informationen aus der Zukunft.
Caysey Aktivitäten bleiben nicht unbemerkt. An Bord der STRAHLKRAFT erkennt Tolcai mit seinem AUGE, dass seine Gegner eine Agentin durch die Zeit geschickt haben. Er gibt Anweisung an Logan Darc, Cayseys Auslesen des Speicherkristalls zu sabotieren. Der Commo’Dyr ist in einem Gewissenskonflikt. Seiner Programmierung nach ist er dem Herrn des Schiffes zu absoluter Loyalität verpflichtet. Aber er hat schon in der Vergangenheit die eine oder andere Intrige durchgeführt.
Während die Zeitzwillinge von Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger auf Tolcai zufliegen, erleben sie Déjà-vus. Winzige Fragmente von Erinnerungen aus der Zukunft vereinen sich mit ihnen. Rhodan hat keine Erklärung. Er ändert aber spontan seine Vorgehensweise. Caysey hat inzwischen die STRAHLKRAFT kontaktiert. Das Schiff gibt das Gespräch weiter an Logan Darc. Der hat die ÜBSEF-Fragmente auf dem Speicherkristall entdeckt. Nach langem Zögern handelt der Zwergandroide.
Die Geschehnisse laufen nun zwar anders ab, als in der Zeitlinie davor. Dennoch können Rhodan und seine Begleiter das Öffnen des Talagons wieder nicht verhindern. Hier schreitet nun RCO-3342/B ein. Der Roboter reißt seinem Herrn das AUGE aus dem Schädel. Die Energiequelle des Auges bewirkt die Neutralisierung der Nukleotiden Pest. Die Katastrophe wird verhindert. Beim Verlust des AUGES geht ein Quant von Tolcais ÜBSEF-Konstante auf RCO über. De Roboter wird zu etwas Neuem. RCO erkennt das selbst und Rhodan gibt ihm spontan den Namen Rico.
Atlan erscheint mit einer großen Flotte und kann nur mühsam davon abgehalten werden, gegen die STRAHLKRAFT loszuschlagen. Der frühere Kommandant des Schiffes, Tolcais Vorgänger Tuun Yomorikon erscheint als Geist und bedeutet Rhodan in seine Zeit zurückkehren zu können. Atlan erhält Kenntnis von Rhodans wahrer Identität und der Zeitreise. Caysey nimmt Abschied von ihrem Dorf. Sie will mit Rowena, Perry und Sichu in die Zukunft reisen. Am Zeitportal kann der junge Atlan einen Blick auf seinen verletzten älteren Ich in der Zukunft werfen. Eine unbekannte Gestalt ist über seinem späteren Selbst gebeugt. Als die Verbindung hergestellt ist, kommt die Gestalt durch den Zeittransmitter. Es ist Joshiron. Und er hat ein rotes und ein schwarzes Auge. Der junge Takerer macht einige kryptische Aussagen. Unter anderem bedeutet er Caysey und Rowena, dass ihre Aufgaben in der Vergangenheit erfüllt seien und sie in die Zukunft reisen dürfen. Joshiron heilt den späteren Atlan durch Handauflegen und gibt Quartam seinen ursprünglichen Körper wieder. Joshiron ist 13000 Jahre zurückgereist und bedankt sich für seine Läuterung. Das Tor wird abgebaut, sobald Rhodan und die anderen in ihre Zeit zurückgekehrt sind. Dann verschwindet Joshiron per distanzlosen Schritt.
Atlans Erinnerung an die Ereignisse wird im Tiefschlafbehälter und Hypnoschulungsbehältern der Kuppel gelöscht. Der Arkonide bekommt somit fünf Jahre vor seinem endgültigen Einzug in die Tiefseekuppel einen Vorgeschmack. Rhodan, Dorksteiger, Rowena und Caysey mit ihrem Baby reisen in die Zukunft.
 
Finale der Atlantis-Miniserie.
Wir erinnern uns. Der Plan sah vor, dass die ÜBSEF-Konstanten von Perry und Sichu extrahiert und auf einen Speicherkristall übertragen wurden. Diesen Speicher sollte Caysey in die Vergangenheit tragen und die Inhalte von der Positronik freigeben lassen. Im Vorgängerroman beobachtet Rhodan Caysey und hofft, dass sie ihren Auftrag erfüllt, während er sich fragt, wie es sich anfühlt, wenn seine ÜBSEF extrahiert wird. Er also sterben wird. Rhodan hat dann keine Zeit mehr, sich mit Caysey zu beschäftigen, denn der junge Joshiron will durch das Zeitreiseportal und Rhodan muss ihn aufhalten. Sie kämpfen. Derweil ist der Speicherkristall schon gar nicht mehr in der Positronik. Caysey findet ihn unter dem Körper von Quartam. Rhodans ÜBSEF konnte gar nicht mehr extrahiert und auf dem Kristall gespeichert werden. Als Caysey durchs Tor geht, sieht sie eine Spiralgalaxie. Ihre letzte Beobachtung ist also, dass Rhodan stirbt. Seine ÜBSEF ist daher nicht auf dem Speicherkristall.
Den Autor freilich kümmert das nicht. In diesem Roman hat alles so geklappt, wie es geplant war. Leider wurde es nur nicht so geschrieben. Autor Ben Calvin Hary bringt die Serie, die er auch als Exposé-Autor betreut hat, dennoch zu einem Ende. Seine Figur Perry Rhodan schwankt zwischen Selbstzweifeln („Was tun wir hier überhaupt?“) und Déjà-vus durch die Handlung. Die Selbstzweifel der Figur wären schon deutlich früher in der Serie angebracht gewesen. Denn Rhodan kann die Geschehnisse nur selten in seinem Sinne beeinflussen. Der Gang durch die Zeit ist seine Entscheidung. Danach tut sich der berühmte Sofortumschalter ein ums andere Mal schwer. Die Geschichte mit Rowena, seiner ärgsten Verfolgerin, die er immer wieder laufen lässt, statt die Dinge zu klären, ist einer seiner Fehler. Ab dem Zeitpunkt des Auftauchens Tolcais mit der STRAHLKRAFT ist der Unsterbliche abgemeldet. Er gewinnt das eine oder andere Scharmützel aber er hat keinen Plan, wie er Tolcai besiegen kann. Stattdessen liefert er ihm auch noch das Talagon frei Haus. Auch hier hatte die Figur (oder die Autoren) unendlich viel Zeit damit verschwendet, Caysey nicht nach dem Versteck des Talagons zu fragen. Der Plan, der hier im Finale umgesetzt wird, stammt auch noch von Blaue-Pille-Quartam. Was für die Serie schon richtig peinlich ist, dass nur durch die Blaue Pille es überhaupt zu einem Plan kommt.
Lässt man nun diverse Fehler und diese Deus ex machina einfach außer Acht, ergibt sich im zwölften Band immerhin ein interessantes Geschehen. Rhodan erlebt Déjà-vus. Er selbst und auch neutrale Beobachter sehen ein geändertes Verhalten gegenüber den ersten Ereignissen. Das war interessant geschrieben und hätte noch mehr Wirkung entfaltet, wenn es noch subtiler in die Handlung eingebaut worden wäre.
Caysey, die nette Atlanterin, ist Hauptakteurin. In ihren Gedanken und Überlegungen ist sie gereift. Dennoch sind einige der Handlungen, die sie vollzieht, nicht glaubhaft. Ihre Überlegungen zur Torintelligenz und zu Algorithmen sind schon abgehoben. Caysey bedient dann eben mal nach zahlreichen Versuchen auch das Hyperfunkterminal richtig. Mit dem Ergebnis, dass die STRAHLKRAFT ihren Anruf erwartet hat. Die Figur hat vieles an der Seite von Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger erlebt. Das heißt aber nicht, dass ihre Auffassungsgabe deren Wissen oder Kenntnisse soweit verinnerlicht hat, wie es der Autor hier stellenweise ausführt. Dennoch ist Caysey die Sympathieträgerin der Serie und die mit Abstand am besten charakterisierte Figur.
Was ist mit Atlan? Dessen Gedächtnislöschung wirkt wenig durchdacht. Alle anderen seiner Wegbegleiter dürfen sich erinnern. Von den positronischen Aufzeichnungen der Raumschiffe ganz zu schweigen. Oder zaubert der Autor hier einen Posizid herbei?
Einer guten ersten Halbzeit folgte eine zweite Halbzeit der Serie mit vielen Showeinlagen und Effekten. Im Finale kann der Autor die Schwächen der Serie, die sich insbesondere im kosmischen Part der Serie auftaten, nicht mehr auffangen. Er will es auch gar nicht. Er schreibt, dass schon normale Zeitreisen mit Logikwirrungen daherkommen, die einem normalen Menschen das Hirn zerbröckeln konnten. Waren hingegen Hohe Mächte beteiligt, konnte man die verbliebenen Regeln des Determinismus anscheinend gleich ruhigen Gewissens aus dem Fenster kippen.
Konjunktiv ist das nicht mehr. Der Autor kippt die Regeln aus dem Fenster und macht deutlich, dass er an nachvollziehbaren Lösungen kein Interesse hat. Er überlässt es auch hier den Lesern, mit seinen Ausführungen zurechtzukommen. Am Ende erledigt Joshiron mit ein bisschen Handwedeln den Rest und die Serie ist zu Ende.
Ich kann die Serie nicht empfehlen. Ich bin froh, damit endlich durch zu sein.

Ansichten zu Perry Rhodan Atlantis 11

Atlantis muss sterben! – von Olaf Brill
Tolcai hat das Talagon geöffnet und die Nukleotide Pest rafft alles Leben auf Atlantis dahin. Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger werden im letzten Moment vom Raumschiff QUARTAM aufgenommen. Der ehemalige, mit Kosmokratentechnologie umgewandelte arkonidische Wissenschaftler, sieht eine Möglichkeit, die Ereignisse doch noch zum Guten zu wenden. Eine erneute Zeitreise soll sie an einen Zeitpunkt bringen, bevor der Kosmokratenroboter das Talagon öffnet. Was so einfach klingt, stellt QUARTAM vor beinahe unlösbare Probleme. Rhodan und Dorksteiger sind kaum noch am Leben. Lediglich der Zellaktivator Rhodans verlangsamt die Nukleotide Pest. Zunächst muss QUARTAM die Vitalenergie verstärken, damit seine Passagiere lange genug am Leben bleiben. Die Verstärkung hat einen unerwünschten Nebeneffekt. Das Leben, das gerade auf Atlantis ausgelöscht wird, erkennt die Vitalenergie und versucht sie mit allerletzter Kraft zu erreichen. Zahlreiche Mutationen behindern QUARTAMS Vorankommen. Ein weiteres Problem ist, dass die Zeitreise die Nukleotide Pest in die Vergangenheit bringen würde. Rhodan und Dorksteiger dürfen körperlich diese Reise nicht antreten.
Das kann nur Caysey. Die Atlanterin hat inzwischen ihren Sohn zur Welt gebracht. Mutter und Kind sind immun gegen die Nukleotide Pest. Wie QUARTAM erklärt, haben die GEN-Experimente der Takerer den „Fluch“ der Totgebärenden zur Folge. Caysey und ihr Baby leben deshalb noch, weil die Nukleotide Pest für sie das Heilmittel ist. QUARTAM nimmt Caysey und ihren Sohn an Bord und fliegt zum Zeittransmitter.
Mit Entsetzen erkennt Tolcai, was seine Feinde vorhaben. Der Kosmokratenroboter, der von der STRAHLKRAFT verlassen wurde, sehnt den Tod herbei. Es ist seine einzige Möglichkeit, aus dem Dienst der Kosmokraten entlassen zu werden. Er verwandelt sich wieder in den takerischen Jungen, der er einst war. Mit seinen letzten Fähigkeiten analysiert er, was QUARTAM und Rhodan vorhaben. Auch er fliegt zum Zeitportal, um die Aktion zu verhindern.
In der Unterwasserstation kommt es zum Kampf. Es ist nur noch 1 Zeitreise möglich. Wer wird sie antreten?
 
Olaf Brills Leistung in diesem Roman besteht sicherlich darin, einen guten Spannungsbogen entworfen zu haben. Dass mich die Geschichte längst nicht mehr anspricht, habe ich in den letzten Rezensionen mehrfach geschrieben. Die Zyklusstory erschien mir in den ersten 6 Heften der Miniserie durchdacht. Zunächst wurden sehr geschickt an verschiedenen Stellen Informationen platziert, die mit dem Fortgang der Serie nach und nach ein umfassendes Bild zeichneten.
Zwar musste das übliche Bedrohungsszenario mal wieder herhalten, aber mit der Zeitreise, mit Atlantis, dem avisierten Ort der Geschehnisse und dem Treffen mit Atlan, der im Konflikt mit den Maahks lag, schuf der Exposé-Autor eine solide Basis für die Serie. Nur leider schien der Exposé-Autor damit nicht zufrieden gewesen zu sein. Er legte nach und führte die Miniserie in der zweiten Hälfte in den kosmischen Überbau der Hauptserie. Lebte die Serie in der ersten Hälfte von gut gezeichneten Charakteren, nachvollziehbaren Jägern und Gejagten-Sequenzen und dem einen oder anderem Geheimnis, wurde alles nun dem kosmischen Überbau und einer wilden, unglaubwürdigen Effekthascherei geopfert. Es erscheint mir so, als hätte man auf dem Weg zu einer Lösung der eigenen Story nicht mehr vertraut, will die ursprüngliche solide Lösung nicht mehr vorantreiben und setzt stattdessen auf billige Effekte. Davon gibt es jede Menge in diesem vorletzten Roman der Serie. QUARTAM vollzieht die irrsinnigsten Aktionen. Verwandelt sich in eine Lichtgestalt und letztlich zurück in den Wissenschaftler, der er vorher war. Perry Rhodan ist meist nur Zaungast. Versprach uns der Roman davor noch einen tollkühnen Plan Rhodans, muss man nun akzeptieren, dass der Held gar keinen Plan hat. Es ist QUARTAM, der den Plan entwirft und Rhodan nickt ihn nur ab. Auch Tolcai vollzieht nun eine unglaubwürdige Verwandlung. In seinem Roboterkörper steckt noch der takerische Junge. Das ist Unfug und passt vor allem nicht zu den Schilderungen zuvor.
Die ersten sechs Romane lebten noch vom Mysterium des Ortes und der Figuren. Die zweite Hälfte gibt das Rätselhafte gänzlich auf. Der Stil ist zwar opulenter geworden aber die Geschichten sind inhaltsleer. Olaf Brill wird nicht müde, die Auswirkungen der Nukleotiden Pest zu schildern. Bei der zwanzigsten oder dreißigsten Schilderung von Körpern und deren Aussehen bin ich zwangsläufig dazu übergegangen, die Passagen zu überspringen, da der Autor in diesen Stellen die Geschehnisse eh nicht voranbringt.
Richtig haarig wird es am Ende. Der Plan sieht vor, dass Perrys und Sichus ÜBSEF-Konstante die Reise in die Vergangenheit machen und ihre Körper sterben. In der Vergangenheit sollen ihre „Seelen“ verschmelzen. Nachvollziehbar sind die Beschreibungen, wie das geschehen soll, nicht mehr. Am Ende ist mir auch unklar, ob die Speicherung auf dem Kristall überhaupt gemacht wurde. Da Caysey den Datenträger schon an sich genommen hat und Rhodan noch kämpfen sieht, wurde das vermutlich dann doch nicht gemacht.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Atlantis 10

Das Talagon – von Dietmar Schmidt
Das Undenkbare ist geschehen. Tolcai hat das Talagon geöffnet und die Nukleotide Pest rafft alles Leben auf Talanis, Larsaf, Galkorrax, im Tunniumsystem und darüber hinaus dahin. Nur Perry Rhodan kann dem schleichenden Tod dank seines Zellaktivators zunächst noch Widerstand entgegensetzen. Zeit genug, um die Lebensgeschichte von Tolcai zu erfahren.
200.000 Jahre zuvor war er ein Cappin aus dem Volk der Takerer. Er hieß zu dieser Zeit Joshiron, war 13 Jahre alt und musste seinen Vater begleiten, der auf der Erde auf Talanis, dem späteren Atlantis, Gen-Experimente durchführte. Der Junge langweilte sich sehr, bis er zufällig ein altes Raumschiff der Horden von Garbesch fand. Darin ein inzwischen verstorbener Gesandter des Hordenführers Amtranik, der im Auftrag von SETH-APOPHIS das Talagon in die Milchstraße transportierte, um es gegen die Hilfsvölker von ES einzusetzen.
Die STRAHLKRAFT unter einem Cyno-Kommandanten hat ebenfalls in dieser fernen Vergangenheit Atlantis erreicht. Bei der Bergung des Talagons stirbt der Cyno und Joshiron, inzwischen 16 Jahre alte, wird zum neuen Kommandanten der STRAHLKRAFT ernannt. Er trägt das Talagon um den Hals, als Erinnerung an seine Herkunft. Über die Jahrtausende wird sein Körper in einen Roboter umgewandelt.
In der Handlungsgegenwart hat Tolcai, wie er sich nun nennt, vom Kosmokraten Tiryk einen Auftrag erhalten. Er soll den Zeittransmitter, eine Hinterlassenschaft ARCHETIMS, zerstören. Für Tolcai schließt sich ein Kreis. Er kehrt an den Ort zurück, an dem für ihn alles begann. Die STRAHLKRAFT öffnet den Hyperkokon und der Zeittransmitter stürzt in den Normalraum zurück. Als Tolcai sieht, dass das Artefakt ausgerechnet nahe Talanis/Atlantis auftaucht, gibt er sich ein eigenes Missionsziel. Tolcai, inzwischen vom eigenen Leben enttäuscht, inszeniert eine Intrige.
 
Dietmar Schmidt verfolgt im zehnten Kapitel der Atlantis-Miniserie zwei Handlungsstränge. Der eine erzählt die Lebensgeschichte des Kosmokratenroboters. Der andere greift die Schicksale verschiedener Figuren auf, die der Nukleotiden Pest erliegen. Da diese Kapitel, bis auf eines, alle gleich ablaufen und gleich ausgehen, nutzt sich dieses Narrativ schnell ab.
Die Lebensgeschichte selbst ist stimmig erzählt. Der Vater/Sohn-Konflikt ist nicht unbedingt neu, aber der Autor kann in dieser Konstellation die Emotionen, die bspw. Direktor Toshik empfindet, wenn er mit seinem aufsässigen Sohn spricht, nachvollziehbar an den Leser transportieren. Diese Abschnitte der Geschichte haben mir zugesagt. Nach einem guten Drittel wechselt der Autor in den kosmischen Part, der dann ab der zweiten Hälfte den Roman dominiert.
Bezüglich des Wechsels der Atlantis-Serie zur Halbzeit in den kosmischen Part, hatte ich schon angemerkt, dass ich mit diesem Wechsel nicht viel anfangen kann. Die Serie hatte einen gelungenen Start mit sympathischen Figuren und nachvollziehbaren Handlungen. Ohne Bedrohungsszenario kommt die Perry Rhodan-Serie nicht aus. Also stiftete der Exposé-Autor auch der Atlantis-Serie eine Gefahr, die von den Helden bekämpft werden muss. Es geht um eine Waffe. Eine, die einen ganzen Spiralarm der Milchstraße entvölkern kann. Angesichts der Dimensionen dieses möglichen Unheils musste dann wohl auch die Entscheidung gefallen sein, die Hohen Mächte mit ins Boot dieser bis dahin bodenständigen Serie zu holen.
Dieser neue Kurs war extrem und gipfelt (bislang) in den vorliegenden Roman. Dabei entsinne ich mich noch ganz gut an die Anfänge. Lange bevor Atlantis publiziert wurde, hat Ben Calvin Hary einige seiner Ideen in Werkstattberichten veröffentlicht. Ben Calvin Hary hatte keine leichte Aufgabe. Er musste das vorhandene Material zu Atlantis sichten und in seiner Geschichte berücksichtigen. Frühere Romane (bspw. 50, 60 und 70) sind teils widersprüchlich. Der Autor hat einen erfrischend einfachen Kniff gefunden. Als Atlan seinen Freund Perry durch das neue Museum führt, lässt ihn der Autor erklären, dass seine Augenzeugenberichte nicht immer als historische Quelle taugen, da vieles von ihm nur geschätzt und anderes verkürzt wiedergegeben wurde. Damit entledigte sich der Autor geschickt einiger Ungereimtheiten aus früheren Romanen und konnte etwas befreiter seine eigene Geschichte entwickeln. Zu den Vorbereitungen gehörte auch das Entwickeln einer neuen Karte von Atlantis.
Die Werkstattberichte, die Schwierigkeiten mit den Widersprüchen aus der Serienhistorie, das Entwerfen der neuen Karte ließen für mich den Schluss zu, dass die Serie sich mit „dem“ Atlantis aus der arkonidischen Ära beschäftigen würde und eine Begebenheit erzählen würde, die eventuelle Unstimmigkeiten auflösen und einen neuen Blick auf die damaligen Ereignisse werfen würde. Und das Ganze ohne kosmischen Part. Ursprüngliche SF aus der Frühzeit der Serie also.
Nun, die Macher der Serie haben anders entschieden. Zur Halbzeit kam der Bruch. Für die „genetische“ Waffe wurde ein entsprechendes und verbindendes Handlungselement in der reichhaltigen Serienhistorie gesucht und gefunden. Die Takerer waren lange vor den Arkoniden auf Talanis/Atlantis und haben dort Gen-Experimente gemacht. Wenn dabei „aus Versehen“ eine biologische Waffe entstanden wäre, wäre der Zusammenhang noch zu akzeptieren gewesen. Doch das reichte nicht. Nun greifen die Autoren ganz tief in die an Konflikten nicht arme Serienvergangenheit. SETH-APOPHIS, die negative SI wird hervorgezaubert und ihr Kampf gegen die Mächtigkeitsballung von ES.
Die Horden von Garbesch werden instrumentalisiert, um eine Waffe der Chaotarchen gegen die Hilfsvölker von ES einzusetzen. Labori, Amtranik, ein Cyno. Der Autor fährt nun alles auf, was er zusammenraffen kann. Nebenbei macht er einen 16-jährigen zum Kommandanten einer Kobaltblauen Walze. Der pubertierende Jüngling muss natürlich in einem Schnellkurs in Kosmologie eingewiesen werden. Es folgen für den Jungen und damit zwangsweise auch für den Leser Abhandlungen zur Evolution des Lebens im Universum. Haarscharf schrammt Dietmar Schmidt dabei auch noch an Thez vorbei. Doch der Frage oder vielmehr der Antwort, wohin sich Kosmokraten und Chaotarchen entwickeln, verweigert sich der Autor dann doch. Dann noch ein bisschen Namedropping (Tiryk etc.) und fertig ist die Geschichte.
An der Lebensgeschichte fehlt noch ein bisschen, das vermutlich in den letzten beiden Heften aufgelöst wird. Zum einen, ob Tolcai durch das Öffnen des Talagons den „Weg“ des Cynos folgt, der nur durch seinen Tod aus dem Frondienst der Kosmokraten entlassen wurde. Zum anderen, warum diese unsinnigen Spiele veranstaltet wurden. Dass Caysey und ihr Sohn immun sind, wird dann sicherlich auch noch mit einer genetischen Herleitung geklärt werden.
Fazit: Atlantis hat seine Kohäsion und seine Unschuld verloren. Die ersten sechs Romane bauten ein bodenständiges Szenario auf, das in der zweiten Hälfte der Serie nun demontiert wird.