Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2710

Haluter-Jagd – von Hubert Haensel – Handlung:

Marshall Leza Vlyoth hat einen neuen Körper similiert. Wie jedes Mal bei einem solchen Prozess muss der Jaj einen Verlust an Lebenszeit in Kauf nehmen. Mit seinem neuen massigen Körper betritt er die Zentrale der XYANGO. Der Báalol Peo Tatsanor blickt ungläubig auf die neue Gestalt des Jaj. Es ist ein Uleb, ein 4m-Gigant. Tatsanor erfährt nun, dass der Jäger ein Gestaltwandler ist oder wie Vlyoth es selbst ausdrückt, ein Biokybernetiker. Er kann nicht nur das Aussehen, sondern auch die Eigenarten eines Wesens übernehmen. Auf Befehl des Marshalls setzt die XYANGO, getarnt als Haluterschiff zur Landung auf dem Dunkelplaneten an.

Auf Kamaad haben sich die 3 Haluter vorerst in das Tauchboot zurückgezogen. Ihre Analyse zur Explosion der HALUTA IV kommt ins Stocken. Ob es ein Unfall oder ein Angriff war, können sie aus der Distanz nicht ermitteln. Die drei Riesen kehren zum Wrack zurück. Icho Tolot untersucht die Trümmer ohne Ergebnis. Plötzlich setzt ein Haluterschiff zur Landung an. Zur Überraschung der drei Wissenschaftler werden TARAS ausgeschleust und nähern sich. Über Funk meldet sich Fancan Teik bei Tolot. Als Tolot antwortet, beschleunigen die TARAS und explodieren. Eine Plasmawelle rast auf die Haluter zu. Icho Tolot und der junge Avan Tacrol können rechtzeitig ausweichen, doch Luto Faonad wird trotz Strukturumwandlung schwer verletzt. Tolot kann den Verletzten in das Tauchboot bergen. Auch Tacrol, der zuerst blind vor Wut gegen das fremde Raumschiff anrennt, kehrt ins Tauchboot zurück. Im Boot stirbt der Elter von Tacrol und Tolot hat alle Mühe, den jungen Haluter zu beruhigen, der den Tod Faonads rächen will.

Die Haluter warten im Tauchboot einige Zeit und beschließen dann den Gegner, von dem Tolot mittlerweile vermutet, dass er seinetwegen hier ist, aus dem Schiff zu locken. Sie nähern sich dem kegelförmigen künstlichen Riesenhügel, den sie bislang nicht untersucht haben. Das fremde Raumschiff verfolgt sie und kann nicht verhindern, dass die beiden Haluter in das Bauwerk eindringen. Das Innere der Struktur ist wie das lymphatische System und die Blutgefäße eines riesigen Wesens aufgebaut. Zahlreiche Röhren und Tunnel ziehen sich durch den Hügel. Eine dünne moosartige Schicht bedeckt das poröse Material der Wände und gibt Licht ab. Es gibt auch Stellen ohne Bewuchs, die lichtempfindliche Rezeptoren zu sein scheinen, gewissermaßen Augen eines Riesenwesens. Die Haluter dringen immer tiefer vor und stehen bald in einer Kaverne, in der zwei riesige Skulpturen in der Form von Händen stehen, wie sie sie auch schon auf der Oberfläche von Kamaad entdeckt haben.

Die beiden Jäger folgen mit einer Gruppe TARAS die Flüchtigen. Der Uleb hat aufgrund seiner riesigen Gestalt Probleme in den kleinen Gängen. Wie die Erstkonditionierten auch, kann er allerdings seinen Körper verdichten und die Jagd geht weiter. In der Halle mit den Skulpturen treffen Jäger und Flüchtlinge aufeinander. Der nun wieder vergrößerte Uleb kann Avan Tacrol bewusstlos schlagen. Während Tolot von TARAS abgelenkt wird, verstärkt Peo Tatsanor den Schutzschirm von Vlyoth und beide kehren zusammen mit der Geisel Tacrol zurück an Bord der XYANGO. Dort dringt der Báalol in den Geist des jungen Haluters ein. Die Schmerzensschreie überträgt der Jaj in den Kegelbau, um Icho Tolot zu reizen.

Tolot lässt seinen Helmsender im Kegelbau und kehrt ins Tauchboot zurück. Über Funk kommt es zum Kontakt mit Vlyoth. Der Haluter erfährt vom Atopischen Tribunal und das er als Begleiter des Fraktors Rhodan zahlreicher Verbrechen beschuldigt wird. Natürlich weist Tolot die Beschuldigungen von sich. Er verlässt das Tauchboot, das er zuvor manipuliert. Während der Marschall den Haluter im Kegelbau vermutet und er die TARAS dort nach dem Haluter suchen lässt, schießt das Tauchboot unterhalb der XYANGO in die Höhe und explodiert. Es bilden sich Strukturlücken, durch die Tolot in das Schiff eindringen kann. Nun sieht er auch, dass der fremde Raumer im inneren kein Haluterschiff ist. Tolot scheitert beim Versuch zur Zentrale vorzudringen. Der Uleb überwältigt ihn und setzt ihn in einem Fesselfeld gefangen. Die Temperatur im Raum beginnt zu sinken. Sein Planhirn meldet Tolot einen Wert von minus 268,75 Grad. Tolot wartet auf das Ende.

 

Rezension:

Der Autor Hubert Haensel stand vor einer Herausforderung der besonderen Art. Die bisherigen Schilderungen, insbesondere im Roman der Vorwoche, präsentierten einen haushoch überlegenen Gegner in der Gestalt des Jägers. Auch durch das technische Equipment des Marshalls schien das Ergebnis der bevorstehenden Jagd bereits früh festzustehen. Damit die Haluter-Jagd nicht ein zu schnelles Ende fand, musste der Autor also zahlreiche Bremsen einbauen. Der überlegene Jäger, seiner Beute sicher, entwickelte unter der Schreibe des Autors eine gewisse Überheblichkeit. Dieses Szenario, zur Genüge bekannt, führte in der Folge dazu, dass die Beute ein ums andere Mal entkommen konnte. Überraschen konnte der Autor mit diesem Vorgehen zwar nicht, andererseits war dieser Kniff noch nachvollziehbar. Ein paar Mal jedoch bleibt das Verhalten des Jägers in der Beschreibung des Autors ungenau oder sogar unlogisch.

Beispielsweise als der Jaj nicht auf das Kegelgebäude feuern will, weil er den unbekannten Erbauern Sicherheitsmaßnahmen unterstellt. Andererseits lässt er es zu, dass Tolot und der andere Haluter in den Hügel fliehen, um ihnen anschließend zu folgen und im inneren der Struktur einen Kampf zu beginnen. Seltsam, zuvor wollte er sich nicht mit den fremden Erbauern anlegen?

Auch die Fähigkeit des Jägers als Gestaltwandler wird von Hubert Haensel noch detaillierter ausgeführt, als im Roman der Vorwoche. Am Anfang der Geschichte nimmt sich der Autor viel Zeit, um den Prozess des Similierens zu erläutern. Der Gestaltwandler, der sich selbst eher als Biokybernetiker sieht, übernimmt nicht einfach nur die Gestalt eines anderen Wesens, er „wird“ zu diesem Wesen. Mit allen Fähigkeiten! Der Uleb hat zwei Gehirne und kann seinen Körper strukturverdichten. Trotz der Mühe die sich Hubert Haensel macht, bleibt doch einiges unklar. Es ist ausgerechnet der beschriebene Grad der Perfektion, der zum Problem führt. Wenn die Similierung so perfekt ist, wie es der Autor beschreibt, wie kann dann der Jaj es schaffen, mit den zwei Gehirnen zu denken? Sein eigener Ursprungskörper hat keine zwei Gehirne. Sein Intellekt und seine Erfahrung bauen auf einem einzelnen Gehirn auf. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass er beim similieren eines Ulebs dessen Fähigkeiten übergangslos so beherrscht, wie es im Roman beschrieben ist. Oder anders betrachtet, wäre die Similierung eines fremden Wesens tatsächlich perfekt, dann wäre der Jaj ab diesem Zeitpunkt tatsächlich ein Uleb und würde sein eigenes Denken und seine Erfahrung verlieren. Da er das im Roman nicht tat, kann die Kopie nicht perfekt sein und der Uleb hätte die eine oder andere Schwäche zeigen müssen.

Neben der weiteren Beschreibung des Jägers treibt der Autor aber auch noch andere Handlungselemente voran. Der Roman bot neben der Grundstory, in der es um die Auseinandersetzung des Jaj gegen die Haluter ging auch noch einiges an Hintergrundwissen zum Zyklus. Der Autor vermittelt Informationen zum Atopischen Tribunal in den Dialogen zwischen dem Marshall und dem Báalol und in der Auseinandersetzung zwischen den Giganten werden auch Beobachtungen auf der Dunkelwelt eingebaut. Gerade diese Informationen nahmen allerdings dem „Auftritt“ des Uleb leider einiges an Dramatik. Der Autor lässt den Leser schon früh wissen, welche Form der Jaj angenommen hat. Seine anderen Protagonisten bleiben zunächst im Unklaren über das Aussehen des Gegners. Mit Eintritt in den Kegelbau wird trotz der angespannten Situation der Schwerpunkt zunächst wieder auf wissenschaftliche Beobachtungen gelegt. Als dann der Jaj in Gestalt des Uleb auftritt, war durch die wissenschaftlichen Detailbetrachtungen ein wenig die Spannung wieder raus.

Insgesamt betrachtet lässt der Autor die drei Haluter sehr unglücklich agieren. Gehen sie zunächst planlos vor, was noch verzeihbar ist, denn schließlich wurden sie überraschend angegriffen, tut die Sorglosigkeit der drei Haluter beim zweiten Angriff schon richtig weh. Zwar hat der Leser zu diesem Zeitpunkt einen Wissensvorsprung und weiß um die Gefahr, allerdings gab es genügend Indizien für die Haluter, um misstrauischer zu sein. Der letzte Plan, den der Autor seinen Protagonisten Tolot durchführen lässt, hörte sich zunächst gut an. Er hatte jedoch einen entscheidenden Mangel. Statt den Gegner aus dem Schiff zu locken, dringt Tolot ins Schiff ein. Sein Spielraum war damit begrenzt und jede weitere Aktion zum Scheitern verurteilt.

Die Dialoge der Haluter zu Beginn der Handlung drehten sich ein wenig im Kreise. Wären es Menschen gewesen, die plötzlich ihr Raumschiff auf einer Dunkelwelt verloren hätten und nur mit geringen Aussichten auf eine Rettung, dann wären die Dialoge akzeptabel gewesen. Die Fremdartigkeit der Haluter und insbesondere ihre Fähigkeit mit zwei Gehirnen zu denken wurde vom Autor in diesen Szenen nur selten oder gar nicht vermittelt. Bei der Analyse der Vernichtung der HALUTA IV lässt der Autor die drei Haluter besonders dumm dastehen. Die mehrmalige Erwägung eines Unfalls, gefolgt von Argumenten, die einen Unfall ausschließen und schließlich wieder die Überlegung, es könnte doch ein Unfall gewesen sein, mag auf einen zaudernden Terraner zutreffen, auf die Haluter passte dieses Hin und her nun überhaupt nicht.

Oberflächlich gelesen bot der Roman eine gute Unterhaltung. Die Probleme der Geschichte lagen im Detail. Der Autor musste sich mehrmals verbiegen, damit die Geschichte einigermaßen funktionieren konnte. Die Jagd auf die Haluter in der Gestalt eines Uleb hätte stärker präsent sein müssen. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse des Medusenplaneten wirkten eher hinderlich in der Story.

 

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