Ansichten zu PR 2692

Winters Ende – von Leo Lukas – Handlung:

Die Auswanderung jener Menschen, die Delorians Versprechungen Glauben schenken, ist beinahe abgeschlossen. Ca. 35.000.000 Menschen wollen im Neuroversum bleiben und sind in das Weltenkranzsystem übergesiedelt. Auch in der Familie Estmon-Winter ist Delorians Angebot ein Thema. Irmayi, die älteste Tochter von Yugen und Rabienne ist seinerzeit den Verlockungen der Sayporaner gefolgt und neuformatiert worden. Rabienne will ihrer Tochter folgen. Yugen, ein Terra-Nostalgiker, kann seine Frau nicht verstehen. Es kommt deswegen zu Streit zwischen ihm und Rabienne. Und da ist noch die jüngere Tochter Aria, 8 Jahre alt, die nicht Delorian folgen darf. Nur wer über 16 Jahre ist, darf diese Entscheidung treffen. So zumindest hat es die Regierung festgelegt.

Dennoch begleitet Yugen seine Frau nach Saypor und auch Aria fliegt mit. Yugen hofft, dass die Begegnung der beiden Schwestern etwas bewirkt. Irmayi hat Aria sehr geliebt. Und letztlich hofft er, dass diese Begegnung auch einem Umschwung bei Rabienne auslöst, die sich sonst für eine ihrer Töchter entscheiden müsse.

Auf Terra tritt derweil das Kabinett zusammen. Es liegen wissenschaftliche Beobachtungen vor, wonach die Anomalie insbesondere an den Rändern instabil wird. Mitten in die Sitzung platzt die Meldung, dass die Spenta die Zündung der Sonne für den nächsten Tag um 12:00 Uhr ankündigen.

Yugen ist mit seiner Familie auf Saypor eingetroffen. Mit Irmayi kommt zunächst kein Kontakt zustande. Die Familie wird in einem Wohnturm untergebracht. Auf dem Weg dorthin, wird Yugen heimlich eine Nachricht zugesteckt. Als seine Frau am Abend zu Bett gegangen ist, verlässt Yugen den Wohnturm und trifft sich mit Widerständlern. Deren Absichten sind ihm allerdings zu radikal. Mit Gewalt will er nichts zu tun haben. Allerdings besorgt er sich doch eine Waffe.

Auf der Erde bricht der neue Tag an und gegen 12:00 Uhr versammeln sich die Menschen, um die Zündung der Sonne zu bejubeln. Pünktlich ist es soweit, Sol erstrahlt im alten Glanz, die Kunstsonnen können abgeschaltet werden. Mitten in den Feiern wird in der Solaren Residenz Alarm gegeben. Die Anomalie löst sich an einem Randpunkt auf. Bull fliegt mit der LEIF ERIKSSON IV und einer kleinen Flotte zu diesem Randpunkt. Dort angekommen beobachten die Terraner einen Tunnel, der sich im Randbereich der Anomalie gebildet hat. Delorian meldet sich von der TOLBA. Er hat diesen Tunnel geschaffen und teilt Bull mit, dass von nun an mit einem Angriff QIN SHIS gerechnet werden muss. Das Solsystem sei durch den Sextadim-Schleier geschützt. Delorian fliegt mit der TOLBA durch den Tunnel, weil er, wie er sagt, noch anderswo zu tun habe.

Bull zögert keinen Augenblick und folgt Delorian. Allerdings erkennen die Orter am Ende des Tunnels starke Konzentrationen von Zapfenraumern in einem kleinen Sonnensystem. Bull kehrt wieder um, lässt allerdings die Tunnelöffnung von einer starken Flotte bewachen, die weiterhin die andere Seite orten kann. Deshalb bekommen die Terraner auch mit, dass auf der anderen Seite nun ebenfalls ein Tunnel in die Anomalie vorangetrieben wird.

Auf Saypor kommt es zu einer Tragödie. Yugen hat in den Katakomben mit den Suspensionsbänken seine Tochter Irmayi entdeckt. Die formatierte Jugendliche will nicht auf ihn hören, also will er sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwingen, ihn zum Raumhafen zu begleiten. Als seine Frau dazukommt, löst sich bei einem Handgemenge mit einem anderen Sayterraner ein Schuss. Die Explosion einer Suspensionsbank verletzt Rabienne und Aria so schwer, dass sie nur durch die sofortige Suspension gerettet werden können. Demoralisiert will Yugen Saypor den Rücken kehren. Am Raumhafen fallen dem Terra-Nostalgiker einige Strophen eines alten terranischen Liedes ein. Er tritt zu seiner Tochter Irmayi und entscheidet sich auf Saypor zu bleiben.

Rezension:

Mit dem von der ersten Seite an doppeldeutigen Romantitel läutet Leo Lukas den entscheidenden Schritt zur Verschmelzung der Handlungsebenen des aktuellen Zyklus ein. Im Vorgängerroman von Wim Vandemaan kritisierte ich den Schluss, weil er in Teilbereichen zu oberflächlich geriet. Delorian lockt die Menschen mit Bildern in ein Paradies und keiner hinterfragt die Aussichten im versprochenen Garten Eden unbehelligt von den bekannten Bedrohungen leben zu können.

Leo Lukas holt diese Elemente nun in seinem Roman nach. Störend wirkte dabei, dass der Roman von Vandemaan auf den letzten Seiten eine endgültige Komponente enthielt. Das Kapitel der Auswanderer, die im Neuroversum ihre Chance sehen, erschien abgeschlossen. Insofern kamen die Meinungsfindungen und Nöte der Familie Winter zum falschen Zeitpunkt. Gut geschrieben war es allerdings, zumindest am Anfang. Später gerieten die Dialoge weniger gut und die Geschichte entwickelte sich doch sehr vorhersehbar. Trotz allen Konfliktpotentials geriet die Geschichte der Familie Winter im weiteren Romanverlauf teilweise zu einer leidenschaftslosen Angelegenheit. Die im Hauptpersonenkasten angekündigte Zwangslage der Mutter Rabienne wurde vom Autor überhaupt nicht geschildert. Der Autor weicht diesem Thema, nämlich dass sich Rabienne zwischen ihren Töchtern entscheiden müsse, aus. Durchgehend wird Rabienne von Leo Lukas „zu“ eindimensional geschildert, was nicht nur ihren Mann, sondern auch den Leser gegen sie aufbrachte. Yugen wurde von Leo Lukas hingegen differenzierter dargestellt, nur dass er den Konflikten zunächst aus dem Weg ging, was dazu führte, dass der Leser nun auch gegen ihn war. Der dramatische Höhepunkt war somit unvermeidlich. Absehbar, allerdings auch versöhnlich war dann das Ende.

Auch die andere Ebene mit Bull konnte mich nicht so recht überzeugen. Der Autor spult sein Programm ab, so wie Bull seine Konferenzen abspult. Da war kein Feuer in den Szenen. Die Kapitel mit Bull gestaltete der Autor sehr nüchtern. Daran änderten auch manche Anspielungen und Sprüche nichts. Ausnahmsweise kommen mal wieder Wissenschaftler zu Wort, ein selten gewordenes Element innerhalb der „Science-Fiction-Serie“ Perry Rhodan. Dumm nur, dass sie nichts zu sagen hatten, insofern hätte sich Leo Lukas diese Parts sparen können.

Die Sonnenzündung wird endlich vorgenommen. Auch hier wurde das Thema über zu viele Romane künstlich gestreckt. Am Ende von Hubert Haensels Band 2685 wäre die beste Gelegenheit gewesen, drei weitere Romane der Sol-Ebene später ist es nun soweit. Emotionen setzte auch die Sonnenzündung nicht frei, dazu geriet die Szene mit minutiöser Vorankündigung, den befohlenen Partys, der versammelten Führungsriege und dem Festhalten an Etiketten einfach zu formal.

Was ist sonst noch erwähnenswert? Die Spenta erteilen den Ratschlag, die Kunstsonnen zu dämmen, wenn Sol wieder scheint. Normalerweise ein überflüssiger Ratschlag. Angesichts der o.a. erwähnten Dampfplauderei der terranischen Wissenschaftler war der Ratschlag aber offensichtlich notwendig.

Ein paar Überlegungen will ich noch zu den Auswanderern abgegeben. Die Auswanderungsquote mit 0,3% ist nicht signifikant höher als in der Realzeit die Abwanderung und Zuwanderung der Bundesrepublik. An seinem angestammten Platz in der Milchstraße wäre im Solsystem unter normalen Umständen vermutlich mit einer ähnlich hohen Auswanderungsquote jährlich zu rechnen. Dort würde allerdings auch eine entsprechend hohe Zuwanderungsquote den Auswanderern gegenüberstehen. Nichtsdestotrotz sind die nackten Zahlen, bei näherer Betrachtung, nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist allerdings, dass angesichts der Ereignisse der letzten 3000 Jahre doch relativ wenig Terraner (Fremdwesen im Solsystem mit eingeschlossen) die Schnauze voll haben und sich nach Alternativen umsehen. Das sollte eigentlich den „Sayterranern“ nicht verborgen geblieben sein, wird vom Autor jedoch nicht thematisiert.

Überhaupt wird den Formatierten mal wieder wenig Raum eingeräumt. In den wenigen Szenen dienen diese Menschen lediglich dazu, die anderen Protagonisten und damit die Leser zur Weißglut zu reizen. Der Autor wendet dieses Stilmittel recht häufig an, die Formatierten sprechen mit sanfter Stimme, haben immer das letzte Wort und sind von ihrer Sache 100% überzeugt.

Fazit: Den eigentlichen Konflikt, dass eine Mutter sich für eine ihrer Töchter entscheiden muss, geht der Autor trotz Ankündigung nicht an. Die „andere“ Lösung des Autors war vorhersehbar. Ansonsten war der Roman routiniert und wie immer bei ersten Romanen nach einem Blockwechsel mit Rückblenden auf den letzten Viererblock versehen und als Aufbauroman für die nächsten Hefte gedacht. Überraschungen blieben aus.

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