Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2853

Im falschen Babylon – von Oliver Fröhlich – Handlung:

An den Ufern des Euphrat, unweit der Stadt Babylon, wird Natal ohne Vorwarnung vom Gefühl, den Verstand zu verlieren, überfallen. Der Kandidat für den Posten des Obersten Anklägers Babylons fühlt eine Leere in sich, seine Umwelt kommt ihm fremd vor und er erinnert sich nicht mehr an seinen Namen. Im nächsten Moment kehren die Erinnerungen zurück. Allerdings schleichen sich von nun an fremde Begriffe in seine Gedanken ein, von denen er nicht weiß, woher er sie kennt. Und eine Erinnerung ist nicht zurückgekehrt. Ihm fällt der Name des 12. Monats nicht mehr ein. Natal beobachtet auch eine schwarzgekleidete Gestalt, die ihm seltsam vertraut vorkommt und die ihn zu verfolgen scheint.

Natal kehrt in die Stadt zurück. Er hört Stimmen in seinem Kopf. Dem vorherigen Ankläger der Stadt wurden solche Stimmen zum Verhängnis. Natal schließt jedoch nicht aus, dass die Hohepriesterin Yenna La-Arhani ihn durch Giftstoffe, die sie seinem Essen beigemengt hat, auf die Probe stellen will. So soll seine Eignung zum Obersten Ankläger der Stadt geprüft werden. Auf dem Markt deckt er sich mit Lebensmitteln ein. Seine Unsicherheit verstärkt sich noch. Er fühlt sich beobachtet und die Stimme in seinem Kopf, die ihn beständig mahnt, nicht zu vergessen, warum er diesen Ort aufgesucht hat, wird immer eindringlicher. Dann wird Natal zu seiner Kanzlei gerufen. Yenna La-Arhani hat einen Auftrag für ihn. Er soll zwei Gastfeinde anklagen, die sich illegal in Babylon aufhalten und Abgesandte von Kingus Dämonen sein sollen. Die Hohepriesterin stellt Natal das Amt des Obersten Anklägers in Aussicht, wenn er für eine Verurteilung der Gastfeinde sorgt.

In einem schwachen Moment gesteht Natal der Hohepriesterin, dass er Stimmen hört. Zu seiner Überraschung bleibt Yenna La-Arhani gelassen. Seine Willensstärke sei es, betont sie, dass er den Einflüsterungen nicht erliegt. Sie gibt ihm ein Amulett, das ihn schützen soll. Obwohl die Stimme in seinem Kopf ihn drängt, das Schmuckstück nicht anzulegen, entscheidet sich Natal anders. Er legt das Amulett an und die Stimme in seinem Kopf verstummt. Noch vor der Verhandlung im Gerichtssaal wird Natal zu König Nebukadnezar II. beordert. Der König will das Leben der Gastfeinde verschonen. Die Hohepriesterin würde Natal nur benutzen. Falls sich jedoch die Möglichkeit ergeben würde, mit Yenna La-Arhani einen Handel einzugehen, dann soll Natal das Leben der beiden jungen Fremden retten.

Im Gerichtssaal lehnt sich Natal gegen Yenna La-Arhani auf. Die beiden Angeklagten, eine junge Frau und ein Vogel-Mensch-Mischwesen, sollen nach dem Willen der Hohepriesterin geopfert werden. Yenna La-Arhani schlägt Natal dann doch einen Handel vor. Die Fremden bleiben straffrei, wenn der Ankläger den Dämon Kingus mit einem Dolch, den er von der Priesterin erhält, tötet. Er hat einen Tag Zeit dazu.

Auf der Suche nach dem Dämon gelangt Natal auch in den Tempelturm Babylons. In der Zikkurat will er die Gastfeinde befragen. Zunehmend drängen sich wieder fremde Begriffe in sein Gedächtnis. Er trifft auf den schwarzgekleideten Mann. Als Natal mit dem Dolch zögert, tritt der Fremde, der wie Natal aussieht, auf ihn zu und ihre Körper vereinigen sich. Natal nimmt das Amulett ab und lässt sich von der Stimme in seinem Kopf zu einer Stele führen. Darin eingraviert sind die 12 Monatsnamen. Der zwölfte Monat lautet Addaru. Nun brechen alle Erinnerungen hervor. Natal, nunmehr Atlan, erinnert sich wieder, warum er eine Geistreise ins alte Babylon unternommen hat.

Beim Vorstoß in das Vesikel sind Atlan, Lua und Vogel auf das Haus Addaru gestoßen, das nichts anderes als der ehemalige Mond der Erde ist, der in einem gigantischen Hohlraum der Veste Tau schwebt. Sie können Luna betreten und sich in den Untergrund vorarbeiten. Aus einem alten Transmitter tritt ihnen YLA, die Tochter NATHANS entgegen. Um den Richter Matan Addaru besser zu verstehen, muss Atlan eine Bewusstseinsreise antreten. Bringt er sie erfolgreich zu Ende, ist er befähigt, den Atopischen Hof zu betreten.

Atlan wählt die Epoche aus, von der YLA berichtet, dass sie Matan Addaru am liebsten ist. Das alte Babylon. Gemeinsam treten sie durch den Transmitter und erreichen das alte Babylon. Die Wolken am Himmel brechen auf und Myriaden von spinnenartigen Lebewesen oder Technogeflecht-Konstrukte regnen auf den Arkoniden herab. Atlan befindet sich plötzlich am Ufer des Euphrat und verliert den Verstand.

Nachdem Atlan die erste Bewusstseinsreise bestanden hat, soll nun die zweite Reise in die Geschichte von Matan Addaru beginnen, die zugleich die Geschichte des letzten Menschen ist.

 

Rezension:

Ein ungewöhnlicher und mutiger Roman von Oliver Fröhlich. Ungewöhnlich deshalb, weil zu diesem Zykluszeitpunkt mit einem Historienabenteuer aus einer Epoche der Erde nicht zu rechnen war. Zwar prangte auf der Titelseite der Name „Babylon“, aber nicht selten führten solche Titel die Leser in der Vergangenheit ein ums andere Mal in die Irre. Mutig deshalb, weil der Autor zu einem anderen Rahmenaufbau seiner Geschichte gegriffen hat. Die Bewusstseinsreise Atlans, von der wir als Leser zu Beginn nichts wissen, nimmt mehr als 75 Prozent der Geschichte ein und die Vorgeschichte dazu wird vom Autor ans Ende gestellt. Der (obligatorische) zweite Handlungsstrang entfiel komplett.

Der Einstieg in den Roman und die daran anschließenden Erlebnisse Natals konnten überzeugen. Recht schnell war auch klar, dass sich hinter der Figur des Natal, stellt man die Buchstaben des Namens um, niemand geringeres als Atlan verbarg. Und wer das mit dem Anagramm nicht erkannte, für den gab der Autor weitere, noch deutlichere Hinweise, die schnell auf Atlan hindeuteten.

Den Protagonisten und die Stimmen, die ihn quälten, sowie Land und Leute hat Oliver Fröhlich gut eingefangen. Inwieweit die eingeflossenen historischen Daten korrekt sind, mag ich nicht prüfen. Die Handlungsorte und die Charaktere wirkten aber sehr lebendig und auch authentisch. Nach dem guten Auftakt hat die Geschichte einen kleinen Durchhänger. Für die Nöte, die Natal quälten, fand sich längere Zeit kein Mittel und so überzeugend die Darstellung von Natals Gefühlswelt dem Autor auch gelang, war das Szenario doch nach einiger Zeit überstrapaziert.

Hier hätte ich mir einen Wechsel der Perspektive gewünscht, einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse, um das ganze etwas aufzulockern. Oliver Fröhlich tat mir den Gefallen nicht und blieb bei Natal und dessen Gefühlswelt. Erstaunlicherweise fängt sich die Geschichte dann wieder. Mit dem Auftreten der Hohepriesterin, dem Prozess gegen Lua und Vogel und mit der Suche nach den Dämonen kann der Autor wieder mehr Spannung in seiner Geschichte erzeugen.

Am Ende erst schlägt der Autor die Brücke, um die Babylon-Geschichte mit Atlans Entdeckung von Luna, dem Haus des Atopen Matan Addaru, zu verbinden. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

 

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