Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2732

Der Hetork Tesser – von Uwe Anton – Handlung:

Nach der Verurteilung zu 500 Jahren Mobilitäts- und Autoritätsentzug erwacht Perry Rhodan in einer ihm unbekannten Umgebung. Ihm fehlt die Erinnerung daran, wie er an diesen Ort gelangt ist und ob er die Strafe erst antreten muss oder ob er sie gar schon verbüßt hat. Er befindet sich in einem Wohnraum mit irdisch anmutender Einrichtung im Stile seiner Jugendzeit, also den 30er, 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Auf einem Schreibtisch steht ein altertümliches Telefon mit Wählscheibe. Die Leitung ist jedoch tot. Die weiteren Zimmer, darunter eine Bibliothek, ein Billardzimmer, eine Küche und das Bad sind im gleichen Stil gehalten. Im Keller gibt es einen Fitness-Raum und ein Schwimmbecken. Der Blick nach draußen zeigt einen weitläufigen Park mit Bäumen, Wiesen und grasenden Schafen.

Als er das Haus verlässt, hört Rhodan das Gebrüll eines Löwen. Je weiter er sich vom Haus entfernt, desto höher wird die Gravitation. Als er kaum noch vorrankommt wird er durch einen Prankenhieb des Löwen verletzt und kann mit Mühe ins Haus zurückkehren. Der Löwe scheint ein Wächter zu sein. Einen Zugang zum 1. Stock des zweigeschossigen Hauses kann Rhodan nicht entdecken. Tage und Wochen vergehen. Der Unsterbliche hält sich fit und beschäftigt sich ausgiebig mit der vorhandenen Literatur der Bibliothek. Er liest Werke von John Steinbeck und anderen nordamerikanischen Autoren. Auch Philip K. Dick und andere SF haben es Rhodan angetan. Die Bücher sind allesamt vor 1971 erschienen, dem Jahr seiner Mondlandung. Auch ein altertümliches Fernsehgerät mit gleichfalls alten Filmen und Serien dient seinem Zeitvertreib. Die Vorräte in der Küche werden auf unbekannte Weise täglich aufgefrischt.

Eines Tages klingelt das Telefon. Der Onryone Soroloyn Tevvcer stellt sich als sein Bußwart vor und würde sich gerne mit Rhodan unterhalten. Für die Gespräche öffnet sich jedes Mal eine Tür in das Obergeschoß. Der Bußwart erscheint nicht persönlich sondern mittels Materieprojektion. Die Gespräche verlaufen meist nach dem gleichen Muster. Der Onryone möchte, dass Rhodan Buße für seine Tat zeigt und Rhodan entgegnet stets, dass er keine Reue zeigen könne für etwas, das er nicht getan hat. Nur einmal zeigt sich Tevvcer unsicher. Der Kaydrin-Vorfall habe sein Leben verändert, räumt der Onryone ein. Mehr sagt er nicht zu dem Thema. Als nach mehreren Wochen endlich mal wieder das Telefon klingelt, ist jedoch nicht Soroloyn Tevvcer am Apparat sondern ein Fremdwesen, das sich als Neacue vorstellt. Der Angehörige des extrem langlebigen Volks der Benetah kann die Verbindung zu Rhodan nutzen, um in dessen Bußklause einzudringen. Neacue nutzt dazu das Vae-Metall, das sich durch den ganzen Planeten zieht. Neacue schlängelt sich aus dem Hörer und bildet einen menschlichen Kopf nach.

Nun endlich erfährt Rhodan Einzelheiten zu seinem Kerker. Die Benetah sind vor langer Zeit auf der Dunkelwelt Bootasha gestrandet. Vor etwa 300 Jahren nach Rhodans Zeitrechnung sind die Onryonen gekommen. Die Benetah konnten sich bislang verbergen, da sie die Erinnerungen der Onryonen an Begegnungen löschen. Neacue ist dabei, einem anderen Gefangenen zur Flucht zu verhelfen. Rhodan sieht eine Chance und bringt Neacue dazu, eine Verbindung zu diesem Gefangenen herzustellen. Zu Rhodans Überraschung ist es ein Lare, der sich als Avestry-Pasik vorstellt und Rhodan unverhüllten Hass entgegenbringt. Er bezeichnet den Terraner als Hetork Tesser, den Zerstörer von allem, dem Zerstörer des Konzils der Sieben. Die Larengalaxis ist in der Hand des Atopischen Tribunals und Avestry-Pasik seit 20 Jahren auf Bootasha inhaftiert. Eine Robotflotte der Laren ist seit vielen Jahren unterwegs, um ihn zu befreien. Rhodan will unbedingt, dass Avestry-Pasik ihn und Bostich mitnimmt. Er würde die Fluchtpläne des Laren sonst an Soroloyn Tevvcer verraten.

Avestry-Pasik willigt notgedrungen ein. Die Benetah haben nach Laren-Plänen einen Vae-Transmitter in einer leerstehenden Bußklause gebaut. Damit wollen die Gefangenen einen onryonischen Transporter erreichen, der Vae-Metall zu einem Forschungsplaneten des Atopischen Tribunals transportieren wird. Die Larenflotte dient lediglich der Ablenkung. Damit die Flucht nicht sofort entdeckt wird, lässt Neacue von Soroloyn Tevvcer zwei Zellaktivatoren nachbauen und nimmt dem Onryonen die Erinnerung daran und auch die Erinnerung an den Kaydrin-Vorfall, wo die Familie des Onryonen von den Proto-Hetosten, einer terroristischen Vereinigung der Laren, die sich gegen die Atopische Ordo auflehnen, getötet wurden.

Schließlich kommt der Tag der Flucht. Mehrere Benetah umschließen Rhodan und die anderen Gefangenen und transmittieren sie auf den Onryonenfrachter, während die Larenschiffe Bootasha angreifen. Bei der Explosion eines der Schiffe wird der Transport von Bostich empfindlich gestört, als das Vae-Metall dabei in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Imperator verliert seinen rechten Arm, als er materialisiert. Neacue bleibt mit an Bord und macht die Reise des Raumvaters GYUDOON mit. Zu Rhodans Entsetzen geht der Flug nach Auskunft von Avestry-Pasik in die 20 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxis Larhatoon. Rhodan würde bald erfahren, wie die gewaltige Distanz überbrückt werden wird. Avestry-Pasik ist zufrieden. Er ist schon gespannt darauf, was sein Volk sagen wird, wenn er ihnen den Hetork Tesser bringen wird, den Zerstörer von allem.

 

Rezension:

Nachdem Michael Marcus Thurners Roman der Vorwoche mit der Situation endete, dass Rhodan und Bostich geflohen waren, liefert uns Uwe Anton nun die Umstände der Flucht nach. Der Romantitel klang geheimnisvoll und der Lare auf dem Titelbild tat ein Übriges um die Gedanken bereits vor der eigentlichen Lektüre schweifen zu lassen. Allerdings ist die Zahl der Romane, deren Titel und/oder Titelbildmotive nur wenig oder gar nichts mit dem Inhalt zu tun haben, mittlerweile Legion. Im vorliegenden Fall hingegen passt das Motiv und lediglich mit dem Titel wird der Leser ein wenig hinters Licht geführt, denn der Begriff des Hetork Tesser gebührt nicht etwa dem Laren sondern ist eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung der Laren für Perry Rhodan, den sie nach 1500 Jahren offensichtlich immer noch nicht vergessen haben.

Rhodans unfreiwillige Reise in die Heimat der Laren steht damit unter keinem günstigen Stern, auch wenn ich so meine Zweifel daran habe, wie Langzeiterinnerungen von Völkern in der Serie angelegt werden. Zunächst jedoch beschäftigt sich der Autor mit den Erinnerungen seiner Hauptfigur. Uwe Anton beginnt den Roman mit einem träumenden Perry Rhodan, dem nach dem Erwachen von den Onryonen eine Gehirnwäsche der besonderen Art verpasst werden soll. Der Protagonist soll sich ausschließlich mit Dingen beschäftigen, die vor seiner Mondlandung 1971 geschehen sind und Buße tun. Die Beschreibung von Rhodans Kerker sind dem Autor gut gelungen und auch Rhodans anfängliche Entdeckungen weckten das Interesse des Lesers, na ja, zumindest mein Interesse.

Bei 500 Jahren Haft konnte nicht damit gerechnet werden, dass innerhalb der ersten Tage die Hütte brennt, insofern lässt es Uwe Anton nach der ersten Besichtigungsrunde beschaulicher angehen. Er lässt seine Hauptfigur die Literatur entdecken und mangels eines anderen Zeitvertreibs, abgesehen vom Sport, in diversen literarischen Werken versinken. Der tiefere Sinn dieser Handlung war schnell ausgemacht. Perry Rhodan zieht aus den Büchern, die er liest, Parallelen zu seiner eigenen Situation. In einem Buch stand die Hauptfigur zwischen verschiedenen Frauen und auch verschiedenen Ideologien und geriet in eine Persönlichkeitskrise. Ein anderes Werk lässt Rhodan über Schuld und Sühne sinnieren.

An der Stelle angelangt schien die Marschrichtung für den Roman festgelegt. Ich erwartete als eine der nächsten Handlungen den Auftritt einer herausragenden Figur des Atopischen Tribunals und ein paar Einzelheiten, welche Absichten den nun tatsächlich mit der Haftstrafe von 500 Jahren vom Atopischen Tribunal verfolgt werden. Doch Pustekuchen! Der Autor enttäuscht meine Erwartungen und wartet stattdessen mit einigen weiteren Inhalten zu Klassikern der Literatur auf oder zu solchen, die der Autor dafür hält. Spätestens mit der Erwähnung von Philip K. Dick wurde es ein bisschen merkwürdig. Zwar ist Dick immer eine gute Wahl wenn es um Fragestellungen zur Wirklichkeit, bzw. zur Wahrnehmung der Wirklichkeit geht, allerdings fängt Uwe Anton hier an, abzuschweifen. Uwe Anton hat selbst Bücher zu Philip K. Dick herausgebracht und zahlreiche Nachworte zu den deutschen Übersetzungen verfasst. Auch wenn ich selbst großer Fan Dicks bin und das Eingehen auf Eye in the Sky, einer meiner Lieblingsgeschichten, auch recht gut zu Rhodans Situation passte, gehen Uwe Anton im weiteren Verlauf doch die Gäule durch.

Das war ein wenig zu viel des Guten auch wenn Uwe Anton hier und da Humor zeigt, wenn er einige Inhalte leicht verändert in das Perryversum adaptiert. Das folgende „Psychoduell“ zwischen Perry Rhodan und Soroloyn Tevvcer war sicherlich alles, nur kein Psychoduell. Dazu waren die Gespräche zu oberflächlich angelegt.

Die Hereinnahme der Laren stellt eine interessante Bereicherung des Zyklus dar. Und das sich der Begriff Hetork Tesser auf Perry Rhodan selbst bezieht, den „Zerstörer der Welten“ war auch eine nette Idee des Autors oder der Exposé-Autoren. Der Hass des Laren auf Perry Rhodan hingegen wirkt wieder konstruiert und soll wohl lediglich dazu dienen, es unserem Helden auch auf den weiteren Stationen seiner Flucht es nicht zu leicht zu machen. 1500 Jahre sind seit der Lareninvasion und dem Ende des Konzils vergangen. Ein einzelner Lare vermag vielleicht durch Geschichtslektüre ein gewisses Maß an Feindseligkeit entwickeln können, jedoch reicht das nicht für die geschilderten Emotionen bei Avestry-Pasik.

Auf die Hereinnahme der Benetah hingegen hätte man verzichten können. Zumal die Motive dieser Wesen m.E. widersprüchlich geschildert werden. Spaß und Neugierde benennt Neacue als Triebfeder seines Handelns. Für jemanden, der zuvor freiwillig tausende von Jahren tatenlos durchs All getrieben ist, kaum glaubwürdig. Die Benetah wären vorher an Langeweile gestorben.

 

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