Ansichten zu PR 2698

Die Nekrophore – von Uwe Anton – Handlung:

Nach dem Erscheinen der LEUCHTKRAFT und der Übermittlung der Forderung des Kommandanten des Schiffes an QIN SHI, das Miniaturuniversum sofort zu vernichten und an Samburi Yura, umgehend an Bord der LEUCHTKRAFT zurückzukehren breitet sich erstmal lähmendes Entsetzen an Bord des Weltenschiffs aus. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, würde der Kommandant des Kosmokratenschiffes eine Nekrophore ausschleusen und zünden. Diese furchtbare Waffe würde in Escalian, sollte sie zum Einsatz kommen, jedes höher entwickelte Leben zerstören.

Während Rhodan fieberhaft überlegt, was er unternehmen könnte, zeigt sich QIN SHI von der Bedrohung unbeeindruckt. Die SI, die sich in der Gestalt eines Sonnen-Avatars zeigt, setzt sich an die Spitze der Invasionsflotte und fliegt in den Dimensionstunnel ein, dessen Ringöffnung durch das BOTNETZ beständig vergrößert wird. Die Restentität ARDEN verharrt in der Nähe und sammelt nach wie vor die Splitter TANEDRARS ein, um sich zu stärken.

Delorian meldet sich und will mit Rhodan sprechen. Mit dem Erscheinen der LEUCHTKRAFT hat der ehemalige Chronist so schnell nicht gerechnet. Rhodan willigt ein und sein Sohn kommt an Bord. Zur gleichen Zeit hat QIN SHI die Anomalie erreicht. Die parasitäre SI stürzt sich sofort auf die dort wartende Flotte unter dem Kommando von Reginald Bull. Dem Unsterblichen bleibt nur noch die Flucht. Alle Schiffe ziehen sich zum, bzw. ins Solsystem zurück. Auch die anderen terranischen Flotten werden ins Solsystem zurückbeordert. Bull, der bis zuletzt außerhalb des Solsystems nach QIN SHI orten lässt, erfährt, dass die SI von System zu System springt, um sich die Bewusstseine der Bewohner einzuverleiben. Auch das Fa-System wird entvölkert.

Delorian ist an Bord gekommen. Nach endlosen Streitereien mit seinem Vater kommen beide zur Übereinkunft, den Kommandanten der LEUCHTKRAFT Verhandlungen anzubieten. Delorian verfolgt zudem mit Samburi Yura den Plan, das BOTNETZ zu übernehmen, nun, da QIN SHI erstmal keinen direkten Zugriff mehr darauf hat. Eroin Blitzer stellt einen Kontakt zur Kosmokratenwalze her. Das Kaninchen, von dem Rhodan schon aus den Beschreibungen des Maskenträgers gehört hat, meldet sich. Mit dem Verweis darauf, das Rhodan weder auf QIN SHI, noch auf Yura Einfluss hat, kann man den Kommandanten dazu bewegen an Bord der MIKRU-JON zu kommen.

Das erste Gespräch mit dem Kommandanten, der sich als Märzhase vorstellt, verläuft wenig fruchtbar. Wie es scheint sind wesentliche Details der Situation dem Kommandanten nicht bekannt. Möglicherweise ist die LEUCHTKRAFT beim Einsatz in der ersten Anomalie doch schwerer beschädigt worden. Während sich der Kommandant für kurze Zeit zurückzieht, nimmt Delorian Kontakt zu DAN auf. Das Bordgehirn konnte beim letzten Besuch Delorians an Bord mit Nanogenten beeinflusst werden. Unterdessen übernimmt Samburi Yura das BOTNETZ.

Als das Kaninchen an Bord der MIKRU-JON zurückkehrt übermittelt Rhodan dem Kommandanten den Koordinatensatz von EVOLUX. Sollte die LEUCHTKRAFT die Nekrophore ausschleusen, würde das BOTNETZ, das nunmehr von der Enthonin kontrolliert wird, die Waffe nach EVOLUX abstrahlen. Der Märzhase gibt daraufhin der LEUCHTKRAFT den Befehl, das BOTNETZ zu zerstören. Doch die Waffen schweigen, da DAN den Befehl ignoriert.

Auch Samburi Yura kommt jetzt an Bord, während der Kommandant der LEUCHTKRAFT an Bord seines Schiffes zurückkehrt. Delorian und Yura und mittlerweile auch Mondra wirken auf Rhodan ein, den Plan mit dem Miniaturuniversum zu unterstützen. Rhodan ist sprachlos. Alaska Saedelaere sucht das Gespräch mit der Enthonin. Er hat eine Entscheidung getroffen. Er übergibt Yura seinen Zellaktivator.

Im Solsystem ist die Lage prekär. Vor dem Sextadimschleier sind QIN SHI und seine 90.000 Schiffe aufmarschiert. Die SI wirft sich gegen den Schutzschirm und scheint dadurch die Kristallkugeln, die die Sphäre erzeugen, zu schwächen. ARDEN erscheint und greift QIN SHI an. Die Restentität hat keine Chance. Die parasitäre SI gewinnt an Stärke.

Der Maskenträger lässt die LEUCHTKRAFT rufen. Er bittet den Kommandanten um Gnade für Samburi Yura und bietet sich als neuen Kommandanten der Kosmokratenwalze an. Da er ohne Zellaktivator nur noch 62 Stunden zu leben hätte, könnte an Bord der LEUCHTKRAFT seine Existenz jedoch gesichert werden. Das Kaninchen willigt ein und Saedelaere verabschiedet sich von seinen Gefährten.

Rezension:

Der scheidende Exposé-Autor Uwe Anton bläst zum großen Zyklusfinale. Für Uwe Anton ist der Doppelband am Zyklusende nichts Neues. Der Autor durfte in einigen vorangegangenen Zyklen mehrmals zum Ende hin einen Doppelband abliefern. Die Erwartungen an das Zyklusfinale sind natürlich höher als an einen Band vor 10, 20 oder 30 Heften. Der Leser erwartet ein furioses Finale, er erwartet Auflösungen und nicht zu vergessen, die Serientypischen Spielräume für Spekulationen, d.h. Elemente, die nicht vollständig aufgeklärt werden und die zukünftig noch eine Rolle spielen könnten.

Ich erinnere mich noch gut an den Band 2598 zurück. Der Autor Marc A. Herren hatte damals die großartige Idee und baute in seinen Roman Handlungseinschübe zum Strategiespiel GO ein. Nach der Lektüre von Heft 2698 bleibt als erstes festzuhalten, dass Uwe Antons erster Teil des Finales ohne große Ideen daherkommt. Bis zur Seite 26 war es entsetzlich ermüdend, dem Roman von Uwe Anton zu folgen. Natürlich ist es dem Autor unbenommen, zum großen Finale auch hinlänglich bekannte Szenarien erneut zu beschreiben, denn nur so kann er zu neuen Handlungsfolgen und Schauplätzen überleiten. Der Expokrat übertreibt jedoch maßlos, wenn er alleine für die Rückblicke und für das In Stellung bringen seiner Figuren fast die Hälfte seines Romans benötigt. Unwillkürlich drängte sich daher auf den ersten Seiten des Romans bereits der Eindruck auf, dem Autor stünde für volle 2 Romane zum Zyklusfinale nicht genügend Munition zur Verfügung.

Mit dem Erscheinen des Kommandanten der LEUCKTKRAFT an Bord der MIKRU-JON beginnt Uwe Anton dann tatsächlich auch etwas Neues zu schreiben. Der Autor schien jedoch wenig inspiriert zu sein, das kurze Intermezzo geriet wenig dynamisch und enthielt zudem viele kleine Fehler.

Mit dem Umschwenken in das Solsystem folgen erneut Wiederholungen. Der Autor erklärt uns erneut den Aufbau der Anomalie und eine Aufzählung der wichtigsten Sonnensysteme im inneren des Miniaturuniversums. Es folgen epische Beschreibungen der Sextadimblase um das Solsystem, woher die Technologie stammt und welche Manöver Raumschiffe auf keinen Fall fliegen sollten, wenn sie in die Barriere vordringen. Soweit gekommen, legte ich das Heft aus der Hand. Der Autor hatte augenscheinlich keinen Anspruch an seine Arbeit gestellt. Glücklicherweise geriet wenigstens das Wetter in Norddeutschland deutlich besser und lud zu zahlreichen Alternativen ein.

Sonntagmorgen versuchte ich dann erneut, den Roman zu Ende zu lesen. Reginald Bulls Standortbestimmungen übersprang ich, ebenso wie ich die Aufzählungen der Flottenteile im Solsystem übersprang. Der Autor ergeht sich in Aufzählungen. Anspruchsloser geht es nun wirklich nicht mehr. Danach wechselte der Autor zur Handlungsebene Rhodan, die etwas mehr an Aktion versprach. Der Bluff, mit der das Kaninchen zunächst überlistet wurde, Delorians Kommunikation mit DAN und das Zusammenspiel der Beteiligten gerieten dem Autor deutlich besser. Diese Kapitel waren zwar keine Offenbarung aber allemal besser als die ersten Seiten. Zumindest zeitweise lässt Anton seine Figuren nun auch das gegenseitige Misstrauen angesichts der Bedrohung hinten anstellen und die eigenen Beobachtungen diskutieren. Aus den merkwürdigen Äußerungen des Kommandanten der LEUCHTKRAFT und den früheren Äußerungen des Bordgehirns DAN bezog der Roman zunehmend seine Spannung.

Leider kann der Autor das Niveau nicht lange halten. Mit der Ankunft Yuras verschlechtert sich die Lage wieder und das alte Misstrauen kehrt zurück. Mondra Diamond stellt sich offen auf die Seite Delorians und Rhodan bleibt sprachlos. Auch ohne beeinflussenden Anzug lässt der Autor die wichtigste Figur in Stich. Dabei sind die Argumente der Gegenseite und die Motive Diamonds so schwach, dass es unverständlich bleibt, warum der Autor diesen Konflikt nicht zu einer echten Debatte nutzt. Aber zu einem anspruchsvollen Wortgefecht bedarf es eben mindestens drei Seiten, nämlich wenigstens zwei Debattierende und eines Autors, der das auch schreiben kann. Uwe Anton konnte es nicht und daher werden immer und immer wieder die gleichen Vokabeln ausgetauscht.

Die Entscheidung Alaska Saedelaeres kommt nicht überraschend. Es ist gute Tradition, einige Figuren am Zyklusende auf das Abstellgleis zu schieben. Letzten Zyklus traf es Atlan und Tolot. Nun also den Maskenträger. Mal sehen, wer im nächsten Zyklus ebenfalls nicht dabei sein darf. Mondra Diamond wäre ein Kandidat. Sie ist blass. Perry Rhodan wäre auch ein guter Kandidat. Auch er ist blass. Die Zyklusvorschau hat es jedoch bereits verraten. Perry Rhodan ist ab 2700 weiter dabei und wir können nur hoffen, dass das neue Exposé-Gespann Montillon/Vandemaan dem Titelhelden neues Leben einhauchen kann. Zumindest ist sich Uwe Anton des Verfalls der Hauptfigur bewusst. Auf Seite 62 bescheinigt er ihm Hilflosigkeit an allen Orten, an denen er in diesem Zyklus in Erscheinung trat. Und dass er Lehren aus den Ereignissen ziehen muss.

Fazit: Ein erschreckend schwacher Roman!

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