Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2740

Griff nach dem Galaktikum – von Arndt Ellmer – Handlung:

Der Onryone Penccas Khelliod wartet auf den Tag seines Lebens. Als erster Onryone soll er im Auftrag des Atopischen Tribunals eine Ordische Stele installieren. Als Standort ist Aurora gewählt worden. Der Onryone wartet nur noch auf den entsprechenden Befehl eines atopischen Richters. Bis der Funkspruch eintrifft stellt Khelliod eine beeindruckende Flotte zusammen.

Im Halo-System ahnt man noch nichts von der Gefahr. Eineinhalb Jahre nach der verlustreichen Schlacht der Ertruser ist die Lage in der Milchstraße entspannt. Es sind einige Völker zum atopischen Tribunal übergelaufen, das Galaktikum selbst entwickelt keine Aktivitäten. Der USO-Agent Zahran Ushindi ist auf Aurora stationiert. In seiner Freizeit erstellt der Terraner Holorama, die er gewinnbringend verkauft. Der Spezialist macht einen Ausflug nach Noros, dem zweiten Planeten im Halo-System. Er macht dort Aufnahmen eines Erinn. Die gefährlichen Flugwesen von Noros haben Ushindi schon immer fasziniert.

Nach seiner Rückkehr in Galakto-City bekommt Ushindi jedoch einen neuen Auftrag. Er trifft sich mit Lordadmiral Monkey, der als Springer getarnt nach Aurora gereist ist und sich mit dem Vorsitzenden des Galaktikums treffen möchte. Zusammen mit seiner Freundin Khys, der Tochter eines akonischen Diplomaten, arrangiert Ushindi ein Treffen zwischen Monkey und UFo. Der Chef der USO möchte einen Linearraumtorpedo der Onryonen erbeuten. Dazu muss man an Bord eines onryonischen Schiffes gelangen.

Unterdessen ist die Flotte der Onryonen vollzählig und Penccas Khelliod setzt sie in Marsch. An der Außenhülle seines Flaggschiffs SHOYOO ist die Ordische Stele verankert. Nach Ankunft im Halo-System bittet Khelliod um Landerlaubnis. Diese wird ihm zunächst gewährt, da er aber ankündigt, eine Ordische Stele errichten zu wollen, lehnt UFo die Landung ab. Penccas Khelliod verkündet daraufhin ein Ultimatum. Sollte innerhalb von 72 Stunden keine Landung auf Aurora genehmigt werden, würde er an Noros ein Exempel statuieren und den Planeten angreifen.

Die Sicherungsflotte des Galaktikums, hauptsächlich Posbi-Schiffe, bekommt den Auftrag, jegliche Aggression der Onryonen zu unterbinden. Zahran Ushindi versucht unterdessen, die Flugwesen von Noros zu retten, was ihm nicht gelingt. Schließlich greifen die Onryonen mit Linearraumtorpedos Noros an. Die Posbis können die Zerstörung des Planeten nicht verhindern. Die SHOYOO nähert sich Aurora. Penccas Khelliod stellt ein letztes Ultimatum. Er wird die Ordische Stele errichten, auf Aurora oder auf seinen Trümmern.

 

Rezension:

Aus Zyklus-Sicht bot der Roman nichts Neues. Eineinhalb Jahre nach der Schlacht von Ertrus scheint die Zeit in der Milchstraße und auch im Zyklus stehen geblieben zu sein. Es gab mal wieder ein Scharmützel zwischen Onryonen und Galaktikern. Letztere handeln und agieren so, als hätten sie noch nie von Linearraumtorpedos gehört. Diese Texte hat man schon ein Dutzend Mal in diesem Zyklus lesen dürfen, übrigens besser lesen dürfen, denn der Autor Arndt Ellmer schreibt doch sehr ungelenk über diese erneute Episode von Onryonen vs. dumme Galaktiker.

Dabei begann der Roman von Arndt Ellmer recht verheißungsvoll. Der Einstieg war schnörkellos. Der Leser wurde direkt über die Absicht der Onryonen informiert. Dann schwenkte der Autor zu den Galaktikern ins Halo-System. In der Folge führt uns der Autor zunächst nach Noros. Die Figur Zahran Ushindi wird vorgestellt und mit den durchaus gelungenen Beschreibungen der Flugwesen dieser Welt der Grundstein für die spätere Tragik in der Geschichte gelegt.

Dann verflachte der Roman zusehends. Der Autor bringt zunächst noch die weiteren Figuren ins Spiel, die in seiner Geschichte und im Roman der nächsten Woche eine Hauptrolle spielen. Als da wären der Cheborparner an der Spitze der Macht und Monkey, der den Plan verfolgt, einen Linearraumtorpedo in die Hände zu bekommen. Zunächst jedoch mussten sich die beiden Figuren treffen. Die Schilderungen zu den Vorbereitungen des Treffens und das Zusammenkommen selbst gerieten für Arndt Ellmer, „dem“ anerkannten Spezialisten für undurchschaubare und umständliche Handlungsfolgen zu einem neuen Höhepunkt. Hier die Kurzfassung: Monkey ist in Tarnung eines Mehandor auf Aurora gelandet. Ushindi soll ein Treffen mit UFo arrangieren. Die Freundin von Ushindi ist Tochter eines akonischen Diplomaten und dadurch offensichtlich qualifiziert, sich direkt mit UFo zu treffen. Doch es tritt ein Problem auf, die Freundin steckt nämlich in der Rush-Hour von Aurora fest. Irgendwie schafft sie es zu UFo. Sie sagt artig einen Geheimcode und UFo stimmt einem sofortigen Treffen zu. Naja, sofort in 10 Minuten. Dann begeben sich die beiden Parteien auf verschlungenen Pfaden in die Katakomben von Aurora, wo Monkey noch einen geheimnisvollen Leibwächter testet. Schließlich reden die beiden miteinander.

Der Autor hat Alltagssituationen völlig unnötig auf mehrere Seiten aufgebläht. Für die junge Akonin, die sich Arndt Ellmer für seine Handlung ausgedacht hatte, war es wohl das aufregendste Erlebnis ihres Lebens. Für den Leser hingegen war es nur tödlich langweilig. Immer dann, wenn so etwas wie Spannung aufkam, würgte der Autor dieses Element rigoros ab und lieferte ellenlange Beschreibungen, die wiederum durchbrochen wurden von eigentlich harmlosen Situationsbeschreibung, die der Autor dann allerdings dramatisch ausbaut. Da wird schon mal aus dem Aufbau eines Antigravfeldes eine planetenweite Bedrohung konstruiert. Ergänzt werden diese Textstellen durch skurrile Namensgebung für gebräuchliche Alltagstechnik des 16. Jahrhunderts NGZ. Auch Monkeys Test des Leibwächters fällt in die Kategorie unnötige Dramatik.

Die Überlegungen, die der Autor einige Figuren anstellen lässt, sind größtenteils zu naiv geraten. Beispielsweise befürchtet eine Diplomatin, dass Aurora brennen könnte. Tatsächlich könnte das geschilderte Vorgehen der Onryonen auch zu einem Angriff auf Aurora führen. Allerdings lässt Ellmer eine andere Antwort auf die Sorgen seiner Figur verlauten. Er schreibt, weil das Atopische Tribunal eine Erklärung des Weltenbrands bislang schuldig geblieben war würde ein Angriff auf Aurora diesen Nachweis nun liefern. Das ist hanebüchener Unsinn.

Andere Überlegungen sind einfach nur als unschicklich zu bezeichnen. So wird in der ersten Hälfte des Romans behauptet, dass die Onryonen und die atopischen Richter die Milchstraße als ihre Heimat betrachten würden und dass dies wohl auch den Tatsachen entsprechen würde. Merkwürdig, hier scheint der Autor mehr Informationen zu besitzen, als sie bislang in die Romane eingeflossen sind. Erst in der zweiten Romanhälfte lässt uns der Autor an einigen Gedanken des Onryonen Penccas Khelliod teilhaben. Der Onryone bezeichnet erst an dieser Stelle die Galaxis, die „heute“ Milchstraße heißt, als seine Heimat. Ergänzend sei erwähnt, dass die Informationsgewinnung seitens der handelnden Figuren bislang keine gesicherten Erkenntnisse zur Heimat der Aggressoren erbracht hat. Tatsächlich zieht sich die Informationsgewinnung in diesem Zyklus zäh wie ein Kaugummi, ein halutischer Kaugummi wohlgemerkt. Immerhin geht man im 41 Heft des Zyklus mal wieder auf die Suche nach den Erfolgsgaranten Nr. 1 der Onryonen, nämlich den Linearraumtorpedos. Das ist alles etwas zu einfach gestrickt, was das Autorenteam da momentan abliefert.

Den ungeschickten Versuch Ellmers zur Rettung der Flugwesen von Noros werde ich nicht weiter kommentieren. Auch die eingeschobenen Textpassagen über Aktivitäten der Hasproner, die lt. Arndt Ellmer Positroniken ersetzen, weil ein Betrieb von Rechenanlagen angeblich nicht mehr möglich ist, werde ich nicht kommentieren. Dazu sind die Ausführungen des Autors einfach zu wirr. Ungeordnet fallen auch die Dialoge und die Reaktionen der Politiker auf dem wichtigsten Planeten der Galaxis aus. Die erschreckend harmlosen Darstellungen von politischen Gremien sind, nicht nur in diesem Roman, ein Ärgernis. Es wäre besser, auf solche Beschreibungen zu verzichten.

Fazit: Der Autor legt die Schwerpunkte seiner Geschichte in harmlose Nebenstränge. Das eigentliche Szenario, nämlich die Absicht der Onryonen, eine Ordische Stele zu installieren, wird von Arndt Ellmer nur ungenügend behandelt.

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