Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2870

PR_2870Die Eiris-Kehre – von Leo Lukas – Handlung:

Auf Tombaugh’s Rock, einem Außenposten am Rande des Solsystems, steht die Ankunft einer Neuen an. Die Habitat-Architektin Sui Dean wird von einem Versorgungsschiff auf dem LFT-Stützpunkt abgesetzt. Die nächsten drei Monate soll sie den Felsbrocken, ein Trümmerstück des Kleinplaneten Pluto, kartographieren. Ihre Untersuchungen dienen einem Projekt, das für Tombaugh’s Rock eine neue Aufgabe bringen könnte. Entsprechend sauer reagiert die Besatzung von Tombaugh’s Rock, die allesamt Individualisten sind. Die Begrüßung fällt kurz aus und Sui Dean wird von da ab von allen gemieden. Es dauert Wochen, bis sie überhaupt Kontakte zu einigen der Bewohner bekommt. Da ist eine Terranerin, deren Vorbild Melbar Kasom ist. Sie nennt sich Melba Kasom und versucht mit hormonellen Mitteln alles, um ihrem Idol zu gleichen. Eine Jülziish ist die Waffenspezialistin der stark armierten Station. Sie ist in die positronischen Systeme integriert und hat seit Jahrzehnten keine Begegnung mehr mit den anderen Besatzungsmitgliedern. Die Suchanoffs, ein Ehepaar, betreiben abstoßende Forschungen an Hybridwesen. Ein Terraner komponiert Musik mit den Geräuschen startender Raumschiffstriebwerke und ist schwerhörig geworden. Ein anderer hat einen Tanzsaal eingerichtet, um seine todkranke Zwillingsschwester einige letzte unbeschwerte Momente erleben zu lassen.

Am 21. Oktober 1518 NGZ bekommt Tombaugh’s Rock weiteren Besuch. Der PONTON-Tender GALILEO GALILEI schleppt den Polyporthof GALILEO zum Außenposten. Der Polyporthof ist von fremder Energie eingesponnen und unzugänglich geworden. Aber über den Hof hat sich ein fremder Humanoide namens Ovaron Kilmacthomas gemeldet und nach Perry Rhodan gefragt. Der Unsterbliche fliegt mit der RAS TSCHUBAI ebenfalls nach Tombaugh’s Rock. Und er nimmt Angakkuq mit. Von Cai Cheung erfährt Rhodan, dass alle Elemente des Polyportnetzes der Milchstraße damit begonnen haben sich einzuspinnen. Die Evakuierung wird angeordnet.

Perry Rhodan nimmt Kontakt zu Benya Roshi auf, dem Kommandanten von Tombaugh’s Rock. Der stellt eine Halle für die Begegnung mit Ovaron Kilmacthomas zur Verfügung. Rhodan fliegt mit Gucky in einer Korvette zum Treffpunkt. Ovaron Kilmacthomas bedient sich einer Dakkar-Spanne, um am Ziel zu materialisieren. Er ist tatsächlich ein Nachfahre von Tyrone Kilmacthomas und reist im Auftrag der INSTANZ. In dieser Epoche, führt er aus, zeigen sich Spuren des Wirkens des Atopischen Tribunals, gleichsam strahlenden Diamanten in einem dunklen Äon. Aber noch eine andere Katastrophe bedroht dieses Zeitalter: Die Eiris-Kehre. Bevor Perry Rhodan Einzelheiten erfährt, bekommt er die Nachricht, dass Angakkuq spurlos verschwunden ist. Kilmacthomas sieht darin eine Gefahr. Gleichzeitig kommt es auf Tombaugh’s Rock zu Wahrnehmungsstörungen der Besatzung. Ähnliches ist zuvor der Besatzung von GALILEO passiert. Frywil Suchanoff wird von seinen eigenen Hybridwesen getötet. Die Wissenschaftler der RAS TSCHUBAI empfehlen die Evakuierung.

Ovaron Kilmacthomas erläutert, das die dys-chrone Drift zu einer Degenerierung der Eiris von ES und der Eiris anderer Superintelligenzen im Umkreis von 100 Millionen Lichtjahren führt. Im Wirkungsbereich lösen sich die hyper- und paraphysikalischen Anker der SI’n. Kilmacthomas will das Polyport-System vor der Eiris-Kehre retten. Er verlangt den Urcontroller von Rhodan. Im Gegenzug bekommt Rhodan eine modifizierte Dakkar-Spanne, die es erlaubt, ein Sextadim-Banner der Tiuphoren zu orten und mentale Komponenten in ein Banner zu übertragen. Der Handel kommt zustande. Gucky hat indessen mit Germos Hilfe Angakkuq auf GALILEO lokalisiert. Während die Besatzung von Tombaugh’s Rock fast vollständig evakuiert werden kann, versetzen sich Perry Rhodan und Ovaron Kilmacthomas auf den Polyporthof und stoppen Angakkuq. Das Kunstwesen geht im Polyport-System auf. Kilmacthomas löst das gesamte Polyport-System aus der Mächtigkeitsballung von ES und verschwindet damit. Perry Rhodan übergibt den Generator der Dakkar-Spanne an Sichu Dorksteiger und Gholdorodyn zur Untersuchung.

 

Rezension:

Der Roman besaß Unterhaltungswert und wirkt doch an vielen Stellen unrund. Ich habe einige Passagen des Romans von Leo Lukas zweimal gelesen. Nicht weil sie besonders gut gelungen waren oder besonders interessant. Nein, ich habe manchen Absatz nochmal durchgeschaut, weil ich wissen wollte, was denn nun gegen die geradezu inflationär auftretenden Katastrophen von den Protagonisten unternommen wird. Die Antwort ist ernüchternd. Es wird nichts unternommen!

Nachdem also das Atopische Tribunal in der Milchstraße eingefallen ist und die Völker unterdrückt, ein Zeitriss marodierend durch die Galaxis fegt, die dys-chrone Drift für allerlei merkwürdiger Phänomene sorgt und die Tiuphoren ohne Widerstand ganze Sonnensysteme vernichten, ist nun auch die Eiris-Kehre eingekehrt. Zu den diversen Institutionen und deren Personal, die aus der Zukunft punktgenau in dieses Äon gereist sind, um sich am Untergang zu bereichern, gesellt sich nun auch die INSTANZ. Und ein zukünftiger Terraner klaut das Polyportsystem. Nicht etwa, weil dies die Eiris-Kehre verhindert, vor der uns der Besucher aus der Zukunft warnt, nein, er klaut es, weil das Polyportsystem in der Ära der INSTANZ einen wichtigen Pfeiler darstellt und wenn es in Perry Rhodans Epoche explodieren würde, wäre das nicht so gut. Weder für Perry Rhodan, noch die INSTANZ. Damit Perry Rhodan nicht ganz leer ausgeht, kriegt er ein Gadget in die Hand gedrückt. Damit ist Perry Rhodan das Polyportsystem los, die Katastrophen sind geblieben.

Zurückgeblieben ist auch das ewig wiederkehrende Muster, das übergeordnete Transportsysteme über kurz oder lang (meist über kurz) entsorgt werden. Während die Milchstraße es geschafft hat, ihre Polyportstationen zu evakuieren, stellt sich auch die Frage, was mit den Bewohnern der Handelssterne und Polyporthöfe in anderen Galaxien passiert ist. Allerdings ist dies nicht die drängendste Frage. Aus dem Roman der Vorwoche kennen wir nun eines der Ziele von Thez, nämlich Schaden vom Moralischen Code abzuwenden. Ein explodierendes Polyportsystem passt da nicht ins Geschehen. Und die Eiris-Kehre auch nicht. Die Aktionen Matan Addarus sind gründlich aus dem Ruder gelaufen. Gleichwohl passen die Erklärungen nicht ins Geschehen, die Leo Lukas seine Hauptfigur Perry Rhodan überlegen lässt. Durch den Transport von Angakkuq ins Solsystem wäre der Plan des Richters aufgegangen und das Kunstwesen hat dadurch unfreiwillig Zugriff auf das Polyportsystem bekommen. Soll das wirklich der Plan von Matan Addaru gewesen sein? Er begräbt seinen Gefährten auf Tefor, wo er von Rhodans Begleitern durch Zufall entdeckt wird? Das ist Unsinn! Um Zugriff auf das Polyportsystem zu nehmen, wäre jeder andere Plan zu jeder anderen Zeit erfolgversprechender gewesen. Aus dem Roman der Vorwoche wissen wir, wie Matan Addaru das Polyportsystem entdeckt, studiert und für seine Zwecke einzusetzen versucht hat. Der Zugriff zu diesem 1 bestimmten Zeitpunkt im vorliegenden Roman, wenn doch Myriaden von besseren Zeitpunkten existieren, erschließt sich aus der Lektüre dieses oder der bisherigen Romane nicht.

Die Geschichte mit den ebenfalls inflationär auftretenden diversen Zeitreisenden und den von ihnen ausgelösten Aktionen zeigt unübersehbare Schwächen. Auch Leo Lukas hat die Schwächen dieses Plots erkannt und versucht sie mit viel Humor zu übertünchen. Mehrere Male verlaufen Überlegungen seiner Figuren zu Zeitreisen und den Geschehnissen im Sande und werden durch groteske Gebärden oder Sprüche ins Lächerliche gezogen. Auch die Exposé-Autoren bekommen ihr Fett ab. Anders lässt sich die Passage auf Seite 37 nicht interpretieren, als Kilmacthomas für Perry Rhodan die Kausalarchitektur erläutert und auf Rhodans Nachfrage entgegnet, dass er diese Formulierungen nicht erfunden hätte.

Auch durch eine Vielzahl an extravaganten Nebenfiguren versucht Leo Lukas von der schwachen Hauptgeschichte abzulenken. Einige der schrägen Vögel von Tombaugh’s Rock erinnerten mich an die Besatzung der Dark Star, dem Raumschiff aus der gleichnamigen Science-Fiction-Parodie von Regisseur John Carpenter. Aber auch mit viel Humor kann Leo Lukas eben nicht alles kaschieren. Als Kilmacthomas Perry Rhodan die Dakkar-Spanne offeriert und ihn fragt, ob er damit umgehen könne, lässt Lukas seinen Protagonisten eine erstaunlich dumme Antwort geben. Rhodan entgegnet, dass er Laires Auge besaß. Genauso gut hätte Rhodan entgegnen können, dass er mal einen Dodge besaß oder ein IPhone.

Ein schwacher Roman, in dem es eigentlich nur um die Entsorgung des Polyportsystems ging. Dazu weitere Zeitreisende einzuführen, war keine gute Idee.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Jupiter Heft 04

PR_Jupiter04Syndikat der Kristallfischer – von Christian Montillon – Handlung:

Auf MERLIN, einer Faktorei des Syndikats der Kristallfischer, entwickeln immer mehr Menschen nach der Einnahme von Tau-acht für kurze Zeit absonderliche Psi-Kräfte. So wie Deshum Hiacu. Er durchdringt unkontrolliert feste Materie. Für seine Partnerin Errinna ist seine Fähigkeit tödlich, als er sie durchquert. Und auch für Deshum Hiacu endet die Drogeneinnahme tödlich. Er fällt durch mehrere Decks und die Außenhülle und driftet in die Jupiteratmosphäre.

In dieser Zone ist auch die Micro-Jet mit Perry Rhodan, Mondra Diamond und den drei TLD-Agenten Gili Saradon, Porcius Amurri und Dion Matthau unterwegs. Das Schiff wird von unbekannten Kräften bedroht. Für einen Augenblick glaubt Perry Rhodan eine schwebende Kreatur in der Jupiteratmosphäre zu sehen. Nur mit Mühe kann er Kurs auf MERLIN nehmen. Die Station ist an einem anderen Ort. Da die Funkanlage ausgefallen ist, kann Rhodan die Besatzung von MERLIN nicht kontaktieren. Er schafft mit Waffenfeuer einen Strukturriss im Schutzschirm der Station und fliegt hindurch. MERLIN ist auf der Hälfte einer Kugelzelle eines alten Großraumschiffs der Galaxis-Klasse aufgebaut. Der Unsterbliche steuert die Micro-Jet in einen Hangar. Dort werden sie von Onezime Breaux, dem Chef der Stelle für Datenbeschaffung, inhaftiert. Er und seine SteDat-Leute führen Rhodan und seine Begleiter zu einer Gefängniszelle. Unterwegs kommt es zu einem Zwischenfall. Ein Junge, offensichtlich ein Ganymedaner ruft der Gruppe das Wort „Wegbereiter“ zu. Breaux macht das sehr nervös. Er lässt den Jungen verfolgen, der urplötzlich verschwindet. In der Gefängniszelle lässt sich Perry Rhodan die Aufzeichnung seines SERUNS abspielen. Der Junge hat noch mehr gesagt. Er nennt seinen Namen Firmion Guidry, warnt vor Tau-acht und sagt, dass die Atmo-Schweber nicht vom Jupiter seien.

Bevor Perry Rhodan mit seinen Begleitern die Aufzeichnung analysieren kann, werden sie von Anatolie von Pranck aus dem Gewahrsam entlassen. Die Chefwissenschaftlerin des Syndikats gewährt ihnen zunächst freie Bewegung auf MERLIN. Sie würden allerdings überwacht. Den meisten Fragen, beispielsweise zu Tau-acht, weicht die Ganymedanerin aus. Sie führt die Besucher in das Casino und animiert sie zum Spielen. Auch hier treffen sie auf Menschen mit Psi-Fähigkeiten, die nur halb entwickelt sind. Eine Arkonidin, die Visionen hat, ein Roulettespieler mit schwachen telekinetischen Kräften. Gewinnen kann man Tau-acht. Anatolie von Pranck spricht von Honovin, von Homo novus insomnus, dem neuen schlaflosen Mensch. Perry Rhodan möchte endlich zu Oread Quantrill gebracht werden und Anatolie von Pranck arrangiert ein Treffen, an dem nur Perry Rhodan teilnehmen darf.

Unter den Tau-acht-Süchtigen auf der Station kommt es zu weiteren Todesfällen. Ein Mitarbeiter der SteDat wird zu einem Teleporter. Allerdings kann er seine Fähigkeit nicht kontrollieren und stirbt, als Teile seines Körpers weiter teleportieren als andere Teile. Eine Frau wird zu einem Erinnerungsjunkie. Ihre schlimmsten Erinnerungen verblassen nicht und führen schließlich zu ihrem Tod.

Während Perry Rhodan zum Treffen mit dem Chef der Faktorei geht, bilden seine Begleiter zwei Teams, die sich in den Laboren MERLINS umsehen wollen. Die beiden Frauen Mondra und Gili und die Männer Porcius und Dion müssen zunächst Onezime Breaux austricksen. Perry Rhodan trifft indessen Oread Quantrill und ist geschockt. Der Leiter der Faktorei sieht aus wie Thomas Cardiff, Rhodans erster Sohn! Schnell klärt sich, dass Quantrill die Fähigkeit eines Erinnerungstäuschers hat. Seinem Gegenüber lässt er dessen Erinnerungen sehen. Quantrill verfolgt den Plan einer schlaflosen Menschheit. Er will den Menschen mehr Zeit verschaffen. Jupiter wird zu etwas Neuem, der ersten Schwarzen Festung der Menschheit. Als Rhodan nicht auf Quantrills Vorschläge eingeht, wird der Unsterbliche erneut verhaftet. Per Funk warnt er seine Bergleiter. Mondra und Gili sind inzwischen in die Labore eingedrungen und entdecken dort Tanks mit merkwürdigen Lebewesen. Porcius und Dion konnten sich in die Lüftungsschächte retten. Dort treffen sie Chayton, der jedoch seine eigenen Pläne verfolgt.

Mondra und Gili werden vom SteDat-Chef überrascht und bluffen. Sie wollen die Labore sprengen. Tatsächlich zieht sich Onezime Breaux zunächst zurück und kontaktet Oread Quantrill. Der Chef der Faktorei will Mondra und ihren Begleitern ein Angebot unterbreiten, das diese nicht ablehnen können.

 

Rezension:

Der vierte Teil der Jupiter-Reihe nimmt wieder Fahrt auf. Legte der letzte Band den Schwerpunkt auf Beschreibungen, verfolgt Autor Christian Montillon in diesem Roman gleich mehrere actionbetonte Handlungen. Zunächst der Ritt durch die Jupiteratmosphäre und dann an Bord der Faktorei die Trennung von Rhodans Begleitern in zwei Teams, die sich mit den SteDat-Leuten ein Katz-und-Maus-Spiel liefern. Unterbrochen wird die Hauptgeschichte von Kapiteln, die mit „Splitter“ überschrieben sind. In ihnen erzählt der Autor verschiedene Schicksale von Tau-acht-Süchtigen, die zumeist mit dem Tode enden oder den nahen Tod prophezeien.

Anders als zuletzt werden die Beobachtungen, die Rhodan und seine Begleiter machen, auch diskutiert. Die Figuren stellen Fragen und hinterfragen die Antworten, die sie bekommen. Weil sich die Figuren mit ihren Erlebnissen auseinandersetzen wirkt die Story gefälliger und als Leser kann man in die Geschichte eintauchen.

Perry Rhodan bleibt diesmal nur ein kleiner Part. Auf MERLIN wird der Terraner gleich zweimal inhaftiert. Seine Begleiter hingegen befinden sich noch in Freiheit. Von Mondra Diamond, die es auch auf das Titelbild geschafft hat, hätte ich mir ein klein wenig mehr Charakterzeichnung gewünscht. Insgesamt werden ein paar Fragen geklärt aber sogleich wieder neue Geheimnisse platziert. Was genau geschieht mit Jupiter, was ist die Schwarze Festung, wer ist Firmion Guidry und welche Rolle spielt er?

Die Splitter hatten es in sich. Christian Montillon zeigt darin die schonungslose Darstellung der Folgen des Tau-acht-Konsums, bzw. was die dadurch ausgelösten Parafähigkeiten letztendlich bewirken. Bei einigen Kapiteln hätten für die darin gemachten Beschreibungen beinahe auch ein „Splatter“ statt „Splitter“ als Überschrift stehen können. Allerdings bleibt trotz der übersteigerten Darstellung von Gewalt und Blut eines immer klar. Es ist die Droge, die die Menschen zu Opfern macht. Ein guter Roman von Christian Montillon. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2869

PR_2869Angakkuq – von Uwe Anton – Handlung:

An Bord des PONTON-Tenders GALILEO GALILEI schreibt man den 16. Oktober 1518 NGZ. Der Tender ist am Polyporthof GALILEO angedockt und umkreist den Saturn-Mond Titan. Obwohl das Polyportsystem seit August 1514 NGZ nicht mehr genutzt werden kann, weil es von Perry Rhodan abgeschaltet wurde, sind Wissenschaftler nach wie vor dabei, den Hof zu untersuchen. Die Besatzung wird seit zwei Tagen mit ungewöhnlichen Sinneswahrnehmungen konfrontiert. Alle Untersuchungen, die Tender-Kommandant Tonio Bonzani anordnet, verlaufen ohne Ergebnis. Auch das Informationshologramm des Halbspur-Changeurs Ters Richarge gibt keine befriedigende Auskunft. Der Hof scheint sich einzuspinnen und dem Zugriff von außen zu entziehen. Rhodan vermutet einen Zusammenhang mit Angakkuq.

Das Kunstwesen liegt im Forschungszentrum für Androidologie auf Titan und wird von Axeu Nuyan untersucht. Der Wissenschaftler träumt davon, eine Androiden-Zivilisation zu schaffen und sympathisiert mit dem Techno-Mahdi. Doch aktuell untersucht er Angakkuq, der im Sterben liegt. Die Werte des Wesens haben sich jedoch stabilisiert. Offensichtlich nimmt das Geschöpf Zugriff auf eine externe Vitalenergiequelle. Nuyan will das Nervensystem von Angakkuq aufputschen. Allerdings könnte das Neuronale Netz weiteren Schaden nehmen. Da Angakkuq ohne Behandlung sterben wird, willigt Perry Rhodan ein. Gucky soll den Patienten telepathisch sondieren. Der erste Versuch geht schief und schwächt den Ilt, weil Angakkuq nun ihm Vitalenergie entzieht. Nun stellt sich auch Perry Rhodan als Vitalenergiequelle zur Verfügung und Gucky kann dem Gedächtnis des Kunstwesens wertvolle Informationen entnehmen.

Es beginnt mit der Bewusstwerdung von Angakkuq. Das Wesen wurde von den Eyleshioni geschaffen und dem bisherigen Piloten der 96-COLPCOR, einem Skeyprout mit Namen Weclaiser, nachempfunden. Den Auftrag bekamen die Eyleshioni von Matan Addaru Llevthat. Angakkuq verfügt von Anfang an über die notwendigen Grundkenntnisse. Ein Teil von Weclaiser, der bei einer Mission der 96-COLPCOR schwer verletzt wurde, lebt in ihm weiter. Dennoch dauert Angakkuqs Ausbildung Jahrhunderte. Er wird Zeuge, wie der erste Einsatz von Matan Addaru Llevthat ohne seinen Mentor, dem Atopen Julian Tifflor, scheitert. Ein weiterer Einsatz führt in die Zeit des Kodex von Phariske-Erigon und in den Konflikt mit den Tiuphoren. Der Atope rettet einen Planeten vor dem Imperium der Empörer und zieht sich den Zorn der Tiuphoren zu. Allerdings rettet der Atope nicht die Kodex-Völker, da sie untergehen müssen. Nur die Rayonen werden von ihm gerettet.

Gucky erfährt weitere Details. Als Matan Addaru Llevthat schwer verletzt wurde, hat ihn Angakkuq zu einem bestimmten Planeten in der Galaxis Kaskallen gebracht. In einer Kaverne mit Vitalenergie wird der Atope von den Sganshan behandelt und wird zu Matan Addaru Muudol. Der Atope wird auf Noudura, der Jadegrünen Stadt aufmerksam, die auf dem Planeten erscheint. Er untersucht die Immaterielle Stadt, die mit einem weiteren Transportsystem verbunden ist, das den Atopen noch mehr fasziniert. Er findet einen Polyporthof und untersucht ihn. Jahrzehnte vergehen. Und dann macht Matan Addaru Muudol etwas Unerwartetes. Er sorgt dafür, dass sein Schiff alle Informationen über das Polyportsystem vergisst. Matan Addaru erzählt Angakkuq von Veirdandi, der ihn vor dem Atopischen Tribunal warnte, das eine große Verheißung aber auch eine große Versuchung darstellte. Den Hohen Mächten war am Ende des Universums die Natur des Moralischen Kodes noch immer ein Rätsel. Thez opferte sich, um gemeinsam mit dem Moralischen Kode zu verblassen. Dadurch identifizierte sich Thez sehr stark mit dem Moralischen Kode und beschloss alle Ereignisse in der Vergangenheit, die dem Kode Schaden würden, noch vor dem Eintritt der Schadensfälle zu verhindern. Allerdings sind die Methoden fragwürdig, welche Realität eintreten darf und welche nicht. Der Atope Veirdandi sah darin ein Risiko. Thez begann damit, das Universum nach seinen Vorstellungen zu homogenisieren. Veirdandi wurde vom Atopischen Tribunal verleugnet. Matan Addaru befürchtet, dass ihm ähnliches passieren könnte. Er will sich daher ein zweites Standbein schaffen.

Perry Rhodan sieht eine weitere Gefahr für das Solsystem. Wie er von Pral vor vier Jahren erfuhr, stellt die Eiris von ES eine wesentliche Komponente des Polyportsystems dar. Wenn Angakkuq Vitalenergie aus dem System bezieht, dann greift ein Atope auf das System zu. GALILEO muss sofort vom Titan abgezogen werden. Der PONTON-Tender zieht GALILEO an den Rand des Solsystems.

Gucky entlockt dem Bewusstsein des Kunstwesens weitere Erinnerungen. Mit Hilfe der Tolocesten wollte Matan Addaru ein der Synchronie ähnliches Transportsystem schaffen, die n-dimensionale Laterale. Das System blieb jedoch mit dem Polyportnetz verschränkt. Matan Addaru nutzte es dennoch, um Luna zu entführen. Er vermutete allerdings, dass die Tolocesten absichtlich kein eigenständiges System schufen. Die Aktion mit Luna blieb Richter Chuv nicht verborgen. Da Chuv sich allerdings auch Eigenmächtigkeiten gestattete, vereinbarten die beiden Atopen einen Status Quo des gegenseitigen Gewährenlassens. Später schickte Matan Addaru Julian Tifflor in die Jenzeitigen Lande. Im Falle des Weltenbrandes, der in den nächsten 500 Jahren ausgelöst werden würde, war Matan Addaru allerdings der gleichen Ansicht wie Thez. Noch immer war unklar, wie das Ereignis durch Rhodan, Bostich oder den Adaurest ausgelöst werden wird. Sollte jedoch der Zeitriss auf Sol treffen und TAFALLA herausreißen, dann könnte womöglich der Blick auf die Anfänge der Ekpyrosis freiliegen.

Perry Rhodan kann es nicht fassen. Der Atope würde für diesen Blick das Solsystem opfern! Angakkuq geht es wieder schlechter, da GALILEO abgezogen wurde. Rhodan lässt das Kunstwesen auf die RAS TSCHUBAI bringen und fliegt dem Polyporthof hinterher. Auf dem PROTON-Tender, der den Hof transportiert ist man erstaunt, als ein Funkspruch von GALILEO eingeht. Der Hof ist inzwischen fast vollständig wie ein Kokon eingesponnen. Ein fremder Humanoide stellt sich als Ovaron Kilmacthomas vor und bezeichnet sich als Präteritalkontakter der INSTANZ. Er sei hier, um die Menschheit dieses Äons vor der Eiris-Kehre zu warnen. Er fragt, ob Perry Rhodan noch lebt.

 

Rezension:

Früher nannte man solche Romane Schlüsselromane. Und in der Tat lüftet Uwe Anton ein wenig den Schleier um die Geheimnisse dieses Zyklus. Um natürlich sofort andere Rätsel einzubauen. Aber das war früher auch nicht anders. Eben weil ein wenig auf die Hintergründe des Atopischen Tribunals, bzw. eines seiner Mitglieder, dem Atopen Matan Addaru, eingegangen wird, lohnt sich ein genauer Blick darauf.

Zur Geschichte, mit der Uwe Anton seine Informationen verpackt, gibt es nur wenig zu sagen. Die Figuren auf dem Polyport-Hof und im Forschungszentrum dienten lediglich ein wenig der Ablenkung. Der Schwerpunkt der Geschichte lag eindeutig auf den Erinnerungen des Kunstwesens. Allerdings nutzt Uwe Anton den Raum, um noch weitere Verflechtungen mit anderen Ereignissen des Perryversums unterzubringen. Diese Fülle hatte dann doch wohl wieder die Absicht, mehr zu verwirren, als aufzuklären. Mit dem Techno-Mahdi lässt Uwe Anton nämlich eine weitere Begebenheit aus den Anfängen dieses Zyklus um das Atopische Tribunal aufleben. In Heft 2747 wurden Botschaften des Unbekannten zuletzt erwähnt. Und nun entpuppt sich Axeu Nuyan als ein Sympathisant. Der Forscher lanciert nebenbei eine mögliche Erklärung für den Techno-Mahdi. Es könnte sich nicht um eine Person, sondern vielmehr um eine Idee handeln. Und es gibt eben Leute, die diesen Ideen folgen. Nuyan gehört dazu, mit seinem Plan einer Androiden-Zivilisation. Damit wirft der Autor einen weiteren Blick zurück, nämlich zu den Multi-Cyborgs des NEI.

Mit einer der Stationen aus Matan Addarus Leben bringt Uwe Anton auch die Fernen Stätten, die Mächtigkeitsballung von TALIN ins Spiel. Der Atope macht Station in der Galaxis Kaskallen, die zu den 11 Galaxien des Polyport-Netzes und zu den Fernen Stätten gehört. Der größte Anknüpfungspunkt zum vorliegenden Roman bildet jedoch Heft 2716. Der Autor geht nicht nur auf Pral und dessen Aufgehen im Polyportnetz ein, sondern er thematisiert auch die am Ende angesprochene INSTANZ, die ihren ersten Auftritt in besagtem Heft hatte. Damals traf Rhodan auf den Terraner Tyrone Kilmacthomas an Bord der WIZARD OF OZ, die havariert war. Und er kam in Kontakt zu den Banshees, die Rhodan gegenüber als INSTANZ auftraten und aus einer unglaublich weit entfernten Zukunft, etwa 5 Milliarden Jahre, stammen. Die INSTANZ wollte die Menschen der WIZARD OF OZ retten und ihnen ein Leben in der Zukunft ermöglichen. Wie es scheint, ist nun ein Nachfahre von Tyrone Kilmacthomas in die Vergangenheit gereist. Das macht die Geschichte nicht einfacher, wenn nun eine weitere Instanz, nämlich die INSTANZ auch noch ins Zeit-Geschehen eingreift.

Immerhin wissen wir nun, dass die Ziele von Thez der Integrität des Moralischen Kodes dienen. Thez entscheidet darüber, welche Ereignisse im Universum geeignet sind, dem Moralischen Kode zu schaden und eliminiert die Bedrohung, bevor sie eintritt. Dem Atopen Veirdandi ist das suspekt und er wird verleugnet. Matan Addaru scheint ebenfalls mit den Zielen von Thez nicht einer Meinung zu sein. Er bricht aus dem Gefüge aus und verfolgt eigene Pläne. Nur mit dem Weltenbrand befindet er sich auf der Linie mit Thez. Sein Handeln wirft viele Fragen auf. Ist die Opferung des Solsystems tatsächlich Konsens mit den Zielen von Thez? Und warum legt er Atlan Steine in den Weg? Der Arkonide ist kein Fraktor. Was will Matan Addaru verhindern? Den Weltenbrand will auch Thez verhindern und ein Gespräch mit Atlan dürfte dieses Wesen davon nicht abhalten.

Unklar bleibt weiterhin, wozu die Atopische Ordo dient. Wenn Rhodan, Bostich und der Adaurest für den Weltenbrand verantwortlich sind, wozu bedarf es der Unterwerfung einer ganzen Galaxis und einer Jahrhunderte oder gar Jahrtausende langen Besetzung? Warum sollen die technischen Möglichkeiten der Völker eingeschränkt werden?

Insgesamt ein gutes Heft. Bis zum Zyklusende bleiben noch genügend Fragen, die beantwortet werden müssen.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Jupiter Heft 03

PR_Jupiter03Galileo City – von Kai Hirdt/Hubert Haensel – Handlung:

Chayton Rhodan hält sich noch immer in der Faktorei MERLIN versteckt. Mit seinem Vorrat an Tau-acht kann er einen Mitarbeiter der Waffenkammer ködern. Für eine Brise der Droge erhält er einen Schutzanzug und eine schwere Waffe. Zurück in seinem Versteck erhält er die lange erhoffte Nachricht. Pao Ghyss, die Frau, die ihn von Tau-acht abhängig gemacht hat, ist auf MERLIN zurückgekehrt. Er will sich an ihr rächen. Mit seinen Kenntnissen über Positroniken findet Chayton schnell das Quartier der Frau und verschafft sich Zugang. Als Pao Ghyss eintritt, ist sie jedoch nicht allein. Chayton, der sich versteckt hält, wird Zeuge eines Gesprächs zwischen ihr und Onezime Breaux, dem Chef der SteDat. Chayton bekommt den Eindruck, dass es Pao Leid täte, ihn abhängig gemacht zu haben, weil er Kinder hat. Er versucht sie zu überreden, mit ihm gemeinsam Oread Quantrill zu töten, der für die Verbreitung von Tau-acht sorgt. Doch Pao hintergeht ihn und flüchtet. Chayton jagt sie durch die Station.

An Bord der CHARLES DARWIN II, einem Schiff der SATURN-Klasse, reisen Perry Rhodan, Mondra Diamond und Reginald Bull zum Ganymed. Offiziell nehmen sie an der 3000-Jahr-Feier von Galileo City teil. Inoffiziell wollen sie die seltsamen Vorgänge in Los Angeles und die Verbindungen zum Syndikat der Kristallfischer untersuchen. Und da ist auch noch das Artefakt, dessen Altersdatierung zeigt, dass es immer jünger wird. Begleitet werden die drei von zwei Journalisten und drei Personenschützern vom TLD. Am Ganymed angekommen, bleibt der Großraumer im Orbit, während Perry Rhodan und seine Begleiter mit zwei Micro-Jets auf dem Raumhafen von Galileo City landen. Eine Ganymedanerin bringt die Besucher ins Zentrum der Metropole, die unter einer 250 Kilometer durchmessenden Kuppel liegt. Eine Tour durch die Stadt schließt sich an. Schließlich wird Rhodan von der Bürgermeisterin Kaci Sofaer empfangen. Auch hier schließt sich eine weitere Führung durch Galileo City an. Schließlich findet die Feier anlässlich des Jubiläums statt und die Eröffnungsreden werden gehalten. Nach dem offiziellen Akt gehen die Feiern in vielen Stadtteilen weiter. Die Journalisten sammeln Eindrücke der Bevölkerung, während Perry und Mondra, begleitet von den TLD-Agenten, durch die Stadt flanieren.

Reginald Bull schnappt sich einen Gleiter und fliegt alleine zum Artefakt. In der Nähe angekommen, wird er mit einer beunruhigenden Nachricht konfrontiert. Angeblich ist seit zwei Tagen niemand mehr zurückgekommen, der zum Artefakt aufgebrochen ist. Reginald Bull sucht die drei Wissenschaftler, die von der Liga zum Artefakt geschickt wurden. Die drei Forscher findet er am Artefakt, alle in sich gekehrt. Einer der Hyperphysiker behauptet, das Artefakt spreche mit ihm, es mache ihn glücklicher. Bull erkennt, dass alle Personen im Umkreis des Artefakts beeinflusst sind. Er selbst scheint nicht betroffen.

Perry und Mondra machen seltsame Beobachtungen. Möglicherweise sind Parakräfte im Spiel. Rhodan hört das erste Mal von Lebewesen in der Jupiteratmosphäre. Und die Station MERLIN, auf der Chayton verschwunden ist, gerät immer mehr ins Blickfeld des Unsterblichen. Perry und Mondra haben ein Treffen mit Starbatty, dem Ersten Syndikatssenator des Syndikats der Kristallfischer. Anwesend ist auch Tianna Bondoc, die Urenkelin des Syndikatsgründers. Sie will Rhodan und Diamond vom Besuch der Station abhalten.

Mit einer Micro-Jet steuern Perry, Mondra und die TLD-Agenten die Jupiteratmosphäre an, um sich dort umzusehen. MERLIN ist nicht mehr auf seiner Position. Zur gleichen Zeit kommt es zu Schwerkraftanomalien in der Nähe des Artefakts auf Ganymed. Die Funkverbindung zu Reginald Bull, der sich merkwürdig verhält, bricht zusammen. Das kleine Schiff von Rhodan wird von einer unbekannten Energie getroffen und stürzt Richtung Jupiter.

 

Rezension:

Der dritte Teil der Jupiter-Serie wurde ebenso wie Band 2 von Hubert Haensel und Kai Hirdt verfasst. Anders als in Band 2 wird Kai Hirdt im dritten Heft zuerst genannt. Das deutet darauf hin, dass seine Anteile an dem Roman größer sind, als die von Hubert Haensel.

Die Beschreibungen von Galileo City machen gefühlte 95 Prozent des Romans aus. Leider wird nur wenig Flair erzeugt. Alles wirkte irgendwie nüchtern und distanziert. Obwohl ein Jubiläum anstand wurde kein Bogen geschlagen über 3000 Jahre. Am Anfang stand eben die Gründung und schwupps sind 3000 Jahre vergangen. Es wird nur sehr wenig auf die Entwicklung und die Lebensweise der Ganymedaner eingegangen. Allenfalls anatomische Unterschiede werden angeführt und die Bewahrung der Natur. Allerdings wurden viele architektonische Vergleiche zu Terrania oder zu Gebäuden früherer Epochen der Erde gezogen. Dennoch wollen die Ganymedaner ein unabhängiges Völkchen sein. Warum dann diese Anlehnung an Terra? Abgesehen von wirtschaftlicher Unabhängigkeit drückt sich die angestrebte Emanzipation sonst kaum aus. Die Geschichte plätschert ein wenig dahin. Sie ist nicht wirklich uninteressant aber sie vermag auch nicht zu fesseln. Richtig Spannung kommt nur in den letzten 2-3 Seiten auf, als Chayton von Pao reingelegt wird, Perry und Mondra Richtung Jupiter düsen, Bully in Gefahr gerät und MERLIN verschwindet.

Die Figuren machen allerhand merkwürdige Beobachtungen. Doch das Gesehene, so bizarr es auch war, wird kaum diskutiert. Die Figuren setzen sich nicht wirklich mit ihren Erlebnissen auseinander. Dadurch wird eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen aufgebaut, wodurch auch der Leser nicht in die Geschichte eintauchen kann.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2868

PR_2868Der Fall Janus – von Christian Montillon – Handlung:

Die Völker der Milchstraße stehen vor einem Krieg. Die Tiuphoren sammeln ihre Sterngewerke und bedrohen zahlreiche Welten. Auch in der Nähe von Ertrus, dem dritten Planeten der Sonne Kreit stehen tausende Tiuphorenschiffe. Der Ertruser Margorat Ruwaog sorgt sich um seine Kinder Lonnerd und Caarko. Was er nicht ahnt, sein Sohn Caarko ist die Stimme des wiederbelebten Radio Freies Ertrus. Mit Parolen sorgt der junge Ertruser für Stimmung in der Bevölkerung. Auch dem Regierungschef Virgil Roosa ist nicht entgangen, welche Wirkung Radio Freies Ertrus erzeugt. Er lässt Ruwaog und seine Kinder auf die KIM TASMAENE bringen, seinem Flaggschiff. Denn der Widerstand braucht ein Gesicht.

Perry Rhodan ist mit der RAS TSCHUBAI nach Terra zurückgekehrt und bringt den Mutanten Dienbacer mit. Bevor der Tefroder seine einzigartige Fähigkeit einsetzt, trifft sich Rhodan mit Cai Cheung. Er hört zum ersten Mal vom Auftauchen der MOCKINGBIRD und davon, dass Tifflor ein Atopischer Richter ist. Am Gespräch nimmt auch der Akone Arval Las’Andossu teil, der neue Kommissarische Sprecher des Galaktikums. Er hat beunruhigende Nachrichten. In der Nähe von 10 Hauptwelten des Galaktikums finden Aufmärsche der Tiuphoren statt. Ertrus, Plophos, Olymp, Aralon, Gatas, Apas, Zülüt, Haspro, Archetz und Halut droht die Vernichtung. Perry Rhodan ahnt, dass sich die Tiuphoren Terra für das Ende aufheben. Der ParaFrakt kommt zu spät. Mit neu entwickelten Schiffen auf Low-Tech-Basis, die PROTECTOR-Boote will man jedoch die Schiffe des Galaktikums ausstatten, damit sich deren Besatzungen retten können.

Im Kreitsystem findet der erste Tiuphorenvorstoß statt. Ein Sterngewerk dringt ins System ein, setzt Sternspringer ab und Kriegskapseln. Obwohl die Onryonen zur Verstärkung anrücken, haben die Verteidiger keine Chance. Indoktrinatoren befallen alle Schiffe, auch die KIM TASMAENE.

Auf Terra untersucht Dienbacer die Positroniken OTHERWISE im Solaren Haus und LAOTSE in der Solaren Residenz. Für OTHERWISE kann er Entwarnung geben. Doch in LAOTSE schlummern inaktive Indoktrinatoren. Sie können nicht entfernt werden. Mit ANANSI von der RAS TSCHUBAI entwickelt Dienbacer einen Plan. LAOTSE, der Schnittstellen zu allen wichtigen Einrichtungen des Systems hat, soll eine andere Wirklichkeit vorgegaukelt werden. Sollten tatsächlich die Tiuphoren angreifen und die Indoktrinatoren aktiv werden, wird LAOTSE nicht mehr auf reale Daten zugreifen können. OTHERWISE übernimmt die Systemverteidigung. Ein erster Testlauf ist erfolgreich.

Im Kreitsystem spitzt sich die Lage zu. Virgil Roosa wendet sich mit einer Rede ans Volk. Die Übertragung wird von Indoktrinatoren unterbrochen. Roosa schickt Ruwaog und seine Söhne mit einer Rettungskapsel von Bord. Sie sollen sich auf Ertrus in einer unterirdischen Anlage verstecken. Im All bricht das Chaos aus. Die Schiffe der Verteidiger schießen sich gegenseitig ab. Raumstationen werden zerstört.

Auf Terra nimmt man die katastrophalen Nachrichten entgegen. In jedem der 10 Systeme sind mehr als 10.000 Schiffe verloren gegangen. Den über 100.000 Schiffen auf Seiten des Galaktikums stehen nur 50 zerstörte Sterngewerke gegenüber. Die WOLFGANG PAULI kehrt ins Solsystem zurück. Gholdorodyn und Aichatou Zakara bringen gute und schlechte Nachrichten. Der Zeitriss scheint mit dem Korpus von TAFALLA in Sol in einer Wechselwirkung zu stehen. Die Eiris scheint betroffen. Auch die Tiuphoren könnten irritiert sein, genauer gesagt ihre Sextadim-Banner, die nicht vollständig in die Hyperstenz integriert sind. Möglicherweise ergibt sich dadurch eine Schwachstelle, die gegen die Sterngewerke ausgenutzt werden kann.

 

Rezension:

Christian Montillon fährt schweres Geschütz auf. Mit einem solchen Roman habe ich nicht mehr gerechnet. Ich hatte die Hoffnung, dass sich das Tiuphorenproblem auf andere Weise lösen lässt, als mit Gewalt.

Gleich zu Beginn fällt mir auf, nicht zum ersten Mal übrigens, dass die Solare Premier mit vielen positiven Charaktermerkmalen geschildert wird. Cai Cheung sei anders, sei brillant, denkt und handelt unkonventionell und einige Eigenschaften mehr, die der Autor da einfließen lässt. Doch wann erleben wir diese Person, die Rhodan so hoch lobt, tatsächlich mal mit diesen Fähigkeiten? Sie steht im Schatten des Unsterblichen und konnte die Eigenschaften, die ihr angedichtet werden bislang nicht zeigen. Abgesehen davon ist der Schatten, den Rhodan wirft, allerdings längst nicht mehr so eindrucksvoll wie zu früheren Zeiten. Rhodans Handeln ist nicht das Gelbe vom Ei in diesem Zyklus. Siehe auch meine Rezensionen zu den Romanen, in denen auf Terra eine Allianz gegen die Tiuphoren geschmiedet wird. Seltsam auch, dass Cai Cheung, die viel Wert auf ihr Äußeres legt, was ihre Frisur angeht nun ungepflegt auftritt und dies damit begründet, dass die aktuellen Probleme wichtiger als ihre Haare seien. Genau hier zeigte sie bislang eine andere Eigenschaft. Egal wie schlimm es stand, die Solare Premier vermittelte nach außen etwas anderes.

Die Geschichte von Christian Montillon hatte mehrere Erzählstränge. Nicht alle überzeugten. Die Ertruser hatten meine Sympathie. Die Idee, dem Widerstand ein Gesicht zu geben, das Gesicht eines Jugendlichen, der mit Schlagworten die Bevölkerung motiviert, war gut. Aber irgendwie wurde diese Idee vom Autor nicht konsequent verfolgt. Denn diese Stimme des Widerstands hat niemand gehört, bzw. sich die Inhalte zu Eigen gemacht. Nicht die Bewohner von Ertrus und schon gar nicht die Soldaten auf den Raumschiffen. Die warten lieber ab, bis sich die Indoktrinatoren ausgebreitet haben. Wenn der Autor angesichts der Aussichtslosigkeit der Situation eine Schilderung von Schiffen der Ertruser, die sich im letzten Aufbäumen gegen den Feind werfen, abgegeben hätte, und dann scheitern, wäre das besser gewesen. So zieht niemand gegen den Feind los. Alle warten auf das Unvermeidliche. Melbar Kasom hätte es anders gemacht!

Der Tefroder Dienbacer ist eine Figur, deren Handeln mir zusagte. Seine Wortkargheit und der spezielle Humor hat Christian Montillon gut rübergebracht. Die Idee, LAOTSE mit simulierten Daten eine andere Welt vorzugaukeln, ist Unsinn. Dazu müsste man alle Schnittstellen überwachen, was unmöglich ist. Mich wundert aber etwas anderes noch mehr. Da hat man eine Möglichkeit ersonnen, befallene Positroniken von Indoktrinatoren zu reinigen, und setzt das nicht ein, damit die Tiuphoren das nicht mitbekommen? Das ist höchst unplausibel. Zumal es bereits Reinigungen an anderer Stelle gegeben hat. Wenn 20.000 Sterngewerke ins Solsystem fliegen, interessiert die das sowieso nicht mehr, ob sie LAOTSE kontrollieren. Den ParaFrakt in vorhandene Schiffe einzubauen schaffen die Terraner und Galaktiker nicht. Dafür schaffen sie es, eine völlig neue Schiffsklasse zu konstruieren und diese PROTECTOR-Schiffe aus dem Stand zigtausendfach zu produzieren und zu verteilen, und sogar bei einer der angegriffenen Welten bereits einzusetzen. Das passt leider alles nicht zusammen.

Nicht so toll war auch das Funkgespräch mit Gholdorodyn. Wenn die Initiative zum Gespräch von Perry Rhodan ausgegangen wäre und der Kelosker nur wie üblich keine Antworten gegeben hätte, dann hätte man das so stehenlassen können. Doch hier ging der Funkspruch vom Kelosker ein, mit dem Inhalt: „Ätsch, ich sage Dir nichts.“ Wenn uns der Autor auf die Folter spannen will, hätte es andere Möglichkeiten gegeben. So fragt man sich als Leser zum x-ten Male, warum Perry Rhodan nicht einfach ein anderes Besatzungsmitglied der WOLFGANG PAULI befragt, vorzugsweise die Chronotheoretikerin? Der Autor hat sein Ziel erreicht und den Leser weiter im Unklaren gelassen. Der Autor übersieht dabei allerdings, dass er seine Hauptfigur beschädigt. Perrys Auftreten seit Band 2700 ist, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gerade der Brüller. Der Unsterbliche, ich habe es in einigen Rezensionen bereits geschrieben, wäre besser im Gefängnis der Onryonen geblieben. Auch in diesem Roman von Christian Montillon macht der Terraner keine gute Figur. Er ist zum Stichwortgeber reduziert. Zum Gleiterpiloten für Dienbacer. Zum Händchenhalter für Sichu Dorksteiger. Na ja, eigentlich ist es sogar andersherum. Sichu hält ihm das Händchen. Nur in einem hatte ich mich geirrt. Ich ging aufgrund der Schwäche des Namensgebers der Serie davon aus, dass Atlan es richten wird. Na ja, wir haben es gesehen. Auch der Arkonide ist nur noch ein Spielball der Elemente. Sollte am Ende des Zyklus doch die Tiuphoren besiegt und das Atopische Tribunal zum Umdenken gebracht worden sein, dann ist es gewiss nicht der Verdienst der beiden Haupthandlungsfiguren.

In der Geschichte fehlte es an Handlungsalternativen. Die Figuren ergeben sich sehr schnell in ihr Schicksal. Dabei hätte es durchaus Möglichkeiten gegeben. Da die Schiffe der Verteidiger eh keine Chancen hatten, wäre ein Komplettabzug der militärischen Schiffe besser gewesen, als deren Totalverlust. Okay, das wäre ziemlich unpopulär gewesen. Aber auch eine andere Taktik, nämlich per Transition an die Feindschiffe springen und feuern aus allen Rohren, wäre möglich gewesen. Abwarten und mit Indoktrinatoren befallen lassen war keine gute Idee. Aber der Exposé-Autor verfolgt wohl ein anderes Ziel. Die Hoffnungslosigkeit untermauert der Autor mit den üblichen Abläufen. Die Verteidiger arbeiten in der Regel sequentiell. Sie erledigen ein Problem nach dem anderen. Die Angreifer hingegen agieren nach Belieben. Diesen Aufbau werden die Autoren nicht müde, immer und immer wieder zu fahren.

Zyklustechnisch war der Roman eine herbe Enttäuschung. Wie bei vielen anderen Romanen zuvor auch, kann Christian Montillon, der ja auch selbst die Exposés verfasst, seiner eigenen Vorlage immerhin stellenweise Leben einhauchen.

Nun komme ich zum größten Fehler in dieser Geschichte. In diesem Roman gibt es erstmals eine Begründung dafür, warum sich die Tiuphoren bislang „zurückhaltend“ gezeigt haben. Angeblich ging es ihnen darum, zuerst die Schiffe der Galaktiker mit Indoktrinatoren zu verseuchen, um dann ihre Bannerkampagne durchzuziehen. Die Begründung kommt spät und sie passt nicht zum bisherigen Verhalten der Tiuphoren. Die haben wiederholt gezeigt, wie man mit 2-3 Sterngewerken ein ganzes Planetensystem erobern kann. Viel wichtiger ist jedoch, sie standen in Konkurrenz zueinander. Die größere Beute und die gefangenen ÜBSEF-Konstanten machte sie zu Rivalen. Dieses ganze bisherige Verhalten hat der Autor über den Haufen geworfen. Das passte einfach nicht.

Und noch eine letzte Notiz, nämlich Rhodans Reaktion auf die Nachricht, dass Julian Tifflor nun ein Atope ist: Keine! Es gibt keine Reaktion.