Ansichten zu den Zyklen Atopisches Tribunal und Jenzeitigen Lande (Teil 1)

Rückblick und Fazit:

Band 2700, geschrieben von Andreas Eschbach, bedeutete vor über drei Jahren den Auftakt zu einem Zyklus, der zu Beginn einen erstarkten Perry Rhodan zeigte, der im Neuroversum-Zyklus zuvor noch mit Handicap geschildert wurde. Der Roman markierte aber auch den Auftakt von Kräften einer Macht, die sich Atopisches Tribunal nennt und Gesetzgeber, Richter und Henker in sich vereinigt. Perry Rhodan wird u.a. beschuldigt, für die Auslösung des Weltenbrandes, der Ekpyrosis von GA-yomaad, verantwortlich zu sein. Wobei dieses Ereignis erst im Jahre 84.387 eintreten soll. Auch 175 Hefte später ist noch immer unklar, was der Weltenbrand eigentlich ist. Ebenso unklar bleibt das Ereignis, das von drei Fraktoren, von denen einer Perry Rhodan sein soll, losgetreten wird, um dann später in die Ekpyrosis zu münden. Der zweite Fraktor ist Bostich und der dritte auslösende Fraktor bleibt unbekannt. Die anderen erhobenen Vorwürfe erweisen sich im Rückblick von 175 Heften zum Teil als haltlos, bzw. wollen sie einfach nicht zur Geschichte passen. Wie wir heute wissen, wollte Thez Schaden vom Moralischen Kode abwenden. Erstaunlicherweise hat jedoch Perry Rhodans Handeln immer wieder dem Moralischen Kode gedient. Siehe die Tötung KOLTOROCS.

Der Zyklusauftakt bringt auch die Figur Viccor Bughassidow ins Spiel, dessen Suche nach Medusa zuerst als Spleen erscheint. Später, sehr viel später, entwickelt dieser Part eine tiefere Bedeutung. Viccor Bughassidow und die KRUSENSTERN sind mehrmals an den Brennpunkten des Zyklus im Einsatz und sorgen nicht nur für kurzweiligen Humor sondern auch für die eine oder andere wichtige Entdeckung. Bedauerlicherweise finden Schiff und Besatzung keine Erwähnung mehr zum Finale in Band 2874. Mit der Entdeckung von Medusa sind der Milliardär, die Alte Oblast und andere Figuren abgemeldet.

Wie erwähnt, zeigt Perry Rhodan anfangs Initiative. Er dringt zum okkupierten Mond vor und trifft dort auf den Widerstand der Menschen gegen die Onryonen. Rhodan gibt den Widerstand neue Impulse, bevor er fliehen muss. Der Handlungsort Luna erlebt in der Folgezeit einen Abstieg. Zwar wird dieser Schauplatz noch einige Male besucht, insgesamt gewinnt Luna jedoch erst wieder an Bedeutung durch den Werdegang des Richters Matan Addaru. Die Handlungen auf der größten Militärbasis der Liga mit einer Bevölkerung von 1 Milliarde Menschen blieben hinter meinen Erwartungen.

Die Entsorgung der JULES VERNE brachte den nächsten Höhepunkt. Die Messingträumer werden eingeführt, ein erstarktes Tamanium präsentiert und die Jaj gingen auf die Jagd. Der Zyklus präsentierte sich zu diesem Zeitpunkt mit vielen Knalleffekten. Die tefrodischen Mutanten traten auf und das Polyportsystem schwächelte. In den ersten 10 bis 15 Heften des Zyklus ist die Haupthandlung eng verwoben und erzeugt eine dichte Atmosphäre. Die Aktionen der Figur Perry Rhodan werden nur mit kleineren Unterbrechungen beständig fortgeführt und tragen so zu einem intensiveren Leseerlebnis bei.

In diese Zeit des Zyklus fällt auch das berühmt-berüchtigte Fingerartefakt, das älter als das Universum ist. Sinnbildlich steht das Artefakt für mich seitdem für unbeantwortete Fragen im Zyklus um das Atopische Tribunal und die Erklärungen, die außerhalb der Romane durch die Exposé-Autoren lanciert wurden, sind zwar fundiert, zeigen aber auch, das die Erwartungshaltung der Leser nicht einfach zu befriedigen ist. Jedenfalls sind mysteriöse Objekte nicht einfach im Vorbeigehen zu lösen oder in einer Art und Weise, dass sie der Leser gar nicht entdecken kann.

Band 2716 bringt ein Element ins Spiel, das erst drei Jahre später, in Band 2869 wieder aufgegriffen und fortgesetzt wird. Die INSTANZ und die Nachfahren von Menschen der WIZARD OF OZ schlagen Kapital aus einem Kuhhandel mit Perry Rhodan. Handlungselemente, die erst Jahre später an Bedeutung gewinnen, gab es schon immer in PR. Warum es mich hier störte, lässt sich nicht einfach erklären. Wahrscheinlich störte mich die Art und Weise, wie das Polyportsystem aus der Serie geschrieben wurde. In Band 2716 ahnte ich freilich noch nichts davon.

Die Bände bis 2720 bringen eine Verschärfung des Konflikts mit dem Atopischen Tribunal. Das Arkonsystem fällt. Richter Chuv zeigte eine merkwürdige Verbundenheit mit den Naats. Auch hier muss der Leser lange auf eine Auflösung warten. In Heft 2846 ist es dann soweit. Das überraschende daran war, dass Perry Rhodan an dem Prozess, das dereinst Richter Chuv entsteht, direkt beteiligt war. Auch davon konnte man 2 Jahre zuvor nichts ahnen. Rückblickend ist dieses Element eines von vielen, die sich mit Verwicklungen der Zeit beschäftigte. Die Komplexität ist dabei für meinen Geschmack gar nicht zu hoch angesetzt. Alleine die Zeiträume, in denen diese Handlungsfäden abgewickelt wurden, machten es dem Leser allerdings sehr schwer, diesen Fäden zu folgen.

Heft 2722 bringt einen weiteren Aufreger. Ronald Tekener stirbt den Serientod. Obwohl ich diese Figur in den frühen Atlan-Romanen sehr gemocht habe, finde ich es mutig und richtig, dass man sich auch von solchen beliebten Charakteren trennt. Heft 2724 soll Licht ins Dunkel der Motive des Atopischen Tribunals bringen. Heraus kam mehr Schatten als Licht. In meiner Rezension schrieb ich seinerzeit u.a., dass der Bedrohungsaufbau im Zyklus mit dem Auftritt des Richters ad absurdum geführt wurde. Im Roman soll zudem die Anklage gegen Rhodan näher erläutert werden. Auch der Zeuge Tifflor wird gehört, der auf seinen HORT thronte und den Weltenbrand beobachtet hat. Nichts Genaues hat er nicht gesehen, weil es war ja auch viel zu dunstig. Damit war die Beweisaufnahme abgeschlossen. Seinerzeit war ich von diesem Roman doch arg enttäuscht, entsprechend kritisch viel meiner Bewertung damals aus. Rückblickend enthielt der Roman jedoch ein wichtiges Element, das mit der Scherung in 2874 zu einem Ende gebracht wird. Das Tribunal ist nicht in der Milchstraße, weil es die Ekpyrosis gegeben hat, sondern das Tribunal existiert überhaupt nur, wenn es die Ekpyrosis nicht gegeben hat. Nur deshalb sollen Rhodan und Bostich bestraft werden, damit der Weltenbrand nicht die Existenz des Tribunals bedroht.

In 2728 werden die Gravo-Architekten beschrieben. Der Roman faszinierte mich damals ungemein. Leider kann ich bis heute nicht einschätzen, wer oder was die Neutronensterne dort zusammengestellt hat. Die Erbauer, so steht es im Roman, leben in den Alten Sternenlanden, der Southside der Milchstraße. Alles andere sei das Imperium der Empörer. Rückblickend wissen wir nun, dass mit dem Imperium der Empörer die Tiuphoren gemeint sind. Warum die „alles“ andere sind, wird hoffentlich noch geklärt. Ab Heft 2729 eskaliert die Situation in der Milchstraße. Die Onryonen demonstrieren ihre Macht. Zehntausende ihrer Schiffe bedrohen Welten des Galaktikums und greifen sie an. Ordische Stelen werden aufgebaut. Rückblickend zeigen sich mit der übertriebenen Stärke der Onryonen, mit der Einsetzung der Atopischen Ordo und mit den Stelen gleich drei Schwachstellen in diesem und dem folgenden Zyklus. Wenn der Weltenbrand durch die Inhaftierung Rhodans und Bostich nicht entstehen kann, warum werden die Milchstraßenvölker unterdrückt? Warum müssen Stelen eine Rechtsprechung übernehmen, warum Raumschiffe nicht schnell und weit fliegen dürfen? Rückblickend wissen wir, dass Matan Addaru sein eigenes Süppchen gekocht hat. Und Chuv war auch kein Kind von Traurigkeit. Die beiden Richter hatten ihre eigenen Ideen. Aber zum zweiten Standbein von Matan Addaru passten die Repressalien auch nicht. Später wurde eine Ordische Stele gestohlen, deren Bewusstsein in einen Dolan übertragen wurde. Aber irgendwie werden Herkunft, Sinn und Zweck der Stelen auf Sparflamme behandelt. Irgendwann war kein Platz mehr, um diese Thematik aufzulösen. Am Ende von 2874 werden die Stelen abgezogen. Das war ein unbefriedigender Schluss.

Mit Rhodans Flucht aus dem Gefängnis geht’s weiter. den Unsterblichen verschlägt es nach Larhatoon, in die Larengalaxis. Dieser Handlungsabschnitt war zunächst eine gelungene Überraschung. Von den Laren hatte man lange nichts gehört und der Coup, dass die Laren bereits seit langem auch unter der Knechtschaft der Atopen leben müssen, machte das Ganze aus meiner Sicht irgendwie sympathisch. Die Leidensgenossen könnten sich gegenseitig helfen. Aber irgendwie drehte sich die Handlung in Larhatoon im Kreis. Die Absicht war anfangs zu zeigen, was der Milchstraße blüht, wenn das Atopische Tribunal sich etabliert hat. Da aber parallel dazu in der Milchstraße Gleiches bereits im Entstehen war, zündete diese Aussicht nicht. Die Art und Weise wie Rhodans und Bostichs Abenteuer in Larhatoon aufgezogen wurde, langweilte sehr schnell. Die Figuren bekamen pro Roman genau eine magere Information, aus der sie überaschenderweise stets die richtigen Schlüsse zogen und das nächste Ziel ansteuerten. Dort wieder eine magere Info und weiter ging es. Zum Scheitern blieb kein Raum und Fehltritte leisteten sich die Figuren auch nicht.

Die Milchstraßenebene brachte nichts Neues und der Zyklus plätscherte 2740 und folgende etwas dahin. Es gab Romane, die das Wesen der Richter aufdecken helfen sollten. Die Sganshan werden erwähnt. Auch hier folgen über 100 Hefte oder 2 Jahre, bis man dazu mehr erfährt. Da hatte man längst vieles wieder vergessen. Kurz vor Halbzeit der ersten Hundert Hefte wird der Techno-Mahdi mal wieder erwähnt. Auch hier dauert es über 2 Jahre, bis wieder was dazu in einer Geschichte zu lesen war. In 2869 entpuppt sich Axeu Nuyan als ein Sympathisant. Der Forscher lanciert nebenbei eine mögliche Erklärung für den Techno-Mahdi. Es könnte sich nicht um eine Person, sondern vielmehr um eine Idee handeln. Und es gibt eben Leute, die diesen Ideen folgen. Reginald Bull kommt wieder ins Spiel mit tollen Romanen von Michael Marcus Thurner, der auch die Stadt Allerorten einführen darf. Eine tolle Idee der Autoren!

Der älteste Freund Rhodans fliegt mit der RAS TSCHUBAI los, um Perry Rhodan zu retten. Doch die Fortschritte, die die Handlung in der Larengalaxis machte, waren minimal. Abwechslung brachte Tanja Kinkels Gastbeitrag in Heft 2757. Darin schildert sie Kindheit und Werdegang von Vetris-Molaud. Die Handlung bleibt in der Milchstraße und zeigt uns die Posbi-Paranoia. Bis heute (Stand 2874) warte ich auf eine Auflösung, wie das Problem gelöst wurde. Die Handlung wendet sich verstärkt den Tefrodern hin. Den Romanen lag eigentlich eine interessante Idee zugrunde. Mit dem Beute-Terraner-Schema sind die Leser der Serie seit 53 Jahren bestens vertraut. Waren es bislang die Terraner, die hemmungslos jegliche Form von Technologie assimilierten, sorry, einheimsten, tat nun Vetris-Molaud das Gleiche. Im Zyklus „Die Dritte Macht“ lehrte Rhodan Arkoniden, Springern und anderen Völkern das Fürchten. Er stahl ganze Raumschiffe und annektierte hemmungslos fremde Technologien. Widerstand war zwecklos. Als Leser fand man das damals toll. Nun wiederholte sich das Ganze, nur andersherum. Das Expo Team spielte hier mit den Nerven der Leser. Etwas widerwillig muss ich allerdings sagen, dass mir diese Idee gefallen hat. Nur bin ich als Leser heute aber auch deutlich kritischer als noch zur Zeiten einer Dritten Macht. Der Spannung in diesem Zyklus tat dieses Umdrehen der Vorzeichen jedenfalls nicht gut. Interessant wäre es gewesen, wenn sich die Kontrahenten auf Augenhöhe begegnet wären.

Na jedenfalls kam dann der Zeitpunkt, der einen Meister der Insel zurück in die Serie brachte. Wim Vandemaan hatte mehrfach angedeutet, dass die Geschichte der MDI noch nicht auserzählt sei. Bislang, d.h. zwei Jahre später, ist Zeno Kortin doch noch ziemlich blass. Während in der Milchstraßenebene der Handlungsfortschritt stagnierte, wird in Larhatoon den dortigen Richtern auf die Pelle gerückt. Der Kristalline Richter entfaltete seine Macht. Es ist merkwürdig, aber die Rettung von Baucis Fender treibt mich noch heute um. Auch hier wird die Besonderheit der Richter, die ihre eigene Erschaffung quasi überwachen, betont. Die Kelosker vergeistigen sich. Allerdings werden sie nicht zu einer SI sondern in einem Prozess, der wahrscheinlich Jahrhundertausende dauert, wird der Kristalline Richter geschaffen. Die Kristalline Wesenheit ist somit die Summe aller Kelosker und aus der fernen Zukunft in diese Zeit gekommen, um die eigene Geburt zu betreuen. Gholdorodyn wird eingeführt. Und sein Kran, der in der Folgezeit das eine oder andere Mal die Terraner aus hoffnungslosen Situation errettet.

Es folgt ein besonderer Dreiteiler, der den Arkoniden Atlan nach längerer Pause zurückbringt. In Erinnerung ist mir, dass Atlan zurückkommt und längere Zeit keine Rolle spielt. Das war schwach. Allerdings erfährt Reginald Bull über eine Erinnerung Ellerts von der Geburtsstunde des Atopischen Tribunals. Das entschädigte etwas.

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