Die Legatische Prüfung – Olaf Brill
Die PELLOUISE, mit der Flint Cole Cetus verlassen hat, erreicht nach vier Tagen die Galaxis Hangay. Ein blauer Riese mit Eigennamen Calpaar mit drei Planeten markiert das vorläufige Ende der Reise. Das Schiff erscheint inmitten eines Raumgefechts zwischen Raumschiffen der gleichen Bauart wie die PELLOUISE. Die sich bekämpfen, sind die Ghoublanen, von denen Cole noch nie gehört hat. Die Wesen mit zwei Laufarmen und einem in der Mitte des Körpers sitzenden Handlungsbein entern die PELLOUISE. Flint Cole verliert nach einem Schuss auf ihn das Bewusstsein.
Die TAL-1 mit der GIDEON und mit Leni Hazard und dem Shinobi R erreicht im Januar 2256 ebenfalls Hangay. Der Kontaktmann von Cole, der Lee Shranghur, hatte mehrfach Lieferungen aus einer Elysion-Station in Hangay erhalten, wie die geretteten Aufzeichnungen des San-Hofs zeigen. Die Station, so müssen Leni und R feststellen, ist inzwischen zerstört worden. Auswirkungen eines Bürgerkriegs, der seit hundert Jahren unter den Ghoublanen tobt. Immer öfter geraten dabei Einrichtungen des Elysion unter Beschuss. Wird das ganze von den Legaten angefacht und sind die Ghoublanen deren willige Werkzeuge? R hat eine Informantin kontaktiert, die dem ungleichen Paar aus USO-Agentin und Shinobi einen Lineargleiter der Hauri als Beförderungsmittel zur Verfügung stellt.
Als Flint Cole wieder erwacht, wird er von zwei Ghoublanen verhört. Er erwähnt Shrou Loubviwum und erfährt prompt die Geschichte des Heiligenmörders. Den, der die Vision für immer gesehen hat. In der Vergangenheit ist Shrou Loubviwum ein General der Ghoublanen. Dieses Volk fühlt sich zu höheren berufen und beginnt damit alle anderen Völker zu unterwerfen. Gemäß dem Motto: Wer den Frieden sucht, muss ihn der Galaxis aufzwingen. Als nächstes sollen die Unri auf ihrem Planeten Im’Hadaki unterworfen werden. Die wehren sich. Prau Oimalwon, ebenfalls Generalin und Geliebte von Shrou Loubviwum ist an dem Angriff auf die Unri beteiligt. Doch plötzlich verschwindet Im’Hadaki in einer regenbogenfarbenen Erscheinung. Das Phänomen verschluckt auch Schiffe der Ghoublanen. Messungen identifizieren es als temporales Feld. Wagemutig dringt Shrou Loubviwum in das Feld ein. Während außerhalb nur Minuten vergehen, sind im Feld 100 Jahre vergangen. Die Unri und die Ghoublanen leben in friedlicher Eintracht auf dem Planeten. Verantwortlich für das Zeitfeld ist der Legatische Treiber, der den verfeindeten Gruppen auch eine Vision geschenkt hat. Seitdem gibt es keinen Krieg mehr auf Im’Hadaki.
Shrou Loubviwum will die Vision kennenlernen. Er begibt sich zum Legatischen Treiber und kommt in Kontakt zu Legat Kom. Loubviwum verlangt, den Treiber, und damit das Zeitfeld abzuschalten. Er muss jedoch 27 Prüfungen bestehen, damit ihm dies erfüllt wird. Er besteht alle Prüfungen und erlebt die Vision für immer. Das Zeitfeld wird abgeschaltet und der Planet kehrt in die Normalzeit zurück. Die Unri dürfen weiterhin auf dem Planeten leben. Er steht jedoch ab sofort unter ghoublanischer Besatzung und wird dem Großkönigreich Loun Trogliums eingegliedert. Prau Oimalwon erkennt ihren Gefährten kaum wieder. Der bescheinigt sich selbst, keinem fremden Einfluss zu unterliegen. Aber die Vision hat ihn verändert. Als der Großkönig erscheint und etwas anderes befiehlt, vernichtet Shrou Loubviwum dessen Schiff und tötet den König. Er ist nun der Heiligenmörder.
Einer der beiden Ghoublanen offenbart sich Cole als Shrou Loubviwum. Er prägt das Medaillon von Cassandra auf seinen neuen Träger Flint Cole. Es verbindet sich auf sechsdimensionaler Ebene mit dessen ÜBSEF-Konstante. Loubviwum trägt ebenfalls ein Medaillon. Plötzlich ertönen Explosionen. Cole erhält die Information, im Legatischen Treiber zu sein. Der wird von Kräften des Elysion angegriffen. Cole ist verwirrt. Auch das Elysion strebt nach Frieden. Was die Legaten anstreben ist jedoch der irreversible Frieden. Frieden für immer. Das Elysion bringt den Frieden in Gefahr. Deshalb bekämpfen die Legaten das Elysion. Cole wird plötzlich klar, dass er diesen Verblendeten einer Vision und Frieden für immer nicht folgen will.
Die, die in den Legatischen Treiber eindringen, das sind Leni, R und Prau Oimalwon. Letztere ist als Shinobi für Hangay tätig und ist Rs Kontaktfrau. Die Selbstzerstörung des Treibers wird eingeleitet. Zuvor kommt bei einem Gefecht Oimalwon ums Leben. Shrou Loubviwum entkommt per Transmitter. Flint Cole wird auf die GIDEON gebracht. Er gesteht alles. Letztlich hat er sich für die Menschheit entschieden. Die TAL-1 und die GIDEON kehren in die Milchstraße zurück.
Rezension
Nachgehakt: Was macht eigentlich die Besatzung der GIDEON in der ganzen Zeit? Hat das Schiff überhaupt eine Besatzung? Und wenn ja, wie findet die das, von einem besatzungslosen Trägerschiff über Millionen Lichtjahre transportiert zu werden und an keinem Einsatz beteiligt zu sein? Und wo ist George Seymour Adams abgeblieben? Ist der in Cetus ausgestiegen? Oder sitzt der im Bademantel vor einem Kaminfeuer in seinem Quartier an Bord der GIDEON?
Ich halte Trägerschiffe wie die RAS TSCHUBAI für überflüssig. Besatzungslose Trägerschiffe wie die TAL-1, die andere große Raumschiffe ohne jeden Sinn transportieren, sind auch nicht besser. Besser sind kleine Schiffe, mit Konzentration auf eine ebenso kleine Besatzung und somit weniger Figuren.
Zurück zur Geschichte. Die enthält Handlung. Sogar viel Handlung. So viel, dass ich einiges in der Zusammenfassung gestrichen habe. Welche Kriterien an die Auswahl von Shinobi gestellt werden, bleibt weiter ein Rätsel. R ist kaum ein Shinobi, schon pflegt er galaxienübergreifende Kontakte. Sapperlot! Mit der Madenkolonie kann ich dennoch nichts anfangen. Die Figur weckt keine Emotionen. Prau Oimalwon als Shinobi war nur eine kurze Zeit gegönnt. Hier bleiben die Kriterien noch unklarer, so aggressiv, wie ihr vorheriger Lebensweg war.
Die Legaten bleiben ein Mysterium. Immerhin kennen wir nun ihre Motivation. Wenn es stimmt, was Shrou Loubviwum von ihnen sagt. Dass sie nach Frieden für immer streben. Ein ehernes Ziel. Das Elysion strebt auch nach Frieden. Nach Meinung der Legaten aber mit falschen Mitteln.
Die Zyklushandlung hat nach längerer Zeit einen Schritt nach vorne gemacht. Die Legaten bleiben unsichtbar. Ihr Frieden-für-immer-Motiv, sofern es ihr einziger Beweggrund ist, erinnert an eine Sekte. Und da sie mit ihren Mitteln nicht zimperlich sind, erst recht. Welche Bedeutung die Medaillons haben, bleibt abzuwarten. Ein kurzweiliger Roman von Olaf Brill!

