Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2731

Gefängniswelten – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

An Bord der KRUSENSTERN schreibt man inzwischen den 03.März 1516 NGZ. Mehr als 3 Monate nach dem Aufbruch von Terra hat das Schiff unter dem Kommando von Jawna Togoya die Southside der Milchstraße erreicht. Über 60.055 Lichtjahre vom Solsystem entfernt wird der Dunkelplanet Gorgesd von der Besatzung untersucht. Auf dem Planeten gibt es umfangreiche Bautätigkeiten der Onryonen. Im Orbit befinden sich mehr als 10.000 ihrer Schiffe und weitere Einheiten patrouillieren in der näheren Umgebung. Um herauszufinden, ob Perry Rhodan und Bostich auf Gorgesd inhaftiert sind, begibt sich Gucky auf eine Mission. Mit dem Beiboot BRUSSILOW II fliegt er die Dunkelwelt an. Die Posbi Madame Ratgeber und der Grüne Heinerich aus der Alten Oblast begleiten ihn. Mit an Bord ist auch Toio Zindher.

Die BRUSSILOW II wird von den Onryonen schnell entdeckt und Madame Ratgeber gibt vor, die Dunkelwelt für die Posbi-Zivilisation inspizieren zu wollen. Es kommt zu einem längeren Dialog mit dem Befehlshaber des onryonischen Flottenverbandes. Während die Posbis für Ablenkung sorgen, wirkt Gucky auf die Vitaltelepathin ein. Auch wenn sich die Tefroderin widersetzt, kann sie nicht verhindern, dass sie mit ihrem Parasinn Vitalenergie von Gorgesd empfängt. Und der Ilt nimmt dank seiner neuen Gabe die Bildeindrücke aus ihrem Bewusstsein ebenfalls wahr. Die Vitalimpulse Rhodans und Bostich sind nicht darunter. Dem Posbiraumer wird der Anflug auf Gorgesd verboten und Madame Ratgeber fliegt das Schiff nach einigen Ablenkungsmanövern zurück zur KRUSENSTERN.

An Bord des alten Fragmentraumers haben sich unterdessen Viccor Bughassidow und Marian Yonder die Zeit genommen, die neuesten galaktischen Nachrichten zu studieren. Der kürzlich ernannte Sorgfaltsminister des Neuen Tamaniums, Baios Corm, tut sich in diversen Meldungen hervor. Die Tefroder haben sich von WOCAUD zurückgezogen und es gibt Verhandlungen mit den Blues. Tefrodische Republiken schwenken auf Vetris-Molauds Linie um. Die Atopischen Richter haben zu einer galaxisweiten Konferenz 1519 NGZ eingeladen, um zu diskutieren, wie die Atopische Ordo am besten umgesetzt werden kann. Auch von Arkon gibt es neue Nachrichten. Naat ist anstelle von Naatsdraan zur neuen Hauptwelt der Naat-Föderation gemacht worden und Tormanac da Hozarius, der in Übertragungen jung und erholt wirkt, hat den Kristallpalast nach Zalit verlegen lassen. Unklar bleibt, ob diese Entscheidung vom Vizeimperator alleine getroffen wurde oder das Atopische Tribunal Einfluss genommen hat. Ein Drittel der Arkoniden hat Arkon mittlerweile verlassen. Tormanac behauptet, das Imperium auf mehrere tragfähige Säulen stellen zu wollen.

Nach der erfolglos gebliebenen Mission Guckys führt Jawna Togoya die KRUSENSTERN zum nächsten Ziel in etwa 7000 Lichtjahren Entfernung. Auch Bootasha ist ein Dunkelplanet und auch hier zeigt sich eine starke Flottenkonzentration der Onryonen. Die Bautätigkeiten sind anders als bei Gorgesd weitgehend abgeschlossen. Man beschließt das gleiche Vorgehen wie bei der ersten Dunkelwelt. Wieder geht die BRUSSILOW II in den Einsatz. Das diplomatische Geschick von Madame Ratgeber muss nicht lange abgerufen werden, denn Toio Zindher entdeckt die Vitalimpulse von Rhodan und Bostich. Allerdings wirken sie schwach und kränklich, so, als würden ihre Zellaktivatoren versagen. Die Vitalenergie kommt von einem Punkt mehrere tausend Meter unter der Oberfläche der Dunkelwelt.

Icho Tolot entwickelt einen Plan. Zusammen mit Avan Tacrol und den Posbis Madame Ratgeber, dem Grünen Heinerich und Jigsaw gehen sie an Bord der BRUSSILOW II und fliegen nach Bootasha. Wie erwartet reagieren die Onryonen auf die erneute Annäherung nunmehr aggressiv und schießen den Posbiraumer ab. Die beiden Haluter und die Posbis haben sich jedoch besonders geschützt und schlagen auf der Oberfläche der Dunkelwelt auf. Trotz diverser Verletzungen können die beiden Haluter ihre Mission fortsetzen. In einer Eisspalte in der Nähe einer onryonischen Stadt bauen die Posbis einen Transmitter zusammen und Gucky stößt zum Team dazu. Das Team wendet sich dem Punkt auf der Oberfläche zu, der nach ihren Berechnungen über Rhodans Aufenthaltsort liegen muss. Die Onryonen haben dort eine Stadt gebaut, die Alcatraz getauft wird. Das Einsatzteam findet heraus, dass die Gefangenen in sogenannten Bußklausen inhaftiert sind. Es gibt Tausende davon. Erreicht werden können sie nur mit Lithosphärentauchern oder Voycranden. Diese Schiffe bohren sich durch den Fels, indem sie das Gestein verflüssigen. Für die Bereiche unterhalb von Alcatraz ist der Oberste Bußwart Vatuan Boyccasd zuständig. Und jeder Pilot eines Voycranden ist nur für bestimmte Gefangene zuständig.

Gucky gelingt es nach einiger Zeit den Onryonen Soroloyn Tevvcer als Piloten für Rhodan und Bostich zu identifizieren. Tevvcer wird entführt und von den Posbis unter Drogen gesetzt. Das Team geht an Bord des Lithosphärentauchers von Tevvcer und wird von dem Onryonen zur Bußklause Rhodans gebracht. Kurz vor dem Ziel wird Boyccasd auf den nicht genehmigten Flug aufmerksam. Er entdeckt Gucky in der Pilotenkanzel und schickt Verfolger. Da diese auch mit Lithosphärentauchern operieren müssen und diese Schiffe sehr langsam sind, kann das Team dennoch an Rhodans Bußklause andocken. Für Bostichs Rettung bleibt allerdings keine Zeit. Die Haluter durchbrechen den Schutzschild und die Außenwandung des Kerkers. Mittlerweile sind die Verfolger aber heran. Die Posbis aktivieren den Transmitter und Gucky materialisiert auf der KRUSENSTERN. Endlich kommen auch die Haluter. Rhodan ist nicht dabei. Tolot hält einen Zellaktivator in den Händen.

Der Zellaktivator stellt sich als ein Nachbau aus tt-Progenitoren heraus und ist mindestens drei Monate alt. Tevvcer, der auf die KRUSENSTERN mitgenommen wurde, vermutet, dass ein anderer Gefangener Rhodan und Bostich befreit hat, um von Ihnen als Fluchthelfer in seine Heimatgalaxis gebracht zu werden.

 

Rezension:

Der Roman von Michael Marcus Thurner brachte die Geschichte wieder ein Stück weit voran. Klar war allerdings von Anfang an, dass der Roman nicht mit der Befreiung Rhodans enden würde. Erstens passt das nicht zum bisherigen Auftreten Rhodans in diesem Zyklus und zweitens wäre es sowieso noch zu früh mit einer solchen Entwicklung gewesen. Dennoch bot der Roman eine anständige Unterhaltung. Es gibt ein Kriterium, das ich in dieser Rezension näher betrachten möchte. Der ganze Roman stand (nicht zum ersten Mal) im Zeichen der Gewinnung von Informationen. Oder dem Ignorieren von Informationen!

Gucky bringt Toio Zindher dazu, ihm den Aufenthaltsort von Rhodan zu verraten. Bughassidow und Yonder suchen und analysieren Nachrichten aus der ganzen Galaxis. Auf Bootasha dringt Avan Tacrol in die Informationsnetze der Onryonen ein und schließlich sucht und findet Gucky die Informationen zu Rhodans Kerker, indem er den zuständigen Piloten identifiziert.

Die gewonnenen Hinweise lassen sich grob in zwei Kategorien gliedern. Informationen, die für die aktuelle Geschichte benötigt werden, bzw. sie vorantreiben und Informationen, die den Fortgang des Zyklus beeinflussen. Dabei stellen sich die Protagonisten unterschiedlich geschickt an. In einem der letzten Zyklen war die Suche nach dem PARALOX-Arsenal eine ständig wiederkehrende Phrase. Phrase deshalb, weil die Protagonisten sich in beinahe jeder Geschichte sich wiederholt dazu aufforderten oder sich verpflichten mussten, eben jenes PARALOX-Arsenal zu finden. Das Problem war nur, sie taten es den ganzen Zyklus über nicht.

Zur Phrase im aktuellen Zyklus könnte der Spruch geraten, woher nehmen die Onryonen bloß all die Schiffe, mit denen sie in der Milchstraße operieren. Auch Thurner lässt seine Figuren sich wiederholt darüber wundern. Der Sache auf den Grund gehen mögen die Figuren allerdings nicht. Das tun sie übrigens seit 32 Heften nicht und in der Serienzeit sind mittlerweile fast 2 Jahre vergangen und niemand der geschätzt 1 Billiarde Bürger des Galaktikums zeigt ein irgendwie gesteigertes Interesse daran, die Antwort auf diese Frage zu finden. Wobei die Frage nach den Schiffen nur stellvertretend für alle anderen Fragen steht, nämlich Hintergründe zu politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und sonstigen Besonderheiten des onryonischen Volkes oder des Atopischen Tribunals zu erhalten.

Arbeitstechnisch ist das Vorenthalten von Informationen über einen möglichst langen Zeitraum ein Spannungselement und zugleich die Basis für die Länge eines Zyklus. Da die Länge seit ewigen Autorengenerationen mit 100 Heften in Terkonit gebrannt scheint, müssen wir uns also noch etwa 60 Hefte gedulden, bis die Figuren endlich Anstalten machen, um die Frage woher die Onryonen all die Schiffe nehmen, endlich zu beantworten.

Von daher gestaltet Michael Marcus Thurner die Informationsgewinnung seiner Figuren stellenweise geradezu grotesk. Zu den besonderen Merkwürdigkeiten gehört die Auswahl der Informationsquellen, deren sich Bughassidow und Yonder an Bord der KRUSENSTERN bedienen, um sich einen Überblick über die politische Lage in der Milchstraße zu verschaffen. Im 16. Jahrhundert NGZ scheint es keine öffentlich-rechtlichen oder privaten Sender zu geben. Soziale Netze, Piratensender, unabhängige Journalisten, Wikis, Blogs (ähem) und andere Quellen gibt es nicht. Stattdessen greifen die Protagonisten Thurners auf Propaganda und politisch gefärbte Nachrichtenkanäle zurück, um sich ein Bild zu verschaffen.

Auch die Schlussfolgerungen der Protagonisten gestaltet der Autor sehr einfältig. Beispielsweise lässt er Bughassidow und Yonder darüber sinnieren, ob Tormanac da Hozarius seine Entscheidungen alleine trifft oder unter der Fuchtel des Atopischen Tribunals steht. Da in den vergangenen 32 Heften kein anderer innenpolitischer oder außenpolitischer Einfluss neben dem Atopischen Tribunal geschildert wurde liegt die Antwort auf der Hand.

Auch auf Bootasha schiebt der Autor dem Einsatzteam einen Riegel vor, was die Informationsgewinnung angeht. Obwohl Avan Tacrol in den zugänglichen Informationsquellen Auskünfte zu Bußklausen einholen kann, dürfen andere Inhalte der onryonischen Netze von den Protagonisten nicht eingeholt werden. Dabei hätte der Haluter eigentlich mit einigen Petabyte an Daten die Heimreise antreten müssen. Die Geschichte leidet doch extrem unter diesem dümmlichen Plot. Um die Geschichte voranzubringen müssen Thurner und Co die Figuren mit Onryonen zwangsläufig interagieren lassen. Die Berührungspunkte sind in diesem Zyklus mittlerweile mannigfach vorhanden, dennoch profitiert der Fortgang der Geschichte nicht davon. Unrühmlicher Höhepunkt ist der Widerstand auf Luna, der selbst nach Jahrzehnten gemeinsamen Zusammenlebens nicht mehr als ein paar onryonische Namen benennen kann.

Christian Montillon und Wim Vandemaan haben gezeigt, dass man eingefahrene Muster durchaus durchbrechen kann. Der Handlungsaufbau der starren Viererblocks wurde durchbrochen. Jetzt ist es an der Zeit auch andere wiederkehrende Muster einzumotten. Zu einem geschickten Handlungsaufbau gehört auch, dass die Informationsgewinnung und –Verwertung einen anderen Stellenwert erhalten muss. Das Spannungselement darf nicht alleine durch das Vorenthalten von Informationen und dementsprechend durch narrenhaftes Vorgehen der Protagonisten aufgebaut werden.

 

Leave a reply