Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3036

Das telekinetische Imperium – von Michael Marcus Thurner
Mit den Daten, die der Siganese Tenga in einem cairanischen Wrack erbeutet hat, wird das nächste Ziel der RAS TSCHUBAI abgesteckt. Es geht in die Sternregion der Weemwelt. In der Nähe des Gebiets der Aanweem geht das Riesenschiff in den Ortungsschutz eines Sterns. In der Nähe des Zielgebiets halten sich dutzende Deltaraumer der Phersunen auf. Aus der aufgefangenen Kommunikation lässt sich schließen, dass die Mörder der Materie von einem bestimmten Raumgebiet ausgeschlossen sind. Die STARTAC SCHROEDER mit der angedockten PAQUA macht sich auf dem Weg, um das Geheimnis dieses Sektors zu lüften. Mit an Bord sind Gry O’Shannon, der Onryone Jalland Betazou, Icho Tolot, Tenga und Farye Sepheroa. Und auch der Metabolist Donn Yaradua ist mit von der Partie. Getarnt versuchen die Galaktiker in die gesperrte Sternregion einzudringen und scheitern. Eine unsichtbare Kraft hält das Schiff im Linearflug auf und lässt es in den Normalraum zurückstürzen. Donn Yaradua vermutet eine Intelligenz mit starken Parakräften hinter der Aktion. Die Messungen zeigen, dass ein Raumgebiet mit neun Lichtjahren Durchmesser von telekinetischen Kräften, die bis in den Linearraum und Hyperraum reichen, abgeschottet wird. Dem Metabolisten gelingt ein Kontakt zu den Unbekannten, die daraufhin eine Passage in ihre Region schalten.
Die STARTAC SCHROEDER dringt über einen Zwischenstopp bis zur Hauptwelt der Aanweem vor. Die symbiotische Lebensform zeigt sich in den ersten Kontakten teils krankhaft misstrauisch. Dennoch ist der Kontakt wertvoll für die Galaktiker, denn sie bekommen neue Informationen zur Grauen Materie, die in eine bestimmte Richtung „abfließen“ würde. Und die Phersunen, von den Aanweem auch als Lastträger des Ruhelosen bezeichnet, würden stets einen kleinen Teil der Vektormaterie mit sich führen und als Waffe einsetzen. Die zarten Bande des Kontakts zu den Aanweem geraten in Gefahr, als ein Schiff der Phersunen über der Weemwelt erscheint und die Aanweem die Galaktiker dafür verantwortlich machen.
 
Wie es wohl ist, wenn man auf einem Raumschiff Dienst tut und eine fremde Welt zu erkunden ist? Und man dazu keine Lust verspürt. Oder das eigene Aufgabengebiet nicht ganz ins Raster derjenigen passt, die die Untersuchung angestrengt haben. Oder der eigenen Passion nicht der Raum eingeräumt wird, der eigentlich notwendig wäre. Oder wenn zwischenmenschliche/-außerirdische Beziehungen die Arbeit beeinflussen. Oder wenn das eigene Ego den empathischen Empfindungen im Wege steht.
Mit solchen und ähnlichen Schwierigkeiten kämpfen die Figuren in Michael Marcus Thurners Geschichte. Der eine ein bisschen mehr, die andere ein bisschen weniger. Seinem Protagonisten Donn Yaradua hingegen lädt der Autor sehr viele der eingangs beschriebenen Schwierigkeiten und noch ein paar mehr auf. Fast ein bisschen übertrieben. Aber immer dann, wenn es zu viel zu werden drohte, baute der Autor auch ein Ventil ein, der der Figur und dem Leser half.
Das ganze vor dem Hintergrund eines exotischen Fremdvolkes mit paranoiden Zügen. Diese Art eines Imperiums hat es in der Serie auch noch nicht gegeben. Aber auf den Emotionen und den Wahrnehmungen der Mitglieder des Einsatzteams lag sicherlich der Schwerpunkt dieses Romans. Und auch wenn Donn Yaradua starke Präsenz zeigte, schafft es Thurner immer wieder, auch den anderen Figuren den Raum für eine eigene Beschäftigung zu geben. Der Metabolist ist es aber, den es beim Lesen zu begleiten galt. Und auch wenn seine Darstellung nicht ganz widerspruchsfrei war, habe ich die Vorstellung dieser Figur genossen. Und sie hat noch Potential und kann weiterentwickelt werden.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3035

Graue Materie – von Uwe Anton
Nach Rettung einiger Quantam und ihres Schiffes QUIQUI handelt Perry Rhodan ein Tauschgeschäft aus. Die Quantam werden auf einen sicheren Planeten im Kugelsternhaufen Puquard gebracht und erhalten einige ausgeschlachtete Korvetten. Die QUIQUI wird den Terranern übergeben und umgerüstet. Sie dient nun unter dem Namen PAQUA als unauffälliges Erkundungsschiff in der Galaxis Ancaisin. Gry O’Shannon geht mit an Bord, ebenso der Onryone Jalland Betazou, der sich ein Fragment der Horchhaut der Quantam hat implantieren lassen. Gry O’Shannon und er sollen insbesondere nach der Grauen Materie Ausschau halten. Hinzu kommen Icho Tolot und Tenga. Begleitet wird die PAQUA von der STARTAC SCHROEDER, die sich getarnt in deren Nähe aufhält.
Anfang Oktober 2046 NGZ erkunden die beiden Schiffe verschiedene Sonnensysteme Ancaisin. Die Galaxis zeigt sich seltsam still. Die Graue Materie wird in einem Sonnensystem entdeckt und untersucht. Nur optische Beobachtung erkennt das Phänomen. Für die Orter gibt es nichts zu entdecken. Versuche zeigen, dass Schiffe per Transition oder im Linearflug die Graue Materie unbeschadet durchfliegen können. Es kommt aber zu Kursabweichungen. Mit HÜ-Schirmen geschützte Schiffe werden von der Grauen Materie aufgelöst, wobei die Graue Materie dabei den Kurs ändert.
In einem weiteren Sonnensystem entdecken die Terraner die Zivilisation der Whanau, die auf ihrem Mond Whan, der den Gasriesen Tophan umkreist, gerade erst die Raumfahrt entdeckt haben. Die Whanau haben Jahrzehnte zuvor den plötzlichen Verlust eines Planeten in ihrem System entdeckt. Und nun beobachten sie eine Wolke aus Grauer Materie, die sich Whan nähert. Und Tenga entdeckt auf Whan das Wrack eines Augenschiffs der Cairaner. Während die PAQUA und die STARTAC SCHROEDER alles versuchen, um die Katastrophe zu verhindern, versucht der Siganese an Daten zu gelangen.
 
Der zweite Roman, der in Ancaisin spielt, kommt erneut ohne Perry Rhodan als Hauptfigur aus. Und ich vermisse den Titelhelden auch nicht. Autor Uwe Anton setzt auf ein Quintett an Handlungsträgern. Mit Gry O’Shannon ist wieder die Figur dabei, die als erstes auf die Graue Materie gestoßen ist. Gry geht an ihre Grenzen, um den Geheimnissen der Grauen Materie auf die Spur zu kommen. Unterstützt wird sie von einem Onryonen, der ein zweifelhaftes Experiment wagt. Dann ist da noch der pralinensüchtige Siganese Tenga zu nennen, der in das Wrack eines cairanischen Schiffes eindringt. Icho Tolot ist endlich wieder als Wissenschaftler tätig. Die Zeiten als Paladin für Bulls Tochter sind vorbei. Und schließlich ist da noch Moana Schnebar. Während die anderen vier vor Selbstbewusstsein strotzen, muss sich die Kommandantin ihren Versagensängsten stellen. Der Handlungsrahmen selbst bietet keine Überraschungen. Die Rückschläge, die eingebaut wurden, überraschen ebenfalls nicht. Gut gefielen mir die verschiedenen Experimente, die mit der Grauen Materie angestellt wurden. Der Autor musste das handwerklich lösen, da die Graue Materie für die hochgezüchtete Technik der Raumschiffe nicht beobachtbar ist. Und die Geschichte profitiert vom hohen Erzähltempo. Und davon, dass der Autor sein Figuren-Quintett ideal einsetzt. Die Handlungsebene Ancaisin gefällt mir bislang gut. So kann es weitergehen.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 10

Die Höllenfahrt der SOL – von Olaf Brill
In der Proto-Chaotischen Zelle sind das Mittelteil der SOL und die SZ-1 aneinandergekoppelt worden. Doch das Schiff kann die Zone des Chaos nicht verlassen, solange die Parafragmente die Besatzungsmitglieder befallen haben. Roi Danton soll mit Colwin Heltamars Hilfe und einer modifizierten SERT-Haube ein besonders mächtiges Parafragment anlocken und damit die Bewusstseinssplitter aus den Körpern der Solaner vertreiben. Nachdem Danton scheitert, wagt Pravo Ylapp, dessen Geist vom Orakel geheilt wurde, den Versuch. Dem ehemaligen Diener Senns gelingt das Unterfangen und das Schiff kann die Zone des Chaos verlassen. Kaum ist die SZ-2 angekoppelt und die SOL damit erstmals seit langer Zeit als kompletter Verbund unterwegs, fällt die Fraktale Aufriss-Glocke über dem Zugangsschacht zur Unterwelt und schwer bewaffnete Kampfschiffe dringen zu den Eoracten vor und greifen auch die SOL an. Das Schiff flieht unter Fee Kellinds Kommando durch einen Situationstransmitter, den Colwin Heltamar als Notausgang eingerichtet hat.
Im Halo der Galaxis Tare-Scharm begutachten Perry Rhodan und Fee Kellind das Schiff und machen eine beunruhigende Entdeckung. Etwas von der Proto-Chaotischen Zelle hat sich am Mittelteil der SOL angeheftet. Und es wächst. Nach Auskunft Heltamars wird es das Schiff zerstören. Nur in einem chaotischen Raum kann die SOL von der Bedrohung befreit werden. Die SOL setzt Kurs zum Susmalsystem. Dort in der Dunkelzone mit dem Kolonnen-Dock und dem Kolonnen-Fort verspricht Heltamar, kann die SOL gerettet werden. Der Flug gerät zum Albtraum, da das Chaos-Teil Schiff und Besatzung in verschiedene Realitäten stürzt.
 
Im zehnten Roman der Miniserie Mission SOL zeigt sich das legendäre Schiff der Perry Rhodan-Serie endlich wieder vollständig. Autor Olaf Brill schickt die bekannte Paarung Perry Rhodan und Mahlia Meyun auf eine albtraumhafte Reise. Doch bevor es soweit ist, müssen zwei Drittel des Schiffes erst einmal befreit werden, damit es zur Wiedervereinigung der Schiffsteile kommt. In einigen Beschreibungen, die die SOL selbst betreffen und die Hohlwelt der Eoracten, stellt sich bei mir endlich das Gefühl ein, eine Serie rund um das Raumschiff SOL zu lesen. Die Kopplung, bekannte Alt-Solaner, die auf ihre Posten zurückkehren, ein phantastischer Handlungsort und natürlich mehrere Bedrohungen, die Schiff und Besatzung in Atem halten.
Sehr zu meiner Freude macht Olaf Brill dann etwas, auf das ich ebenfalls lange warten musste. Zwischenzeitlich schien es in anderen Romanen davor das eine oder andere mal schon so weit, aber immer wieder kam es dann doch anders. Von was ich spreche? Die Rede ist von Mahlia Meyun. Und davon, wie sich diese Figur selbst sieht und welche Konsequenzen sie aus ihren bisherigen Handlungen zieht. Und die Rede ist davon, dass sich Rhodan und Meyun endlich mal genau darüber unterhalten. Mahlia Meyun hält sich für eine starke Frau, die dennoch Fehler gemacht hat. Sie hat Machtmittel missbraucht und sieht diese Fehler ein. Ihre weitere Bestimmung sieht sie als Heilerin. Und Rhodan bestärkt sie darin.
Alles gut deswegen? Leider nein. Denn plötzlich, als wäre das alles gar nicht geschehen, präsentiert sich der Rest der Geschichte wieder genau so, wie sich die ersten neun Romane der Serie bei mir angefühlt haben. Die Figuren fallen in die alten Darstellungsmuster zurück. Olaf Brill beschreibt insbesondere Mahlia Meyun wieder mit allen bekannten emotionalen Höhen und Tiefen. Sie eckt wieder an, macht mal hier ein freundliches Gesicht und zeigt Qualitäten als Heilerin, wirft dann anderen etwas vor, um es kurze Zeit später zu revidieren, verbietet im groben Ton ihrem Ehemann zum wiederholten Male den Kontakt zu ihren Kindern, mag mal Danton, mal wieder nicht, zeigt sich Perry aufgeschlossen, mal wieder nicht, wirkt betroffen bei verschiedenen Anlässen und unterkühlt in anderen, usw. usw. Die Figur kann bei mir kaum noch zu einem wie auch immer gearteten Image gelangen. Alleine schon deshalb nicht, weil der Autor immer und immer wieder in Rückblicken die schlechten Seiten dieser Figur rekapituliert und seiner Figur deren gescheiterten Führungsentscheidungen permanent vor Augen führt. Selbstredend sind es in den verschiedenen Realitäten dann auch die Figuren, die ihr erscheinen, deren Ableben sie derart destabilisiert haben. Und der Autor macht munter damit weiter. Mahlia Meyun wird an allen Orten mit Leid und Tod und ihrem Versagen konfrontiert. Und der Autor breitet das genüsslich aus, indem er den Leser wieder an diese Situationen erinnert. Welchem Zweck die inzwischen 10-bändige Höllenfahrt der Mahlia Meyun dient, bleibt mir unklar.
Eigentlich sollte durch den Rückstand des Chaos an der Mittelzelle der SOL ein bedrohliches Szenario geschildert werden. Doch der Flug ins Susmalsystem war eine einzige große Familientherapiesitzung mit gelegentlichen Actionelementen. Obwohl, die eine oder andere Kuriosität, die ein wenig dem Comic-Stil von Olaf Brill entsprachen, gab es dann doch zu bestaunen. Beispielsweise das Picknick im Garten Eden im Angesicht der Katastrophe auf einer weiß-rot-karierten Decke. Und die Benutzung von Transmitter A und Transmitter B erinnerte mich entfernt an eine Episode aus dem Schaffenswerk von Stan Laurel und Oliver Hardy.
Fazit: Guter Beginn, hektisches Ende und dazwischen für meinen Geschmack zu viel Familien-, Gruppen-, Paar- Vater-Sohn- und Einzel-Therapie.