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Geheimbefehl Winterstille – von Leo Lukas – Handlung:
In der Solaren Residenz diskutieren die aktuellen Machthaber die Botschaft Delorians. Der Sayporaner Marrghiz bestätigt die Informationen, die Delorian verbreiten ließ. Die Nano-Waffe, das wichtigste Druckmittel der Usurpatoren, hat keine Wirkung mehr. Damit steigt das Risiko für die Besatzer. Als erste Maßnahme wird um die Residenz eine Paratronglocke errichtet. Die Fagesy-Truppen, die noch durch die Stadt patrouillieren, werden aufgefordert, sich zurückzuziehen. Anschläge durch Terraner sollen so verhindert werden. Die Botschaft Delorians verfehlt ihre Wirkung nicht. Überall zeigen die Terraner durch spontane Demonstrationen oder durch Straßenfeste, dass sie sich nicht unterdrücken lassen.
In der Residenz berät Marrghiz mit Anicee weitere Maßnahmen. Die Sprecherin des Umbrischen Rates erteilt über LAOTSE den Überrangbefehl „Winterstille“ an alle Einheiten der LFT-Flotte, sowie an Raumstationen und andere militärische Einrichtungen. Die Schiffe werden dadurch quasi eingefroren, sie halten die letzte Position, können aber nicht mehr navigieren oder ihre Waffen verwenden. Auch an Bord der KRAKAU II, einem 800-Meter-Schlachtschiff der APOLLO-Klasse wird der Befehl empfangen. Die Besatzung verliert die Kontrolle über das Schiff. Allerdings geben sich die Terraner nicht geschlagen. Sie tüfteln an einem Plan, die zentrale Positronik zu überlasten und die Kontrolle über das Raumschiff zurückzugewinnen.
In Terrania kommt es zu einem Zwischenfall. Die Fagesy-Truppen, die sich nur zögerlich aus der Stadt zurückziehen, fühlen sich durch Holo-Symbole, die bei einem Straßenfest gezeigt werden, provoziert. Sie greifen an und nehmen mehrere hundert Menschen und Galaktiker als Geiseln. Die Besatzer erhöhen den Druck und nehmen die zweite Stufe des Geheimbefehls „Winterstille“ in Kraft. Die Raumschiffe, die bislang an der Versorgung und Aufrechterhaltung der Kunstsonne beteiligt waren, stellen den Betrieb ein. Terra droht der Fimbul-Winter. Terranische Raumlandedivisionen, die sich bisher im Untergrund verborgen hatten und einige Junghaluter mit Unterstützung durch Toufec greifen die Geiselnehmer an und können die Geiseln befreien.
Mittlerweile hat auch das Flaggschiff der Liga, die LEIF ERIKSSON IV, die Versieglung brechen können und bezieht Position über Terrania. Im Kastell sind Reginald Bull durch den Geheimbefehl Winterstille die Hände gebunden. Als Resident kann er zwar an Bord eines jeden Schiffs den Befehl widerrufen, aber ein solches Prozedere würde zu lange dauern. Die Zeit drängt, denn von Delorian erfährt Bull, dass Marrghiz eine Flotte von Ovoid-Raumern angefordert hat.
Reginald Bull nimmt Kontakt zur LEIF ERIKSSON IV auf. Die Ministerin für Verteidigung ist erfreut, dass der Resident noch lebt. Oberste Priorität muss die Zurückeroberung der Solaren Residenz und damit die Kontrolle über die Flotte haben. Vorerst kann das Flaggschiff jedoch nichts unternehmen. Bull setzt die Verhandlungen mit Chourtaird fort und erfährt, dass die Heimat der Sayporaner die Galaxis Chanda ist und er bekommt Informationen über die Spenta. Schließlich schließt er mit dem Sayporaner einen Vertrag und nach deren Sitte opfert Bull das letzte Glied seines kleinen Fingers der linken Hand. Das Gewebe wird von Chourtaird in seinen Körper aufgenommen. Zum Vertrag gehört auch, dass die Spenta den Korpus ARCHTIMS mitnehmen dürften.
Während in Bull ein Plan reift, wie er in die Solare Residenz gelangt, erreicht ihn ein Funkspruch der KRAKAU II. Auch diesem Schiff ist es gelungen, den Befehl Winterstille zu überwinden.

Rezension:
Der Titel des Romans erinnerte mich an die ZBV-Serie von K.H. Scheer und suggerierte einen SF-Roman mit klassischer Action. Der Einstieg unter der Rubrik „Merkst du (noch) was?“ nährte in mir die Hoffnung, dass ich die bisherigen Schilderungen einer offensichtlich degenerierten terranischen Gesellschaft im 51. Jahrhundert falsch interpretiert habe und nun die Gegenströme aufgearbeitet werden. Die Ernüchterung folgte nicht viel später. Ein paar Jugendliche veranstalteten ein Straßenfest. Hurra!
Der Autor Leo Lukas konnte sich zudem nicht so recht entscheiden, welche Art Roman er schreiben wollte. Auf der einen Seite gab es diverse Kapitel, in denen die Situation zu eskalieren schien, auf der anderen Seite hat der mehr als umgangssprachliche Tonfall des Autors diesen Entwicklungen die Brisanz genommen. Der Versuch, den Invasionsplot überzeugend und gleichzeitig witzig aufzubereiten ist Leo Lukas nicht gelungen. Das Ganze machte eher einen übertrieben gewollten als überzeugenden Eindruck. Die Reaktion des Residenten auf den Geheimbefehl Winterstille war – wie soll ich das jetzt ausdrücken – sparsam. Die Reaktionen der Besatzungsmitglieder der KRAKAU II war eher von Slapstick geprägt, als dass man echte Gegenmaßnahmen erwarten konnte. Die vom Autor eingestreuten Dialoge waren bisweilen zwar witzig, die wenigen dadurch ausgelösten Debatten bargen allerdings keinen Zündstoff und entsprachen eher einem harmlosen Fünf-Uhr-Tee-Geplänkel.
Wie ich schon in früheren Rezensionen schrieb, fehlt der Sol-Ebene ein durchdachter Überbau. Die geschilderten Veränderungen der Machtverhältnisse, das vollständige Fehlen von Kontrollinstanzen und eine weiterhin in Agonie befindliche Gesellschaft werden nicht hinreichend erklärt. Die Fehler potenzieren sich, je weiter der Zyklus voranschreitet. Dazu kommt, dass sich mittlerweile auch die neuen Machthaber dumm und dusselig anstellen. Von den „neuformatierten“ Jugendlichen geht kein wie auch immer gearteter Einfluss aus, die Sayporaner wissen auch nicht so recht, was sie eigentlich auf der Erde wollen und die Fagesy haben noch immer nicht kapiert, dass die Terraner den Korpus von ALLDAR gar nicht gestohlen haben können. Dieses Hirngespinst passte schon beim ersten Erwähnen nicht in die Geschichte und wird durch ständiges Wiederholen nicht richtiger. Dieses Konstrukt, ein Motiv für die Anwesenheit der Fagesy herzuleiten, verwässert die Geschichte. Ansonsten besteht der Roman aus vielen Einzelaktionen, denen es an Zusammenhalt fehlt. Ein paar Aktionen stehen plakativ im Vordergrund, dazu zählt der Einsatz der Raumlandedivisionen, der beindruckende Anflug des Flaggschiffs der Liga mit einigen völlig unmotiviert eingeblendeten technischen Daten und ein paar Effekte mehr. Dazu kommt, dass der Autor uns weismachen will, dass das Abschalten der Sonne und nun auch der Kunstsonne, den Medien keine Schlagzeile wert wäre. Insgesamt betrachtet mangelt es dem Roman an Plausibilität und es fehlte zum wiederholten Male eine durchgehende, d.h. eine diesen Einzelroman bestimmende Story!
Der Geheimbefehl „Winterstille“ lieferte leider nur eine Pseudo-Spannung. Mit der künstlichen Intelligenz der Positronik der Solaren Residenz LAOTSE scheint es nicht weit her zu sein. Die Positroniken der Serie wurden in der Vergangenheit auch schon leistungsfähiger und intelligenter geschildert. Erstaunlich, wie bereitwillig sich die wichtigste Positronik der Menschheit – abgesehen von NATHAN – von den Besatzern benutzen lässt. Die wenigen Erklärungen des Autors zu diesen Aktionen sind nicht einleuchtend. Dieses Auf und Ab in den Schilderungen dieser Technologie, eben noch Hui und wenn es benötigt wird, dann eben Pfui, verzerrt das Ganze ins Lächerliche. Im Gegensatz dazu schildert der Autor die Positronik der KRAKAU II anfänglich als nicht überlistbar. Dann dreht der Autor erneut an der Leistungsschraube und dreht das Ganze wieder um. Die folgende nähere Beleuchtung von Rechengeschwindigkeit und Übertragungswegen im 51. Jahrhundert durch den Autor hätte der sich besser sparen sollen, denn die sind – zurückhaltend ausgedrückt – ein Reinfall in dieser Geschichte und in dieser Zeit. Die Angaben des Autors zu Geschwindigkeit, Bandbreite und den Rechenoperationen sind niedlich aber so wird die Zukunft der Computer sicherlich nicht aussehen. Da leistet ja die CPU, die mich beim Schreiben dieser Rezension unterstützt, schon heute mehr!
Das eigentlich Interessante an dem Roman von Leo Lukas waren noch ein paar zum Ende hin eingestreute Informationen zur Heimat der Sayporaner und zum Volk der Spenta. Das ist zumindest für den Zyklus wichtig gewesen, das insgesamt schwache Heft konnten diese Hinweise natürlich nicht retten. Zumal diese Infos mehr oder weniger ohne einen Zusammenhang einfach im Heft platziert wurden. Prolog und Epilog sind die Textpassagen, die noch am ehesten überzeugen konnten, der Rest nicht. Leo Lukas hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass er auch bei schwachen Exposés und einer schwachen Gesamtstory noch gute Einzelromane abliefern konnte. Das ist ihm diesmal nicht gelungen.
Ein letzter Gedanke zum Vertragsabschluss mit Chourtaird. Bulls Fingerglied müsste ohne die regenerativen Impulse des Aktivators im sayporanischen Körper eigentlich zu Staub zerfallen. Hoffentlich kommt es dadurch nicht zum Vertragsbruch! J

 

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