Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2876

pr_2876Der Zeitgast – von Leo Lukas – Handlung:

An Bord der CIPPACOTNAL sind die Tiuphoren in Aufruhr. Nach langer Zeit nähert sich das Sterngewerk zusammen mit den anderen Schiffen der Flotte der Heimatgalaxis Orpleyd. Auch Cuttra Yass spürt die gegensätzlichen Emotionen. Einerseits Euphorie, andererseits Ekel und Abscheu. Der junge Tiuphore verspürt eine animalische Scheu vor der Rückkehr an den Ursprung. Die Tiuphoren, jene großartigen Kämpfer, die vor Urzeiten die Bindungen an Planeten aufgegeben haben, stehen vor einer neuen Herausforderung. Dabei wiegt die Niederlage der letzten Banner-Kampagne ebenso schwer. Ein Terraner namens Perry Rhodan hat den unbezwingbaren Tiuphoren erfolgreich getrotzt. Cuttra Yass steht aber auch vor persönlichen Veränderungen. Er könnte neuer Orakel-Page werden, nachdem Paqar Taxmapu zum neuen Orakel der CIPPACOTNAL ernannt wurde. Cuttra Yass misstraut Paqar Taxmapu und will herausfinden, was mit ihm nicht stimmt.

Auch Maxal Xommot, als Caradocc ranghöchster Befehlshaber der CIPPACOTNAL beschleichen Zweifel am neuen Orakel. Allerdings muss er eingestehen, hat ihn Paqar Taxmapu bisher stets gut beraten. Eine Entscheidung steht noch aus. Es muss ein neuer Orakel-Page ernannt werden. Im Beisein des Caradocc fällt Taxmapus Wahl auf den Tiuphoren Cuttra Yass. Aber noch andere Probleme beschäftigen Maxal Xommot. Sein Schiff hat die Peripherie von Orpleyd erreicht. Die Staubmassen behindern die passive Ortung. Nur langsam können Daten gewonnen werden.

Unterdessen hat Perry Rhodan den Plan gefasst, mehr über das Catiuphat herauszufinden. Dazu will er in den fünften Torus vorstoßen. Er verlässt die Nische, die Attilar Leccore am Übergang zwischen ersten und zweiten Torus angelegt hatte. Seine Begegnung mit einem Trostreichen nutzt Perry Rhodan dazu, um das Kunstgeschöpf zu übertölpeln. Er lädt Erinnerungen an seine Heimat auf dem Trostreichen ab und überfordert ihn so. Rhodan wird von seinen eigenen Emotionen vorangetrieben und gelangt in den dritten Torus, ohne seine Individualität zu verlieren. Dann jedoch wird seine Reise abrupt unterbrochen. Rhodan trifft auf eine andere verlorene Seele. Ein Erratischer und dazu einer, der uralt sein muss. Der Fremde, der seine Gestalt nicht zeigt, stellt sich als Advokat vor. Das Geistwesen erkennt in Rhodans einen Diener höherer Mächte. Seine ursprüngliche Ritter-Aura nimmt der Advokat immer noch als Schatten wahr. Er bezeichnet Rhodan als Gerechten und will ihn in den fünften Torus führen und ihn dort, allerdings eingeschränkt, unterstützen.

Cuttra Yass macht als neuer Orakel-Page eine gute Figur. Er bekommt von Taxmapu Aufgaben, die er erfüllt. Seine neue Tätigkeit erlaubt ihm Freiheiten, die er nutzt. Er kommt dem Versteck des Orakels auf die Spur und entdeckt die Körper von Rhodan und der Larin. Als er den Zellaktivator entfernen will, stoppt Paqar Taxmapu dieses Vorhaben. Attilar Leccore kann Yass mit einer Geschichte auf seine Seite ziehen.

Im fünften Torus findet sich Rhodan in einer entsetzlichen Landschaft wieder. Riesige Müllhalden umgeben ihn und ein bestialischer Gestank wird von ihm wahrgenommen. Er entdeckt verwahrloste Tiuphoren, die in dieser Umgebung ums Überleben kämpfen und schließt sich ihnen an. Die Gruppe nimmt ihn als Tiuphoren wahr und nach und nach erfährt Rhodan von einem Mann, der sich als Orakel bezeichnet, mehr über dieses Volk. Er befindet sich auf Tiu, der Ursprungswelt der Tiuphoren. Das System ist labil und in naher Zukunft wird Tiu zum Untergang verdammt. Wobei dies wahrscheinlich vor über 20 Millionen Jahren wohl schon längst eingetreten ist. Kurz nach der Entdeckung der überlichtschnellen Raumfahrt erregten die Tiuphoren die Aufmerksamkeit der Gyanli. Diese tiuphoroiden Wesen, die aber amphibisch lebten, waren die uneingeschränkten Herrscher Orpleyds. Ihr Staatswesen wurde die Kohäsion genannt. Sie besetzten jede Welt und beschnitten Technik und Kultur mit ihren Statthaltern, den Gyan-Operatoren. Die Restriktion, eine Polizeitruppe, sorgt mit ihren Agenten, den Orthodox-Operatoren für ein gnadenloses Durchgreifen. Insbesondere Intellektuelle wurden von den OrthOps gejagt. Auf Tiu haben Gyanlischiffe strahlenden Abfall und nicht verrottenden Schrott abgeladen.

Die Tiuphoren ertragen die Usurpatoren durch die Bildung einer Legende. Das Phat soll einen Ausweg schaffen. Gerüchte besagen, dass Sammler durch das Land ziehen, um Tiuphoren einen Fluchtweg in dieses Jenseits zu zeigen. Rhodan erlebt, wie ein solcher Sammler die Gruppe in die Hauptstadt Tonhuon führt. Dort sollen sie Pfaunyc Tomcca und Catccor Turrox treffen, die möglichen Retter des geknechteten Volkes. In Tonhuon werden sie von zwei Gyanli gestoppt. Die beiden zweieinhalb Meter großen Wesen treten ihnen in Schutzanzügen gegenüber. Sie attackieren die Gruppe mit einer Waffe, dem Traktator, der starke Schmerzen auslöst. Sie wollen den Sammler. Perry Rhodan kann die beiden Gyanli außer Gefecht setzen. Bevor er mit den Erinnerungen in dieser Ebene des Catiuphats fortsetzt, kehrt Rhodan für kurze Zeit in Leccores Fluchtnische zurück.

Der Gestaltwandler informiert Rhodan über die Beobachtungsergebnisse der Tiuphoren. Aus unbekannten Gründen hat Orpleyd sich in all den Millionen Jahren nur einen Bruchteil der extrapolierten Strecke fortbewegt. Auch die Eigenrotation wurde gebremst. Irgendetwas hat die gesamte Sterneninsel verlangsamt.

Perry Rhodan erfährt auch, dass Pey-Ceyans Geist mittels der Dakkar-Spanne in ihren genesenen Körper zurückgekehrt ist. Da es keine Garantie gibt, dass der Wechsel zurück ins Catiuphat gelingt, wenn Rhodan erstmal in seinem Körper ist, verschiebt der Terraner dieses Vorhaben zunächst. Erst will Rhodan noch mehr über den fünften Torus und der Geschichte der Tiuphoren erfahren.

 

Rezension:

Am vergangenen Freitagabend im Rathaus der Stadt Wien hat Leo Lukas eine Passage seines Romans gelesen. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich endlich selbst in die Lektüre einsteigen konnte.

Eines fiel mir sofort auf. Wieder werden den Tiuphoren die inzwischen hinlänglich bekannten Eigenschaften angedichtet. Sie handeln schnell, zielsicher und ohne großes Brimborium. Das Offensichtliche wird nicht nochmal wiederholt. Und doch hält sich Leo Lukas nicht an diese Wesensart. Der Caradocc versammelt seine Offiziere und für einen kurzen Moment droht eine Eskalation, die durch die Nachdenklichkeit des Anführers ausgelöst wird. Und obwohl der Autor vorher die Wesenszüge der Tiuphoren vermittelt hat, macht seine Figur, der Caradocc, dann doch genau das Gegenteil und ergeht sich in Wiederholungen und Phrasen. Auch in anderen Passagen des Textes geben Tiuphoren Plattitüden von sich. Hier fehlt es ein wenig an Mut, die Tiuphoren durchgehend in einer bestimmten Weise zu schildern oder auftreten zu lassen. Stattdessen werden sie vermenschlicht.

Ansonsten treibt Leo Lukas seine Geschichte nahezu schnörkellos voran. Pey-Ceyan spielt keine Rolle. Perry Rhodan ist Alleinunterhalter und beherrscht die Catiuphatsebene, während Attilar Leccore es mit einem aufmüpfigen Orakel-Pagen zu tun bekommt. Die Steine, die dem Gestaltwandler vom Autor in den Weg gerollt werden, sind allerdings nicht besonders groß. Überhaupt scheint es so, als möchte man den Leser zu Beginn des Kurz-Zyklus nicht mit unüberwindbaren Hindernissen konfrontieren. Leccore hat die Sache im Griff und kann sogar die Dakkar-Spanne einsetzen, die doch eigentlich auf Rhodan geeicht ist.

Die Perry Rhodan-Ebene zeichnet sich ebenfalls durch ein zügiges Tempo aus. Erstmals erfahren wir etwas mehr über die Geschichte der Tiuphoren. Wie schon unlängst Atlan in den JZL mit einer Erinnerung an längst Vergangenes in Kenntnis gesetzt wurde, hat nun Perry ein ähnliches Erlebnis. Das war nicht besonders originell, aber als Leser interessierten mich hier die Fakten dann doch mehr als die Herangehensweise.

Eines beschäftigt mich dann doch noch. Etwas Böses durch etwas noch Böseres ersetzen, ob das funktioniert? Die Gyanli kommen nicht sympathisch daher. Dadurch werden mir die Tiuphoren, bei aller Unterdrückung, die sie in dieser, ihrer, Geschichte erlebten und zu ertragen hatten, nicht automatisch sympathisch. Ich hoffe, dass zur Entwicklung der Tiuphoren, zu dem wie sie auftraten, nämlich als unbarmherzige Eroberer und Zerstörer noch etwas mehr als nur schlechte Erfahrungen in der Kinderstube der Raumfahrt ausgedacht wurde.

 

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