Ansichten zu PR 2686

Angriff der Nanokrieger – von Leo Lukas – Handlung:
Während sich von den 55 Mitgliedern des Bunds der Sternwürdigen 36 an Bord der TOLBA versammeln, stellt die Terranische Regierung 3 Flotten zusammen, die am 17.Dezember 1469 NGZ zu 3 Zielen abfliegen. 7501 Schiffe fliegen unter dem Kommando von Flottenadmiral Stariou Jalhay zum Weltenkranzsystem. Chourtaird fliegt an Bord des Flaggschiffs mit und auch die TOLBA begleitet diese Flotte. Die beiden anderen Flotten von je 3000 Schiffen fliegen zur Brückenwelt und zur Ephemeren Pforte.
Der Flug ins Weltenkranzsystem verfolgt weitgehend problemlos. Toufec stellt an Bord der TOLBA sechs Sechsergruppen zusammen. Schließlich erreicht die Flotte die Riesensonne Banteira. Im System wimmelt es von Zapfenraumern, 10.000 Einheiten riegeln den Planeten Druh ab, weitere 10.000 Schiffe sind über das System verteilt. Der Sayporaner Paigaross fordert die Terraner zum Abzug auf, die im Gegenzug vorgebrachte Kapitulationsaufforderung Chourtairds ignoriert er.

Reginald Bull wird über die Situation informiert. Auch an den anderen Fronten ergeben sich Patt-Situationen. An der Ephemeren Pforte stoßen die Terraner auf 80.000 Schiffe. Das Fa-System mit der Brückenwelt ist zwar unbewacht, die Störfelder lassen einen weitergehenden Einsatz jedoch nicht zu.
Im Weltenkranzsystem findet Delorian heraus, dass die Akademie für Logistik nicht mehr auf Druh ist. Die Akademie ist zusammen mit Paichander nach Pareezad umgezogen. Auf dem Flottenflaggschiff wird die neue Situation diskutiert. Chourtaird bezeichnet Pareezad als Plantagewelt. Auf die Frage, was dort geerntet würde, gibt er lakonisch die Auskunft: „Körper.“

Die Flotte soll Scheinangriffe auf Druh fliegen, während die TOLBA ihre Sechsergruppen auf dem Planeten Pareezad absetzt. Auf Pareezad ist unterdessen der Gaukler Ynirt aus dem Volk der Gyvie in eine lebensbedrohliche Situation geraten. Als er nach Hause zurückkehrt und seiner Frau die Beute seines letzten Spiels zeigt, eröffnet ihm seine Frau, dass sie erneut schwanger ist. Für Ynirt bedeutet diese Nachricht das Todesurteil. Für seinen Erstgeborenen Sohn musste er bereits zwei seiner 8 Beine opfern und trägt seitdem Prothesen. Nun aber soll er für seine Tochter sein Leben hingeben. Dazu muss er im Auftrag des allgegenwärtigen Antuu den Gang zur Zinne der Verklärung antreten. Ynirt macht sich auf den Weg.
Während die Flotte Scheinangriffe auf die Zapfenraumern um Druh fliegt und dabei Robotkreuzer über Fernverbindungen per SERT gesteuert zum Einsatz kommen, landen Toufecs Trupps unbemerkt als Meteoritenschauer getarnt auf Pareezad. Da die genaue Lage der Akademie für Logistik nicht ermittelt werden konnte, landen die Teams an verschiedenen Stellen.

Toufec und seine Leute nähern sich einer großen Pyramide. Unterwegs treffen sie auf ein spinnenartiges Wesen. Es ist Ynirt, der den Fremden neugierig begegnet. Da Ynirt seinen Weg zur Zinne der Verklärung unterbrochen hat, meldet sich die allgegenwärtige Präsenz Antuu. Die mentale Strahlung erfasst auch Toufec und seine Gefährten. Während Toufecs Nanogenten den Einfluss abschirmen, sind die Nanogenten seiner Gefährten nicht so stark mit ihren Besitzern verbunden und können den Einfluss nicht abwehren. Die Mitglieder durchleben noch einmal die Szenen, als sie dem Tode nahe von Toufec gerettet wurden. Der Einfluss durch Antuu ist so stark, dass zwei Mitglieder aus Toufecs Truppe sterben. Er kann schließlich mit seinem Dschinn die anderen retten und Pareezad verlassen. Auch die anderen Teams flüchten.
Toufec kehrt alleine nach Pareezad zurück. Er begräbt die Toten und macht Ynirt ausfindig. Er schützt mit Nanogenten Ynirt vor dem Einfluss der Sayporaner, denn um nichts anderes handelt es sich bei der Präsenz Antuu, die die Planetenbewohner anlockt, damit diese ihre Körper und Organe an die Sayporaner spenden. Toufec tarnt sich als Gyvie und macht sich gemeinsam mit Ynirt auf zur Pyramide, wo sich die Akademie für Logistik versteckt.

Auf Terra bekommt Reginald Bull die Information, dass sich weitere 20.000 Sternengaleonen der Ephemeren Pforte nähern. Bull reibt sich in Vorfreude die Hände. Er findet die Entwicklung gut.

Rezension:
Dieser Roman von Leo Lukas folgt, wie seine Vorgänger auch in dieser Erzählebene, mal wieder bestimmten stereotypischen Grundmustern, wie man sie leider viel zu häufig in der Serie antrifft. Natürlich kann man nicht erwarten, dass nach über 2600 Romanen und zahlreichen Sekundärprodukten stets neue und unverbrauchte Erzählweisen dargebracht werden. Bestimmte Grundschemata und Erzählstandards werden immer wieder bemüht werden. Dennoch wirken die Abläufe in diesem Zyklus und der Ablauf in den drei Erzählebenen besonders monoton.
Die aktuell angewandte Schablone ist, dass es Abseits der Bedrohungsszenarien und den beschriebenen Handlungen mal wieder Entwicklungen gibt, die der Leser erst auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung oder gar erst hinterher erfährt. Dadurch soll nach Meinung des Expokraten und der Autoren möglichst lange die Spannung gehalten werden und für die Leser tolle „Überraschungen“ am Ende aus dem Hut gezaubert werden. Diese Strukturen könnten dann besonders reizvoll wirken, wenn in den Romanen durch geschickt platzierte Andeutungen genügend Hinweise gegeben werden, die es dem aufmerksamen Leser ermöglichen einige Deutungen in die richtige Richtung anzustellen, die aber eben nicht alle Geheimnisse der künftigen Ereignisse aufdecken dürfen.

Das Stichwort dabei ist „geschickt.“ Die Helden dürfen in Gefahr geraten aber nicht darin untergehen. Der Held braucht also Hoffnung. Die Hoffnung für den Leser besteht darin, dass dem Helden noch was Kluges einfallen wird. Nun, Leo Lukas hat wie seine Vorgänger auch, diverse Hinweise dazu eingebaut. Als „geschickt“ kann man die nicht bezeichnen. Sie führen nämlich auf der Solsystem-Ebene momentan dazu, dass die Menschheit und ihre verantwortlichen Führer sich momentan wenig logisch verhalten. Das Solsystem wurde samt der Bewohner entführt, hunderttausende Jugendliche einer möglicherweise irreversiblen Gehirnwäsche unterzogen, die Sonne ausgeschaltet, zahlreiche Menschen getötet und ungezählte Schrecken mehr sind über die Helden hereingebrochen.
Doch außer ein paar Drohgebärden fällt den Helden scheinbar nichts ein. Wären da nicht die ungeschickten Hinweise des Autors. Chourtaird wird von Leo Lukas mit einer Bemerkung über weitere Verbündete im Roman eingesetzt. An der Ephemeren Pforte stehen den 3000 Schiffen der Terraner 80.000 Einheiten gegenüber, davon 50.000 Zapfenraumer und 30.000 Sternengaleonen. Dennoch spricht der Autor von einer Pattsituation. Patt bedeutet, dass die Gegner keinen (gültigen) Zug mehr machen können. Davon kann beim beschriebenen Szenario keine Rede sein. Als dann am Ende weitere 20.000 Sternengaleonen dazu stoßen, reibt sich Bull in freudiger Erwartung die Hände. 50.000 Sternengaleonen gegen 50.000 Zapfenraumer wäre in der Tat eine Pattsituation, sofern die Sternengaleonen (Utrofaren) auf terranischer Seite stünden.

Da erinnern wir uns an den geborgenen Utrofaren und dem unsterblichen Homer G. Adams, die seit geraumer Zeit nicht mehr erwähnt werden. Sehr wahrscheinlich werden die – schnipp – demnächst aus dem Hut gezaubert und haben eine passende Lösung für all die schrecklichen Bedrohungen parat. Die unlogischen Handlungen der Erzählebene werden dadurch allerdings nicht erklärt.
Letzte Woche schrieb ich noch, dass kurz vor Ende des Romans wieder etwas Hoffnung durch Expokrat und Autor gesät wurde, mit der Ankündigung, Flotten ins Weltenkranzsystem, Lichtwirt-System und ins Fa-System zu entsenden. Zudem hatte der Autor eine Flotte den Spenta zur Ephemeren Pforte hinterhergeschickt. Wie befürchtet – zumindest in diesem Roman – blieb es bei Muskelspielen. Die Kohlen holen Delorian und seine Nano-Krieger aus dem Feuer. Na ja, zumindest versuchen sie es, denn zuerst verbrennen sie sich mal selbst die Finger. Der Roman brachte kaum Zyklusfortschritt und mit der Verteilung der Flotten hat es sich der Expokrat wohl anders überlegt oder Haensel und Lukas haben es nicht verstanden. Letzte Woche war eine Flottille der Terraner den Spenta zur Ephemeren Pforte gefolgt und 3 weitere Ziele, nämlich Weltenkranz, Fa und Lichtwirt sollten mit weiteren Flotten angeflogen werden. Diese Woche werden Weltenkranz, Fa und statt Lichtwirt die Ephemere Pforte angeflogen. Beim letzteren Ziel hätte die Flotte ja dann dort auf terranische Schiffe stoßen müssen. Tat sie aber nicht, bzw. wurde es nicht geschrieben.

Während Sol noch durch die Ephemere Folie verhüllt ist und 40.000 Zapfenraumer im Solsystem jederzeit angriffsbereit sind, was bei Leo Lukas kaum erwähnt wird, entblößt also die Regierung die Streitkräfte durch Abzug. Wohlgemerkt die Streitkräfte, die laut früheren Romanen alle samt und sonders in der Aufrechterhaltung der Kunstsonnen gebunden sind. Diese Erzählebene, die ein außergewöhnliches Szenario mit der verhüllten Sonne und den absonderlichen Abenteuern im Weltenkranzsystem bot, ist auf „Alltagsebene“ dem Expokraten leider entglitten. Die Aktivitäten sind zum Teil unlogisch. Die Aktivitäten – schön, dass es welche gibt – werden auch nicht schlüssig hergeleitet. Das bei den Autoren vorhandene Wissen über die Vorgänge in den nächsten Heften wird entweder gar nicht, in falscher Weise oder zum falschen Zeitpunkt in die Romane eingebaut. In der Folge verhalten sich Figuren merkwürdig, Aktionen erscheinen wenig durchdacht und der Leser kann manchen Entwicklungen nicht mehr folgen.
Lässt man den großen Zyklusüberbau weg, dann kann der Autor einige Punkte einfahren. Die Kapitel über den Gaukler Ynirt waren gut gelungen. Auch hier kann man natürlich schnell schlussfolgern, dass sich die Wege Ynirts und Toufecs kreuzen werden. Aber die lebendige Sprache und eine liebenswerte Gestaltung dieser Passagen kann man als gelungen betrachten.

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