Articles by Uwe Bätz

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3105

Galerie der Gharsen – von Michelle Stern
Die Gharsen unter ihrem Imperator Khosen haben den Planeten Fajem unterjocht. Allen Schiffen wurde Startverbot erteilt. Die BJO BREISKOLL sitzt fest. Der Ornamentraumer KUPFER & GRANIT ist auch die Heimat von Khsanap. Der Jäger hat zusammen mit zwei weiteren Gharsen das Schiff verlassen und macht Jagd auf Parabegabte. Dabei sind er und seine Begleiter Shalhisar und Zharrut aber auch Konkurrenten. Khsanap hat wie einige andere Mitglieder seines Volkes eine ausgeprägte Parasensibilität. Er spürt drei Fremdwesen mit Parakräften und er will derjenige sein, der die drei Prunkstücke in seine Standarte einverleibt. Dies würde ihn auch die Gunst der stellvertretenden Kommandantin Mhednu einbringen und seine Karriere voranbringen.
Donn Yaradua hat sich mit den beiden anderen Parabegabten aus Guckys Parakorps außerhalb der Hauptstadt in Sicherheit gebracht. Für Shema Ghessow und Damar Feyerlant ist es der erste große Einsatz. Shema ist Deponentin und kann sich und andere in einer Hypersenke im Hyperraum deponieren und darin in begrenzten Umfang Ortswechsel durchführen. Damar ist Konnektor und kann positronisch-biologische Maschinen manipulieren. Für die Gruppe kommt der Angriff der Gharsen überraschend. Damar Feyerlant wird verschleppt. Die beiden anderen entkommen dem Zugriff.
Perry Rhodan hat einen Plan, wie sie Feyerlant, der inzwischen an Bord des Ornamentraumers gebracht wurde, befreien können. Zu der Gruppe um den Unsterblichen ist inzwischen auch Harper LeCount gestoßen. Sein Schiff, das wie er sagt zum Trojanischen Imperium gehört, wurde von den Gharsen geentert. Besatzungsmitglieder, darunter LeCounts Sohn, wurden in die KUPFER & GRANIT gebracht. Rhodans Plan gelingt und Shema Ghessow kann in die KUPFER & GRANIT eindringen. Die junge Terranerin hat einen TARA dabei, ist aber ansonsten auf sich gestellt. Die fremdartige Kultur der Gharsen überrascht sie und in Khsanap hat sie einen unerbittlichen Verfolger. Kann die junge Frau ihren Partner befreien?
 
Die Rezension zum Roman der Vorwoche beendete ich mit dem Satz: „Ein wenig Retro aber im modernen Gewand. So kann es weitergehen.“
Und es geht weiter. Das alte und später das neue Mutantenkorps sind inzwischen wahrhaftig Retro. Mutanten gab es aber auch immer wieder in der Serie. Nun lebt das Mutantenkorps wieder auf. Und heißt nun Parakorps. Und seine Mitglieder sind keine Mutanten sondern Parabegabte oder Wesen mit Psi-Fähigkeiten. Ohne den Roman von Michelle Stern jetzt noch einmal durchzublättern, bin ich sicher, dass der Begriff „Mutant“ darin, wenn überhaupt, nur sehr selten gebraucht wird. Das neue Korps ist somit Retro, die Abwendung vom Begriff des Mutanten hingegen lässt das Geschriebene moderner erscheinen. Denn der Begriff des Mutanten ist in der Perry Rhodan-Serie schon immer anders verwendet worden und nicht eben richtig. Andererseits müssen die nächsten Romane abgewartet werden, ob die sprachliche/inhaltliche Änderung Bestand haben wird.
Die Geschichte, die von Michelle Stern hier verfasst wurde, zeigt bekannte Blickwinkel, vertraute Einsatzszenarien und Wesenszüge bei den Gharsen, die auch ein wenig bekannt vorkommen. Die Gharsen erinnerten mich ein wenig an die Hirogen aus ST Voyager, wenn in dem Roman von „Beute“ die Sprache war. Dennoch kann die Autorin ihrer Geschichte Originalität verleihen. Die beiden Parabegabten sind sehr erfrischend und mit einer gewissen Leichtigkeit geschildert worden. Zielstrebig aber auch irgendwie verletzlich. Wie immer, wenn neue Parabegabungen geschildert werden, habe ich ein wenig den Eindruck, dass die Begabungen den Einsatzszenarien angepasst erscheinen. Zum Teleporter (Gucky), Schmerzensteleporter (Mulholland) und Parapassant (Haad) stößt mit der Deponentin Shema Ghessow nun eine vierte aktuell eingesetzte Figur dazu, die einen dimensional übergeordneten Ortswechsel durchführen kann. Die Figur der Shema Ghessow hat mir dennoch gefallen. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Einsatz an Bord des Ornamentraumers auch ohne ihre spezielle Parabegabung hätte geschrieben werden können. Die besondere Kultur der Gharsen hätte es auch anderen Figuren ermöglicht, Feyerlant herauszuholen.
Wie schon im Roman der Vorwoche setzt Perry Rhodan nicht alleine auf ein bestimmtes Einsatzteam, das die Probleme lösen soll. Es werden Analytiker zur Technologie und zur Psyche der fremden Spezies herangezogen und liefern wertvolle und interessante Details. Mit TRAITOR und überlegener Kolonnentechnik haben die Terraner Erfahrung sammeln können. Die vom Chaoporter ausgesandten Gharsen sind da anders. Perry Rhodan bezeichnet sie als egozentrisch, sogar egomanisch. Dies könnte für die Terraner vom Vorteil sein. Ein solches ichbezogenes Volk hat vielleicht nicht so eine enge Bindung zum Chaoporter oder dessen Herren.
Der Zyklusstart ist bis hierhin rasant. Es beweist, dass sich die Schilderungen anderer Kulturen und das Voranschreiten der Zyklushandlung nicht gegenseitig ausschließen. Natürlich sind es nach wie vor die gewohnt kleinen Schritte, mit denen die Handlung aufgebaut wird. Aber diese Schritte erscheinen deutlich zielstrebiger zu sein, als noch zu Beginn der 3000er. Ich konnte in die Geschichte sehr gut eintauchen. Ein sehr unterhaltsamer Roman von Michelle Stern mit vielen interessanten Beschreibungen und Aktionen, den ich in einem Rutsch durchgelesen habe.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3104

Der herrliche Diktator – von Susan Schwartz
Nach der Flucht des Zyu folgt die BJO BREISKOLL der Spur des Agenten in ein 190 Lichtjahre entferntes Dreisonnensystem. Darin umkreist der marsgroße Trabant Fajem einen riesigen Gasplaneten. Die Bewohner von Fajem nennen sich Fajemiden. Sie haben noch keine überlichtschnelle Raumfahrt. Die fledermausähnlichen friedlichen Geschöpfe laden jedoch per Funk jeden Raumfahrer ein, ihre Welt zu besuchen. Sie wollen Hyperkristalle gegen ein Triebwerk oder die Baupläne für ein Triebwerk tauschen.
Vom Zyu oder dem Chaoporter findet sich keine Spur. Aber Perry Rhodan und die Besatzung des Schlachtkreuzers sind wachsam. Überall könnten sich Agenten des Chaoporters aufhalten, wie die Ereignisse auf der Welt der Bhanlamurer gezeigt haben.
Die Werbefunksprüche der Fajemiden haben auch andere Besucher angelockt. Als die BJO BREISKOLL auf dem Raumhafen der einzigen größeren Metropole von Fajem landet, sind dort auch Schiffe der Gaids, Tefroder, Yats und anderer Völker vertreten. Die BJO BREISKOLL täuscht nach außen ein altersschwaches Schiff vor, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Der Plan gelingt und Perry Rhodan sieht sich mit Donn Yaradua, Kroko und dem Kosmopsychologen Anesti Mandanda auf dem Raumhafen und in der Stadt ein wenig um. Sie suchen nach dem Zyu und erhoffen sich Hinweise zum Chaoporter von den zahlreichen Fremdwesen, die den Planeten besuchen.
Nach der BJO BREISKOLL ist noch ein mit Ornamenten verzierter 1600 Meter durchmessender Kugelraumer gelandet. Das Schiff hat einen Schutz gegen Mutanten, denn Yaradua kann es nicht mit seinen besonderen Fähigkeiten ausspionieren. Zwei Tage später landet ein weiteres Schiff. Zu Rhodans Überraschung ist es ein terranischer Kugelraumer. Und plötzlich zeigt sich auch die Besatzung des Ornamentraumers. Die Gharsen, so nennen sich die Fremden unter ihrem herrlichen Imperator Khosen, halten für die Besucher des Planeten eine besondere Überraschung parat.
 
Ganz schön viel los in dem Roman der Autorin Susan Schwartz! Doch der Reihe nach. Nach einem sprachlich holprigen Einstieg mit der Kurzzusammenfassung der letzten Ereignisse, die „man“ erlebt hat, legt die Autorin los. Rhodans Gedanke zu Sonnentransmittern endet etwas jäh, denn Susan Schwartz entführt ihre Leser auf die schöne Welt Fajem. Die Bewohner betreiben eine offensive Werbestrategie. Sie wollen unbedingt ein überlichtschnelles Antriebssystem erwerben. Bezahlen wollen sie mit Hyperkristallen, die sie selbst ernten und die, wie Rhodan herausfindet, von hoher Güte sind. Entsprechend groß ist der Andrang. Alleine schon beim Anflug der BJO BREISKOLL tobt sich die Autorin, ich kann es nicht anders benennen, mal so richtig aus. Positiv gemeint, natürlich. Sie bringt neue frische Figuren ins Spiel, forciert das Tempo und überflutet den Leser beständig mit neuen Reizen.
Dabei kann ich über den einen oder anderen Widerspruch hinwegsehen. Ich glaube nämlich nicht, dass sich bei den bisherigen Schilderungen von Cassiopeia Prospektoren oder Händler auf den weiten Weg von Andromeda in diese rohstoffarme Region aufmachen, um hier Geschäfte zu machen und dann zurückfliegen. 2 x 600.000 Lichtjahre, nö. Aber egal, das Lokalorit, das die Geschichte versprüht, wird über unzählige verschiedene Lebensformen und die schön geschilderte Kultur der Fajemiden hergestellt.
In dieses Milieu lässt die Autorin ihre Leser über die Erlebnisse mehrerer Figuren tief eintauchen. Es gibt Romane, da würde ich über den Figureneinsatz schreiben, dass weniger mehr wäre. Hier ist es nicht so. Die Autorin hat ihre Figuren im Griff. Sie erhalten wohl dosierte Aufmerksamkeit. Und in den Fällen, wie beispielsweise der der beiden jungen Mutanten, ist es das in Stellung bringen für den Folgeroman. Neben der Episode von Donn Yaradua und seinem Okrill, die es mit sehr beharrlich auftretenden Sammlern zu tun bekommen, gefiel mir auch der vergnügliche Auftritt des Kosmopsychologen. Überhaupt fällt auf, dass die Einsätze der Besatzungsmitglieder erfreulicherweise solo erfolgen. Niemand hängt an Rhodans Rockzipfel. Die Terraner, vielmehr Galaktiker, wenn ich da an Kroko denke, ziehen auch mal alleine los und sammeln Informationen und Erfahrung.
Mit der Landung eines Schiffes des Trojanischen Imperiums wird eine weitere Facette der Geschichte der Menschheit, die es in weit entfernte Regionen des Kosmos verschlagen hat, aufgemacht. Die Anklänge an das Solare Imperium fügen sich in das Bild, das der Zyklus mit den bisherigen Romanen vermittelt. Ein wenig Retro aber im modernen Gewand. So kann es weitergehen.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3103

Angriff des Lichtfressers – von Christian Montillon
Während Perry Rhodan und weitere Terraner auf der Welt der Bhanlamurer noch im Einsatz sind, nähert sich der BJO BREISKOLL ein Agent des Chaoporters. Das Zyu startet einen Angriff auf das Raumschiff. Perihan Leko, die Orterin der BREISKOLL, hat eine kurze Wahrnehmung eines amorphen Etwas im freien Raum. Das Phänomen verflüchtigt sich sofort. Dabei ist diese Wolke längst in den Kugelraumer eingedrungen und verteilt seine Masse über das gesamte Schiff. Das Zyu beobachtet die Terraner, sammelt Wissen, deckt Schwachstellen auf, um anschließend BJO, die Biopositronik zu infiltrieren und die Funktionen des Schiffes zu übernehmen.
Das Zyu ernährt sich von Licht. Es entdeckt, dass die Besatzung des Schiffes eine Bioelektrizität aufweist und ernährt sich auch davon. Es gibt Todesopfer. Die Mutantin Anzu Gotjian kann das Zyu wahrnehmen. Bevor überhaupt effektive Abwehrmaßnahmen ergriffen werden können, manipuliert der Agent des Chaoporters die Atmosphäre an Bord der BJO BREISKOLL. Ein Großteil der Besatzung halluziniert. Anzu kann sich mit zwei Cheborparnern, einem Topsider und einer Ferronin verschanzen.
Das Zyu erkennt die Paragabe in Anzu und will sie sich einverleiben. In höchster Not sendet die Mutantin einen telepathischen Hilferuf an Gucky aus. Der Ilt ist zusammen mit Perry Rhodan zur BJO BREISKOLL unterwegs. Aber wird er rechtzeitig eingreifen können? Und wie kann das Zyu bekämpft werden?
 
Der Roman von Christian Montillon kann wieder einmal beispielhaft dafür stehen, wie bestimmte (SF)-Themen unterschiedlich erzählt werden können und damit unterschiedliche Geschmäcker bedienen. Michael Marcus Thurner, der schon häufiger Geschichten dieser Art ablieferte, hätte den Roman möglicherweise anders geschrieben. Vielleicht härter und mit noch mehr Dramatik. Ob er den Ausgang der Geschichte anders geschrieben hätte, darf indes bezweifelt werden. Thurners Romane über den ausweglosen Kampf von Raumschiffsbesatzungen gegen mörderische Eindringlinge hatten schlimmere Ausgänge. Diese Geschichte darf, bzw. muss jedoch weitergehen, weil es das Exposé so vorsieht.
In den letzten Romanen vermisste ich zuweilen die Spannung. Christian Montillon greift in seiner Geschichte auf Suspense zurück und setzt damit auf ein Mittel mit dem geringsten Aufwand und eines, das immer noch am besten geeignet ist, Spannung zu erzeugen. Als Leser der Geschichte weiß ich mehr als die Figuren. Einerseits wird mir das Wissen aus der Sicht des Angreifers vermittelt, weil der Autor auch dessen Perspektive eingebaut hat. Andererseits, weil in Zwischensequenzen die Schicksale einzelner Besatzungsmitglieder geschildert werden. Lange bevor andere Figuren auf die Vorgänge im Schiff aufmerksam werden. Die im Roman eingesetzte Darstellung von Gewalt steht nie im Vordergrund. Der Autor vermittelt in diesen Szenen lediglich geschickt die Bedrohung für die Figuren.
Im starken Kontrast zu diesem Bedrohungsszenario stehen die Handlungen und die Dialoge der Figuren. Nicht erst als Gucky bei seinem Eingreifen das Zyu mit „Meister Nebeldings“ tituliert. Auch schon vorher nivelliert der Autor das Geschehen mit humorigen Dialogen. Das erhöhte wiederum die Spannung, weil ich als Leser gelöste und launige Figuren als noch stärkeren Kontrast zu anderen (mir als Leser bekannte) Szenen des Romans empfinde. Das ganze wirkte aber auf mich keinesfalls aber wie eine Horrorkomödie. Der Autor schafft eine gute Balance. Das Grauen wird nicht heruntergespielt, es wird aber auch nicht überzogen. Der Autor erreicht dies durch die besonderen Figuren. Die beiden Cheborparner, die sich in einer Küche verschanzen, den Topsider „Kroko“, der Humorlektionen erhält und eine Ferronin, die sich tapfer der Bedrohung stellt.
Was mir nicht so zusagte, sind die Schilderungen von Anzus Fähigkeiten. Mit Psi-Fähigkeiten ist das so eine Sache. Sind sie einigermaßen klar definiert, wie im Falle von Gucky, hilft mir das beim Einsortieren einer Geschichte. Mit Anzu und ihren „undefinierten“ (bislang jedenfalls) Fähigkeiten tue ich mir schwer. Eine kosmische Seherin, die passende Eindrücke quasi ad Hoc geliefert bekommt, kann auf Dauer ziemlich frustrieren. Setzt man diese Figur häufiger so ein, fände ich das nicht gut. Vielleicht hat der Autor das aber auf dem Bildschirm und hat sie deshalb erstmal ins Koma geschickt.
Der im Roman gefallene Begriff der Chaoversalen Querung lädt zum Spekulieren ein. Der Chaoporter streift ziellos umher und arbeitet nach dem Prinzip der Serendipität. Eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Und FENERIK ist nicht einfach nur havariert. Er ist zuvor mit etwas kollidiert. Die Frage die sich stellt, ist, ob sich dies als glücklicher Zufall für die Milchstraße herausstellt oder ob erst durch dieses Unglück die Milchstraße in den Fokus der Chaotarchen geraten ist.
Ein spannender und unterhaltsamer Roman. Das Tempo zu Beginn des Zyklus stimmt auch hier.