Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2852

Spaykels Rache – von Leo Lukas – Handlung:

Nachdem sein Partner Valkuzz getötet wurde, ist dem Mnemo-Korsaren Spaykel schwerverletzt die Flucht gelungen. In einem Regenerationstank lässt er seine Wunden behandeln. Er und Valkuzz kannten sich schon lange. Die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit behindern Spaykel am klaren Denken. Er gibt einige Erinnerungen in den Kreislauf der Veste Tau und schmiedet dann einen Plan, wie er sich an Atlan rächen kann. Er kennt das Ziel von Atlans Gruppe, denn er kann Luas Leichnam orten. Für seine Aktion benötigt Spaykel Verbündete.

Atlan ist mit den Gefährten auf dem Weg in den Sektor Noi-Noion. Dort liegt die Praxis der Marionettenmeisterin Sinsiri Queebudh, die Lua ins Leben zurückholen soll. Die Sektoren, die sie durchqueren wirken einerseits futuristisch, andererseits auch altertümlich. Mal kommen sie schnell, mal nur sehr langsam voran. Zwischen Luas Tod und der erhofften Wiederbelebung darf nicht mehr als 62 Stunden verstreichen. Das gefährlichste Hindernis stellt der Nachtfluss dar. Nur die Khidang, die als Zollmeister fungieren, können mit ihrem Transportmittel eine Furt durch den Fluss bereisen. Das Gewässer, das Photonen ansaugt und nicht wieder hergibt, mündet direkt im Brei. Atlan kann die Zollmeister dazu bringen, sie und Luas Leichnam auf die andere Seite zu bringen.

Spaykel ist soweit genesen, dass er in den Sektor Blei aufbrechen kann. Nach längerer Suche findet er Tynder Zaquoquo. Der Sganshan wurde vor langer Zeit von Sinsiri Queebudh betrogen. Spaykel gewinnt Tynder Zaquoquo für seinen Racheplan. Sie werden von Schleier begleitet. Das seltsame Wesen ist ein Balg und besitzt Parafähigkeiten. Außerdem kann der Balg auf ein verborgenes Transportsystem zugreifen, dem Raumzeitexpander. Spaykel und Tynder Zaquoquo können somit den Vorsprung Atlans aufholen. In Noi-Noion angekommen, bereiten sich der Korsar und der Sganshan auf die Ankunft Atlans vor. Die Umstände spielen ihnen in die Karten. Denn die Marionettenmeisterin Sinsiri Queebudh wird durch die gleichzeitige Wiederbelebung zweier prominenter Bewohner des Sektors ebenfalls abgelenkt sein.

Auf dem Weg zur Marionettenmeisterin erfährt Atlan wieder ein wenig mehr über die Veste Tau. Andere Marionettenmeister würden im Vesikel leben, unter dem Haus Addaru. Zwischen Matan Addaru und den Sganshan, jenem Volk aus dem die Marionettenmeister rekrutiert werden, besteht ein Zusammenhang. Das Verhältnis zwischen dem Haus Addaru und dem Atopischen Hof ist angeblich nicht frei von Spannungen.

Schließlich erreichen Atlan und die anderen den Platz, an dem die Marionettenmeisterin gerade ihrer Arbeit nachgeht. Das ist der Augenblick, auf dem Spaykel, Schleier und Tynder Zaquoquo gewartet haben. Während Schleier mit seinen Parafähigkeiten Explosionen auslöst, greift Tynder Zaquoquo seine Kollegin an und tötet sie. Zahlreiche Bewohner des Sektors werden getötet oder verletzt. Das Chaos nutzt Spaykel, der Atlans Gruppe angreift. Qadarou Vadhyrd, die den Leichnam Luas getragen hatte, wird getötet. Atlan, Vogel und Lothuld können jedoch entkommen und Lua mitnehmen.

Da Sinsiri Queebudh tot ist, muss Lua so schnell wie möglich zu einem anderen Marionettenmeister gebracht werden. Nach dem kurzen Gefecht informiert Lothuld, dass eines der seltsamen Wesen, das sie angriff, eine abgelegte Haut des Atopen Matan Addaru sei. Der Balg hat Zugriff auf ein Transportsystem. Nur damit kann man noch innerhalb der Frist einen Marionettenmeister erreichen. Atlan setzt alles auf eine Karte. Er lockt den Gegner in eine Falle und spekuliert darauf, dass der Balg sich nicht gegen ihn wendet. Der Plan gelingt, Spaykel wird von Vogel getötet und der Balg schließt sich Atlan an. Lothuld will Qadarou Vadhyrd zu einem anderen Marionettenmeister bringen und verabschiedet sich. Atlan, Vogel und Lua werden in das Vesikel, unter dem Haus Addaru, versetzt. Der Marionettenmeister Aubhis Annvu kann Lua wiederbeleben. Allerdings kann Lua Virtanen die Jenzeitigen Lande nun nicht mehr verlassen. Außerhalb wäre sie auf die Zufuhr von Vitalenergie angewiesen, durch einen Zellaktivator, einem Physiotron oder einem Vitalparasiten der Chaotarchen. Auch die Galaxis der Unsterblichen wäre eine Option.

Atlan, Lua und Vogel machen sich zum Haus Addaru auf. Es zeigt sich als eine gewölbte Oberfläche, die fast vollständig von Technogeflecht überwuchert ist. Dennoch erkennt Atlan bekannte Strukturen. Das Haus Addaru war einmal Luna, der Mond der Erde.

 

Rezension:

Ich habe mit Spaykels Rache eine primitive Rachestory erwartet, aber Leo Lukas hat diese Erwartung enttäuscht. Positiv enttäuscht. Statt Spaykel sofort auf Atlan zu hetzen, macht Leo Lukas in der ersten Romanhälfte die Erinnerungen des Mnemo-Korsaren selbst zum Inhalt einiger Kapitel. Zunächst beginnt er jedoch mit der Rückblende auf eine Rede von Geoffry Abel Waringer zu Themen der Zeit. Darin gibt der Autor den Aufzeichnungen vergangener Ereignisse eine eigene Bedeutung – köstlich darin die Rückahnung – und schlägt den Bogen zu den Erinnerungen, die in den Jenzeitigen Landen ein kostbares Gut darstellen. Das war gelungen und ließ den Mnemo-Korsaren weniger grausam erscheinen, als in den beiden Romanen zuvor.

Bot der Roman der Vorwoche noch eine kleine Erholungspause hinsichtlich eines überbordenden phantastischen Settings, greift Leo Lukas sowohl in Sprache, als auch in seinen Figuren und Handlungsorten wieder in die Vollen. Er nutzt die ganze Bandbreite der Veste Tau und liefert eine bunt schillernde Geschichte ab. Ausnahmsweise hatte ich nichts dagegen, dass Leo Lukas die eigentliche Rache-Aktion in das letzte Romanviertel schob. Als dann das Geschehen seinen Höhepunkt entgegenstrebte bekam auch Leo Lukas humoristischer Schreibstil eine Auszeit verpasst und das Gemetzel, dass Spaykel und Co anrichten, muss sich vor Montillons Grausamkeiten der Vorwoche nicht verstecken.

Am Ende wird es dann etwas hektisch und die Seelenverwandtschaft Atlans mit dem Balg kam etwas zu abrupt. Schließlich war Atlan auf Andrabasch ebenfalls von einer abgelegten Haut des Atopen gejagt worden. Dass Atlan den Balg nutzen wollte, um in das Transportsystem einzusteigen, ist die eine Seite. Auf der anderen Seite stehen die Erfahrungen Rhodans, die Atlan kennt, und seine eigenen Erlebnisse auf dem Ringplaneten. Atlans Annahme war da schon sehr weit hergeholt!

An einer Stelle des Romans geht es um eine wortgewaltige Poetin, der nachgesagt wird, dass sie einen psitronischen Algorithmus erfunden hätte, der ihr erlaube, Informationen zu verbreiten, die nur aus Andeutungen bestünden. Auch Leo Lukas zeigt sich meisterhaft bewandert in der Anwendung dieses Algorithmus. Der Roman strotzt nur so von Andeutungen. Der Autor platziert in Dialogen und in den Kommentierungen von Beobachtungen zudem sehr häufig lakonische Botschaften. Und auch Redewendungen werden ins absurd komische verdreht oder vom Autor auf die Spitze getrieben, wie die „Ausnahme von der Regel“ beweist.

Die eigentliche Sensation des Romans wäre beinahe in den phantastischen Szenarien untergegangen. Die Sganshan sind bereits im Heft 2743 aufgetreten! Über zwei Jahre ist es also her, als Richter Matan Addaru Dannoer im Sterben lag, sein Aktionskörper irreparabel beschädigt war und er auf Luna in der Wehengrube von den Sganshan ins Leben zurückgeholt wurde. Damit wird ein weiterer Schleier (damit meine ich nicht den Balg) um die geheimnisvollen Atopen etwas gelüftet. Die lange Zeit, die es benötigt hatte, um zu diesem Punkt zu gelangen, ist dann auch meine einzige Kritik an diesem Roman oder vielmehr dem Zyklus. Manche Geheimnisse und Rätsel sind längst aus dem Fokus der Leser verschwunden. An deren Stelle sind andere Geheimnisse und Rätsel gerückt und so manches Detail aus einem früheren Roman wird einfach vergessen worden sein. Anders als Atlan verfügen nämlich die wenigsten Leser über ein fotografisches Gedächtnis. Wir Leser erinnern uns einfach nicht mehr. Und wie wertvoll Erinnerungen sein können, haben die Autoren mit den Geschichten um die Bewohner der Veste Tau doch gezeigt.

 

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