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Das Reich der Angst – von Uwe Anton – Handlung:
Nachdem der TLD-Tower eingenommen und das Transitparkett gesichert wurde, rüstet sich ein Einsatzteam zum Gang nach Druh im Weltenkranzsystem. Neben Toufec und Shanda Sarmotte gehören auch die beiden Spezialisten Odo Ollowa und Daniil Veriaso der Gruppe an. Dazu der TARA-VII-UH-Roboter Stainless Stan. Toufecs Nanogenten können weitere Personen am Zielort nicht transportieren. Dennoch strebt Reginald Bull an, weitere Einsatzkräfte über das Transitparkett zu schicken.
Der Sayporaner Chourtaird programmiert als Ziel das sogenannte Taychour auf Druh. Dabei handelt es sich um ein Meditationszentrum der Chour, das wahrscheinlich nicht streng bewacht wird. Die Informationen des alten Sayporaners zu Druh sind mager. Der Planet dient den Sayporanern als ein Ort, an dem sie sich ihrer Angst stellen. Das Einsatzteam soll auf Druh die Ausschaltung der Raumüberwachung des Weltenkranzsystems als dringlichstes Vorhaben angehen. Das Überwachungssystem hat eine Schwachstelle, das Informationskabinett. Diese Einrichtung leitet alle Informationen an die Akademie für Logistik, dem Machtzentrum der Sayporaner weiter. Das Informationskabinett ist mobil und leider ist unbekannt, wie es aussieht.
Nach einer kurzen Vorbereitungsphase wird das Team über das Transitparkett an das programmierte Ziel abgestrahlt. Die Pagode, in der das Empfangsgerät steht, ist weitgehend leer. Die wenigen Sayporaner, die sich dort aufhalten, ignorieren die Ankömmlinge. Die Telepathin Shanda Sarmotte erkennt in den Gedanken der Sayporaner die Bestrebungen, ihre ureigenen gegenstandslosen Ängste mit Hilfe von Meditation in den Griff zu bekommen. Shanda erkennt drei sehr merkwürdige Motive in den Gedanken der Sayporaner. Ein Festgelage zu einer Feier, ein wunderschönes Bett und den Aufmarsch zu einer Militärparade. Die seltsamen Eindrücke kann die Telepathin nicht weiter verfolgen. Durch den Transportvorgang ist wohl doch Alarm ausgelöst worden, denn es nähern sich schnell mehrere Flugobjekte.
Toufecs Nanogenten erschaffen ein Fluggerät und die Gruppe flieht mit hoher Geschwindigkeit aus der Pagode. Der Flug geht über eine trostlose, im ständigen Regen versinkende Landschaft. Nach einiger Zeit landet der Araber das Fluggerät und tarnt es. Die Verfolger verlieren die Spur. Toufec sendet den Verfolgern Nanogenten hinterher, um herauszufinden, wo die Jäger herstammen. Vielleicht führt sie diese Spur zum Informationskabinett. Als sie erneut starten und den Jägern folgen lauscht Shanda Sarmotte in sich hinein. Sie spürt eine Angst in sich, eine unerklärliche Furcht, die verschiedene Bilder zum Vorschein bringt. Erinnerungen an den Gleiterabsturz, bei dem ihre Eltern starben vermischen sich mit den Bildern, die sie bei den meditierenden Sayporanern aufgeschnappt hat.
Die Jäger landen irgendwann mitten in der fremdartigen Landschaft. Es sind Drohnen, die auf Befehl von Toufec von seinen Nanomaschinen infiltriert werden, um die Positronikdaten auszuwerten. Unterdessen leiden auch die beiden Spezialisten unter Angstzuständen. Als sich ein seltsamer Roboter der Gruppe nähert, empfehlen sie den Rückzug. Nur Toufec schient von dem Einfluss unberührt zu sein. Nachdem sich die Gruppe zurückgezogen hat, werden immer mehr der seltsamen Roboter, die als Mechanopoden bezeichnet werden, gesichtet. Teils mehrere Meter groß stampfen die Ungetüme durch die verregnete Landschaft. Auch von ihnen gehen die seltsamen Gedankenmuster aus, die Shanda bei den meditierenden Sayporanern gelesen hatte. Shanda erlaubt dem Spezialisten Odo Ollowa, einen der Mechanopoden zu untersuchen. Als Ollowa den turmhohen Roboter durch eine Öffnung betritt, stirbt er. Die Angststrahlung war einfach zu viel für den Terraner.
Mit den erhaltenen Daten aus den Drohnen gelangt das Einsatzteam zu einer Stadt aus unzähligen marschierenden Mechanopoden. In der Mitte der Stadt wird ein ca. 80 Meter durchmessender Würfel entdeckt. Mit einem Trick kann der Roboter Stainless Stan in die Nähe des Würfels gebracht werden. Toufecs Nanogenten untersuchen das organische Gebilde, das wie ein Gehirn aufgebaut ist. Es scheint sich um das gesuchte Informationskabinett zu handeln. Stainless Stan bringt sich zur Explosion und vernichtet den Würfel.
Mehrere Flugzeuge entdecken das Einsatzteam. Bei der Gefangennahme wird auch der zweite Spezialist Daniil Veriaso getötet. Die Zofe Irriv und der Junker Bless sperren Shanda und Toufec in ein Gefängnis. Toufecs Nanogenten sind zu einem großen Teil bei der Explosion des Informationskabinetts zerstört worden. Bis sich der Rest regeneriert hat, braucht es Zeit. Die beiden letzten Mitglieder des Einsatzteams werden zu Paichander gebracht. Der uralte Sayporaner ist in einem Uteral eingelassen, das er nicht verlassen kann und ist der Dekan der Akademie für Logistik und quasi der Herrscher. Er findet, dass die Gehirne seiner Gefangenen sich gut in seinen Körper integrieren lassen.
Ein Fluchtversuch von Shanda und Toufec scheitert. Erneut bietet ihnen Paichander ein verlängertes Leben an. Zu Shandas Überraschung macht Toufec einen Gegenvorschlag. Er will die Sayporaner dabei unterstützen, eine SI-Leiche zu bergen, um die zerfallende Anomalie zu stabilisieren. Shanda bekommt Zweifel, ob Chourtaird und Bull nicht von Delorian hintergangen wurden, und dass der Plan eigentlich darum ging, Toufec in diese Position zu bringen. Paichander erklärt sich überraschend schnell einverstanden. Sie werden zu einer Sternengaleone gebracht. Leiter der Expedition nach Zyorin Zopai ist der Sayporaner Choursterc. Zusammen mit dem Utrofaren Fahrgut Sternenzoll soll dort ein SI-Leichnam geborgen werden. Der Korpus soll anschließend über eine Ephemere Pforte über ein von den Spenta umgebautes Schwarzes Loch in die Matrix der Anomalie eingespeist werden.

Rezension:
Der Roman von Uwe Anton hinterlässt zwiespältige Eindrücke bei mir. Einerseits sind Passagen enthalten, die ihm wirklich gut gelungen sind, andererseits mangelt es der Geschichte an einem strukturierten Aufbau. Einen richtigen Spannungsbogen gab es nicht und abgesehen von ein paar Bauernopfern hatte ich auch zu keiner Zeit das Gefühl, dass die Hauptpersonen scheitern könnten (bei was auch immer). Das Delorian und damit sein Handlanger Toufec ihr eigenes Süppchen kochen, war schon vorher bekannt. Von daher gab es zum Romanende auch keine Neuigkeiten durch den Expokraten.
Erneut bringt Uwe Anton die Figuren Toufec und Shanda Sarmotte in einem Roman unter. Die beiden Hauptdarsteller sind aus früheren Geschichten zwar sehr gut charakterisiert, ihre Unterhaltungen hat der Autor jedoch, insbesondere in der ersten Romanhälfte und dann auch wieder zum Ende hin, mit sehr vielen aufdringlichen Aphorismen durchsetzt. Für meinen Geschmack war das etwas übertrieben und es verdeckte natürlich, dass sich die beiden Hauptpersonen nur selten zu den eigentlichen Missionszielen unterhielten.
Letzte Woche schrieb ich noch, dass zur Einsatzgruppe auch zwei Spezialisten für positronische System gehörten und dass diese Figuren sich als völlig überflüssig erwiesen haben. Der Autor Uwe Anton führt diese beiden Figuren mit dem Hinweis in seinen Roman ein, dass die beiden Positronik-Spezialisten die Hauptlast bei der Eroberung des TLD-Towers getragen hatten. So ist es mir gar nicht in Erinnerung. Das könnte ein Fehler im Exposé sein oder Hubert Haensel hat die Figuren nicht so eingesetzt, wie es sich der Expokrat vorgestellt hatte. Nun ja, Odo Ollowa und Daniil Veriaso bekommen nun „ihren“ Auftritt eben mit 1-wöchiger Verspätung. Wobei es sich eher um eine Gastrolle handelt, denn auch Uwe Anton macht sich genauso wenig Gedanken zu seinen Figuren wie schon Hubert Haensel vergangene Woche. Bei den kargen Dialogen, an denen die beiden Positronik-Spezialisten beteiligt waren, stellt zwar der Autor in erklärenden Nebensätzen ein ums andere Mal die besonderen Fähigkeiten dieser Männer vor, allerdings setzt er diese Protagonisten nicht mit ihren Fähigkeiten ein. Und so kommt es wie es kommen muss. Die beiden Spezialisten ereilt das gleiche Schicksal wie die bedauernswerten Rothemden bei Star Trek Classic.
Einmal mehr lässt uns der Autor an den Planungen seiner Hauptpersonen nicht wirklich teilhaben. Dieser Mangel ist natürlich eine Folge der Schwäche beim Romanaufbau. Der Autor „nimmt“ den Leser einfach nicht mit. Er lässt seine Figuren und damit seine Leser im Unklaren. Der Leser erfährt lediglich grob, dass der Einsatz zur Zerstörung des Informationskabinetts auf dem Planeten Druh gehen soll. Wie das Unternehmen ablaufen soll und wie eine Rückkehr gelingen soll, erfährt der Leser nicht. Das Einsatzteam soll auf diese Weise die Raumüberwachung des Weltenkranzsystems sabotieren, damit die Sayporaner angreifbar sind. Da fragt es sich, für wen? Die Terraner mit ihren Schiffen konnten das Weltenkranzsystem nicht erreichen. Die Figuren des Autors hinterfragen diese Absichten erst gar nicht, als Leser hingegen tue ich das und erhalte keine Antworten.
Der Autor macht es sich recht einfach. Toufecs Nanogenten und Shanda Sarmottes Fähigkeiten würden im Ernstfall Planungen überflüssig machen. Zur kläglichen Planung passen auch die wenig ergiebigen Dialoge des Einsatzteams. Natürlich kann der Autor jetzt argumentieren, dass die Angststrahlung auf Druh eine bessere Abstimmung der Aktionen verhindert hat. Fakt ist doch wohl eher, dass diese Angststrahlung vom Autor doch nur zum Zweck eingesetzt wurde, damit er sich zu Planungen und Handlungen nicht allzu viel Gedanken machen muss. Dazu passt es auch, dass seine Figuren die Beobachtungen, die sie machen, nicht diskutieren und die Schwierigkeiten die sie durch die Angststrahlung haben nicht hinterfragen. Toufec scheint die Probleme seiner Begleiter nicht erkennen zu wollen und die beiden Spezialisten kommen nicht einmal auf den Gedanken zu fragen, was Shanda Sarmotte bei den Sayporanern espert. Diese Parts waren wenig inspirierend.
Besser ist dem Autor Uwe Anton die teilweise bedrückende Stimmung der Folge aus Sicht der Hauptperson Shanda Sarmotte gelungen. Der ständige Regen, die seltsamen Gedanken der Bewohner, die Schilderungen einer trostlosen im Regen versinkenden Landschaft, der Marsch der Mechanopoden und andere seltsame Begebenheiten sorgten für ein pessimistisches Gefühl. Wie Gadomenäa kommt auch der Handlungsort Druh mit sehr fremdartigen Strukturen daher. Diese Darstellungen sind dem Autor gut gelungen.
Fazit: Eine Geschichte ohne Überraschungen, die nur in einigen Passagen zu gefallen wusste.

 

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