Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2800

Zeitriss – von Michelle Stern – Handlung:

Die ATLANC ist unterwegs in der Synchronie. Sichu Dorksteiger und ihr Team, das in letzter Sekunde mit Hilfe von Gholdorodyns Kran an Bord des Richterschiffs gelangt ist, versuchen die Dimension zu messen und zu erfassen, in der das Schiff unterwegs ist. Die Ator kann nur Hypothesen äußern. Die Technik der ATLANC entzieht sich dem Verständnis der Wissenschaftler und zur RAS TSCHUBAI gibt es keine Verbindung. Atlan ist als Pilot in einer Art von Trance versunken und nicht ansprechbar. Perry Rhodan will endlich einen Schritt weiter kommen. Über eine der Geniferenhauben sucht der Terraner den Kontakt zum ANC. Tatsächlich kommt eine Übereinkunft zustande. Das ANC soll Atlan unterstützen, einen Weg durch die Synchronie zu finden und weiterhin eine Verbindung zur RAS TSCHUBAI herstellen.

Mit dem Kran wird ein Transmitter vom Trägerschiff in die Zentrale der ATLANC gebracht und eine dauerhafte Verbindung geschaffen. Dorksteiger kehrt in ihre Labors an Bord zurück und der Leichnam von Chuv wird an Bord gebracht, um untersucht zu werden. Gucky und die Larin Pey-Ceyan erkunden derweil die ATLANC. Wie es scheint, hat Chuv an einigen Stellen Gebäude von Terra nachbilden lassen, als hätte er sich auf dem Einsatz dort vorbereitet. In der Zentrale der ATLANC und an anderen Orten treten plötzlich seltsame Phänomene auf. Es kommt zu Abweichungen vom Zeitstrom. Dopplereffekte treten auf. Manche Besatzungsmitglieder sehen sich selbst, wie sie die Zentrale durchqueren, Rhodan hört einen Befehl von sich selbst, den er Minuten später erst tatschlich gibt. Avan Tacrol leidet besonders unter den Kausalphänomenen. Der Haluter, der ein präzises Zeitverständnis hat, dreht vollständig durch. Gucky, der in die Zentrale zurückkehrt, kann Schlimmeres verhindern, indem er den Haluter telekinetisch festhält. Der Ilt hat plötzlich wieder seine alten Fähigkeiten. Alle Besatzungsmitglieder werden in die RAS TSCHUBAI evakuiert und begeben sich in die Suspensionsbänke, um darin den Auswirkungen der Synchronie zu entgehen. Nur Atlan und Sichu Dorksteiger bleiben zurück.

ANANSI holt die Besatzung nur kurze Zeit später aus der Suspension. Die ATLANC ist havariert und hängt in einer Ausbuchtung der Synchronie. Durch einen Schleier ist das normale Universum zu sehen. Astronomische Berechnungen zeigen schnell, dass die ATLANC sich im Jahr 20.103.191 v. Christus befindet. Außerdem hat die Havarie einen Riss in der Zeit verursacht. Während noch Mutmaßungen laufen, warum Atlan das Schiff in diese Lage gebracht hat, überschlagen sich die Ereignisse. Das Larenschiff an Bord der RAS TSCHUBAI sprengt den Hangar auf und verlässt das Trägerschiff. Gleichzeitig wird es aus den Synkavernen entlassen und im Normalraum abgeladen. Danach verschwindet das Schiff. Schnell kommt heraus, dass sich die Laren des gleichen Tricks bedient haben, mit dem man Chuv zu einem willfährigen Sklaven gemacht hatte. Die Laren haben sich wohl von den Aras einen Cocktail mischen lassen, mit dem sie Atlan infiziert haben. Der Arkonide hat, ohne es zu wollen, die Laren bei ihrem Plan unterstützt. Vermutlich hat Avestry-Pasik doch mehr Informationen über die Laren in der Milchstraße, als er zugegeben hat. Perry Rhodan vermutet, dass er die Laren vor Ort unterstützen möchte gegen den damaligen Feind. Das könnte ein Zeitparadoxon heraufbeschwören. Die RAS TSCHUBAI macht sich auf, die Laren zu verfolgen.

Die ATLANC bleibt mit Atlan, Jawna Togoya und 500 Besatzungsmitgliedern in der Ausbuchtung zurück, während die RAS TSCHUBAI unter den Bedingungen der niedrigen Hyperimpedanz den Flug zur Milchstraße aufnimmt. Avestry-Pasik kennt die Koordinaten Terras und dort ist das seltsame Bild entstanden, das Laren vor Luna zeigt. Zuerst gilt es jedoch den Rand der Galaxis zu erreichen. Während des Fluges werden auch die Gerätschaften und Maschinen an den veränderten Widerstand angepasst.

Nahe eines Systems, wenige hundert Lichtjahre unter der Milchstraßenhauptebene materialisiert das Trägerschiff und müsste eigentlich das geflohene Larenschiff überholt haben. Plötzlich werden Explosionen geortet. Es findet einige Lichtjahre entfernt ein Raumkampf statt. Erste Ortungen und Auswertungen der Funksprüche zeigen, dass Raumschiffe des Imperiums der Empörer über ein hoffnungslos unterlegenes Raumfahrervolk und dessen Heimatwelt herfallen. Die Raumschiffe der Eroberer werden als Sterngewerke bezeichnet, kleinere Einheiten als Sternspringer. Die Besatzungen dieser Schiffe nennen sich Tiuphoren. Die angegriffenen Joppachio rufen verzweifelt um Hilfe durch die Streitkräfte des Kodex.

Perry Rhodan will mehr erfahren. Wenn Avestry-Pasik den Ur-Laren gegen das Imperium der Empörer beistehen will, muss er früher oder später vor Ort erscheinen. Rhodan ahnt nicht, dass es noch andere Beobachter der Schlacht gibt. Die Bitenni sind ein Volk, das nur wenige Lichtjahre entfernt seine Heimatwelt hat. Die Angst ist groß, dass sich die Sterngewerke der Tiuphoren nach der aktuellen Schlacht der Heimat der Bitenni zuwenden. Man bittet um den Beistand des Kodex. Und eine weitere Option wird ins Auge gefasst. Man will eine neue Macht um Hilfe bitten, die erst seit kurzen aktiv ist. Die Laren.

Perry Rhodan, Gucky, Sichu Dorksteiger und einige weitere Besatzungsmitglieder nähern sich in dem getarnten MINERVA-Kreuzer ISHY MATSU der Schlacht, um mehr Daten zu sammeln. Urplötzlich erscheint ein fünf Kilometer großer Raumer. Das Sterngewerk der Tiuphoren greift sofort an. Der Paros-Schirm wird geknackt und die Fremden entern das Schiff. Sichu Dorksteiger leistet Widerstand. Die Ator beobachtet, dass die fremden Humanoiden in den blauschwarzen Kampfanzügen sich geradezu an der Gewalt berauschen, mit der sie vorgehen. Rhodan und die anderen werden gefangengenommen. Als Dorksteiger ihre Zelle untersucht, betritt ein Tiuphore den Raum und tötet einen Terraner ohne Vorwarnung, nur damit die Ator ihre Untersuchungen einstellt.

Der Kommandant der YONNTICC nennt sich Caradocc Ohxon Bysccu. Der Tiuphore, von dem Perry Rhodan nicht zu erkennen vermag, ob es eine Frau oder ein Mann ist, führt den Terraner in die Zentrale. Auch Sichu Dorksteiger wird dorthin gebracht. Bysccu bezeichnet die beiden als Kriegsgäste. Die Tiuphoren zeigen sich extrem fremdartig in ihren Vorstellungen. Sie leben im All und erobern Welten, um deren Technologien auszuplündern. Die Angriffe werden regelrecht choreographiert. Das Schlimmste kommt jedoch noch. Die Tiuphoren führen auch eine Banner-Kampagne durch. Jeder ihrer Sterngewerke trägt am Bug einen Seelensack. Darin werden die ÜBSEF-Konstanten besondere Feinde eingesperrt. Rhodan und Dorksteiger sind angewidert. Jede Schwäche von ihnen provoziert jedoch die Tiuphoren. Teilweise müssen Rhodan und Dorksteiger in Zweikämpfen den Tiuphoren begegnen, die von ihresgleichen angefeuert und bejubelt werden.

Gucky kommt inzwischen wieder zu Bewusstsein. Seine Fähigkeiten wurden nicht entdeckt. Als Rhodan und Dorksteiger in eine Zelle gebracht werden, schlägt die Stunde des Ilts. Er kann die beiden befreien und in die ISHY MATSU teleportieren, die in die YONNTICC eingeschleust wurde. Dorksteiger manipuliert das Schiff, während Gucky die anderen Gefangenen befreit. Die Tiuphoren zeigen sich gnadenlos und töten etliche Gefangene noch vor der Flucht. Die ISHY MATSU explodiert und die Gefangenen können mit einer Space-Jet entkommen und zur RAS TSCHUBAI zurückkehren.

Das Trägerschiff kehrt zur Ausbuchtung zurück. Der Versuch, in die Synchronie und zur ATLANC zurückzukehren, misslingt. Die RAS TSCHUBAI muss in der Vergangenheit bleiben oder per Dilationsflug in die Gegenwart zurückkehren. Bevor die Verbindung zu Atlan zusammenbricht, wird vereinbart, dass Atlan alleine in die Jenzeitigen Lande weiterfliegt. Sollte man jemals wieder zusammentreffen, dann 1936 Lichtjahre von Hyperon-Gal-Süd entfernt. Dann bricht die Verbindung zu Atlan ab. Der Zeitriss vergrößert sich. Ein Beiboot bleibt zurück, um den Riss zu untersuchen und eine Möglichkeit auszuloten, um darüber in die Gegenwart zurückzukehren. Die RAS TSCHUBAI fliegt wieder weiter, auf der Suche nach den Laren.

 

Rezension:

Oha. Diesen Jubiläumsband muss man eigentlich erst mal sacken lassen. Dennoch will ich direkt nach der Lektüre meine Ansichten äußern, solange die Erinnerungen noch frisch sind.

Michelle Stern hatte es sicherlich nicht leicht. Der letzte Doppelnull-Roman wurde von keinem geringeren als Andreas Eschbach geschrieben. Der Beststeller-Autor schaffte es, mit Band 2700 einige der typischen Jubiläumsband-Klippen zu umschiffen. Keine epischen Wiederholungen, kein Herunterbeten von Lebensläufen, Lexikoneinträgen und Ähnlichem. Figuren wurden kurz mit Namen benannt und taten ansonsten das, was man von Romanfiguren erwartet. Sie handelten. Und das reichte auch, denn die Leser kannten die Figuren bereits aus früheren Romanen. Michelle Stern tat sich erkennbar schwerer. So ein Jubiläumsband soll ja eine Eierlegende Wollmilchsau sein. Altleser müssen damit genauso zufriedengestellt werden, wie der Jungleser, der den ersten Perry in den Händen hält. An der Stelle sei verkündet, der Jungleser wird sich schwer tun mit 2800 und der Altleser wird zumindest phasenweise enttäuscht sein.

Tatsächlich lässt sich der Roman grob in zwei Teile gliedern. In den ersten 40 Seiten befriedigt die Autorin die Interessen des Verlags und erzählt brav, was ein Mausbiber ist, wie Telekinese funktioniert, was ein Haluter so alles anstellen kann, wenn er wütend ist, wie diverse Gimmicks des 51. Jahrhunderts funktionieren und so weiter und so fort. Ab Seite 42 beginnt mit dem Abflug der RAS TSCHUBAI zum Milchstraßenrand der eigentliche Jubiläumsband und der deutlich interessantere Teil der Geschichte.

Die ersten 40 Seiten unterscheiden sich auch im Stil erheblich vom zweiten Teil des Romans. Noch nie sind mir derart gravierende Unterschiede in 1 Roman aufgefallen. Der erste Teil der Geschichte ist geprägt durch viele kleine Beschreibungen, die selbst die einfachsten Handlungen begleiteten. Nicht selten übertreibt Michelle Stern diesen Stil, indem sie einen eigentlich klaren Sachverhalt nochmals anders formuliert in einem weiteren Satz erneut beschreibt und umschreibt. Stellenweise mutete das wie ein Kinderbuch an. Beinahe schien es so, als hätte die Autorin das Vertrauen in ihre Leser verloren, nicht alles zu verstehen, was sie schreibt. Sie hetzt von einer Erklärung zur nächsten Erklärung.

Ebenso auffallend sind Star-Trek-typische Charakteristiken, die plötzlich Einzug in den ersten Romanteil hielten. SF-Serien unterscheiden sich trotz vieler Übereinstimmungen doch häufig im benutzten Vokabular oder in typischen Handlungsweisen. Scanner in den Händen werden im Band 2800 auf merkwürdige Phänomene gerichtet und Gerätschaften arbeiten innerhalb der definierten Parameter. Das kennen wir aus Star Trek aber sehr selten aus dem PR-Kosmos. Nicht, dass ich es schlecht fand, es fällt aber auf.

Und noch ein Stilelement beherrscht den Jubiläumsband im ersten Teil. Die Protagonisten neigen in allen Tätigkeiten und Äußerungen zu Extremen. Alles wird übersteigert. Den Zustand Normal gibt es in diesem Abschnitt nicht. Atlan wird nicht etwa vorgeworfen, sich „verflogen“ zu haben, nein, ihm wird von allen Seiten „Verrat“ vorgeworfen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Als wäre die Vorstellungsorgie im ersten Romanabschnitt nicht genug, verfolgt die Autorin mit Sichu Dorksteigers Gedankengängen zu ihrer Herkunft und zu den Terranern einen weiteren Weg, um Perry Rhodan dem Neu-Leser zu erklären. Völlig zu kurz kommt Atlan. Der Arkonide, von dem wir rein gar nichts erfahren, wie es ist, ein Schiff durch die Synchronie zu fliegen, wird von Michelle Stern faktisch gar nicht erwähnt. Auch der Zeitriss, immerhin titelgebend, kommt irgendwie zu kurz. Überhaupt wird das ganze Geschehen um die Synchronie, für die immerhin 100 Hefte Anlauf genommen wurde, seltsam zurückhaltend präsentiert. Am Ende fliegen Atlan, Jawna Togoya und 500 Unbekannte alleine weiter in die Jenzeitigen Lande.

Soweit der erste Teil und der Schluss. Mit dem Ausschleusen der RAS TSCHUBAI und dem Vordringen in die Milchstraße ändert sich auch der Schreibstil der Autorin. Plötzlich sind wir mitten im Geschehen. Die Tiuphoren müssen einen Vergleich zu den Onryonen nicht scheuen. Die Onryonen sind subtiler. Freundlich lächelnd vernichten sie Raumschiffe und Planeten im Namen der Atopischen Orto. Die Tiuphoren zeigen ihre Grausamkeit unverhüllt und vernichten Raumschiffe und Planeten im Namen ihres Glaubens.

Erstes Fazit: Die ersten 40 Seiten waren einfach schlecht. Danach wurde es besser. Immerhin ist die Neugierde entfacht, wie es weitergeht.

 

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