Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2840

Der Extraktor – von Hubert Haensel – Handlung:

Der TLD-Chef Attilar Leccore ist Anfang Mai 1518 NGZ nach Terra zurückgekehrt. Ein Jahr zuvor hatte der Gestaltwandler eine Ordische Stele vom Planeten Allema entführt. Nun erfährt Leccore, dass sich die Stelen verändern. Er reist ins Yogulsystem, um auf dem Planeten Maharani die dortige Stele zu untersuchen.

Im Yogulsystem steht Konteradmiralin Rani Khosla an Bord der GOPALA unter Stress. Die Ortung hat außerhalb des Systems sechs Sterngewerke der Tiuphoren entdeckt. Gemächlich treiben die mächtigen Walzenraumer in das System und nähern sich der GOPALA. Rani Khosla versucht alles, um Unterstützung zu erhalten. Von der Tiuphorenwacht erhält sie eine Absage und auch der Onryone Shekval Genneryc vom Raumvater HOOTRI, der 1500 Schiffe im Zentralsystem der LFT befehligt, lässt sie abblitzen. Doch zunächst ziehen die Fremden wieder ab.

Auf Maharani wird Aravind Panjatan am frühen Morgen des 15. Mai zur Ordischen Stele gerufen. Die Terranerin sieht sich als Betreuerin der Stele und beobachtet die Veränderungen der Dreieckspyramide mit Sorge. Etliche Entscheidungen der Stele sind in letzter Zeit sonderbar gewesen. Dazu kommen die äußerlichen Veränderungen. Ihre Sorgen werden noch größer, denn die Stele teilt Panjatan mit, dass sie Maharani verlassen wird. Der Extraktor ist auf dem Weg.

An Bord des Sterngewerks LOIXUTIU bereitet Peyaszer Toxxot die nächste Kampagne vor. Er will der erste Tiuphore sein, der eine Ordische Stele im Banner seines Schiffes integrieren will. Toxxot unterstehen insgesamt 1024 Habitate. Noch haben sich die Sterngewerke nicht zusammengefunden. Nach dem Durchgang der insgesamt 20.000 Schiffe durch den Zeitriss sind die Habitate über die halbe Milchstraße verstreut. Toxxot braucht jedoch nur wenige Schiffe, um die Zentralwelt der Liga anzugreifen.

Auf Maharani hat das Parlament sich nicht entscheiden können, ob in großem Maßstab evakuiert werden oder Widerstand geleistet werden soll. Arun Joschannan selbst will bleiben. Mit Rani Khosla führt der Resident Gespräche und auch Attilar Leccore wird von ihm empfangen. Leccores Besuch der Stele ist unergiebig. Die Stele erkennt in ihm den Entführer der Stele von Allema wieder. Danach werden die Äußerungen der Stele unklar. Sie spricht vom nahen Tod und schweigt danach.

Konteradmiralin Rani Khosla bekommt schließlich doch noch Verstärkung. 30 EPPRIK-Raumer der Arkoniden sind ins Yogulsystem eingeflogen. Und der Onryone Shekval Genneryc bietet Joschannan seine Unterstützung bei Evakuierungen an. Am 21. Mai greifen Sterngewerke der Tiuphoren das Yogulsystem an. Die Verteidiger tun alles, um die Sterngewerke und die Sternspringer von den bewohnten Planeten fernzuhalten.

Peyaszer Toxxot beobachtet an Bord der LOIXUTIU zufrieden den Verlauf der Schlacht. Wie erwartet, können die Verteidiger seinen Schiffen keinen nennenswerten Widerstand leisten. Doch plötzlich wird ein kleines, nur 200 Meter großes Schiff geortet, das sich dem Planeten Maharani nähert. Das Schiff trotzt problemlos dem Waffenfeuer der Tiuphoren. Auch die Terraner haben das Schiff in der Ortung. Es hat eine ungewöhnliche Form, die an einen Löffel erinnert. In der Mulde des Löffels wird ein reines Vakuum gemessen, was es in der Natur nicht geben dürfte.

Maharani liegt inzwischen unter schweren Beschuss der Tiuphoren. Die Hauptstadt Goyn wird bombardiert. In der sich abzeichnenden Apokalypse trifft der Resident eine schwere Entscheidung. Peyaszer Toxxot und seine Männer stürmen das Regierungsgebäude und nehmen Joschannan gefangen. Als der Resident an Bord eines Landungsboots zur LOIXUTIU gebracht wird, zündet Joschannan eine Bombe in seinem Körper und reißt die Tiuphoren mit in den Tod.

Arun Joschannans Opfer wird auch von der Ordischen Stele bemerkt. Ihre letzte Bemerkung gegenüber Aravind Panjatan ist, das sie ein Experiment wagen werde. Der Extraktor nimmt die Ordische Stele auf und nähert sich anschließend dem Gros der Tiuphorenflotte. In der Ortung ist zu sehen, dass sich etwas aus der Mulde löst und entflammt. Das mutmaßliche Opfer der Stele beeinflusst alle Lebewesen im System und schädigt die Banner der Sterngewerke. Die EPPRIK-Raumer, die am wenigsten betroffen sind, können etliche Angreifer vernichten und die Tiuphoren aus dem System drängen.

Beim Angriff auf Goyn ist auch Attilar Leccore verletzt worden. Der TLD-Chef konnte Shekval Genneryc beistehen, der von Tiuphoren attackiert wurde. Die HOOTRI nimmt Leccore und andere verletzte Terraner und Onryonen auf und fliegt die Onryonenwelt On-Vennbacc an. Leccore erfährt, dass dieser Planet ein Schwarzes Loch umkreist, SSO 102 oder Chamundi genannt. On-Vennbacc dreht sich in einer On-Vakuole, eines im Linearraum stabilen Gebildes, das vom Schwarzen Loch mit Energie versorgt wird und den Planeten als Sonnenersatz dient. On-Vennbacc ist Teil der On-Ökumene, deren Hauptwelt On-Ryo ist. Leccore, der sich als Ovid Penderghast ausgibt, möchte von Genneryc wissen, ob er mit dem Angriff der Tiuphoren gerechnet hat. Genneryc verneint das und sagt, dass etwas grauenvoll schief läuft in GA-yomaad.

 

Rezension:

Die Geschichte von Hubert Haensel verfolgt zwei Handlungsstränge. In der einen wird Attilar Leccore zurück in die Handlung gebracht und stellt die Ordische Stele in den Mittelpunkt. Im anderen Strang wird der Tiuphorenangriff behandelt, an dessen Ende Arun Joschannans Schicksal beide Handlungen zusammenführt und auch das Ende der Stele herbeiführt.

Mit der Darstellung Leccores tut sich der Autor schwer. Es ist lange her, dass Hubert Haensel diese Figur mal im Einsatz hatte. In Band 2673 war das. Im aktuellen Zyklus wurde Attilar Leccore zuletzt von Wim Vandemaan eingesetzt. Mit dessen Darstellung des Gestaltwandlers kann Haensels Figurendarstellung nicht konkurrieren. Zudem zeigt die Rückkehr der Figur in die Handlung auch eine Schwäche des Zyklus auf. Der TLD-Chef ist seit kurzem zurück und der Autor reflektiert zunächst Geschehnisse, die ein Jahr in der Vergangenheit liegen. Seinerzeit konnte Leccore eine Ordische Stele entführen. Wenn man so was tut, dann erwartet man als Leser, dass man sich dann früher oder später mit der Beute beschäftigt. Das ist jedoch nicht geschehen und mittlerweile haben die Entwicklungen der Stelen selbst, die früheren Ereignisse so weit überholt, dass es wohl auch keinen Sinn mehr macht, die damaligen Ereignisse weiterzuverfolgen.

Immerhin will sich die Figur Leccore nun mit einer anderen Stele beschäftigen. Relativ uninspiriert wird die Figur nach Maharani geschickt. Von seinen Begleitern erfahren wir nur, dass die Frau hübsch ist und der Mann Hyperphysiker. Die Simulationen des Hyperphysikers bei dessen Einführung waren der wenig überzeugende Versuch, beim Leser den Eindruck zu erwecken, die Tius seien bereits im Solsystem. Wie ich die Exposé-Autoren einschätze, sind sie das bereits. Auf eine Bedrohung der Heimat der Menschheit verzichten die Expokraten ganz sicherlich nicht freiwillig.

Hubert Haensel schickt den TLD-Chef dann auch brav durch die Hauptstadt, lässt ihn mit Joschannan ein Schwätzchen führen, mit Panjatan ein weiteres, während seine Begleiter gar keine Rolle spielen. Eine Touristentour wäre aufregender gewesen. Am Ende stolpert Leccore in der 20 Millionen-Metropole im schweren Geschützfeuer der Angreifer in eine Gruppe Onryonen, die von Tius angegriffen wird und rettet ausgerechnet, was für ein glücklicher Zufall, dem Chef-Onryonen das Leben. Zum Dank darf er mit auf eine Dunkelwelt der Usurpatoren.

War schon die Darstellung des TLD-Chef nicht besonders gelungen und die Gesetze des Zufalls darin überstrapaziert, zeigt sich auch die zweite Handlungsebene wenig überzeugend. Drei Geschehnisse darin sind es, die es lohnen, näher betrachtet zu werden. Da ist zum einen die Atopische Ordo. Ob nun die Terraner für oder gegen diese Ordo sind, spielt in der anstehenden Situation keine Rolle. Die Ordo, und genau das haben deren Handlanger, die Onryonen seit Band 2700 immer wieder betont, tritt für den Schutz der Völker, die unter der Ordo stehen, ein. Wenn diese Ordo also ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis hätte stellen müssen, dann eben in dieser Situation. Arun Joschannan hätte diesen Schutz fordern müssen. Doch der Resident wartet, dass die Onryonen den ersten Schritt tun. Der bleibt aus und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Die zweite unglückliche Handlung ist das Auftauchen von sechs Sterngewerken und die zur Schau getragene Hilflosigkeit der Verteidiger. Als die Onryonen den Raumhafen von Maharani in einer früheren Geschichte angegriffen haben, war die Wachflotte des Yogulsystems mit 22.000 Schiffen machtlos gegen den Linearraumtorpedo. Damals eilten auch 10.000 Fragmentraumer und PRAETORIA zu Hilfe. Im vorliegenden Roman wird darum gebeten, dass die Tiuphorenwacht, die aus 200 (!) Schiffen besteht, zur Unterstützung eilen soll. Was übrigens nicht passiert. Dafür kommen gerade mal 30 arkonidische Schiffe. Das Schlachtgeschehen wird von Hubert Haensel bewusst schwammig geschildert. Der Autor verzichtet auf Daten, wie z.B. konkrete Zahlen über die Stärken der Angreifer oder der Verteidiger. Das Ziel dieser Schlacht war dann auch schnell klar. Die Verteidiger müssen unterliegen. Hätte sich der Autor mit den bekannten Begebenheiten in seiner Geschichte auseinandersetzen müssen, hätte er ein Problem gehabt, dieses Ziel zu erreichen. Also blendet er bestimmte Elemente in seinem Roman einfach aus. Schlimm jedoch, dass Hubert Haensel darüber hinaus versucht, eine Spannung mit billigsten Mitteln zu erzeugen. Anforderungen zur Flottenverstärkung werden durch bürokratische Mittel verzögert und die Kommunikation durch Hyperstürme im entscheidenden Moment gestört.

Durchsetzt wird der Roman auch von einer Unzahl an schrecklich trivialen Satzkonstruktionen. Regentropfen, die an Fensterscheiben abperlen, Nebel, der am frühen Morgen die Gebäude der Stadt verhüllt, Tiere, die wie Schemen über eine Landschaft gleiten. Dazu der treue Sekretär, der die Entscheidung des Residenten, vor Ort zu bleiben, wehmütig beklagt. Gegen einzelne von solchen Beschreibungen habe ich gar nichts. Mit derart schrecklich einfallslosen und kümmerlichen Passagen ist die Geschichte von Hubert Haensel jedoch regelrecht durchtränkt. Besser wäre es gewesen, die Angst und die Verzweiflung der Bürger einzufangen und ein paar Einzelschicksale zu schildern.

Apropos Schicksal. Das dritte Ereignis im Handlungsstrang um die Verteidigung des Yogulsystems ist dann das Opfer des Residenten. Auch hier stand das Ziel für den Autor fest. Joschannans Tod lässt auch die Stele zum äußersten Mittel greifen und führt zum Abzug der Angreifer. Damit hätte man leben können, wenn es der Autor zuvor nicht versäumt hätte, die Entscheidung des Residenten und seinen letzten Weg mit glaubhaften Schilderungen vorzubereiten. Die Figur Joschannan organisiert die Verteidigung, spricht mit Offizieren, empfängt Besucher, fordert Hilfe vom Galaktikum, pendelt zwischen Büro und Parlament und plötzlich lehnt er sich zurück, schluckt vier Tabletten und sprengt sich und seine Entführer in die Luft. Ich hätte es verstanden, wenn der Resident angesichts der Lage und das ihm keine Hilfe gewährt wird, verzweifelt und er in dieser ausweglosen Situation das Unfassbare tut. Aber von solchen Schilderungen ist in der Geschichte nichts zu lesen.

Fazit: Ein äußerst dürftiger Roman von Hubert Haensel, der zudem einige Schwächen des Zyklus enthüllt.

 

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