Exposé für Band 875

Ich zeige mal wieder ein Sammlerstück der besonderen Art. Das Exposé für den Band 875 wurde 1977 verfasst, als Abgabetermin für den Roman wird auf der ersten Seite der 11.01.1978 genannt. Der Roman der Autorin Marianne Sydow, der nach diesem Konzept geschrieben wurde, ist im Mai 1978 erschienen. Das Exposé umfasst insgesamt 13 einseitig beschriebene Schreibmaschinenseiten, wovon 7 Seiten Angaben für die Romanhandlung enthalten, weitere 3 Seiten auf Technische Daten und Charakterisierungen entfallen und 3 Seiten dem Perry Rhodan Computer gewidmet sind.

In der Perrypedia ist zu lesen, mit Quellenhinweis auf den Werkstattband von 1986, dass William Voltz (WiVo) für den Roman als Exposé-Autor zeichnete und Karl-Herbert Scheer (KHS) für die Datenexposés zuständig war. Das vorliegende Romankonzept trägt die Signatur „KHS/WiVo“ am Ende des Romanteils auf Seite 7, während der Technikteil mit „KHS“ unterzeichnet ist.

Die erste Seite des Exposés trägt eine Signatur von Clark Darlton mit Datum von 2003. Der Autor war einer der Empfänger des Exposés, wie man auch dem Verteiler auf der ersten Seite entnehmen kann. Damit immer alle Beteiligten auf dem Stand der Handlung waren, bekamen die Autoren auch jene Exposés, die nicht für sie selbst bestimmt waren. Für Fans hat sich Clark Darlton hin und wieder von seinen Exemplaren getrennt. Und so ist es in meinen Besitz gelangt.

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(© Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt)

Der Roman, der später unter dem Titel „Der Psionen-Strahler“ in den Handel kam, spielt in der Galaxis Algstogermaht. Die beiden terranischen Fernraumschiffe BASIS und SOL sind dort eingetroffen und Perry Rhodan ist auf der Suche nach der PAN-THAU-RA. Im Roman geht es darum einen ersten Kontakt zu den Wyngern herzustellen. Man täuscht eine Havarie auf einem Planeten vor, um die Wynger von der Harmlosigkeit der Besucher zu überzeugen. Hauptperson ist die Mutantin Irmina Kotschistowa.

Der Exposé-Autor führt kurz in die Handlung ein. Wichtige oder mutmaßlich bedeutende Wörter sind unterstrichen. Der Autorin werden diverse Hinweise gegeben, die sie unter allen Umständen beachten soll. Bereits im Exposé wird eine Gliederung nach Handlungsebenen gemacht. Getrennt werden diese Ebenen durch das Wort „Umblende“ im Exposé. Grob lassen sich drei Ebenen identifizieren. Die Space-Jet BALTHUS mit ihrer Besatzung, darunter die Mutantin, die Wyngerschiffe in Beobachtungsposition und als dritte Ebene die SOL. Aus dem Handlungs-Exposé habe ich zur Verdeutlichung folgende kurze Auszüge zusammengestellt:

„Rhodan knobelt einen Plan aus, um das bestimmt vorhandene Misstrauen der Fremden gegen diese terranische Überpräsenz abzubauen. Man will versuchen, auf dem tiefsten gemeinsamen Nenner eine Begegnung herzustellen, sozusagen von Mensch zu ‚Mensch‘.“

„Anführerin des Unternehmens soll die Mutantin Irmina Kotschistowa sein. (Schilderung Exposé Nr. 521, Seite 4 und 5, evtl. anfordern). Die Metabiogruppiererin ist mittlerweile 178 Jahre alt, sie besitzt keinen Zellaktivator. Sie ist also auch im Sinne der PR-Serie schon älteren Semesters aber noch ungewöhnlich vital und rüstig.“

„Man will ihr in die Space-Jet ein paar freundlich-friedliche, trotzdem aber hochqualifizierte Menschen mitgeben.“

„Man einigt sich auf den Kosmopsychologen Bark Mun-Yang, sowie auf vier weitere Spezialisten, die von der Autorin nach Bedarf gewählt werden können.“

Umblende zu den Wyngern. Der Exposé-Autor erläutert die Schiffe der Fremden, macht Angabe zur Psyche der Wynger und welche Abfolgen dazu führen sollen, dass die Wynger auf die „Havarie“ der terranischen Space-Jet, Eigenname BALTHUS, hereinfallen. Aus diesem Abschnitt habe ich die folgenden Auszüge gewählt:

„Im Gegensatz zu Rhodan jedoch stellt er eine Mannschaft von zehn hartgesottenen Lufken zusammen, die so ziemlich das härteste und rauhbeinigste sind, was die 3-TRÄTON aufzubieten hat.“

„Rhodan allerdings konnte nicht ahnen, dass die andere Partei zehn ‚Eisenfresser‘ losschicken würde.“

Umblende zu den Terranern in der BALTHUS. Hier wird jetzt die Gefahr auf dem Planeten beschrieben, die das ganze Unternehmen scheitern lassen könnte:

„Doch da spielt eine nicht vorhersehbare Institution eine Rolle – ein Kollektivorganismus, der auf dieser Welt existiert. Er kann sich innerhalb des Sees oder sonstwo befinden, die Autorin hat dabei freie Hand.“

„Dabei verliert sie nicht nur (vorübergehend, bis zum Ende der Geschichte!!!) ihre Parafähigkeiten, sondern sie wird auch im höchsten Maße aggressiv.“

Am Ende des Handlungskonzepts gibt der Exposé-Autor weitere Informationen an die Autorin:

„Die Laire-Hintergründe, die den Wyngern nicht bekannt sind, bleiben den Menschen natürlich ebenfalls verborgen.“

„Er (Rhodan) kann ja nicht ahnen, dass sich an anderer Stelle bereits einschneidende Dinge ereignen, die alles wieder in Fluss bringen sollen: Borl, Demeter und Plondfair sind über Transmitter als Gefangene unterwegs und sie werden (was dem Leser nicht verraten werden darf) in der PAN-THAU-RA herauskommen, wo sich phantastische Entwicklungen abzeichnen.“

„Die Autorin hat, was den wilden Planeten mit seinem seltsamen Kollektivorganismus angeht, freie Hand. Dort kann sie ihre Phantasie spielen lassen – diese Welt wird später keinerlei Rolle mehr spielen.“

Aus dem Datenkonzept zu Band 875 habe ich diesen Auszug gewählt:

„Im Handlungsexposé, Seite 3, werden darüber keine näheren Angaben gemacht. WiVo spricht von einem ‚mehrere Lichtjahre‘ entfernten System. Hinsichtlich der Datenangaben in Exposé 872, Seite 10, ist das sehr gut, denn in den Daten 872 wird ausgesagt, dass sich der Dunkelplanet im Bereich einer nur 11,9 Lichtjahre durchmessenden Turbulenzzone befindet. Es wird ferner erwähnt, dass ‚First Impression‘, der einzige, nicht von sich aus leuchtende Himmelskörper ist. Er kann also keine Sonne sein, sondern ein Planet ohne aufhellende Sonneneinstrahlung. Außer der Dunkelwelt stehen in der Turbulenzzone nur noch 14 Sterne, die aber alle keine Planeten besitzen.

Ich erwähne das an dieser Stelle, um Irrtümern vorzubeugen. Auf Grund dieser Angaben muss die Space-Jet BALTHUS ein System anfliegen, das sich nach wyngerischen Begriffen zwar noch in dem tabuisierten Raumsektor der Galaxis Tschuschik befindet, auf keinen Fall aber innerhalb der oben erwähnten Turbulenzzone.

Obwohl es der Autorin freigestellt wird, die Verhältnisse auf dem mittleren, also dem zweiten Planeten des kleinen Systems nach eigenem Dafürhalten zu entwickeln, weil dort keine weitere Handlung mehr spielen wird, müssen doch einige Entfernungsangaben gemacht werden. Es könnte sonst geschehen, dass die Anwesenheit der wyngerischen Beobachtungsschiffe den Angaben in Nr. 872 widersprechen.“

Es folgen nun weitere detaillierte Entfernungsangaben. Außerdem macht der Datenexposé-Autor Angaben, wie die Ortungen der Wynger und Terraner abzulaufen haben. Schließlich folgt noch eine längere Abhandlung zu den Psionen der Kollektivintelligenz. Daraus dieser Abschnitt:

„Der Begriff ‚Psionen‘ wurde in sehr frühen PR-Bänden schon einmal, teilweise auch in sprachlich abgewandelter Form gebraucht. Hier noch einmal die Erklärung zum Zwecke der Information.

Psionen sind in ihrer utopisch-spekulativen Begriffserfassung Teilcheneinheiten des übergeordneten Hyperraums. Sie sind, technisch gesprochen überlichtschnell, oder auch, wie wir früher sagten, typisch ‚gedankenschnell‘.

Es handelt sich um jene Frequenzschwingungen, die bei der reinen Telepathie vorrangig auftreten. Von einem mutierten Gehirn werden sie in besonders starken Maße erzeugt und mit dem Gedankengut des Aussenders abgestrahlt.“

Der Perry-Rhodan-Computer für Band 875 wurde lt. Perrypedia von Kurt Mahr verfasst. Im Exposé findet sich keine Angabe zum Autor. Der Text entspricht im Übrigen exakt der späteren Veröffentlichung im Roman.

Copyright der Abbildungen und der Texte aus dem Exposé und Roman liegen beim Pabel-Moewig-Verlag GmbH Rastatt.

 

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