Ansichten zu PR 2670

Der Weg des Konstrukteurs – von Marc A. Herren – Handlung:
Mehr als 200 Jahre nach dem Tod des Moweners Cholaquin Port’aldonar macht seine größte Schöpfung, der Roboter Sholoubwa nach wie vor das, was er am besten kann. Er schafft mit seinem Intellekt Konstruktionen, die er verschiedenen mitunter konkurrierenden Auftraggebern zur Verfügung stellt. Eine seiner Maschinen ist das HRB-Netz, das Raumschiffe in ein anderes Kontinuum einsperren kann. Eines Tages erhält er in seiner Asteroiden-Basis Besuch von einem Boten der Hohen Mächte. Der Bote macht Sholoubwa das gleiche Angebot, das er einst auch Port’aldonar gemacht hatte. Sholoubwa willigt ein und begleitet den Boten.
Der Bote bringt ihn zu einem Rapid-Kreuzer der Yakonta. Der Unterprüfer Voosla, vom Volk der Hoapono nimmt Sholoubwa in Empfang. Sholoubwa soll von ihm auf seine Tauglichkeit für seine Auftraggeber geprüft werden. Dazu soll der Nullkanal unterbrochen werden. Sholoubwa willigt ein. Er wird nach Evolux gebracht. Die High-Tech-Welt fasziniert den Konstrukteur. Das Sektor-Volk der Firr, winzige schwarzfellige Kugeln, stellt Sholoubwas Eignung fest. Er bekommt via Nullkanal Zugang zu einem Großrechner auf Evolux. Die Rechnerleistung übertrifft alles, womit Sholoubwa je zu tun hatte. Die Datenfülle ist gigantisch. Seine Betrachtungsweise des Multiversums ändert sich grundlegend.
In den folgenden Jahrzehnten arbeitet Sholoubwa auf Evolux. Eine seiner Konstruktionen ist der Sontaron-Generator. Den Spionen des Sequenzrates entgeht aber nicht, dass der Konstrukteur neben offiziellen Projekten immer wieder auch persönliche Pläne verfolgt. Er wird mehrfach gerügt. Er verändert seinen eigenen Körper. Er ist nun auf Nanomaterie aufgebaut und kann sein Aussehen beliebig verändern. Nur den Todesimpuls seines Schöpfers kann er nicht beseitigen. Er steht eine Nanosekunde vor der Zerstörung, ohne dass diese Zeitspanne je ablaufen wird. Er erkennt auch, dass er mehr für die eigene Existenzsicherung tun muss. Er ist zu abhängig von den Mächten auf Evolux.
Die Zusammenarbeit mit Lebewesen bereitet Sholoubwa Probleme. Er erschafft die Technogarde und ist mit jedem seiner Ableger über den Nullkanal verbunden. Eines Tages erhält er vom Sequenzrat einen neuen Auftrag. Andere Konstrukteure auf Evolux haben sein HRB-Netz weiterentwickelt. Es besteht jetzt aus 48 Einheiten und ist ein gigantisches Dimensionsgefängnis. Vorläufig existiert das BOTNETZ nur als virtuelles Modell. Sholoubwa soll es bauen und mehr noch, es soll gegen alle Gepflogenheiten sofort zum Einsatz kommen. Die negative SI KOLTOROC soll bei TRYCLAU-3 damit eingekerkert und hinter die Materiequellen geschafft werden. Der kosmische Bote Renyi-Hemdebb soll das Unternehmen leiten.
Als Bauplatz für das BOTNETZ dient Escalian. Sholoubwa bekommt ein eigenes Schiff, die SCHRAUBE-B mit Nikomus Neuntau als Pilot. Für den Bau des BOTNETZ wird ein seltenes Metall benötigt. Mit der Immateriellen Stadt Ultramarinblau reist Sholoubwa zusammen mit der SCHRAUBE-B an den Übergabeort des Metalls. Eine Kosmische Fabrik materialisiert und übergibt die Ware, die nach Sholoubwas Prüfung das seltene Element Carit enthält. In den nächsten Monaten wartet Sholoubwa in Connajent darauf, dass er abgeholt wird. Einer der Bewohner Connajents fordert ihn auf, doch auch mal künstliche Lebewesen zu konstruieren. Sholoubwa nimmt die Herausforderung an und erschafft die Firibirim. Als Grundlage diente ihm die Begegnung mit den Firr auf Evolux. Schließlich wird Sholoubwa vom Boten Renyi-Hemdebb abgeholt.
Jahre später ist in Escalian die Zeitrose fertiggestellt. Trotz des Zeitdrucks hat der Konstrukteur parallel dazu immer wieder auch eigene Projekte verfolgt, sehr zum Ärger von Renyi-Hemdebb. Das BOTNETZ kommt bei TRYCLAU-3 zum Einsatz. Sholoubwa wird es verwehrt, die Aktion selber zu steuern, was er für einen Fehler hält. Der Einsatz misslingt. Das BOTNETZ wird in das Kosmonukleotid geschleudert und größtenteils zerstört. Sholoubwa analysiert die Daten und erkennt, dass die 48 Blütenblätter eigenständig und nicht im Verbund arbeiten müssten.
Nach dem Scheitern bei TRYCLAU-3 hört der Konstrukteur lange nichts von den Hohen Mächten. Er hat Zeit für eigene Projekte. Nach langer Zeit gelingt ihm wieder der Zugriff per Nullkanal auf seine alte Asteroiden-Basis. In der Nähe der Baustellenplaneten in Escalian wird Sholoubwa Zeuge des Kampfes zwischen der Entität TAFALLA und Renyi-Hemdebb. TAFALLA reißt den Boten in Stücke. Sholoubwa gewinnt wertvolle Daten. Er erkennt, dass derartige Entitäten oder auch ihre Leichen stabilisierend auf einen aufgewühlten Raum wirken können.
Tausend Jahre später hat Sholoubwa seine Fertigungsstätten auf die Kristallwelt Tolmar verlegt. Er arbeitet noch immer am BOTNETZ. Das Carit hat er durch eine neue submolekular umgewandelte Plastik-Metall-Masse ersetzt. Der erste Praxistest mit dem neuen BOTNETZ erschafft eine Hyperperforation des Raumes, die zusammen mit Tolmar und einem schwarzen Loch ein gleichseitiges Dreieck bildet. Nach langer Zeit melden sich die Hohen Mächte wieder. Sholoubwa fliegt zur Zentrumswelt der Baustellenplaneten in Escalian. Im Turm im Zentrum trifft er einen Hoapono, der ihn zurück nach Evolux beordert. Sholoubwa ignoriert den Befehl, übernimmt die SCHRAUBE-B und lässt Nikomus Neuntau zurück.
Zur Strafe wird der Nullkanal gekappt. Sholoubwa hat keinen Zugriff mehr auf die Großrechner von Evolux. Er kehrt dennoch nach Tolmar zurück und kann eine Verbindung zu den Großrechnern seiner alten Basis herstellen. Nach Jahrhunderten wird seine Basis von einem Rapid-Kreuzer der Yakonta angegriffen. Ein Pulk von Xylthen-Schiffen kommt zur Hilfe und vernichtet den Angreifer. Die Superintelligenz QIN SHI nimmt Kontakt zu Sholoubwa auf. Sie will das BOTNETZ. Der Konstrukteur soll es bis zur Übergabe verstecken. Sholoubwa wählt als Versteck die Galaxis Totemhain. Dort gibt es eine Welt mit einem Zeitbrunnen. Das Gebilde fasziniert ihn. Sholoubwa untersucht lange die Geheimnisse von Totemhain. Nach Jahrhunderten geht aber der Kontakt zu Technogardisten von ihm im System des singenden Schwarzen Lochs verloren. Er wendet sich kurz diesem System zu und erkennt, dass dort mittlerweile das mahnende Schauspiel vom See der Tränen aufgeführt wird.
Zweitausend Jahre später ist Sholoubwa auf dem Weg zu seinem Basis-Planeten. Plötzlich wird der Nullkanal gekappt. Dank des Hauptrechners der SCHRAUBE-B erfährt der Konstrukteur von der Erhöhung des Hyperphysikalischen Widerstands. Sholoubwa ist zurückgesetzt auf seine interne Rechenleistung. Er muss nun herausfinden wer er war und wohin er gehen wollte.

Rezension:
War letzte Woche die Sichtweise von Cholaquin Port’aldonar und Sholoubwa noch eingeschränkt, katapultiert der Autor Marc A. Herren seine Figur Sholoubwa und damit den Leser diese Woche in den Kosmos der Hohen Mächte und natürlich auch in die Niederungen der selbigen. Die Boten der Hohen Mächte gaben sich in Herrens Roman regelrecht die Türklinke in die Hand, kobaltblaue Walzen schwirrten durch das Multiversum, Sholoubwa reiste mit immateriellen Städten, traf auf mehrere geistige Entitäten, auf manche Superintelligenz, Kosmonukleotide wurde gestreift, Kosmische Fabriken materialisierten, Kämpfe mit TRAITOR wurden ausgetragen und nebenbei das BOTNETZ gebaut. Habe ich was vergessen?
Diese Mixtur war in ihrem Umfang geeignet den Leser zu erschlagen und zugeben muss man auch, dass viel Altbekanntes, wenngleich aus neuem Blickwinkel, vom Autor in der Geschichte untergebracht wurde.
Tatsächlich aber gelang es dem Autor die Mischung jederzeit kontrolliert in kleinen Dosen dem Leser über die 63 Seiten zu verabreichen. Dennoch sollten Expokrat und Autor aufpassen. In dieser Art Roman, nämlich alle wesentlichen Elemente eines Zyklus in einem Heft zu konzentrieren und zu kleinen Handlungssträngen und Episoden aus zwei oder drei Dutzend Romanen eine Aufklärung oder Lösung zu bieten, liegt auch eine Schwäche. Rückblickend erscheint manche Geschichte in ihren Inhalten winzig, um nicht zu sagen überflüssig und vorausschauend ahnen wir, dass es im nächsten Zyklus wieder genau so kommen könnte. Das könnte die Geduld der Leser (über)strapazieren.

Leave a reply