Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2801

Der Kodex – von Uwe Anton – Handlung:

An Bord der RAS TSCHUBAI wird der Überfall eines Sterngewerks auf das Heimatsystem der Chemebochavi beobachtet. Die Chemebochavi betreiben erst seit kurzer Zeit die Raumfahrt und haben den Tiuphoren nichts entgegenzusetzen. Perry Rhodan benötigt Verbündete, um den flüchtigen Avestry-Pasik und seine LARHATOON zu finden. Wenn er den Chemebochavi im Kampf beisteht, vermitteln sie ihm vielleicht Kontakte zu anderen Zivilisationen dieser Zeit. Also greift die RAS TSCHUBAI ein. Während das Trägerschiff das Sterngewerk ausschaltet, vernichten die ausgeschleusten MARS-Kreuzer die Sternspringer des Imperiums der Empörer. Nur eines der Bumerang-förmigen Schiff der Angreifer entkommt schwer beschädigt.

Die Chemebochavi laden Perry Rhodan auf eine ihrer Orbitalstationen ein. Zwei Vertreter des exotischen Volks, die sich als Vortrefflichkeiten vorstellen, empfangen den Terraner und Gucky. Bei den Chemebochavi gelten Individuen als Regenten, wenn sie sich in den Bereichen Gartenbau oder Architektur hervorgetan haben. Die beiden Vortrefflichkeiten vermitteln erste Erkenntnisse zu den Strukturen in Phariske-Erigon, wie die Milchstraße in der Vergangenheit genannt wird. Der Kodex ist die einzige Institution, die es mit den extragalaktischen Tiuphoren aufzunehmen vermag. Der Kodex ist in den Alten Sternenlanden beheimatet, der Southside der Milchstraße in der Gegenwart. Drei Völker führen den Kodex gleichberechtigt an. Die Ziquama, die Eyleshioni und die Rayonen. Der Begriff Eyleshioni sagt Rhodan etwas. Ein Wesen dieses Volks hat die Besatzung der KRUSENSTERN auf der Posbi-Welt Everblack getroffen. Es sind geniale Biologen und Genetiker. Die Ziquama sind die Techniker. Sie haben die Purpur-Teufen entwickelt, die ein Mittel gegen die Tiuphoren sein sollen. Die Rayonen sind die Raumfahrer, die sich mit dem Halbraum, den On-Raum beschäftigen. Ein Kundgeber des Kodex, der Rayone Goyro Shaccner hält sich auf Chemeb auf.

Perry Rhodan erhält die Erlaubnis, mit dem MARS-Kreuzer BJO BREISKOLL auf Chemeb zu landen. Die Oberfläche des Planeten ist wie ein riesiger Garten angelegt. Er trifft auf weitere Vertreter des Planeten aber als Überraschung entpuppt sich der Kundgeber des Kodex selbst. Rayone Goyro sieht wie ein Onryone der Gegenwart aus! Noch bevor das Gespräch richtig in Fahrt kommen kann, wird Alarm gegeben. Der schwer beschädigte Sternspringer ist zurückgekehrt und stürzt sich auf Chemeb. Mehr noch, die Tiuphoren nehmen Kurs auf den Ort, an dem die Begegnung zwischen den Terranern und dem Rayonen stattfindet.

Perry Rhodan kalkuliert, dass die Angreifer nicht etwa ihn selbst als Ziel auserkoren haben, sondern dass sie es auf Goyro Shaccner abgesehen haben. Wenn sie einen Kundgeber des Kodex fangen, dann wäre das ein großer Sieg für die Tiuphoren. Kurz vor dem Einschlag des Sternspringers schleusen die Tiuphoren in Beibooten aus und landen. Über tausend Invasoren greifen an. Die Raumlandetruppen der BJO BREISKOLL und TARAS können den Angriff abwehren. Alle Tiuphoren sterben. Keiner geht in Gefangenschaft, sie töten sich vorher gegenseitig. Aber auch die Terraner haben Verluste. Auf besonderen Wunsch der Chemebochavi werden die Gefallenen auf Chemeb bestattet.

Bevor sich Perry Rhodan erneut mit Goyro Shaccner trifft, stattet er zusammen mit Sichu Dorksteiger und Gucky der TICCNYT, dem Schiff des Rayonen, einen geheimen Besuch ab. Sie sammeln Daten und kehren unentdeckt zur RAS TSCHUBAI zurück. Merkwürdig ist, dass sich das Schiff, abgesehen vom Patronit, kaum von den bekannten Schiffen der Onryonen 20 Millionen Jahre später unterscheidet. Die Auswertung des internen Bordverkehrs der TICCNYT bringt eine wichtige Nachricht zutage. Darin ist von den Hütern der Zeiten von Zeedun die Rede, die das Achalabatsystem für vorläufig abseits der Drangsal erklärt haben. Das Imperium der Empörer hätte sich einem anderen Ziel zugewandt. Nun könne man über die Einrichtung einer Purpur-Teufe für Chemeb sprechen.

Das erneute Gespräch mit dem Kundgeber bringt Rhodan in Erklärungsnot. Der Zeitriss wurde entdeckt und Rhodan muss einräumen, dass ihm der Verursacher bekannt ist. Er zeigt Shaccner ein Bild von Avestry-Pasik. Dem Rayonen sind Laren wohl keine Unbekannte. Auch die Tiuphoren haben den Zeitriss entdeckt und Rhodan bittet Shaccner um Hilfe bei der Suche nach der LARHATOON. Schließlich bekommt Perry Rhodan eine Nachricht. Regierungsmitglieder der Rayonen wollen sich mit ihm in der Sternenmark-Bastion Vennbacc treffen.

 

Rezension:

Nach dem eher durchwachsenen Auftakt zu diesem Zyklus liefert Uwe Anton die direkte Fortsetzung zu Band 2800. Für seine Geschichte lässt sich Uwe Anton einiges einfallen. Er liefert eine differenziertere Betrachtung der Tiuphoren und greift dabei u.a. auf Vergleiche mit den Kamikaze-Piloten der Japaner zurück. Mit den Chemebochavi bringt er ein exotisches Volk ins Spiel, bei denen insbesondere die Leistungen in der Gesellschaft andere Bewertungen erfahren, als beispielsweise die Anstrengungen eines Menschen in der terranischen Gesellschaft. Und mit der Zeremonie für getötete Galaktiker bringt der Autor ebenfalls ein Element ein, das nicht allzu häufig in der Serie zu lesen ist. Sogar einen Geistlichen lässt der Autor auftreten. Neben diesen Inhalten schildert der Autor eine Raumschlacht, ein Gefecht Mann gegen Mann auf dem Planeten und lässt etliche Informationen einfließen, die eine Verbindung zwischen der Vergangenheit von vor 20 Millionen Jahren und der Gegenwart aufzeigen.

So betrachtet, ein ereignisreicher Roman. Allerdings war nicht alles rund, was der Autor da geschrieben hat. Die Geschichte beginnt bereits widersprüchlich. In einer eher schwach geführten Moral-Diskussion stellt Perry Rhodan seine Ziele in den Mittelpunkt. Er will Avestry-Pasik und die LARHATOON finden, um zu verhindern, dass die Menschheit durch die Aktivitäten der Laren ausgelöscht wird. Dazu greift er in einen Kampf zwischen Chemebochavi und Tiuphoren ein. Zum Zeitpunkt, als der Terraner diese Entscheidung fällt, ist ein Zusammenhang zwischen Avestry-Pasiks Aktivitäten und dem Konflikt, in dem Rhodan eingreift, jedoch nicht zu erkennen. Rhodans Aktivitäten könnten also ebenso dazu dienen, die Zukunft der Menschen zu gefährden. Die Ausführungen, die Uwe Anton seinen Protagonisten dabei in den Mund legt, sind schwach. Er spricht von Verantwortung, die Rhodan hätte, um einen Völkermord zu verhindern, wohlwissend, dass genau dieser Völkermord bereits geschehen ist. Und weiter lässt er wissen, dass sich der Lauf der Geschichte auf lange Sicht nicht aufhalten lässt und es seine Protagonisten auch nicht dürften. Was denn nun?

Das Grundproblem in diesen Ausführungen ist, dass Uwe Anton (und natürlich auch die Expokraten) absichtlich zu schwammig bleiben, was die Auswirkung einer Zeitreise angeht. Würde man ein selbstkonsistentes Universum beschreiben, wäre es zwar möglich, in die Vergangenheit zu reisen aber man könnte keine Kausalitätsverletzungen verursachen. Alles, was die Zeitreisenden in der Vergangenheit tun, ist bereits Teil ebendieser Vergangenheit. Würde dies zutreffen bräuchte Rhodan nicht in den Konflikt eingreifen, weil er seine Gegenwart nicht ändern kann, ebenso wenig wie Avestry-Pasik. Der Terraner könnte daher in die Gegenwart zurückkehren.

Sollte hingegen die Viele-Welten-Interpretation herangezogen werden, würden Rhodan und Co in einer von unendlich vielen Parallelwelten agieren, bzw. mit dieser Zeitreise ein eigenes Parallel-Universum erzeugen. Indem Rhodan also in den Konflikt eingreift, hat er sich bereits der Möglichkeit beraubt, in sein eigenes Universum zurückzukehren.

Zu den schwammigen Ausführungen passen Rhodans Überlegungen, als er auf die Chemebochavi trifft. Er überlegt nämlich, ob die Nennung des Begriffs Terraner, als er nach seinem Volk gefragt wird, vielleicht ein Zeitparadoxon auslösen könnte. Wohlgemerkt, nachdem zuvor die Terraner ein Sterngewerk der Tiuphoren samt Beibootflotte vernichtet haben!

Auch die Schlussfolgerungen, die der Autor aus den Aktionen der Tiuphoren zieht, sind mehr als gewagt, um nicht zu sagen, gänzlich übertrieben. Uwe Anton kommt nämlich zu dem Schluss, dass sich die Tiuphoren aufgrund ihres Kamikaze-Einsatzes nicht so sehr von den Menschen unterscheiden würden. Kamikaze-Piloten waren jedoch eine kleine Spezialtruppe von Japanern, die freiwillig ihre Flugzeuge gegen Schiffe lenkten. Die Handlungen einer Handvoll Menschen mit denen der Tiuphoren gleichzusetzen hinkt gewaltig.

Sicherlich ist es zu früh, um bereits von einem Trend zu sprechen. Es scheint jedoch so, dass die übliche zögerliche Informationsgewinnung am Zyklusbeginn der Vergangenheit angehört. Man bekommt schnell Kontakt, erfährt Hintergründe und trifft sich mit Vertretern des Kodex. So kann es weiter gehen.

Fazit: Uwe Anton kann mit einigen Inhalten überzeugen. Insbesondere in der Zeitreiseproblematik stottert seine Geschichte im Kleinen, was beispielsweise Rhodans Äußerungen zeigen, als auch im Großen, was die Auswirkungen der Zeitreise insgesamt angeht.

 

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