Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2765

Das genetische Kunstwerk – von Christian Montillon – Handlung:

An Bord der Flammengondel LUCVAIT wird plötzlich der Transmitter aktiviert, mit dem der Shetorner da Zoltral vor einiger Zeit zu einer Forschungsstation der Lucbarni gereist ist. Das Wachpersonal versucht vergeblich, das Gerät abzuschalten. Doch der Eingriff von außerhalb lässt sich nicht verhindern. Eine Gestalt ohne die schützende Transportkapsel materialisiert und steht in Flammen. Die hyperenergetischen Einflüsse des Transports verletzen den Ankömmling schwer. Es ist Perry Rhodan.

Die RAS TSCHUBAI hat die Station der Lucbarni erreicht und geht in den Ortungsschutz einer Sonne. Die drei Lucbarni, die man von Vi hiergebracht hat, werden in einem 500m-Großbeiboot zur Station gebracht, nachdem sich die Terraner vorher angemeldet haben. In einem Hangar der Station erwartet Reginald Bull und Gucky eine Überraschung. Gaumarol da Bostich empfängt die beiden Unsterblichen. Bull lässt den Arkoniden stehen aber Gucky erfährt von Bostich Erstaunliches. Perry Rhodan ist ebenfalls an Bord. Der Terraner wird umgehend zur RAS TSCHUBAI gebracht, wo seine schweren Verbrennungen behandelt werden. Bull lässt Bostich zurück. Die Gefahr, einen Kardinal-Fraktor an Bord zu holen, sei zu groß. In 500 Jahren könne man nochmal über die Sache sprechen.

Perry Rhodan kommt dank der Behandlung und seines Zellaktivators schnell wieder auf die Beine. Erste Informationen werden ausgetauscht. Rhodan berichtet von seiner Gefangennahme durch die Proto-Hetosten, seiner Flucht und die erneute Gefangennahme durch die Onryonen, wie er zur Folterwelt gebracht wurde und schließlich an Bord des Schiffes der Richterin gelangte. Auch dass ihm die Flucht mit Hilfe eines gestohlenen Transmitters gelang. Schnell werden Pläne geschmiedet. Der Unsterbliche berichtet seinen Freunden von den Jenzeitigen Landen. Nur dort könne das Atopische Tribunal besiegt werden. Man muss ein Richterschiff kapern und Atlan als Piloten finden. Als Ziel wird die verschlossene Domäne des kristallinen Richters gewählt. Die RAS TSCHUBAI kann dank ihres besonderen Antriebs den Repulsor-Wall durchdringen. Icho Tolot hat andere Pläne. Er erbittet ein Schiff von Bull, damit er nach Volterhagen fliegen kann. Zusammen mit Bostich. Der Haluter möchte verhindern, dass mit seinem genetischen Erbgut herumexperimentiert wird. Bull genehmigt den Flug und stimmt auch zähneknirschend zu, dass Bostich Tolot begleitet.

Auch Perry Rhodan benennt Volterhagen als wichtiges Ziel. Schließlich einigen sich alle darauf, dass die RAS TSCHUBAI nach Volterhagen fliegt. Bostich wird an Bord eines Großbeibootes gebracht, das Tolot in FANCAN TEIK II umtauft. Der Arkonide ist von den Medizinern und Sichu Dorksteiger untersucht worden. Sein Arm entwickelt neuronale Verdickungen, die der Ara Thoveno als Mikrohirne bezeichnet. Die Auswirkungen sind bald auch für Bostich spürbar. Sein Extrasinn übermittelt, dass fremde wesenlose Stimmen in ihm wispern würden. Bostich erzählt Tolot davon und auch der Haluter sieht die Mikrohirne als Ursache an. Sie müssen unbedingt die Genetikerin Than-Deneec auf Volterhagen finden.

Auch Bull plagen unschöne Gedanken. Er hat Rhodan noch nicht von seinem Aufenthalt in der Stadt Allerorten berichtet und nicht von der Änderung der Prägung seines Zellaktivators. Und auch in Rhodan wispern fremde Stimmen. Der Unsterbliche meint Veränderungen an seinem Freund Bully erkannt zu haben. Ist Bull etwa ein Jaj?

Als man Volterhagen erreicht, wird in bewährter Weise die LAURIN II mit Rhodan, Bostich, Gucky, Tolot und Tacrol benutzt, um dort zu landen. Auch ein TARA-X-T wird mitgenommen. Aus der Forschungseinrichtung, wo Than-Deneec gearbeitet hat, ist die Larin verschwunden. Gucky spürt sie in der Onryonensiedlung Stozer auf. Sie wird von Onryonen gefangen gehalten, die genetische Experimente an ihr durchführen. Das Team dringt in die Stadt ein und befreit Than-Deneec. In dem Labor werden Klone der Larin gezüchtet und halutische Gene missbraucht. Tolot zerstört die ganze Anlage. Dann kehrt das Team mit Than-Deneec zur RAS TSCHUBAI zurück.

Icho Tolot, Reginald Bull, Gucky und Farye Sepheroa treffen sich in der Zentrale der FANCAN TEIK II. Auf einem Holobild ist Rhodan in seiner Kabine zu sehen. Die Freunde glauben an verschiedenen Kleinigkeiten erkannt zu haben, dass mit dem Terraner etwas nicht stimmt. Die entscheidende Frage stellt Bull in Richtung Holo-Bild: „Wer ist dieser Mann?“

 

Rezension:

Sah es letzte Woche noch danach aus, als würde der Autor den Plot verfolgen, in alle Fußstapfen, die Rhodan und Bostich in Larhatoon hinterlassen haben, erneut zu treten, überrascht Christian Montillon in seinem Roman damit, indem er das Tempo anzieht. Kaum in Larhatoon angekommen, wird Bostich gefunden. Und kurz darauf Rhodan, wenn auch augenscheinlich der Falsche. Danach dauerte es eine Weile, bis klar war in welche Richtung sich die Geschichte entwickelte. Nach Abschluss der Lektüre kann man festhalten, dass der Roman einiges Potential in sich barg. Da war zunächst das Zusammentreffen von Bostich mit der Suchexpedition, schließlich das Treffen von Rhodan mit den alten Freunden. Gefolgt von Tolots Ausflügen in seine tragische Vergangenheit, die Veränderungen Bostichs, die Pläne gegen das Atopische Tribunal und letztlich der Verdacht, dass der Rhodan, der an Bord gekommen ist, der falsche sein könnte.

Wie ging der Autor mit diesen Elementen um? Vorsichtig ausgedrückt, hat der Autor sich nicht ausreichend genug mit den Zielen beschäftigt, die er mit seiner Geschichte erreichen wollte. Wenn es doch ein Ziel für eines der o.a. Elemente gab, dann geriet der Weg dorthin arg holprig. Wieder andere Teilbereiche sind schludrig geschrieben und mancher Teilabschnitt geriet bereits zu Beginn erkennbar in eine Sackgasse.

Betrachten wir Bostich. Ungeachtet der platzierten Äußerungen auch im Roman von letzter Woche, dürfte das Ziel hier ausnahmsweise klar definiert worden sein. Bostich macht die Reise der Expedition mit. Hätte jemals ein anderes Vorhaben existiert, dann hätte man nur wegen dieses einen Augenblicks des Zusammentreffens mit Bull den Arkoniden nicht so lange bei den Lucbarni aufhalten lassen. Der Arkonide hätte inzwischen seinen Plan, über die Transmitter in die Milchstraße zu reisen, angegangen. Nun aber entscheidet Montillon, dass der Arkonide mit den Terranern reist. Dafür muss er sich für seine Geschichte einen Weg ausdenken, wie er dieses Ziel erreicht und das die Leser fesseln kann.

Zunächst formuliert der Autor die Ablehnung der Mitnahme, damit es etwas spannend wird. Bull erläutert also seine Gründe gegenüber Bostich, diesen nicht mitzunehmen. Angeblich würde die Mitnahme Bostichs die Onryonen auf die Spur der RAS TSCHUBAI bringen. Diesen Vortrag Bulls, den sich Montillon da ausgedacht hat, kann man nur belächeln, denn die Mitnahme Rhodans birgt diese Gefahr ebenfalls. Abgesehen davon war es doch das Ziel der Expedition Rhodan zu finden und damit einen der Kardinal-Fraktoren. Beide zusammen erhöhen das Gefährdungspotential nicht. Richtig dumm wird die Äußerung, die Montillon Bully in den Mund legt, allerdings durch die Reaktion des Ilts. Der bescheinigt Bull, dass er die Rede in aller Sorgfalt vorbereitet hat. Genau das war sie nicht. Sollte Bull nur nach einer Ausrede gesucht haben, den verhassten Arkoniden nicht mitzunehmen, dann wäre es eben nur ein schwacher Vorwand gewesen, den alle durchblickt hätten, aber nicht ändern wollten oder konnten. Die Reaktion des Ilts, die der Autor nachschiebt, macht die Rede Bulls jedoch unsinnig.

Da Montillon aber das Ziel verfolgt, Bostich doch mitzunehmen, muss nun die Kurve genommen werden und der Grund gefunden werden, warum Bostich doch an Bord kommt. Tolot will nach Volterhagen aufbrechen, um dort den weiteren Missbrauch des genetischen Materials seines Kindes zu verhindern. Dazu will er Bostich mitnehmen. Bull stellt ihm dazu ein Beiboot zur Verfügung. Abgesehen von der Verbundenheit, die Tolot nun gegenüber Bostich empfindet, was arg künstlich herbeigeredet ist, lässt Bull nun Bostich an Bord. Was ist aus der Gefahr geworden, dass ihnen die Onryonen so auf die Spur kommen können? Und wieder ein bisschen später kommt es zu einem peinlichen Gespräch in der Lagebesprechung als Bull nochmals einwendet, das Bostich von den Onryonen gejagt werde und deshalb eine Gefahr sei. Der Rest ist bekannt. Bostich war also nun an Bord, der Weg dorthin war wenig überzeugend geschrieben.

Auch die anderen Elemente kommen nicht gut weg. Der Autor setzt zu viele hochkarätige Figuren ein, die sich gegenseitig auf die Füße treten. Bei der Masse kann er gar nicht alle gebührend berücksichtigen. Dadurch geraten die entscheidenden Elemente, nämlich die Hinweise auf das gegenseitige Misstrauen zu unscharf. Zudem vergeudet Christian Montillon wertvollen Raum mit unnützen Wiederholungen. Damit sind nicht die notwendigen Rückblicke gemeint, die winzige aber wichtige Details früherer Geschichten in Erinnerung rufen, in der Absicht sie mit neuem zu verknüpfen und die Erlebnisse zu untermauern und voranzutreiben. Nein, Montillons Wiederholungen sind im Stile eines Glossars gehalten. Nur selten gelingt es ihm sie interessant zu gestalten, aus einem anderen Blickwinkel zu beschreiben oder mit neuen Erkenntnissen zu untermalen.

Die Entscheidungsträger an Bord, die einige Pläne gegen das Atopische Tribunal zumindest im Ansatz formulieren, ähneln eher aufgeregten kleinen Kindern, als abgeklärten Unsterblichen. Hier bricht der Kinderbuchautor Montillon in unangenehmer Weise durch. Die anderen eingangs erwähnten Elemente werden lieblos aneinandergereiht. Der Autor ergeht sich wohl in der Hoffnung, die Leser würden sich alles selbst zusammenreimen. Ein bisschen mehr Anstrengung seitens des Exposé-Autors, dies mit aufeinander aufbauenden Handlungselementen zu fördern, wäre allerdings schön gewesen. So macht es sich Montillon mal wieder viel zu einfach.

Am Ende widmet der Autor der Figur Tolot beim Einsatz auf Volterhagen kaum eine Zeile. Dabei hätte die Tragik einer Rückkehr des Haluters nach 1500 Jahren an den Ort, an dem sein Kind starb, einfach mehr Raum verdient gehabt. Das war kläglich, was Montillon dazu schreibt.

Fazit: Ein Roman, der großes Potential in sich barg, das vom Autor nicht genutzt wurde.

 

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