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Das Neuroversum – von Uwe Anton – Handlung:

Alaska Saedelaere ist zur LEUCHTKRAFT übergewechselt. Dem Märzhasen ist nicht entgangen, dass der Maskenträger ohne Zellaktivator an Bord gekommen ist. Allerdings ahnt das Kaninchen nicht, für welchen Zweck der Aktivator benötigt wird und warum Saedelaere auf den Chip verzichtet hat. In seinen Privaträumen an Bord der Kosmokratenwalze erscheint Saedelaere ein ungewöhnlicher Gast in der Gestalt des jungen Delorian. Schnell wird klar, dass es sich um eine Projektion des Bordrechners DAN handelt. Delorian hatte den Bordrechner mit Nanogenten beeinflusst und quasi eine Kopie von DAN geschaffen, die unbemerkt von DAN und Kaninchen an Bord agieren kann. Die Kopie von DAN hat einen Plan. Auf dem Höhepunkt der Krise würde er alle Systeme der LEUCHTKRAFT abschalten können. Allerdings nur ein einziges Mal.

Im Solsystem selbst hat die Krise bereits ihren Höhepunkt erreicht. Die parasitäre SI QIN SHI, die sich immer und immer wieder gegen den Sextadimschleier wirft, verursacht schließlich den Zusammenbruch des Schutzschirms. Schlagartig wird der mentale Druck der Entität im System spürbar. Während Reginald Bull das Ende befürchtet, wendet sich QIN SHI völlig überraschend vom Solsystem ab und schlägt einen Kurs zur Ephemeren Pforte ein. Shanda Sarmotte liefert eine Erklärung. Mit der Aufnahme der letzten Teilentität ARDEN überwiegen in QIN SHI nun die Bewusstseine TANEDRARS, die nun gegen QIN SHI kämpfen. TANEDRAR hat bewusst den eigenen Untergang genutzt, um letztlich doch noch gegen QIN SHI siegen zu können. Während die SI ihren inneren Kampf ausficht, folgt Bull der SI mit dem Flaggschiff und einer Flotte.

An der Ephemeren Pforte sind die Spenta gerade dabei, den Korpus von ARCHETIM in die Matrix der Anomalie zu integrieren. Dann taucht auch QIN SHI auf. Die SI ist verzweifelt, voller Zorn und nimmt Zugriff auf die Kristallkugeln. Per Transitblasen versetzt die SI die Flotte ihrer Hilfsvölker in das Black Hole. Schließlich nimmt QIN SHI wahr, dass nicht ALLDAR die 48. SI sein wird, die zur Stabilisierung des Miniaturuniversums benötigt wird, sondern QIN SHI selbst. Die SI geht in der Matrix des Neuroversums auf.

Im System von Sholoubwas Steuerwelt hat Rhodan den Weggang von Alaska Saedelaere noch nicht verkraftet, als er von Eroin Blitzer aufgefordert wird, das Weltenschiff nun zu verlassen. Rhodan hat keine Wahl und zusammen mit Samburi Yura, Delorian und seinen Gefährten macht er sich auf dem Weg in den Hangarbereich. Auf dem Weg dorthin macht der Mausbiber der Enthonin schwere Vorwürfe. Sie hätte den Maskenträger nur für ihre Zwecke missbraucht. Die Enthonin kann die Vorwürfe entkräften. Während Yura auf die Mini-SYZZEL wechselt, gehen die anderen an Bord der MIKRU-JON. Nach dem Ausschleusen erscheint der Märzhase an Bord von Rhodans Schiff. Er fordert nun die Auslieferung von Delorian und würde den Anspruch auf das BOTNETZ solange hinten anstellen, bis das Solsystem seinen angestammten Platz wieder eingenommen hat. Die Forderung wird natürlich nicht erfüllt, zudem steht das BOTNETZ unter Delorians Kontrolle und könnte jederzeit die LEUCHTKRAFT versetzen.

Plötzlich meldet die Ortung eine sich nähernde Energieform. Gucky erkennt TAFALLA. Die Entität sendet Impulse voller Hass aus und stürzt sich auf die LEUCHTKRAFT. Rhodan beobachtet seinen Sohn, während die Ortung zeigt, dass mittlerweile der Durchgang, den das BOTNETZ zur Anomalie geschaffen hat, einen Durchmesser von 20 Milliarden Kilometer erreicht hat. Unterdessen rennt TAFALLA gegen den höherdimensionalen Schutzschirm der Kosmokratenwalze an, während Rhodan das Kaninchen in Schutzschirme hüllen lässt. Rhodan ist erstaunt, dass das Kosmokratenschiff sogar einer SI Widerstand leisten kann. Ennerhahls Lichtzelle erscheint, ebenso Yuras SYZZEL und Delorians TOLBA. Alle feuern auf die LEUCHTKRAFT. Die Kopie von DAN schaltet in diesem Moment die Systeme der Walze ab. Dennoch bleibt der Diffusoreffekt der Walze bestehen. Nun erscheint auch das Weltenschiff und näherst sich der LEUCHTKRAFT. Mit Eroin Blitzer abgestimmt, setzt die MIKRU-JON ihre Dimensionstransmitter ein, die aus der Verschmelzung mit der Silberkugel herrühren. Das Weltenschiff explodiert und eine Strukturerschütterung zeugt von einem Transmittervorgang. Die LEUCHTKRAFT ist in unbekannte Ferne des Universums versetzt worden. Gleichzeitig ändert sich der Raum. Das BOTNETZ hat das ganze System einschließlich aller Schiffe in das Innere der Anomalie versetzt.

An Bord der LEUCHTKRAFT öffnet sich die Tür zu Alaskas Kabine. Eroin Blitzer tritt ein. Der Androide hatte die Versetzung der LEUCHTKRAFT initiiert und sich rechtzeitig in die SCHRAUBE B gerettet und ist an Bord der Kosmokratenwalze gekommen um seinen Freund Alaska bei dessen schwerer Aufgabe als Kommandant zu unterstützen.

An Bord der LEIF ERIKSSON wird das neu hinzugekommene Sonnensystem geortet und Bull fliegt mit der Flotte dorthin. Der Märzhase zerfließt an Bord der MIKRU-JON. Ennerhahl verabschiedet sich, um zu ES zurückzukehren. Die sterbende SI TAFALLA bittet Rhodan um einen Gefallen. Er möchte in der Heimatsonne der Menschen sein Grab finden. Rhodan willigt ein. Er hat die Hoffnung, dass TAFALLAS Korpus vielleicht jenen Effekt in der Milchstraße auslösen kann, der Escalian lange vor den Hohen Mächten verborgen hatte. Als die Flotte Bulls eintrifft, wird TAFALLA geborgen und alle fliegen zum Solsystem, wo TAFALLA langsam in die Sonne triftet.

Schließlich nimmt die LEIF ERIKSSON Nachtaugs Beisohn auf und bringt ihn zur Ephemeren Pforte, wo sich alle Utrofaren versammelt haben. Bull, Rhodan und Adams sind vor Ort. Die Utrofaren werden zum Großen Navigator und verbinden sich mit dem Multiversum-Okular. Samburi Yura drängt Rhodan zum Aufbruch. Wie sich das Neuroversum entwickelt sei auch für sie und Delorian Neuland. Die LEIF ERIKSSON kehrt ins Solsystem zurück, wo der Transfer ins Standarduniversum eingeleitet wird. Es kommt die Zeit des Abschieds. Anicee verlässt ihre Mutter, Mondra teilt Rhodan mit, dass sie ebenfalls im Neuroversum aufgehen möchte, ebenso Nemo Partijan. Auch die MIKRU-JON bleibt im Neuroversum. Mondra hinterlässt einen Datenkristall von Delorian, der eine Extrapolation der nächsten Ereignisse beinhaltet. Das Neuroversum wird aus einem Urknall heraus gezündet und Rhodan mutmaßt, dass die Geistesinhalte von Delorian, Mondra und den anderen Einfluss auf die Schöpfung nehmen könnten.

Als Rhodan nach dem Abspielen der Botschaft ein Gelächter hört, ist er verunsichert und spielt den Datenkristall ein weiteres Mal ab. Diesmal ist kein Gelächter zu hören. In der letzten Aufnahme sieht er einen Blitz. Das Neuroversum wurde gezündet.

Rezension:

Nachdem Autoren und Leserschaft also einen ganzen Zyklus lang schwanger gingen mit einem Neuroversum, ist die Geburt nun endlich vollzogen. Oder auch nicht, näheres siehe unten. Einhundert Hefte hatten die Autoren Zeit gehabt, Bindungen bei den Lesern mit dem (ungeliebten?) Kind aufzubauen. Das gelang nur stellenweise. Ein Grund dafür ist im (immer gleichen) Zyklusaufbau zu sehen. Das Baby darf natürlich nicht zu früh auf die Welt kommen, da sonst die Gefahr einer Postnatalen Depression beim Leser droht. Kommt es allerdings erst nach 100 Heften zur Welt und ist schon während der Schwangerschaft klar, dass das Kind weggegeben wird, besteht ebenfalls die Gefahr, die Leser zu verlieren. Keine einfache Aufgabe für die Hebamme Uwe Anton. Im hundertsten Band des Neuroversumzyklus allerdings war es eh schon zu spät für den Expokraten. Das Kind war unterwegs und der Autor musste lediglich mit kleinen Eingriffen der Geburt noch nachhelfen.

Auch im letzten Roman des Neuroversum-Zyklus setzt Uwe Anton die Demontage Perry Rhodans zunächst fort. Der Autor lässt den Unsterblichen darüber sinnieren, dass Alaska Saedelaere nur noch 61 Stunden zu leben hat. Ein unsinniger Gedankengang Rhodans, der aufgrund seiner Erfahrung eigentlich umgehend die Schlussfolgerung ziehen müsste, dass sein Freund an Bord der Kosmokratenwalze eine Chance zum Überleben hat. Ganz abgesehen davon, dass Rhodan klar sein sollte, dass die Stelle des Kommandanten sicherlich nicht zeitlich befristet ausgeschrieben war! 🙂

Unverständlich auch, dass Rhodan die unmittelbaren Gefahren zunächst vollständig ausblendet. Die SI QIN SHI ist mit 90.000 Schiffen in die Anomalie geflogen, das Solsystem somit akut bedroht. Uwe Anton setzt jedoch zunächst auf die internen Konflikte der Beteiligten außerhalb der Anomalie. Auch hier gab es genügend Gelegenheiten für den Titelhelden einzuschreiten und die Blicke der unfreiwilligen Koalition auf vorrangige Ziele zu richten. Stattdessen lässt der Autor halbherzige Beteuerungen seiner Figuren verlautbaren, deren Inhalte in den Vorgängerromanen zur Genüge durchgekaut wurden.

Die Figur Perry Rhodan ist unter Uwe Anton weitgehend zum Beobachter degradiert worden. Hinzu kommt, dass der Held nun ebenfalls ambivalent geschildert wird. Ein Attribut, das im zurückliegenden Zyklus häufig auf die Vertreter höherer Mächte angewandt wurde. Rhodan verabscheut die Kälte, die sein Sohn Delorian an den Tag legt. Nur die Ergebnisse würden zählen und nicht die Art und Weise, wie sie erzielt wurden. Dabei hat Rhodan selbst nur wenige Minuten zuvor kein Problem damit gehabt, auf das Weltenschiff zu feuern, um es zu zerstören und damit die LEUCHTKRAFT zu überwinden. Den Tod Eroin Blitzers nahm Rhodan ohne langes Nachdenken in Kauf. Rhodans Handeln und Denken ist gleichermaßen selbstgerecht in diesen Szenen. Auch gefühlsmäßig bringt uns Uwe Anton den Helden in diesem Heft nicht näher. Der Abschied von seiner Gefährtin wäre nochmal eine Gelegenheit gewesen, doch Uwe Anton verpasst sie.

Als problematisch erweisen sich einmal mehr die Verknüpfungen zu früheren Geschehnissen. Auf der einen Seite ist das Hervorholen von früheren Abenteuern mit nostalgischen Gefühlen verbunden, einem Stil, der sich die Serie im besonderen Maße verschrieben hat, auf der anderen Seite sind zurückliegende Szenarien derart vielfältig, dass viele Inhalte den Lesern nicht mehr so präsent sind, so dass der Autor zwangsläufig Erläuterungen machen muss. Diese Erklärungen hemmen den Erzählfluss und von den eigentlich neuen Geschehen geht sehr viel Flair verloren. Das ist ein Teufelskreis, in dem sich die Serie momentan bewegt.

Wie auch letzte Woche festgestellt, kommt auch der zweite Teil des Finales ohne besondere Ideen, was den Erzählstil betrifft, daher. Der Autor verbindet zwar geschickt viele (nicht alle) noch offenen Erzählstränge und führt sie zu einem Ende, Emotionen rufen die Ereignisse jedoch nur in wenigen Szenen hervor. Der Mohr (Ennerhahl) hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen. Nach Eintritt in die Anomalie erfährt Rhodan in einem Nebensatz von Delorian, dass QIN SHI besiegt war. Mehr als ein gelindes Überrascht sein, gesteht der Autor dem Helden nicht zu. Das war schon recht fade, wie es der Autor geschrieben hat. Schnell wird noch an Nachtaugs Beisohn gedacht, der ebenfalls „entsorgt“ werden muss. Anicees Abgang nicht zu vergessen. Homer Adams hat der Autor beinahe vergessen und so manch anderes Element wird nur gestreift. Hier rächt sich einmal mehr der verschwenderische Umgang mit Unwichtigem während des Zyklus und im Roman der Vorwoche. Uwe Anton hat also seine Checkliste der „offenen“ Themen im letzten Band abgearbeitet. Entsprechend gestaltete sich das Lesevergnügen. QIN SHI vernichtet. Haken setzen. TAFALLA wieder ins Spiel gebracht, Haken setzen, Anicee verabschiedet, Haken setzen. Homer G. Adams an Bord gelassen, Haken setzen, usw, usw.

Die Ereignisse um die Entität TAFALLA waren auf der einen Seite überraschend, auf der anderen Seite folgt diese Entwicklung ebenfalls zu stark einer Seriendoktrin. Bestimmte Inhalte, die während eines Zyklus scheinbar aufgegeben wurden, werden wieder ins Lot gebracht. Der Korpus von TAFALLA ersetzt ARCHETIM. Das Solsytem kehrt zurück, (fast) alles wird wieder auf Anfang gedreht. Eroin Blitzers Überleben hat mich auch überrascht, wenngleich diese Entwicklung sehr unwichtig war. Mondras Entscheidung war, wie schon letzte Woche gesagt, überfällig. Die Figur konnte in den letzten 200 Romanen zu keiner Zeit überzeugen. Uwe Antons angedichtete Liaison zwischen Mondra und Nemo ist hingegen affig. Nemo hat ebenfalls eine Entscheidung getroffen und darf seine Rückenbeschwerden im Neuroversum auskurieren. Bleibt noch ein letzter Punkt auf der Checkliste. Alle hochstehende Technik muss entsorgt werden. Auch hier können wir einen Haken setzen!

Die Überraschung (zumindest für mich) war hingegen auf einem simplen Datenspeicher abgelegt, den Delorian zur Weitergabe an Perry Rhodan seiner Mutter Mondra anvertraute. Während des Rücktransports des Solsystems hat Rhodan Gelegenheit, die Daten zu sichten. Hier ging es tatsächlich um die Initiierung eines Urknalls zur Schaffung eines Universums. Möglicherweise hatte ich ja was überlesen, aber ich dachte bislang, dass die Anomalie mit ihrer bescheidenen Anzahl an Sonnensystemen bereits das Universum gebildet hat, das lediglich noch stabilisiert und anschließend gelenkt werden müsste. So hat es Uwe Anton sogar erst wenige Seiten zuvor in diesem Heft beschrieben, als er auf die Einbringung eines SI-Korpus in die Ephemere Pforte einging und dass danach das Universum seinen Weg im Multiversum suchen müsse. Die „Zündung“ wurde zwar mal während des Zyklus angesprochen, da ging ich von einem verklausulierten Begriff im Zusammenhang mit der Schaffung des Neuroversums aus. Für mich ist die Extrapolation von Delorians Daten die eigentliche Überraschung. Es ist nur schade, dass ausgerechnet in einer Science Fiction-Serie die Theorie des inflationären Universums und seiner Expansion im letzten Heft nur in einem Nebensatz Erwähnung findet. Ob die Zündung tatsächlich funktioniert hat, wissen wir nicht, denn dazu war der entscheidende Abschnitt zu mysteriös. Rhodan bekommt lediglich die Aufzeichnung eines Datenkristalls zu sehen, die sich beim zweimaligen Abspielen leicht verändert zeigt.

Nur nebenbei erwähnt erschließt sich mir nicht, wie die umfunktionierte BASIS, ein simples Kleidungsstück und ein Zellaktivator einen Urknall auslösen können. Da hat Uwe Anton ein bisschen zu viel MacGyver gesehen.

Interessant sind die selbstkritischen Aspekte, die der Autor und scheidende Expokrat Uwe Anton in den Roman hat einfließen lassen. Angetreten war Uwe Anton mit dem Anspruch, den kosmologischen Überbau der Serie neu zu richten. Wenn er nun seine Figur Rhodan den Ausspruch tätigen lässt, dass er und wenige Gefährten gegen Superintelligenzen und gegen ganze Galaxien angetreten waren und dass möglicherweise der Zenit bei diesen Abenteuern überschritten wurde, dann könnte das bedeuten, dass Rhodan (die Serie) zukünftig wieder bodenständiger werden könnte. Das ist zu begrüßen!

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