Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2875

pr_2875Die vereiste Galaxis – von Christian Montillon – Handlung:

Perry Rhodan hat sich den Tiuphoren ausgeliefert. Zusammen mit der Larin Pey-Ceyan ist er zur SHEZZERKUD geflogen. Nun befindet sich der Terraner im Banner des Sterngewerks. Es ist anders als bei seinem ersten Aufenthalt im Catiuphat. Den hatte Rhodan steuern können und diente der Erforschung des tiuphorischen Banners. Jetzt jedoch ist alles anders. Rhodan ist tot. Die Orientierung fällt ihm schwer, seine Erinnerungen verblassen. Und doch sind es diese Erinnerungen, an die er sich klammern kann. Er trifft Pey-Ceyan und gemeinsam können sie ihre Lage stabilisieren. Sie sind im ersten Torus, der Kinderstube des Catiuphats. Lange können sie dort nicht bleiben. Wie schon beim ersten Aufenthalt werden sie von den Trostreichen dazu gedrängt, die nächste Ebene aufzusuchen. Ein Tiuphore kommt zu Hilfe. Er führt sie in eine Nische des Catiuphats und stellt sich als alter Freund vor. Es ist Attilar Leccore, der nach wie vor in seiner Tarnidentität des Orakel-Pagen Paqar Taxmapu an Bord der CIPPACOTNAL tätig ist.

An Bord der SHEZZERKUD ist Xenoermittler Shoer Venyeth Ziel eines Angriffs des Orakelpagen Knaudh. Der Xenoermittler hat die Leichen von Perry Rhodan und Pey-Ceyan nicht wie vereinbart vernichten lassen, sondern hat sie in Kryostase versetzt. Die Körperbasen hat er untersucht und erstaunliches entdeckt. Der Terraner trägt ein Vitalenergie spendendes Gerät in der Schulter. Ein weiteres Gerät um das Handgelenk entpuppt sich als sehr fortschrittlich. Womöglich hat das Armband eine Fiktivtransmitterfunktion. Shoer Venyeth will seine Forschungen fortsetzen. Seine Ergebnisse hält er geheim. Die Schiffsführung mischt sich in den Konflikt zwischen ihm und Knaudh nicht ein. Venyeth verstärkt die Sicherheitseinrichtungen seines Labors.

Leccore/Taxmapu klärt die beiden Geistkomponenten auf. Ihre Körper wurden mit Strahlerschüssen ins Herz getötet. Ohne die sofortige Kryostase wären sie verloren. Es gibt also eine Möglichkeit, in sie zurückzukehren. Durch den Angriff der MOCKINGBIRD auf die SHEZZERKUD wurden die Banner der Tiuphoren vermischt und Rhodans und Pey-Ceyans Geistkomponente in das Banner der CIPPACOTNAL geschleudert. Die Flotte der Tiuphoren besteht noch aus 20.000 Sterngewerken, die antriebslos einige Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt im Leerraum steht. Die verbliebenen Schiffe aus der Schlacht im Solsystem haben Überlebende aufgenommen und sind überbevölkert. Außerdem können sie den Flug zur Galaxis Orpleyd zunächst nicht antreten. Mit Plänen von der SHEZZERKUD müssen zunächst die Antriebssysteme modifiziert werden. Dennoch sind inzwischen zwei Jahre vergangen. Rhodan sieht noch eine Chance auf Rückkehr in die Milchstraße. Zunächst müssen sie ihre Körper retten.

Leccore/Taxmapu besucht die SHEZZERKUD und mischt sich als eine Art Vermittler in den Konflikt von Venyeth und Knaudh ein. Er kann die Körper Rhodans und Pey-Ceyans besichtigen. Zurück im Catiuphat übernimmt Rhodan den Körper von Leccore/Taxmapu, während Leccore als eine Art Extrasinn fungiert. Der Ysicc Moizen akzeptiert den Wechsel. Er will das Orakel Urccale davon überzeugen, ihre Körperbasen zur CIPPACOTNAL bringen zu lassen. Dadurch sollen die angeblich aufsässigen Geistkomponenten Rhodan und Pey-Ceyan besänftigt werden. Als Urccale sich in den ersten Torus begibt, um sich von den aufsässigen Geistkomponenten selbst ein Bild zu machen, kommt es zu einem überraschenden Ereignis. Als sich Urccale und Rhodan im Banner berühren, wird das Orakel weggeschleudert. Etwas ist an Rhodan, dass das bewirkt. Für einen kurzen Moment erhalten Rhodan, Pey-Ceyan und Leccore/Taxmapu einen Blick in weitere Ebenen des Catiuphats. Urccale stürzt in Torus V, dem Kranz und ist verloren. Pey-Ceyan erhascht einen Blick auf eine vereiste Galaxis. Rhodan/Leccore/Taxmapu werden vom Caradocc zum neuen Orakel der CIPPACOTNAL ernannt, was mehr Freiheiten zum Handeln bringt.

Rhodan/Leccore/Taxmapu machen ein Template von Knaudh und stehlen in dessen Gestalt die Dakkar-Spanne aus Venyeths Quartier. Rhodan trainiert mit dem Gerät. Wie er vermutet hat, ist es von Kilmacthomas für ihn modifiziert worden. Er kann damit wie mit einem Fiktivtransmitter Sprünge vollziehen. Er kann die beiden Körper von der SHEZZERKUD auf die CIPPACOTNAL bringen. Mit seinen Freiheiten als Orakel wird die Heilung der beiden Körper eingeleitet. Rhodan und Pey-Ceyan halten sich weiter im Refugium von Leccore/Taxmapu auf. Der Gestaltwandler bringt aber auch schlechte Nachrichten. Die Heilung der Körper dauert lange. In der Zwischenzeit ist die Flotte nach Orpleyd aufgebrochen. Die Tiuphoren fürchten die Rückkehr. Nach Einschätzung von Leccore/Taxmapu wollen sie die Heimat zerstören und bestatten, in einer Sternengruft. Rhodan will bis dahin mehr erfahren. Im Torus V haben sie den Schatten von etwas Uraltem, etwas Vorzeitigen erahnt. Er will das erforschen und in Torus V vorstoßen.

 

Rezension:

Es ist lange her, dass ein Zyklusauftakt mal nicht auf einen Doppel-Null-Roman fällt. Doppel-Null-Romane bieten in der Regel veränderte Rahmenbedingungen, in die dann eine neue Geschichte eingebettet wird. Dies ist in Band 2875 nicht der Fall. Der Roman knüpft nahtlos an die Ereignisse des Abschlussbandes aus dem Zyklus „Die Jenzeitigen Lande“ an. Das bedeutet auch, dass die Tiuphoren nach wie vor eine Rolle spielen. Ich muss einräumen, dass mich dieses Element nicht sonderlich begeistert. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass der seit eineinhalb Jahren versprochene Tiefgang der Tiuphoren nicht nur eine Luftblase der Autoren ist.

Doch zunächst waren die Tiuphoren in Christian Montillons Roman so unsympathisch wie eh und je. Die Tiuphoren der SHEZZERKUD schienen in Heft 2871 ein Stück weit zivilisierter als ihre Artgenossen aus ferner Vergangenheit zu sein, deren Methoden sie gar als archaisch bezeichneten. Damit räumt Christian Montillon auf den ersten Seiten seiner Geschichte auf. Der geschilderte Konflikt zwischen dem Xenoermittler und dem Pagen zeigte, dass die Tiuphoren der Gegenwart sich doch kaum von den anderen unterscheiden. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie sie es zu einer so hochstehenden Technologie bringen konnten. Ihr Ego müsste ihnen eigentlich ständig im Wege stehen.

Christian Montillons Einstieg in den Zyklus wirkt ein wenig so, als wolle der Autor seine Leser nicht gleich im ersten Band erschrecken. Dabei hätte es durchaus Gelegenheit gegeben, im Catiuphat die Schrecken der Verheerungen der Tiuphoren zu durchleben, wenn gequälte Seelen darin eingepfercht werden.

Der Leser wird schnell beruhigt, die Körper sind erhalten (warum ist der Chip eigentlich noch nicht in einer Spiralgalaxis vergangen?) und mit Attilar Leccore erscheint sehr schnell ein potentieller Retter und Verbündeter. Attilar Leccore waren jüngst sehr viele Romane gewidmet. Der Gestaltwandler hat eine Entwicklung durchlaufen, hat sich zuletzt als Terraner gefühlt. Als er nun Perry Rhodan berichtet, dass dessen Heimat gerettet sei, fand ich das ein wenig Schade. Denn zuletzt hatte auch Leccore in Terra seine Heimat gefunden. Montillon hätte die Figur Leccore sagen lassen müssen, dass unsere Heimat gerettet ist.

Auch Rhodans Emotionen kommen, nachdem die Orientierungsschwierigkeiten überwunden waren, etwas kurz. Der Terraner erkundigt sich nicht, ob Sichu Dorksteiger, ob Gucky und ob seine Freunde die Schlacht überstanden haben. Auch nicht, als er von Leccore erfährt, dass die RAS TSCHUBAI schwer beschädigt wurde. In den letzten Romanen hatte ich Rhodans Attribut des Sofortumschalters das eine oder andere Mal ironisch in Frage gestellt. Hier passt dieses Attribut wieder. Dafür gehen der Figur ein paar naheliegende Emotionen abhanden. Es scheint wohl so, dass es in den Romanen nur eins von beidem zur gleichen Zeit geben kann. Den „kalten“ Sofortumschalter oder den Helden, der ein paar Gefühle zulässt.

Nun denn, als körperloser Geist entwickelt Rhodan mehr Initiative als in den letzten Romanen des vergangenen Zyklus. Diese Entwicklung ist zu begrüßen. Allerdings sind in der Vergangenheit viele Zyklen mit einem an Entschlusskraft erstarkten Titelhelden gestartet. Meist hielt dieses Einstellung nicht lange an. Rhodan wurde immer schnell zu einem Gejagten, einem, der wie ein Spielball mal hier, mal dorthin geworfen wurde. Letztlich wurde ihm immer die Butter vom Brot genommen und er musste die Hilfe übermächtiger Verbündeter in Anspruch nehmen und Lösungen akzeptieren, die ihm andere aufzwangen. Wir werden sehen, ob es diesmal anders läuft.

Der Auftakt, ich verriet es, hat mich wegen der Tiuphorenthematik nicht vom Hocker gerissen. Montillon kann aber an der einen oder anderen Stelle geschickt Akzente setzen, die Spannung für die nächsten Romane versprachen.

 

Ansichten zu den Zyklen Atopisches Tribunal und Jenzeitigen Lande (Teil 2)

Der Zyklus steuerte nun langsam aber stetig Band 2800 entgegen. Nach etwa 80 Romanen stand der Leser vor einem Berg an Puzzle-Teilen und kaum ein Teil wollte zum anderen passen. Es ergab sich einfach kein Bild. Die Ziele, die von der Handlung verfolgt wurden, blieben im Dunkeln. Jetzt, beim Schreiben dieses Rückblicks wird mir deutlich vor Augen geführt, wie langfristig manche Entwicklungen der Autoren angelegt waren. Ich sehe nun Zusammenhänge, die ich vorher nicht gesehen habe. Der Plan der Autoren ist erkennbar. Leider zeigten sich beim Lesen nicht wenige Elemente einfach zu langatmig. Sie waren keinesfalls zu komplex und der Raum für Sinndeutungen war ebenfalls da, er wurde nur nicht genutzt. Die Auslegung dessen, was zu lesen war, geriet immer schwieriger. Der Ideenreichtum, den die Autoren in den Romanen zeigten, war überbordend. Es ist phänomenal, was nach tausenden von Geschichten hier noch erdacht und ausgedacht wurde. Nur wurde eine stetige Fortentwicklung in überschaubaren zeitlichen Abständen vernachlässigt. Ich meine mich zu entsinnen, dass Christian Montillon einmal erwähnte, dass er sich auf die TV-Serie „The Flash“ freue. Ich habe sie gesehen. Die erste Staffel ist für mich ein Paradebeispiel dafür wie man pro Folge kontinuierlich ein wichtiges Handlungselement fortentwickelt. In der ersten Staffel wird immer ein bisschen mehr über den Charakter des Dr. Harrison Wells verraten. Nach und nach bis zum Showdown werden immer neue Details über Wells enthüllt. Anfangs hatte der Zuschauer einen Wissensvorsprung vor den Figuren um Wells. Dann wurde bei diesen das Misstrauen gesät. In der PR-Serie, nicht speziell für diese Zyklen fehlt es nicht selten an kontinuierlichen Fortschritten. Am Anfang steht meist ein Hingucker, ein Ereignis, eine Figur, die Aufmerksamkeit erregt. Häufig mit einem Paukenschlag. Und dann, dann passiert nichts. Lange Zeit nichts. Es vergeht so viel Zeit, dass das wenige, was bekannt ist, immer und immer wieder durchgekaut werden muss.

Zurück zum Rückblick. Nach Atlans Rückkehr geriet die Larenebene nicht unbedingt besser. Der Handlungsort zeigte die Auswirkungen des Tribunals und die Elemente Atopischer Macht. Leider wurden diese dann nicht anders betrachtet als in der Milchstraßenebene.  Der Schwarze Bacctou kommt an Bord der RAS TSCHUBAI und entwickelt sich zu einem Doppelgänger Perry Rhodans. Pseudo-Rhodan besetzt ein bekanntes SF-Thema, das aber immer wieder faszinieren kann. Mit welchen Methoden können langjährige Freunde getäuscht werden, wie verhalten sie sich, wenn der Doppelgänger auftritt? Wie kommen sie ihm auf die Schliche? Nun letzter Punkt war nicht das Problem. Von Anfang an wussten die Protagonisten, dass da ein Doppelgänger an Bord war. Stattdessen schienen sich die Autoren damit übertrumpfen zu wollen, wie ungeschickt man alle anderen Figuren handeln lassen kann, damit Pseudo-Rhodan seine Ziele, welche auch immer das sein sollten, erreichen kann. Die damaligen Schilderungen waren albern und ließen Schlimmes befürchten. Mein Eindruck war, dass die Autoren mit der Idee der Expokraten, eine Wesensart zu schildern, die an anderen Kulturen, Zivilisationen oder Biosphären partizipiert, nicht viel anfangen konnten. Anfangen konnte ich auch nichts mit den Motiven, mit denen die Richterin Saeqaer den Doppelgänger einsetzte. Ein Leitbild Rhodan, mit verbesserten Reflexen, Muskeln und verdichteten Skelet etc. und wahrscheinlich immer einem Lächeln im Gesicht, wenn er 500 Jahre lang kleinen Kindern im Galaktikum über dem Kopf streicheln darf. Das Thema hielt ich dann für beendet. Wie zum Trotz wird das Bacctourat aber in 2850 und noch ein paar Hefte später wiederbelebt. Vandemaan und Montillon erheben das Späte Bacctourat in den Stand einer Trivianen Macht.

In der Milchstraßenebene werden die Vorbereitungen vollzogen, den Zyklus über Band 2800 hinaus fortzusetzen. Artefakte auf Olymp werden entdeckt, die zeigen, dass Laren in ferner Vergangenheit in der Milchstraße zugegen waren. Im Arkonsystem wird aufgeräumt, der Zugang zur Synchronie geschaffen. Andere Romane auf Terra und anderswo dienten eher dem Aufräumen als dem Fortschritt. Und noch etwas geschieht. Gucky, der zu Beginn des Zyklus seine Fähigkeiten verloren hatte, wird wieder auf den alten Stand gebracht. Das bedaure ich sehr. Es war nämlich bemerkenswert zu lesen, wie sich das Autorenteam Gedanken zur neuen Rolle dieser Figur gemacht hatte. Den Ilt zeichneten in der Vergangenheit im Wesentlichen zwei Seiten aus. Die Figur wurde beinahe schon als omnipotent beschrieben. Die ins extreme ausufernden Psi-Fähigkeiten des Ilts fanden in beängstigender Weise ihren Niederschlag in den Titeln, mit denen die Figur versehen wurde. Der selbsternannte Retter des Universums ist dabei eher der zweiten Seite des Ilts, der klamaukigen Seite zuzuordnen. Den öfters verwendeten Begriff des Überall-Zugleich-Töters habe ich stets als eine große Dummheit und als eine „Jugendsünde“ der Serie wahrgenommen. Leider eine Dummheit, die bis in die Gegenwart reichte. Von daher war der neue Gucky ein toller Einfall und es gelang den Autoren in der Folge eine gelungene Darstellung des Mausbibers mit seinen begrenzten Fähigkeiten. Leider wurde nun entschieden, den Schritt zu einer glaubwürdigen Darstellung der Figur wieder rückgängig zu machen. Das alte verstaubte, überflüssige Figurenbild des Ilt, der Überall-Zugleich-Töter und der klamaukige Ilt wurden ohne Not wiederbelebt.

Die letzten vier Hefte des Zyklus wurden schließlich Projekt Ultima Margo gewidmet, dem ersten großen gemeinsamen Plan Rhodans und Co., den Usurpatoren in die Suppe zu spucken. Ein Richterschiff wurde erobert. Dabei bedienten sich die Protagonisten eines höchst fragwürdigen Vorgehens. So fragwürdig, dass die Exposé-Autoren im Forum die Wogen glätten mussten.

Band 2800 brachte die Tiuphoren, den Zeitriss und die Aufspaltung der Handlungsebene in Vergangenheit mit Rhodan, Zukunft mit Atlan und Gegenwart mit vielen anderen Figuren. Der Jubiläumsband brachte auch für mich ein Novum. Ich schrieb gleich 2 Rezensionen zu Michelle Sterns Roman. Damals gratulierte ich zum gelungenen ersten Auftreten der Tiuphoren. Ich konnte ja nicht ahnen … !

Apropos Zeitriss. Avestry-Pasik sorgt dafür, dass das Richterschiff in der Synchronie strandet. Wie er es anstellt, eine bestimmte Zeit in der Vergangenheit der Milchstraße zu erreichen, bleibt m.E. bis Zyklusende unklar. Auch über das Entstehen des Zeitrisses kann nur spekuliert werden. Von Beginn des Zyklus an, wird ein launenhafter Umgang mit den Auswirkungen einer Zeitreise gepflegt. Nach und nach werden sämtliche bekannten möglichen und unmöglichen Auswirkungen einer solchen Reise in die Geschichten eingebracht und noch weitere erfunden. Anfangs hoffte ich noch auf eine schnelle Auflösung, um den Durchblick nicht zu verlieren. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Die RAS TSCHUBAI war in der Vergangenheit gestrandet und Atlan musste den Flug in die Jenzeitigen Lande alleine antreten. Nur 500 Besatzungsmitglieder des Riesenraumschiffs wechselten in das Richterschiff. Die Hefte nach 2800 werden von den Tiuphoren und Erkundungen der Terraner beherrscht. Die Handlungsorte waren bis auf das Solsystem handlungshistorisch bedeutungslos. Die Tiuphorenthematik führte schnell zu einer Sättigung. Anfangs konnten einzelne Autoren mit ihren Geschichten das Interesse noch hoch halten. Aber auch für das Imperium der Empörer blieb eine stetige Fortentwicklung aus. Diese finden problemlos durch den Zeitriss neue Weidegründe in der Milchstraße der Gegenwart. Auch hier kann die Gesamtthematik nicht mehr beeindrucken. Gute Einzelromane mit durchdachten Nebenhandlungen konnten aber überzeugen.

Mit dem Boten des Atopen bringt Wim Vandemaan wieder etwas kosmisches Flair zurück, auch wenn die Aussagen Matan Addarus Widersprüche enthielten. Der Viererblock um die Falsche Welt brachte endlich Romane, die vollends überzeugen konnten. Der als abgeschlossen angekündigte Alternativweltenblock wird später jedoch zumindest in Teilen wieder bemüht, als es darum ging, die Zeitlinie des Atopischen Tribunals zu bewahren.

In der Vergangenheit werden inzwischen Zusammenhänge aufgezeigt. Medusa, Rayonen/Onryonen und Laren werden mit der Gegenwart in Verbindung gebracht. Das war gut und die entstehenden Dunkelwelten spannten den Bogen zu Band 2700. Mit Band 2820 wird nun auch die Thematik aufgegriffen, die dem Zyklus den Namen gab. Es geht an Bord der ATLANC, die inzwischen 700 Jahre unterwegs ist, auf ihren Flug in die Jenzeitigen Lande. Die Romane von Stern, Herren, Thurner und Lukas hinterließen bleibende Eindrücke. Nicht nur dass die Handlung überraschen konnte, jeder Einzelroman bot phantastische Szenarien und Ideen.

In der Milchstraße spielten nun endlich die vor 2700 propagierten Dunkelwelten eine größere Rolle. Der KRUSENSTERN kam dabei die entscheidende Rolle zu. Fast alle Romane zu diesem Schiff und seiner Besatzung konnten überzeugen. Die Entdeckung Medusas geriet fast in den Hintergrund, als Viccor Bughassidow dort die RAS TSCHUBAI entdeckt. Das war ein gelungener Coup der Exposé-Autoren, denn hier durfte nun kräftig spekuliert werden, wie das Schiff dorthin gelangt ist.

In der Synchronie kamen nun Romane, die Atlans Abenteuer auf Andrabasch beschrieben. Boten die ersten vier Romane von Atlans Reise eine Fülle an Überraschungen und Ideen, sorgte der Fußmarsch des Arkoniden auf der Ringwelt schnell für Langeweile in Bezug auf den Zyklusfortschritt. In 2831 folgte ohne Zweifel einer der Höhepunkte des Zyklus. Der kosmologische Überbau der Serie wurde neu gedeutet. Das vorgestellte Kosmologie-Modell scheint nicht so starr zu sein, wie das alte Zwiebelschalenmodell, das vor 40 Jahren eingeführt wurde und für manche Elemente der Serie keinen Rahmen mehr zu bilden schien. Indem man dem Leben ermöglicht, alle Wandlungen zu vollziehen und nicht mehr von starren Evolutionsstufen spricht, wird genug Raum für die nächsten 40 Jahre geschaffen.

Die Handlung führt erneut nach Larhatoon. Diesmal in der Vergangenheit und erneut werden die Figuren mit den Problematiken von Zeitreisen konfrontiert. Wieder gehen die einzelnen Geschichten sehr unterschiedlich mit diesem Thema um. Eine Linie zu Auswirkungen von Zeitreisen ist nicht mehr erkennbar. Eine Konsistenz wird zugunsten der Dramaturgie geopfert. In 2836 wird die Larenebene abgeschlossen.

In der Milchstraßenebene geht hingegen die Zeitproblematik ins Eingemachte. Dys-chrone Drift wird das Kind jetzt genannt. Ändern tut sich dadurch allerdings nichts. Die Tiuphoren wüten und die Galaktiker versuchen die RAS TSCHUBAI zu bergen. Abwechslung versprach der Sprung zu Atlan, der das Sturmland betrat. Seine Erlebnisse dort schienen zeitweise die Grenzen des Genres Science Fiction zu durchbrechen. In meiner Rezension schrieb ich, dass mich manche Textpassagen eher an religiöse Texte erinnerten.

Bei Rhodans Dilatationsflug in die Gegenwart trifft man die Rückkehrer aus der falschen Welt und wird eingefroren. Nebenbei wird Chuvs Vergangenheit enthüllt. Zu diesem Zeitpunkt des Zyklus waren Zusammenhänge weiter nicht zu erkennen und auch keine Bemühungen, solche herzustellen. Meine Rezensionen kurz vor 2850 wurden immer sarkastischer. Zum Roman 2850 bemerkte ich dann, dass der Roman den Auftakt bildet, die Puzzlestücke der letzten 150 Romane endlich zu einem Bild zu formen. Rückblickend war das mitnichten so. Kaum etwas wurde zusammengeführt.

Trotzdem konnten mich die Folgeromane aufgrund des phantastischen Settings beeindrucken. Oliver Fröhlichs Ausflug nach Babylon und die Geschichte des letzten Menschen zählen für mich zu den Highlights in dieser Zyklusphase. In der Milchstraßenebene lahmte die Zyklusstory. Aber die Team-Autoren konnten mit tollen Nebenhandlungen überzeugen. Hauptdarsteller Perry Rhodan verliert nach dem Auftauen aus dem Hyperfrost immer mehr an Bedeutung. Der Titelheld kann nur noch wenige Akzente setzen. Folgerichtig müssen Nebenfiguren die Kastanien aus dem Feuer holen. Attilar Leccore entwickelt sich zur Wunderwaffe. Ich bin gespannt, ob der Gestaltwandler die Tiuphoren nach Orpleyd begleitet.

Es erfolgt ein erneuter Atlan-Block, der alleine mit der Ankündigung der Romantitel für Aufmerksamkeit sorgte. Die Finale Stadt im Unten, Oben, Hof und Turm waren die Stationen von Atlans Reise. Mein Fazit zu Unten war: Es geht nach Oben! Michael Marcus Thurner, Michelle Stern und Oliver Fröhlich schaffen in den ersten drei Romanen eine atmosphärisch dichte Geschichte. Das Finale im Turm fiel dagegen ab. Der Zyklus war nun auf der Zielgeraden, auch wenn in den beiden großen Handlungsschauplätzen davon kaum etwas zu bemerken war. In 2869 endlich werden die ersten Schleier gelüftet. Die Team-Autoren nahmen die Zyklushauptstory immerhin mit Humor und hielten mit ihrer Meinung in Form von kleinen versteckten oder auch offenen Hinweisen in ihren Geschichten nicht hinterm Berg.

Ein Heft vor dem Zyklusfinale ist Perry Rhodan nur noch Statist. Und opfert sich, das tun nun mal Helden, im letzten Band des Zyklus. Hier erfolgt auch nun die Auflösung. Ich hätte gerne an dieser Stelle noch etwas über diese Auflösung geschrieben. In meiner Rezension bin ich zu Heft 2874 auch recht kurz gewesen. Ich hoffte, ein paar Tage später, mit diesem Rückblick, die Dinge besser sortieren zu können, sie besser verstehen zu können. Allein, es gelingt mir nicht. Vielleicht sollte ich mich auch nicht weiter bemühen. Zu Band 2874 vermerkte ich, dass das „Ergebnis“ von einer Art sei, die es überflüssig machen könnte, weiter darüber zu sinnieren. Denn das Universum wird schlicht geteilt. Das Universum unserer Helden wird ohne Thez und ohne Atopisches Tribunal fortgesetzt. Diese Bestandteile werden für zukünftige Zyklen keine Rollen spielen. Dann muss man sich auch keine Gedanken mehr zu offenen Fragestellungen machen.

Inzwischen liegt Heft 2875 neben meiner Tastatur. Das Abenteuer geht weiter!

 

Ansichten zu den Zyklen Atopisches Tribunal und Jenzeitigen Lande (Teil 1)

Rückblick und Fazit:

Band 2700, geschrieben von Andreas Eschbach, bedeutete vor über drei Jahren den Auftakt zu einem Zyklus, der zu Beginn einen erstarkten Perry Rhodan zeigte, der im Neuroversum-Zyklus zuvor noch mit Handicap geschildert wurde. Der Roman markierte aber auch den Auftakt von Kräften einer Macht, die sich Atopisches Tribunal nennt und Gesetzgeber, Richter und Henker in sich vereinigt. Perry Rhodan wird u.a. beschuldigt, für die Auslösung des Weltenbrandes, der Ekpyrosis von GA-yomaad, verantwortlich zu sein. Wobei dieses Ereignis erst im Jahre 84.387 eintreten soll. Auch 175 Hefte später ist noch immer unklar, was der Weltenbrand eigentlich ist. Ebenso unklar bleibt das Ereignis, das von drei Fraktoren, von denen einer Perry Rhodan sein soll, losgetreten wird, um dann später in die Ekpyrosis zu münden. Der zweite Fraktor ist Bostich und der dritte auslösende Fraktor bleibt unbekannt. Die anderen erhobenen Vorwürfe erweisen sich im Rückblick von 175 Heften zum Teil als haltlos, bzw. wollen sie einfach nicht zur Geschichte passen. Wie wir heute wissen, wollte Thez Schaden vom Moralischen Kode abwenden. Erstaunlicherweise hat jedoch Perry Rhodans Handeln immer wieder dem Moralischen Kode gedient. Siehe die Tötung KOLTOROCS.

Der Zyklusauftakt bringt auch die Figur Viccor Bughassidow ins Spiel, dessen Suche nach Medusa zuerst als Spleen erscheint. Später, sehr viel später, entwickelt dieser Part eine tiefere Bedeutung. Viccor Bughassidow und die KRUSENSTERN sind mehrmals an den Brennpunkten des Zyklus im Einsatz und sorgen nicht nur für kurzweiligen Humor sondern auch für die eine oder andere wichtige Entdeckung. Bedauerlicherweise finden Schiff und Besatzung keine Erwähnung mehr zum Finale in Band 2874. Mit der Entdeckung von Medusa sind der Milliardär, die Alte Oblast und andere Figuren abgemeldet.

Wie erwähnt, zeigt Perry Rhodan anfangs Initiative. Er dringt zum okkupierten Mond vor und trifft dort auf den Widerstand der Menschen gegen die Onryonen. Rhodan gibt den Widerstand neue Impulse, bevor er fliehen muss. Der Handlungsort Luna erlebt in der Folgezeit einen Abstieg. Zwar wird dieser Schauplatz noch einige Male besucht, insgesamt gewinnt Luna jedoch erst wieder an Bedeutung durch den Werdegang des Richters Matan Addaru. Die Handlungen auf der größten Militärbasis der Liga mit einer Bevölkerung von 1 Milliarde Menschen blieben hinter meinen Erwartungen.

Die Entsorgung der JULES VERNE brachte den nächsten Höhepunkt. Die Messingträumer werden eingeführt, ein erstarktes Tamanium präsentiert und die Jaj gingen auf die Jagd. Der Zyklus präsentierte sich zu diesem Zeitpunkt mit vielen Knalleffekten. Die tefrodischen Mutanten traten auf und das Polyportsystem schwächelte. In den ersten 10 bis 15 Heften des Zyklus ist die Haupthandlung eng verwoben und erzeugt eine dichte Atmosphäre. Die Aktionen der Figur Perry Rhodan werden nur mit kleineren Unterbrechungen beständig fortgeführt und tragen so zu einem intensiveren Leseerlebnis bei.

In diese Zeit des Zyklus fällt auch das berühmt-berüchtigte Fingerartefakt, das älter als das Universum ist. Sinnbildlich steht das Artefakt für mich seitdem für unbeantwortete Fragen im Zyklus um das Atopische Tribunal und die Erklärungen, die außerhalb der Romane durch die Exposé-Autoren lanciert wurden, sind zwar fundiert, zeigen aber auch, das die Erwartungshaltung der Leser nicht einfach zu befriedigen ist. Jedenfalls sind mysteriöse Objekte nicht einfach im Vorbeigehen zu lösen oder in einer Art und Weise, dass sie der Leser gar nicht entdecken kann.

Band 2716 bringt ein Element ins Spiel, das erst drei Jahre später, in Band 2869 wieder aufgegriffen und fortgesetzt wird. Die INSTANZ und die Nachfahren von Menschen der WIZARD OF OZ schlagen Kapital aus einem Kuhhandel mit Perry Rhodan. Handlungselemente, die erst Jahre später an Bedeutung gewinnen, gab es schon immer in PR. Warum es mich hier störte, lässt sich nicht einfach erklären. Wahrscheinlich störte mich die Art und Weise, wie das Polyportsystem aus der Serie geschrieben wurde. In Band 2716 ahnte ich freilich noch nichts davon.

Die Bände bis 2720 bringen eine Verschärfung des Konflikts mit dem Atopischen Tribunal. Das Arkonsystem fällt. Richter Chuv zeigte eine merkwürdige Verbundenheit mit den Naats. Auch hier muss der Leser lange auf eine Auflösung warten. In Heft 2846 ist es dann soweit. Das überraschende daran war, dass Perry Rhodan an dem Prozess, das dereinst Richter Chuv entsteht, direkt beteiligt war. Auch davon konnte man 2 Jahre zuvor nichts ahnen. Rückblickend ist dieses Element eines von vielen, die sich mit Verwicklungen der Zeit beschäftigte. Die Komplexität ist dabei für meinen Geschmack gar nicht zu hoch angesetzt. Alleine die Zeiträume, in denen diese Handlungsfäden abgewickelt wurden, machten es dem Leser allerdings sehr schwer, diesen Fäden zu folgen.

Heft 2722 bringt einen weiteren Aufreger. Ronald Tekener stirbt den Serientod. Obwohl ich diese Figur in den frühen Atlan-Romanen sehr gemocht habe, finde ich es mutig und richtig, dass man sich auch von solchen beliebten Charakteren trennt. Heft 2724 soll Licht ins Dunkel der Motive des Atopischen Tribunals bringen. Heraus kam mehr Schatten als Licht. In meiner Rezension schrieb ich seinerzeit u.a., dass der Bedrohungsaufbau im Zyklus mit dem Auftritt des Richters ad absurdum geführt wurde. Im Roman soll zudem die Anklage gegen Rhodan näher erläutert werden. Auch der Zeuge Tifflor wird gehört, der auf seinen HORT thronte und den Weltenbrand beobachtet hat. Nichts Genaues hat er nicht gesehen, weil es war ja auch viel zu dunstig. Damit war die Beweisaufnahme abgeschlossen. Seinerzeit war ich von diesem Roman doch arg enttäuscht, entsprechend kritisch viel meiner Bewertung damals aus. Rückblickend enthielt der Roman jedoch ein wichtiges Element, das mit der Scherung in 2874 zu einem Ende gebracht wird. Das Tribunal ist nicht in der Milchstraße, weil es die Ekpyrosis gegeben hat, sondern das Tribunal existiert überhaupt nur, wenn es die Ekpyrosis nicht gegeben hat. Nur deshalb sollen Rhodan und Bostich bestraft werden, damit der Weltenbrand nicht die Existenz des Tribunals bedroht.

In 2728 werden die Gravo-Architekten beschrieben. Der Roman faszinierte mich damals ungemein. Leider kann ich bis heute nicht einschätzen, wer oder was die Neutronensterne dort zusammengestellt hat. Die Erbauer, so steht es im Roman, leben in den Alten Sternenlanden, der Southside der Milchstraße. Alles andere sei das Imperium der Empörer. Rückblickend wissen wir nun, dass mit dem Imperium der Empörer die Tiuphoren gemeint sind. Warum die „alles“ andere sind, wird hoffentlich noch geklärt. Ab Heft 2729 eskaliert die Situation in der Milchstraße. Die Onryonen demonstrieren ihre Macht. Zehntausende ihrer Schiffe bedrohen Welten des Galaktikums und greifen sie an. Ordische Stelen werden aufgebaut. Rückblickend zeigen sich mit der übertriebenen Stärke der Onryonen, mit der Einsetzung der Atopischen Ordo und mit den Stelen gleich drei Schwachstellen in diesem und dem folgenden Zyklus. Wenn der Weltenbrand durch die Inhaftierung Rhodans und Bostich nicht entstehen kann, warum werden die Milchstraßenvölker unterdrückt? Warum müssen Stelen eine Rechtsprechung übernehmen, warum Raumschiffe nicht schnell und weit fliegen dürfen? Rückblickend wissen wir, dass Matan Addaru sein eigenes Süppchen gekocht hat. Und Chuv war auch kein Kind von Traurigkeit. Die beiden Richter hatten ihre eigenen Ideen. Aber zum zweiten Standbein von Matan Addaru passten die Repressalien auch nicht. Später wurde eine Ordische Stele gestohlen, deren Bewusstsein in einen Dolan übertragen wurde. Aber irgendwie werden Herkunft, Sinn und Zweck der Stelen auf Sparflamme behandelt. Irgendwann war kein Platz mehr, um diese Thematik aufzulösen. Am Ende von 2874 werden die Stelen abgezogen. Das war ein unbefriedigender Schluss.

Mit Rhodans Flucht aus dem Gefängnis geht’s weiter. den Unsterblichen verschlägt es nach Larhatoon, in die Larengalaxis. Dieser Handlungsabschnitt war zunächst eine gelungene Überraschung. Von den Laren hatte man lange nichts gehört und der Coup, dass die Laren bereits seit langem auch unter der Knechtschaft der Atopen leben müssen, machte das Ganze aus meiner Sicht irgendwie sympathisch. Die Leidensgenossen könnten sich gegenseitig helfen. Aber irgendwie drehte sich die Handlung in Larhatoon im Kreis. Die Absicht war anfangs zu zeigen, was der Milchstraße blüht, wenn das Atopische Tribunal sich etabliert hat. Da aber parallel dazu in der Milchstraße Gleiches bereits im Entstehen war, zündete diese Aussicht nicht. Die Art und Weise wie Rhodans und Bostichs Abenteuer in Larhatoon aufgezogen wurde, langweilte sehr schnell. Die Figuren bekamen pro Roman genau eine magere Information, aus der sie überaschenderweise stets die richtigen Schlüsse zogen und das nächste Ziel ansteuerten. Dort wieder eine magere Info und weiter ging es. Zum Scheitern blieb kein Raum und Fehltritte leisteten sich die Figuren auch nicht.

Die Milchstraßenebene brachte nichts Neues und der Zyklus plätscherte 2740 und folgende etwas dahin. Es gab Romane, die das Wesen der Richter aufdecken helfen sollten. Die Sganshan werden erwähnt. Auch hier folgen über 100 Hefte oder 2 Jahre, bis man dazu mehr erfährt. Da hatte man längst vieles wieder vergessen. Kurz vor Halbzeit der ersten Hundert Hefte wird der Techno-Mahdi mal wieder erwähnt. Auch hier dauert es über 2 Jahre, bis wieder was dazu in einer Geschichte zu lesen war. In 2869 entpuppt sich Axeu Nuyan als ein Sympathisant. Der Forscher lanciert nebenbei eine mögliche Erklärung für den Techno-Mahdi. Es könnte sich nicht um eine Person, sondern vielmehr um eine Idee handeln. Und es gibt eben Leute, die diesen Ideen folgen. Reginald Bull kommt wieder ins Spiel mit tollen Romanen von Michael Marcus Thurner, der auch die Stadt Allerorten einführen darf. Eine tolle Idee der Autoren!

Der älteste Freund Rhodans fliegt mit der RAS TSCHUBAI los, um Perry Rhodan zu retten. Doch die Fortschritte, die die Handlung in der Larengalaxis machte, waren minimal. Abwechslung brachte Tanja Kinkels Gastbeitrag in Heft 2757. Darin schildert sie Kindheit und Werdegang von Vetris-Molaud. Die Handlung bleibt in der Milchstraße und zeigt uns die Posbi-Paranoia. Bis heute (Stand 2874) warte ich auf eine Auflösung, wie das Problem gelöst wurde. Die Handlung wendet sich verstärkt den Tefrodern hin. Den Romanen lag eigentlich eine interessante Idee zugrunde. Mit dem Beute-Terraner-Schema sind die Leser der Serie seit 53 Jahren bestens vertraut. Waren es bislang die Terraner, die hemmungslos jegliche Form von Technologie assimilierten, sorry, einheimsten, tat nun Vetris-Molaud das Gleiche. Im Zyklus „Die Dritte Macht“ lehrte Rhodan Arkoniden, Springern und anderen Völkern das Fürchten. Er stahl ganze Raumschiffe und annektierte hemmungslos fremde Technologien. Widerstand war zwecklos. Als Leser fand man das damals toll. Nun wiederholte sich das Ganze, nur andersherum. Das Expo Team spielte hier mit den Nerven der Leser. Etwas widerwillig muss ich allerdings sagen, dass mir diese Idee gefallen hat. Nur bin ich als Leser heute aber auch deutlich kritischer als noch zur Zeiten einer Dritten Macht. Der Spannung in diesem Zyklus tat dieses Umdrehen der Vorzeichen jedenfalls nicht gut. Interessant wäre es gewesen, wenn sich die Kontrahenten auf Augenhöhe begegnet wären.

Na jedenfalls kam dann der Zeitpunkt, der einen Meister der Insel zurück in die Serie brachte. Wim Vandemaan hatte mehrfach angedeutet, dass die Geschichte der MDI noch nicht auserzählt sei. Bislang, d.h. zwei Jahre später, ist Zeno Kortin doch noch ziemlich blass. Während in der Milchstraßenebene der Handlungsfortschritt stagnierte, wird in Larhatoon den dortigen Richtern auf die Pelle gerückt. Der Kristalline Richter entfaltete seine Macht. Es ist merkwürdig, aber die Rettung von Baucis Fender treibt mich noch heute um. Auch hier wird die Besonderheit der Richter, die ihre eigene Erschaffung quasi überwachen, betont. Die Kelosker vergeistigen sich. Allerdings werden sie nicht zu einer SI sondern in einem Prozess, der wahrscheinlich Jahrhundertausende dauert, wird der Kristalline Richter geschaffen. Die Kristalline Wesenheit ist somit die Summe aller Kelosker und aus der fernen Zukunft in diese Zeit gekommen, um die eigene Geburt zu betreuen. Gholdorodyn wird eingeführt. Und sein Kran, der in der Folgezeit das eine oder andere Mal die Terraner aus hoffnungslosen Situation errettet.

Es folgt ein besonderer Dreiteiler, der den Arkoniden Atlan nach längerer Pause zurückbringt. In Erinnerung ist mir, dass Atlan zurückkommt und längere Zeit keine Rolle spielt. Das war schwach. Allerdings erfährt Reginald Bull über eine Erinnerung Ellerts von der Geburtsstunde des Atopischen Tribunals. Das entschädigte etwas.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2874

PR_2874Thez – von Wim Vandemaan/Christian Montillon – Handlung:

Terra ist evakuiert. Der mit Indoktrinatoren verseuchte LAOTSE wird noch immer von Dienbacer und OTHERWISE kontrolliert. Nur noch Perry Rhodan, Hekéner Sharoun, Dienbacer und Gucky halten die Stellung. Ein letztes Mal tankt Perry Rhodan Kraft am STARDUST-Memorial. Der Unsterbliche überträgt den Oberbefehl der Flotte auf Sharoun, sollte ihm etwas zustoßen und wechselt anschließend auf die RAS TSCHUBAI. Dort erwartet ihn ein Besucher. Es ist Shekval Genneryc. Der Onryone unterstellt eine Flotte von 5000 Schiffen Rhodans Befehl. Jawna Togoya meldet, dass die Tiuphoren vorrücken. Wegen der nahenden Perforationszone des Zeitrisses kann der TERRANOVA-Schirm nicht mehr aktiviert werden.

In den Jenzeitigen Landen erreicht Atlan zusammen mit Julian Tifflor den Atopischen Proximus, den See der Fauthen. Das goldene Gewässer erstreckt sich in alle Richtungen, überspannt von einem leeren schwarzen Himmel. Das Ufer wird von blankgeschliffenen Steinen bedeckt, die, wie Tifflor erläutert, Technomorphyten sind, die jede Maschinenform einnehmen können. Unbemerkt von seinem Begleiter steckt sich Atlan einen der Kieselsteine ein. Der See besteht aus purer Vitalenergie, dem Vitalliquor. Tifflor zeigt Atlan darin jenen Moment, in dem Thez entsteht. Wie die Ländereien gegründet wurden, die Vögte berufen und wie schließlich die Fauthen entstanden. Dann werden sie von Glossberc abgeholt, der sie über den See aus purer Vitalenergie geleitet.

Im Solsystem kommt es zu ersten Gefechten. Dabei meiden die Tiuphoren die Regionen, in denen die Perforationszone des Zeitrisses voranschreitet. Die hyperphysikalischen Auswirkungen stören ihre Banner. Ziel der Perforationszone ist die manövrierunfähige COLPCOR, die zwischen Sol und Merkur verharrt. Insgesamt 48.000 Sterngewerke stoßen vor und docken ihre Sternspringer ab. Damit sieht sich Rhodan einer Flotte von mehr als 1 Millionen Schiffen gegenüber. Die Onryonen verteidigen die äußeren Planeten. Die Tiuphoren glauben, dass sie LAOTSE kontrollieren und damit die Macht über die Verteidigungsanlagen innehaben. Perry Rhodan lässt sie in diesem Glauben. Die Daten über die Störungen der Banner nutzen Sichu Dorksteiger und Gholdorodyn dazu, eine weitere Strategie zum Angriff auf die Sterngewerke zu empfehlen. Linearraumtorpedos der Onryonen können Sterngewerke, die einen Linearflug ausführen, in den Normalraum zurückstürzen lassen. Sie werden zwar nicht zerstört, aber aus der Hyperstenz gerissen. Die Verteidiger erzielen erste Erfolge. Mit Hilfe von LAOTSE stellt Perry Rhodan den Tiuphoren eine Falle, in der 19.000 Sterngewerke innerhalb kurzer Zeit vernichtet werden.

Auf seiner Reise über den See der Fauthen sieht Atlan das Universum entstehen und wieder vergehen. Noch einmal wendet sich Atlan an Tifflor und bittet ihn, die Truppen des Atopischen Tribunals aus der Milchstraße abzuziehen. Tifflor könnte es, wie er eingesteht aber er tut es nicht, denn Thez kennt nur die Geschichte, die zu ihm geführt hat. In einer Welt, in der die Ekpyrosis nicht verhindert wird, besteht das Risiko, dass Thez nicht entsteht, somit das Tribunal nicht und Tifflor würde kein Atope werden. Atlan erkennt, dass Tifflor aufgehört hat, ein Mensch zu sein. Der Arkonide sieht dennoch eine Lösung. Thez muss beide Universen ermöglichen. Atlans Reise nähert sich dem Ende. Er erfährt, warum sich Thez den Hohen Mächten nicht angeschlossen hat, als diese das sterbende Universum verließen. Thez hat nicht nur aus der Frühzeit des Universums Leben in die Jenzeitigen Lande gerettet, Thez ist diese Lande.

Im Solsystem trifft die Flotte der Tefroder unter Vetris-Molaud ein. Nur dieses eine Mal wird der Tamaron an der Seite Rhodans kämpfen. Die Tiuphoren setzen alles daran, die COLPCOR zu erreichen. Der Anführer der Tiuphoren, Accoshai, meldet sich. Das Gespräch nutzt Vetris-Molaud, um Accoshais Flaggschiff aufzuspüren und zu vernichten. Der Tamaron opfert viele seiner Schiffe und Besatzungen für diesen Schlag. Die SHEZZERKUD greift nun ein. Gegen dieses Schiff ist auch die RAS TSCHUBAI machtlos und wird schwer beschädigt. Paddkavu Yolloc fordert TAFALLA und die Auslieferung Perry Rhodans für sein Banner. Der Unsterbliche willigt ein und liefert sich aus. Im Gegenzug sollen die Tiuphoren die Galaxis verlassen. Pey-Ceyan begleitet den Terraner. Gucky ist fassungslos, denn er espert, dass Rhodan und Pey-Ceyan tot in der Zentrale der SHEZZERKUD liegen. Allerdings kann er auch keine Projektion einer Spiralgalaxis erkennen. Als die Tiuphoren nach der COLPCOR greifen, erscheint die MOCKINGBIRD Tifflors. Gegen das retrograd gebaute Schiff ist auch die SHEZZERKUD machtlos. Tifflor nimmt die COLPCOR in Schlepp. Er lässt Lua Virtanen und Vogel Ziellos im Solsystem zurück und nimmt Kurs auf die Perforationszone und zieht sie hinter sich her. Der Zeitriss wird geschlossen. Hekéner Sharoun fordert Paddkavu Yolloc zum Abzug auf, sonst würden die Verluste der Tiuphoren noch größer. Der Ruf der Sammlung ergeht und die Tiuphoren rücken nach Bergung der Banner ab. Ihr Ziel ist die Galaxis Orpleyd.

Atlan ist am Ziel. Er nimmt die Nähe zweier Wesen wahr. Einer ist Glossberc. Das zweite Wesen bleibt für Atlan unsichtbar. Aber er hört dessen Stimme. Nach einem längeren Gespräch setzt der Arkonide ein Zeichen. Mit Hilfe des Technomorphyten zerstört er seinen Zellaktivator, da er nicht in einer Welt leben will, die ihrer Einmaligkeit beraubt wird, weil das Atopische Tribunal dies so will. Thez gibt den Arkoniden nicht auf und lässt die dys-chrone Scherung zu. Das Universum wird geteilt. In dem einen Universum steht am Ende Thez. Im anderen Universum gibt es kein Atopisches Tribunal und damit wird dort der Weltenbrand aller Voraussicht nach eintreffen. Die Scherung hat ihren Preis. ES ist ein integraler Bestandteil von Thez. Die Eiris von ES wird daher in das Universum von Thez überfließen. ES und andere Superintelligenzen müssen die Region, die einen Durchmesser von 100 Millionen Lichtjahren hat, verlassen. Unklar bleibt, wohin ES sich wendet. Die Hohen Mächte werden die Region voraussichtlich meiden. Als letztes Geschenk, bevor Atlan mit einer atopischen Sonde die Jenzeitigen Lande verlassen wird, erhält er einen Zellaktivator auf Basis eines Technomorphyten. Das eiförmige Gerät wird in seiner Schulter implantiert.

Im Solsystem kommen die überlebenden Entscheidungsträger zusammen. Die Onryonen ziehen ab. Shekval Genneryc verkündet den Abzug des Atopischen Tribunals aus der Milchstraße. Arkon wird freigegeben, die Ordischen Stelen entfernt. Die RAS TSCHUBAI muss lange Zeit repariert werden. Dennoch will man die Hoffnung nicht aufgeben und irgendwann zu einer Rettungsmission für Perry Rhodan aufbrechen.

 

Rezension:

Analog dem tiuphorischen Ruf der Sammlung versuche ich nun auch meine Gedanken zu sammeln, um etwas über diesen Roman zu schreiben. Nach 175 Heften wird der Zyklus über das Atopische Tribunal (2700 bis 2799) und über die Jenzeitigen Lande (2800 bis 2874) beendet. Die Geschichte, die von den beiden Exposé-Autoren Wim Vandemaan und Christian Montillon geschrieben wurde, hat Überlänge und ist vollgepfropft mit Informationen. Und wieder bleiben die beiden Chefautoren ihrer Linie treu und lösen zwar einiges auf aber bei weitem nicht alles. Das „Ergebnis“ ist dann allerdings von einer Art, in der man sich durchaus überlegen kann, ob es überhaupt noch Sinn macht, Antworten zu offenen Fragestellungen zu fordern. Denn das Universum wird schlicht geteilt. Das Universum unserer Helden muss ohne Thez und somit ohne Atopisches Tribunal auskommen. Allerdings wohl mit der INSTANZ. Denn in Band 2870 hat Ovaron Kilmacthomas das Polyport-System vor der Eiris-Kehre gerettet, dem Auflösen der Ruheanker diverser Superintelligenzen im Umkreis von 100 Millionen Lichtjahren. Und genau das trifft ja nun auf das Universum der Helden zu.

Das Atopische Tribunal ist also weg und so wie es aussieht, werden die Autoren nunmehr jenes Universum mit ihren Geschichten beschreiben, das nach Aussage dieses Romans voller Unwägbarkeiten steckt. Wir müssen also keinen offenen Fragestellungen hinterherlaufen, da die Antworten in weiteren Geschichten nicht mehr benötigt werden. Ob das von den Autoren so beabsichtigt war? Mein Eindruck ist, dass mit diesem Zyklus ursprünglich andere Ziele erreicht werden sollten, als sie nun erreicht wurden. Verfolge ich die Reaktionen auf Leserseite und von den Autoren, dann ergeben sich zudem doch große Unterschiede in der Wahrnehmung dieses Zyklus.

Noch ein paar Gedanken zu diesem Roman. Der Einstieg ist gelungen. Die beiden Hauptfiguren Perry Rhodan und Atlan werden zunächst gegenübergestellt. Für beide Protagonisten bricht der entscheidende Tag an. Die Rhodan-Ebene wird von der Schlacht beherrscht. Das war schon enttäuschend, den Zyklus auf der Handlungsebene Perry Rhodan nach 175 Geschichten zum Atopischen Tribunal ausgerechnet mit einem derartigen Massaker enden zu lassen. Da hatte ich mir vom Gespann Vandemaan/Montillon doch einen ausgefeilteren Abschluss erwartet.

Die Ebene Atlan traf da mehr meinen Geschmack auch wenn darin inflationär mit Metaphern, Parabeln und Gedankenmodellen gearbeitet wurde. Der Wille der Autoren war zu erkennen, im letzten Roman einer 175-bändigen Geschichte doch noch ein paar Leser zu versöhnen, sie auf ihre Seite zu ziehen. Gut war, dass Tifflor aus der Serie geschrieben wurde. Als Atlan dem alten Freund zuletzt in der Finalen Stadt begegnet ist, las sich das noch ganz anders. Atlan bescheinigte Tifflor in Band 2866 noch, ein Mensch zu sein. In diesem letzten Roman erfolgte nun die Kehrtwende. Tifflor ist kein Mensch mehr. Dieses Ergebnis war längst überfällig für diese Figur, die ihr Menschsein im Zeitspeer bereits verloren hatte.

Nächste Woche beginnt ein Kurz-Zyklus von 25 Heften, der hoffentlich die Tiuphorenthematik abschließen wird.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2873

PR_2873Das Atopische Fanal – von Uwe Anton – Handlung:

Anfang Januar 1519 NGZ will Matan Addaru Jabarim mit seinem Richterschiff in die Synchronie eindringen. Nur aus den Jenzeitigen Landen, so glaubt er, kann er jetzt noch etwas für GA-yomaad bewirken. Nach dem Tod Angaqquks (d.i. wohl Angakkuq) steht ihm kein Pilot zur Verfügung. Obwohl er bezweifelt, dass YLA dafür geeignet ist, soll das positronische Phantom sein Schiff als Pilot in die Synchronie steuern. Der Einflug in den Atopischen Konduktor scheitert. YLA wird beinahe zerstört, kann aber gerettet werden. Der Richter sieht nur noch eine Option. Er will ins Solsystem fliegen und den Korpus von TAFALLA aus der Sonne entfernen. Zwar weiß auch Matan Addaru Jabarim nicht, ob der Korpus allein oder das Sonnensiegel oder eine Kombination aus beidem für den Schleier verantwortlich ist, der den Blick auf diese Epoche verhindert. Wenn jedoch der Schleier fällt, kann das Atopische Tribunal die Situation neu bewerten. Er bricht mit YLA und der 233-COLPCOR auf.

Mitte Januar 1519 NGZ ist die Evakuierung des Solsystems beinahe abgeschlossen. Milliarden Menschen wurden ins Wega-System oder zu anderen Planeten transportiert. Auch die Regierung Terras ist umgezogen. Sie ist jetzt auf Rhea im Taranissystem. Weitere Menschen warten darauf, dass sie Terra verlassen können. Sie werden von Evakuierungs-Kommissaren betreut. Einer von ihnen ist Mato Cardweel. Mit seinem robotischen Begleiter Dexter ist er in Europa unterwegs. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, Kulturgüter zu bestimmen, die es wert sind, geschützt zu werden. Mitnehmen kann man sie nicht, aber ein Herr von Robotern konserviert die Kunstwerke, in der Hoffnung, dass sie so die nahende Katastrophe in Form des Zeitrisses überstehen. Cardweels Kinder sind noch in London, während seine Ex-Frau und Mutter seiner Kinder auf Merkur in einer Transmitterstation arbeitet.

Am 17. Januar 1519 NGZ tagt das Krisenteam im Solaren Haus. Perry Rhodan, der von der Regierung mit der Verteidigung des Solsystems beauftragt wurde und das Oberkommando über die Streitkräfte übernommen hat, macht Bestandsaufnahme. Um den TERRANOVA-Schirm herum findet der Aufmarsch der Tiuphoren statt. Innerhalb des Solsystems sind 50.000 terranische Schiffe. Davon sind 19.000 mit dem ParaFrakt ausgestattet. Weitere 3000 Schiffe mit dem ParaFrakt operieren außerhalb des Solsystems. 20.000 EPPRIK-Raumer, 40.000 Fragmentraumer und 3000 Schiffe der Haluter sind ebenfalls im Solsystem. Die Hälfte dieser Schiffe ist mit dem ParaFrakt ausgestattet, weitere werden umgerüstet. Eine Angriffswaffe auf Basis der Dakkar-Spanne wurde entwickelt, aber noch nicht getestet. Sechs Schiffe, darunter die RAS TSCHUBAI haben den Sextadim-Pfadfinder erhalten, der möglicherweise in Hyperstenz befindliche Sterngewerke verwundbar macht. Per Funk bittet Matan Addaru Jabarim um Einflug in das Solsystem. Er will TAFALLA entfernen. Nach kurzer Beratung stimmt Perry zu. Allerdings muss der Richter vorher die Perforationszonen des Zeitrisses aufhalten und die Tiuphorengefahr abgewendet sein. Matan Addaru Jabarim lehnt das als lächerlich ab und setzt die überlegene Technik der 233-COLPCOR ein, um den TERRANOVA-Schirm zu durchdringen. Auch die RAS TSCHUBAI kann das Richterschiff nicht abhalten.

Der Richter fliegt zur Sonne. Auch die onryonische ZAATRO, die unter terranischer Kontrolle steht, kann nichts ausrichten. Auf unbekannte Art und Weise beginnt der Richter damit, den Korpus von TAFALLA aus der Sonne zu lösen. Höherdimensionale Effekte entstehen. Erneut lässt Rhodan die RAS TSCHUBAI und andere Schiffe das Feuer auf die 233-COLPCOR eröffnen. Und wieder ohne Erfolg. Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und die anderen beobachten, wie das Richterschiff die Sonne verlässt und einen Schatten hinter sich herzieht. In diesem Augenblick rasen höherdimensionale Schockwellen durch das System, setzen jede hochstehende Technik matt und lassen den TERRANOVA-Schirm kollabieren.

Für den Evakuierungs-Kommissar Mato Cardweel ist das ein Rückschlag. Um sich und seine Kinder zu retten, entwendet er aus einem Museum ein Low-Tech-Raumschiff und fliegt zum Merkur. Rhodan geht mit Dorksteiger auf die RAS TSCHUBAI. Noch hat das Solsystem eine Chance, da auch die Tiuphoren von den Schockwellen betroffen sind. Auf der RAS TSCHUBAI beobachtet Rhodan, wie sich die 233-COLPCOR ständig neu generiert. Sie wird zur 236-COLPCOR, in die der begleitende Schatten, mutmaßlich der Korpus von TAFALLA einsickert. Das Gebilde wechselt ständig seine Konsistenz von materiell zu immateriell. YLA meldet sich. Das positronische Phantom erscheint als junge Frau, ohne die splitterhafte frühere Erscheinung. Sie bezeichnet sich als 236-COLPCOR, Lunas Herz und fordert den Erben, damit meint sie Rhodan, auf, sie gehen zu lassen.

An Bord der SHEZZERKUD, die mittlerweile in der Milchstraße eingetroffen ist, analysieren die Tiuphoren die Situation im Solsystem. Sie beobachten, dass der Korpus einer Superintelligenz aus der Sonne geborgen wurde und nun in einer revitalisierten Form, einer embryonalen Form, vorliegt. Das wäre eine unvergleichliche Bereicherung für das Catiuphat. Die SHEZZERKUD wird beobachten, ob der Tomcca-Caradocc Accoshai dies bewerkstelligen kann. Sollte Accoshai versagen, wird die SHEZZERKUD eingreifen, der kein Schiff der Galaxis widerstehen kann.

Das veränderte Richterschiff bringt Cardweels Raumjacht in Sicherheit. Cai Cheung kommt an Bord der RAS TSCHUBAI. Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Der TERRANOVA-Schirm wird in acht Stunden wieder einsatzbereit sein. Die Perforationszone hat sich beschleunigt und wird in einem Tag eintreffen. Cheung will die Flotte abziehen und das Solsystem den Tiuphoren überlassen. Doch Rhodan will, dass der Weg der Tiuphoren hier endet. Er befiehlt der Flotte, sich bereitzumachen. Der 18. Januar 1519 NGZ bricht an. Es könnte der letzte Tag des Solsystems sein.

 

Rezension:

Der vorletzte Roman des Zyklus bringt eine weitere Eskalation. Der Zeitriss trifft früher auf das Solsystem, das den TERRANOVA-Schirm verloren hat und die hochstehenden Tiuphoren der SHEZZERKUD, denen das archaische Treiben ihrer Artgenossen zumindest suspekt war, sind nun auch Feuer und Flamme, was TAFALLA angeht und wollen daher die anderen Tiuphoren nicht stoppen.

Uwe Anton gliedert seine Geschichte in zwei Hauptstränge. Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und die anderen werden bei der Verteidigung des Solsystems begleitet und mit dem Evakuierungs-Kommissar Mato Cardweel wird eine Handlung verfolgt, die gewissermaßen der Erdung des Lesers dienen soll. Darin werden „normale“ Bürger beschrieben, die sich auf die Evakuierung vorbereiten, bzw. spezifische Aufgaben dafür erbringen. Mit dem Versiegeln der Kulturgüter sollen die möglichen Verluste deutlich gemacht werden. Was ginge verloren, wenn die Erde der kommenden Katastrophen zum Opfer fiele. Es spielt da schon keine Rolle mehr, ob Tiuphoren die Erde zerstören, der Zeitriss die Heimat verwüstet, die Eiris-Kehre den Untergang bringt oder der Weltenbrand den Tod herbeiführt. Eigentlich eine gute Idee, neben Menschenleben auch Objekte mit historischen Wert und den Umgang damit näher zu beleuchten. Doch je länger sich die Handlung um Mato Cardweel hinzog, desto deutlicher wurde auch die Schwäche dieser Story. Anfangs gelingt es dem Autor noch ganz gut, ein wenig Lokalorit zu erzeugen und auch der Humor kommt trotz der Situation nicht zu kurz. Im weiteren Verlauf entstehen jedoch unnötige Längen und eines wird schnell klar. Die Kulturgüter, wie sie der Leser kennt, existieren gar nicht mehr. Im Laufe der Serie ist Terra von derart vielen Katastrophen heimgesucht worden, dass die schützenswerten Kulturgüter im Original längst vernichtet sind. Es sind allenfalls Nachbildungen, die wiederum von Nachbildungen gemacht wurden. Die Menschheit ist in der Serie längst einen Großteil ihrer Identität durch die Autoren beraubt worden. Von daher läuft die Handlung mit Mato Cardweel ins Leere. Nur am Ende bekommt diese Handlung noch einen positiven Aspekt. Das Objekt, das sich im anderen Handlungsstrang entwickelt hat, scheint den Terranern positiv gegenüber zu stehen und zeigt mit der Rettung des Evakuierungs-Kommissars und seiner Kinder Mitgefühl.

Die Handlung um Perry Rhodan verläuft gänzlich anders. In dieser Erzählebene sind die Protagonisten nur noch Statisten. Der häufigste Satz in dieser Ebene war: „Was geschieht dort?“ Dieser Satz versinnbildlicht die Schwäche dieser Geschichte wie kein anderer. Die Figuren agieren nicht mehr. Sie sind stumme Mitspieler in einem Szenario, das sie nicht mehr begreifen. Uwe Anton treibt die Hilflosigkeit auf die Spitze, in dem er selbst den Kelosker aussteigen lässt. Gholdorodyn, für den das Geschehen im fünf- und sechsdimensionalen Bereich eigentlich keine größere Herausforderung darstellen sollte, als für unsereinen der Dreisatz, wird vom Autor zum Nachsitzen geschickt. Ohne Erfolg im Übrigen.

Und auch für den Helden läuft es gar nicht gut. Perry Rhodan darf ein wenig Bestandaufnahme machen, mehr ist für diese Figur nicht drin. Eine Szene ist mir besonders unangenehm in Erinnerung geblieben. Darin bezeichnet Uwe Anton seine Hauptfigur mal wieder mit dem Attribut Sofortumschalter. Dabei ging es darin gar nicht um die Rettung des Solsystems sondern nur um die Entgegennahme eines Funkspruchs! Matan Addaru Jarjarbinks meldet sich per Funk und Rhodan nimmt sofort entgegen. WOW! Geht’s noch? Ansonsten darf Perry mehrmals „Feuer“ stammeln oder den schon eingangs erwähnten Satz „Was geschieht dort?“ hauchen.

Auch im vorletzten Band bleiben die beiden Exposé-Autoren ihrer Linie treu und lösen nichts auf. Glücklicherweise habe ich den Newsletter abonniert. Und dort konnte man schon vor Wochen lesen, dass man im Band 2873 ganz hinten genau lesen muss, um gegebenenfalls etwas über den verleugneten Richter Veirdandi zu erfahren. Die Symbiose, die aus TAFALLA, YLA und der 233-COLPCOR entsteht, hat eine Ähnlichkeit zur ZEITWEIDE Veirdandis. An Bord der SHEZZERKUD fällt außerdem der Begriff Embryonal. In diesem Zyklus wurde mehrfach erwähnt, dass der dritte Adaurest noch nicht geboren ist. Vielleicht ist das ja jetzt der Fall. Dann könnte es sogar sein, dass Veirdandi der dritte Kardinalfraktor ist. Aber das ist alles Spekulation und auch was mit Matan Addaru Jabarim passiert ist, bleibt unklar.

Unklar ist auch, wieso die 233-COLPCOR ganze 11 Tage von Arkon, sorry Baag, bis zum Solsystem benötigt? Der Richter bricht am 06. Januar auf und meldet sich am 17. bei Perry. Ist das auch eine Fährte der Autoren? Hat der Richter unterwegs noch was erledigt? Interpretiere ich hier zu viel hinein? Oder ist es schlicht ein Fehler in der Geschichte?

Es gibt noch viele andere Dinge, die unklar bleiben. Beispielsweise warum der Titel “Atopisches Fanal” lautet. Denn der Richter setzt alles andere, aber eben kein Fanal. Aber egal. Nächste Woche ist Zyklusende und danach geht’s mit den gleichen Themen weiter, wenn man den Vorschauen trauen darf.