Articles by Uwe Bätz

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3163

Freundliches Feuer – von Robert Corvus
Die RAS TSCHUBAI nähert sich im Kielwasser von FENERIK der heimatlichen Milchstraße. Es wird ein heißer Empfang, denn Atlan befiehlt Operation Arkonstahl. Den Angriff auf das riesige Trägerschiff der Terraner. Der Unsterbliche will Farbaud in Gewahrsam nehmen. Der Quintarch soll die Milchstraße nicht erreichen. Der Arkonide hat dazu eine Warnung der Yodoren erhalten. So die offizielle Version der Geschichte, als Atlan der RAS TSCHUBAI ein Ultimatum stellt. Nur zwei Männer wissen es besser. Perry Rhodan und Atlan. Der alte Freund der Menschheit handelt nach einem Plan, den Rhodan der Siganesin mitgab, die vorauseilte, um die Milchstraße vor dem Chaoporter zu warnen.
Atlan zieht eine Flotte zusammen und attackiert die RAS TSCHUBAI. Ziel ist es, Farbaud von Bord zu bekommen. Der ÜBSEF-Tarner, den Atlan zuvor aus dem Arsenal der Kosmokratin Mu Sargai erhalten hat, soll das Szenario so realistisch wie möglich machen. Der Verlust an Menschenleben bei der Enterung des Trägerschiffs durch die Arkoniden wird damit vorgetäuscht. Doch lässt sich ein Farbaud tatsächlich überlisten? Der Quintarch will seinerseits Atlan in seine Gewalt bringen. Und welche Rolle spielen Anzu, Gry und Alaska? Der Maskenträger greift aktiv in die Geschehnisse ein und zahlt einen hohen Preis.
 
Robert Corvus scheint sich inzwischen als Autor für die Darstellung militärisch geprägter Geschichten in der Serie etabliert zu haben. Wobei die Jül-Partikuliere da zuletzt eine Ausnahme bildete. Das Szenario, das der Autor hier entwarf, geht zurück auf einen Plan Perry Rhodan, der Atlan über die vorausgeschickte Siganesin erreicht. Allerdings dauert es eine Weile, bis der Autor in diesem Roman den Leser darüber aufklärt, dass alles nur Show ist und einem bestimmten Zweck dient: Farbaud von der RAS TSCHUBAI zu holen. Bis zu diesem Zeitpunkt tat der Autor nämlich alles, um mich als Leser zu täuschen. Ich war mir zwischenzeitlich nicht sicher, ob Atlan sich noch an der Plan halten würde oder ihn auf seine Art und Weise „interpretierte“.
Nichts zu interpretieren gab es bei der Liebes- oder vielmehr Sexszene an Bord der RA. James Bond, äh Atlan, legt mal eben vor dem Einsatz seine Assistentin flach. Ich will gar nicht die „Me Too“ Debatte eröffnen. Tue es aber. Atlan in Machtposition berührt wie zufällig ihre Wange, streichelt sie und streift ihr die Träger ihres Kleides herunter. Das war ein sexueller Übergriff, den der Autor schildert. Und der definitiv nicht in die Zeit passt. Der „Gegenüber“ der RA scheint auch keine Hemmschwelle zu haben, jedenfalls meldet er sich nicht. Ist wohl doch nicht so weit entwickelt. Oder der Autor?
Das Hilfsmittel, das Atlan zuletzt von dem Kammerherr erhielt, wurde zur Täuschung eingesetzt. Es sollte Verluste fingieren, um den Angriff der Arkoniden auch für die hochgezüchtete Technologie Farbauds und seines Containers als realistisches Szenario einstufen zu lassen. Zunächst dachte ich, damit schmuggelt sich Atlan mit einem Team unbemerkt an Bord. Um dann allerdings was zu tun? Außer der RA stehen Atlan keine weitere Gadgets zur Verfügung. Er wäre an Farbaud gescheitert.
Die Show gelingt, wenngleich sie mit dem Verlust von Menschenleben einhergeht. Wie immer gibt es dafür keine Konsequenzen. Und drei Besatzungsmitglieder, Anzu, Gry und Alaska werden zum Chaoporter entführt. Um diese Situation vorzubereiten, musste der Autor den Maskenträger stärker in das Geschehen einbinden, damit eine Gelegenheit entstehen konnte, Alaska zu entfernen. Betätigt sich der Unsterbliche zwischenzeitlich als Boten, um Führungskräfte zu tadeln oder auszutauschen, beteiligt sich der Logiker dann auch an Einsätzen. Natürlich förderte Alaskas Einsatz auch die Dynamik der Handlung. Allerdings hätte der eher stille, introvertierte, kosmische Mensch und Logiker wohl eher an die Seite des Kommandanten gehört.
Seis drum. Ob gewollt oder ungewollt, haben die Terraner dadurch eine 5. Kolonne in FENERIK. Der Roman war sehr flott. Nicht ganz mein Geschmack aber in weiten Teilen unterhaltsam.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3162

Der Kammerpage der Kosmokratin – von Christian Montillon
Der Chaoporter FENERIK stürzt weiter der Milchstraße entgegen, in der sich die Völker durch Gründung des dritten Galaktikums gegen die Gefahr zu wappnen versuchen. Atlan bekommt zusammen mit Iwán/Iwa Mulholland eine Einladung in die Yodor-Sphäre. Mit der Sextadim-Kapsel RA machen sich die beiden auf dem Weg.
Letztlich erreichen sie den Planeten Sholtoss. Dort erwartet sie der Kammerpage der Kosmokratin Mu Sargai. Erantoar, ein Irosgant, ist wie Atlan ein Diener der Hohen Mächte. Mit Unsterblichkeit, oder wie er es ausdrückt, Langlebigkeit, ausgestattet, nimmt er Aufträge der Kosmokratin wahr. Er erhascht Einblicke in die höhere kosmische Ordnung. Viele versteht er nicht und von vielem fühlt er sich abgekoppelt. Die Geheimniskrämerei seiner Aufträge führen zu Selbstzweifeln und zu Widerstand in ihm. Letztlich aber ist es sein Ziel, einmal wahrhaftig Mu Sargai gegenüberzutreten. Tatsächlich nimmt er als Kammerpage jedoch nur eine untergeordnete Rolle ein. Der Kammerherr, ein Sorgore, ist es, der ihm die Aufträge zuteilt.
Nun empfängt er Atlan und Mulholland auf Sholtoss. Und weiß nicht warum. Allerdings nimmt ihm sein Kammerherr alsbald die Aufgabe ab. Der Sorgore stattet Atlan mit einem machtvollen Hilfsmittel aus.
 
Nach meinem mehrwöchigen Urlaub in südlichen Gefilden auf der Insel des ewigen Frühlings (nein, es ist nicht Atlantis) arbeite ich nun daran, den Anschluss an die Serie wieder herzustellen. Titel und Untertitel von Christian Montillons Roman suggerieren, dass mich als Leser eine Geschichte erwarten kann, die ein wenig mehr Hintergründe zu Mu Sargai und deren Aktivitäten enthüllt. Ich verrate nicht zu viel an der Stelle, wenn die Betonung dann doch beim Wörtchen „wenig“ liegt.
An besten lässt sich das mit einer Textstelle des Romans verdeutlichen. Christian Montillon schreibt auf Seite 11: „Manchmal glaube ich (der Kammerpage), er (der Kammerherr) spielt mit meiner Verwirrung aus schierer Freude, mich ratlos zu sehen.“
Ich denke, diese Beobachtung Erantoars trifft genau das Verhältnis Perry Rhodan-Autor und Leser. Ich spüre förmlich die Freude des Autors, wenn ich ratlos einen Roman zur Seite lege. Hier wurde nichts enthüllt. Ich bleibe also ratlos. Dennoch bin ich von der Geschichte nicht enttäuscht. Mir sagt der Schreibstil des Autors zu.
Der Roman enthält noch weitere Textstellen, die sich in meiner Rezension verwenden lassen. Bspw. genießt der Kammerherr den spitzfindigen Austausch mit Atlan. Dieser Stil zieht sich auch sonst durch Montillons Geschichte. Erantoar spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Er ist ein Bote, gewissermaßen noch nicht mal das. Ein Page eben. Aber seine Wahrnehmung der Dinge um ihn herum hat der Autor zu einer unterhaltsamen Geschichte zusammengestellt.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3161

Fremde in Zeit und Raum – von Susan Schwartz
Nachdem Reginald Bull seinen Quälgeist Sälsinde mit Unterstützung einer Yodorin in einen Seelenkerker gesperrt hat, fühlt sich der ehemalige Resident befreiter. Ein Rest Misstrauen bleibt. Unklar ist auch, ob das Gerät den Chaotarchendiener tatsächlich über lange Zeit festhalten kann. Bull nimmt in seiner Tarnidentität Joseph Andalous und mit Unterstützung von Uecker London Kontakt zur USO auf. Die von Lordadmiral Monkey geführte Organisation meldet sich alsbald und nimmt Reginald Bull samt Seelenkerker an Bord der RATBAR TOSTAN. Die Geschehnisse verlangen es, dass Bull sich zu erkennen geben muss. Damit macht er sich keine Freunde. Die USO-Agenten gehen auf Nummer sicher und setzen ihn fest.
Er wird zur NIKE QUINTO gebracht. Dort eröffnet ihm Monkey, dass man den Seelenkerker auf einem geheimen Stützpunkt untersuchen könne. Ziel soll es sein, dass man mehr Informationen über Sälsinde und FENERIK herausfindet. Es geht ins Pathosystem. Auf dem zweiten Planeten hat sich seit Jahrtausenden eine einzigartige Kultur entwickelt. Abstammend von den Arkoniden hat sich dort eine Gesellschaft etabliert, die nur aus Frauen besteht. Die beschäftigen sich auch mit Spirituellem.
In einer Forschungsstation der USO im ewigen Eis eines der Pole wird an der Erzeugung einer künstlichen ÜBSEF-Konstante geforscht. Mit dem Wissen dort, will man eine Kopie von Bulls ÜBSEF-Konstante erzeugen, die einem Plasma-Klumpen aufgeprägt wird. Bull soll dieses Bewusstsein fernsteuern und in Kontakt mit Sälsinde treten und ihn aushorchen.
Doch die Geister die hier gerufen werden, machen sich selbständig und ein Planet gerät in Gefahr.
 
Als hätte ich‘s geahnt! Zum direkten Vorgänger dieser Geschichte von Susan Schwartz schrieb ich vor einigen Wochen, dass die Serie saubere Abschlüsse so sehr verabscheut wie der Teufel das Weihwasser. Kaum sind Bull und der Seelenkerker an Bord des USO-Schiffs, schon werden die ersten Fakten geliefert, die an einer dauerhaften Unterbringung Sälsindes in dem Seelenkerker zweifeln lassen. Springe ich gleich zum Romanende, wird auch dort durch Bulls Einlassung, ein winziger Teil Sälsindes sei in ihm geblieben, das Thema weitergetrieben. Und nun würde ein Riss in ihm sein. Es ist mal wieder so. Das Thema findet keinen Abschluss.
Susan Schwartz beschreibt in ihrem Roman eine interessante Gesellschaft. Für jede andere Geschichte wäre diese nur aus Frauen bestehende Zivilisation ein toller Hintergrund gewesen. Und einer, bei dem es sich lohnen würde, ihn stärker in die Geschichte einzubinden. Hier wirkt die Verbindung der Beschäftigung mit dem Geist und einer Forschungsstation, deren Wissenschaftler mit künstlicher „Seele“ experimentieren, ein wenig zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Die beiden Handlungselemente profitierten nicht voneinander. Bull lernte die besondere Situation auf dem Planeten auch gar nicht kennen. Er führt einen Dialog mit der Kontakterin und das war es. Eine schöne Idee aber zu wenig daraus gemacht.
Das Experiment geriet schnell außer Kontrolle. So, wie die Autorin das geschrieben hat, gab es auch gar keinen anderen Weg. Es endet so, wie ich es mir von Anfang an vorgestellt hatte. Einzige Erkenntnis in diesem Roman ist die chaotarchische Beurteilung des Moralischen Codes. Die Kosmokraten bestehen auf seiner Unveränderlichkeit, die Chaotarchen hingegen betrachten den Code als einen Kodex der Entwicklung. Da Aussagen dieser Art äußert selten sind, bleibt abzuwarten ob sich daraus eine Wirkung auf die Geschehnisse in diesem Zyklus ergeben.