Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2719

Enterkommando GOS‘TUSSAN – von Verena Themsen – Handlung:

Die Schaltstation Vothantar Zhy ist in der Hand der Onryonen. Die CHUVANC des Atopischen Richters Chuv und ein kleines Kontingent onryonischer Schiffe umkreisen den Asteroiden. Gaumarol da Bostich führt mit der GOS`TUSSAN II eine Transition in die Nähe der Station aus. Per Funk will er mit seinen Überrangkodes die Kontrolle über Vothantar Zhy und damit den Kristallschirm zurückerlangen. Die Übertragung wird jedoch blockiert oder der Kode wird nicht mehr anerkannt. Bostich entschließt sich zum Angriff auf den Asteroiden. Um die Auswirkungen der Blendwaffe der CHUVANC, die auch Paratronschirme durchdringen kann, möglichst gering zu halten, werden ganze Sektionen des arkonidischen Flaggschiffs stillgelegt oder durch HÜ-Schirme geschützt. Der Angriff auf Vothantar Zhy schlägt fehl, die Station kann ihren Paratronschirm aktivieren und die CHUVANC setzt den sog. Babylonischen Blender gegen die GOS`TUSSAN ein. Mit einer Nottransition kann das Schiff entkommen.

Unterdessen hat Vizeimperator Tormanac da Hozarius einer privaten Unterredung mit Richter Chuv zugestimmt. Die Fronten sind verhärtet. Tormanac bezeichnet die Aktionen des Atopischen Tribunals als Aggression, die bereits vielen unschuldigen Arkoniden das Leben gekostet hat. Chuv heuchelt Betroffenheit und verteidigt die angewandte Gewalt als notwendig, um die Atopische Ordo durchzusetzen, die den gequälten Völkern der Galaxis Frieden bringen soll. Die beiden Kontrahenten vereinbaren ein persönliches Treffen, das auf Vorschlag des Richters auf Naat stattfinden soll. Tormanac stimmt zu.

An Bord des Raumvaters TOONTOV bereitet sich der Onryone Sbindar Cenfellor auf einen weiteren Einsatz vor. Der Onryone, der bereits erfolgreich an der Eroberung von Vothantar Zhy mitgewirkt hat, soll Bostich aufspüren und lebend fassen. Sehr zum Unwillen des Onryonen wird ihm bei dieser Mission der Gestaltwandler Gemian Ocary zur Seite gestellt. Der Jaj, der noch immer in der Gestalt der Arkonidin Thala auftritt, soll zur Ablenkung eingesetzt werden.

Nach der Transition ist die GOS`TUSSAN II fast nur noch ein Wrack. Das Transitionstriebwerk ist ausgefallen, einer der beiden Gwalon-Kelche zeigt schwerste Schäden, in allen Bereichen ist es zu Explosionen gekommen. Die Kommunikation ist gestört. Beiboote werden ausgeschleust und umkreisen das Schiff. Auch in der Zentralkugel sind Schäden entstanden. Die TOONTOV hat die GOS`TUSSAN II aufgespürt. Angesichts des Chaos an Bord, können die Enterkommandos der Onryonen unter der Führung von Cenfellor zunächst unbemerkt an Bord gehen. Hunderte von Spionsonden sollen den Fraktor Bostich aufspüren.

Bostich und Tekener haben sich an Reparaturarbeiten beteiligt. Der Arkonide stellt nach wie vor ein Rätsel für den Smiler dar. Die Aussetzer Bostichs, als würde er länger als nötig mit seinem Extrasinn kommunizieren, lassen Tekener keine Ruhe. Momentan hat der Terraner jedoch andere Sorgen. Eine Spionsonde wird von Bostich abgeschossen und onryonische Enterkommandos sind an Bord. Die beiden Männer suchen eine Ausweichzentrale auf. Zur Überraschung Tekeners sind auch als Arkoniden getarnte Kampfroboter an Bord der GOS`TUSSAN II. Die Roboter sind jedoch durch die Blendwaffe schwer beeinträchtigt. In der Notzentrale beobachten Bostich und Tekener einen Trupp Onryonen, die eine gefangene Arkonidin mit sich führen und sich der Ausweichzentrale nähern.

Tekener und Bostich können sich dem ersten Zugriff der Gegner entziehen und versuchen sich zu einem Transmitter durchzuschlagen. Die gefangene Arkonidin taumelt den beiden entgegen und wird von Bostich getötet, als er feststellt, dass sie nicht zu seiner Besatzung gehört und ein Gestaltwandler sein muss. Der Transmitter ist von Onryonen vermint. Bei dem Gefecht wird Bostich so schwer verletzt, dass Tekener davon ausgeht, dass der Vorsitzende des Galaktikums tot ist. Allerdings beinhalten die letzten Worte Bostichs eine verschlüsselte Botschaft. Tekener soll sich zur ARGO durchschlagen.

Auf Naat kommt es zum Treffen zwischen Chuv und Tormanac. Da der Richter seinen Sekretär teilnehmen lässt, wählt Tormanac spontan den Naat Martuul von der Wache aus, an seiner Seite zu stehen. Richter Chuv, von dem Tormanac nach wie vor nicht erfährt, aus welchem Volk er stammt, weicht den Fragen des Vizeimperators geschickt aus. Er propagiert stattdessen die Atopische Ordo und teilt dem überraschten Tormanac mit, dass Atopische Tribunal habe undiskutierbar entschieden, das Baag-System an seine Kinder, den Naats, zurückzugeben. Die Arkoniden haben ein Jahr Zeit, das System zu räumen. Tormanac ist nur noch mühsam beherrscht. Seine Entgegnungen werden von Chuv abgewiesen, allenfalls beim Zeitraum der Räumung wäre Chuv bereit, ein paar Jahre mehr einzuräumen. Chuv lockt Tormanac mit dem versprochenen Zellaktivator, sollte der Vizeimperator Bostich ausliefern. Und Tormanac ist sicher, dass ihn die Frage nach dem ewigen Leben und einer Chance auf Heilung seiner Krankheit noch lange begleiten werden.

Tekener hat die ARGO erreicht, die noch immer auf dem Landedeck der GOS`TUSSAN II steht. Bevor der Smiler sein Schiff betreten kann, wird er vom Enterkommando des Onryonen Sbindar Cenfellor gestellt. Arkonidische Kampfroboter greifen ein und befreien Tekener und paralysieren die Onryonen. Die Katsugo-Roboter stehen unter dem Kommando von Bostich, der eine messingfarbene Haube trägt. Tekener zieht aus der Beobachtung seine letzten Schlüsse. Der Bostich, den er begleitet hat, war ein biopositronischer Roboter, dessen Gewebe aus dem Gen-Material Bostichs hergestellt worden war. Tekener vermutet, dass hinter den Messinghauben der Arkoniden mehr stecken könnte, als gemeinhin angenommen wird. Die beiden Männer starten mit der ARGO und verlassen das System über den Korridor, den die CHUVANC geschaffen hat.

Auf Terra hält sich Perry Rhodan im Büro der Solaren Premier auf. Die Nachrichten von Arkon sind besorgniserregend. Der Kristallschirm des Sol-Systems könnte ebenfalls keinen Schutz bieten. Die ARGO meldet sich und Tekener bringt wichtige Neuigkeiten.

 

Rezension:

Verena Themsens ersten Beitrag zum laufenden Zyklus geht auch eine längere Pause in der Serie voraus. Ihr letzter Roman liegt schon beinahe 1 Jahr zurück. Zwischendurch hat die Autorin nur 1 Roman noch für Perry Rhodan NEO geschrieben. War der letzte Roman der Autorin zum Neuroversumzyklus noch überfrachtet mit zahlreichen Handlungssträngen und gespickt mit zwischenmenschlichen Problemen, kommt der aktuelle Roman wohltuend abgespeckt daher. Die Autorin verfolgt im Wesentlichen zwei Handlungsstränge, nämlich die Geschehnisse an Bord der GOS`TUSSAN II und als ruhigeren Gegenpol die Zusammenkunft Tormanacs mit dem Richter des Atopischen Tribunals. Die Kapitel mit den Figuren Tekener und Bostich lässt Themsen häufig in einem Cliffhanger enden, bevor es in einem der folgenden Kapitel dann weitergeht. Die Gefühlswelten ihrer Figuren haben einen härteren Grundton, als die Figuren in ihrem letzten Roman. Mit Bostich und Tekener hat die Autorin aber auch zwei nicht gerade zart besaitete Figuren im Einsatz. Tekener scheint sich unter der Schreibe der Autorin langsam mit seinem neuen Herzen abzufinden.

Ähnlich wie Autorenkollege Hubert Haensel muss Verena Themsen doch einige Elemente ihrer Geschichte verbiegen, damit sie funktionieren und zeigt in der Serienhistorie und der Serientechnik doch einige Schwächen. Abgesehen davon, dass der Transitionsschmerz bei Ronald Tekener unliebsame Gedanken an seinen in jüngster Zeit erlittenen Unfall während des Polyport-Transfers auslöst, löst der Schmerz beim Smiler auch Erinnerungen an die gute alte Zeit aus. Da Tekener aber im 24. Jahrhundert geboren wurde, hat er die Zeit der Transitionstriebwerke nicht mehr selbst erlebt. Das wäre zu verschmerzen gewesen, es gibt aber auch noch einige andere Ungereimtheiten. So ist u.a. zu lesen, dass die CHUVANC über eine bislang nicht zum Einsatz gekommene Waffe verfügen würde, deren Wirkungsweise die Autorin aber in den nächsten Zeilen erklärt. Wenn sie nicht zum Einsatz gekommen ist, woher weiß man wie sie funktioniert? Verwirrend bleiben auch die nächsten Aktionen der Arkoniden. Zunächst wollen Themsens Figuren die Kommandogewalt über die Schaltstation Vothantar Zhy zurückerlangen. Als das nicht gelingt, plant Bostich die Zerstörung der Station. Welches Ziel damit genau verfolgt wird, bleibt unklar. Allerdings musste sich die Autorin dazu auch keine Gedanken machen, denn der Angriff auf die Station scheitert, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Wirkungsweise der eingesetzten Waffen falsch beschrieben wird.

Die Kapitel, die sich mit der Diplomatie beschäftigen, sind nicht so überzeugend. Es wurde schnell klar, dass diese Abschnitte den üblichen Serienmustern folgen würden. D.h., dass es der handelnden Figur auf Seiten der Arkoniden an zwei Dingen mangelt: Selbstbewusstsein und damit einhergehend die Schwäche, die richtigen Fragen zu stellen und Antworten einzufordern. Neue Informationen über das Atopische Tribunal erbringt auch die sog. Diplomatie nicht. Das Thema wird vertagt. Wieder einmal. Dabei wäre es reizvoll gewesen, wenn der Diplomat Tormanac seine Stellung offensiver verteidigt hätte. Das Kristallimperium ist Mitglied des Galaktikums. Wie wir aus früheren Heften wissen, ist dieses Bündnis u.a. ein Verteidigungsbündnis. Der Angriff auf eines seiner Mitglieder sollte eine Reaktion nach sich ziehen. Auch in der Frage der Räumung des Systems präsentiert sich Tormanac schwächlich. Dass die Onryonen Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzen, ist nun hinlänglich belegt. Nach wie vor fehlt es allerdings an einem entscheidenden Druckmittel, die Forderung nach Abzug auch durchzusetzen. Wir wissen zwar nicht genau, was die Atopische Ordo ist, aber Millionen oder gar Milliarden von Arkoniden zu töten, sollten diese sich weigern, das System zu räumen, würde dem Atopischen Tribunal kaum nützen.

Dass das Atopische Tribunal bereits eine undiskutierbare „Entscheidung“ getroffen hat, wird von Tormanac ebenfalls nicht in Frage gestellt. Sorry liebe Expokraten, das ist alles viel zu seicht und naiv angelegt. Es bleibt halt doch bloß ein schlichtes Bedrohungsszenario ohne den erhofften Tiefgang.

Vom Erzählstil her konnte der Roman überzeugen. Die Autorin präsentiert eine aufgeräumte und verständliche Geschichte. Die Actionlastigen Kapitel sind flott geschrieben und die Autorin kann darin auch Spannung erzeugen. Das Zusammenspiel der Figuren Bostich und Tekener ist gekennzeichnet von einer lakonischen Sprache und zuweilen auch trockenem Humor. Die Geschichte hat einige Schwächen, die zumeist dem Zyklusaufbau anzulasten sind. Ansonsten bot der Roman gute Unterhaltung.

Noch ein paar Gedanken zum Schluss. Abgesehen davon, dass es beim Zyklusfortschritt nunmehr dringend einer höheren Schlagzahl bedarf, hat mich ein Detail in diesem Roman doch sehr enttäuscht. Das Atopische Tribunal hat bereits eine Entscheidung getroffen. Und das ohne Verhandlung! Es zeichnet sich ab, dass die Richter nicht nur Richter, sondern auch Ankläger und Henker in Person sein werden in diesem Zyklus. Das wäre ein Spannungskiller.

Ich hatte gehofft, dass dem Auftreten der Richter noch ein Staatsanwalt (Ankläger) vorangeschaltet wird. Das hätte Spielraum für Überraschungen geboten. Da dies nun nicht der Fall ist und die Richter bereits ihrer Arbeit nachgehen, hätte ich noch einen Wunsch an die Autoren. Bostich und Rhodan mögen bitte zumindest ein Verteidiger zugesprochen werden. Für Rhodan sollte das Denny Crane sein (der hat nämlich noch nie einen Fall verloren) und Bostich kann von Alan Shore verteidigt werden.

 

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