Articles for the Month of Juli 2012

Ansichten zu PR 2658

Die Stunde des Residenten – von Verena Themsen – Handlung:
Über die Heimatwelt der Menschheit ist der Fimbulwinter eingebrochen. Der Befehl Winterstille hat nicht nur die Bewegungen der terranischen Flotte eingeschränkt, er hat auch die Kunstsonnen erlöschen lassen. Resident Reginald Bull muss unbedingt in die Solare Residenz gelangen, um dort die Chance zur Aufhebung des Befehls zu erhalten. Die Unterstützungsflotte der Sayporaner ist auf dem Weg ins Solsystem. Wenn sie eintrifft bevor Bull Erfolg hat, können die terranischen Schiffe keine Gegenwehr leisten.
Bullys Aufgabe ist es, in die Solare Residenz eindringen, den umgebenden Paratronschirm ausschalten und es dadurch Delorian und den Mitgliedern des Bunds der Sternwürdigen zu ermöglichen ebenfalls in den terranischen Regierungssitz einzudringen, um dort gegen die Usurpatoren vorzugehen. Die Kommandocodes gestatten es nur dem Residenten ohne Begleitung die Schutzsperren zu überwinden. Delorian verspricht ihm, dass die TOLBA das Transitparkett in der Solaren Residenz ansprechen kann, sobald der Schutzschirm abgeschaltet wurde. Toufec und Einsatzkräfte der Ersten Terranischen Raumlandedivision würden dann in die Stahlorchidee wechseln können.
Während Bull per Transmitter vom Kastell in die TOLBA auf Terra wechselt, verlieren einige Fagesy an Bord ihrer Sternengaleonen die Geduld. Sie sind der Meinung, dass nicht ausreichend genug nach dem Verbleib ALLDARS geforscht wird. Sie fliegen einige größere Raumer der terranischen Flotte an und entern die Schiffe. Sie wollen die Positroniken anzapfen, um Informationen zum Verbleib ALLDARS zu erhalten. An Bord der Schiffe kommt es zu Kämpfen.
Mit einem Gleiter fliegt Bull zum Hauptquartier der Ersten Terranischen Raumlandedivision. Mit der Unterstützung der Soldaten gelangt der Resident in einen Versorgungstunnel, der zur Solaren Residenz führt, die sich im Futteral im Residenzsee abgesenkt hat. Delorian arbeitet unterdessen an einem anderen Projekt, das nach seiner Aussage einen umfassenden Schutz für das Solsystem bieten wird. Bull gelangt mit seinen Kommandocodes in die Solare Residenz, wo er sich langsam nach oben arbeitet, immer Gefahr laufend, von den patrouillierenden Fagesy gefasst zu werden. Sein Ziel ist die Steuerung von LAOTSE. Mit List gelingt es Bull, die Fagesy-Patrouillen zu umgehen und die letzte Hürde zu nehmen die ihn zu LAOTSE bringt. Sein Eindringen bleibt jedoch nicht unbemerkt. Vorerst ist Bull jedoch sicher und er wird von LAOTSE auch sofort erkannt. Bull kann LAOTSE, der sich zunächst weigert den Schutzschirm zu deaktivieren, immerhin dazu überreden eine Strukturlücke zu schalten.
Durch diese Aktion erfahren auch Marrghiz und der Umbrische Rat vom Eindringen eines Fremden in die Residenz. Riordan glaubt, dass der Eindringling nur Attilar Leccore sein kann. Riordan setzt sich ab, angeblich zum TLD-Tower. Den Befehl Winterstille kann Bull nicht widerrufen. Er benötigt dazu Henrike Ybarri, da mit deren Codes der Befehl erteilt wurde. Beim Verlassen der Steuerung LAOTSES wird Bull angegriffen. Doch dem Residenten ist es gelungen, die Gegner mit einem leeren SERUN zu täuschen. Bull hat LAOTSE über einen Transmitter verlassen. Der Resident gelangt nach Umwegen zur Ersten Terranerin. Die teilt ihm mit, dass ihre Tochter Anicee den Befehl Winterstille erteilt hat. Bull dringt zum Umbrischen Rat vor, um Anicee zum Widerruf des Befehls zu überreden, was ihm auch tatsächlich gelingt.
Währenddessen sind Toufec, Shanda Sarmotte, Soldaten und TARAS durch die Strukturlücke in die Residenz gelangt und legen mit ihren Aktionen die Paratrongeneratoren lahm. Toufec setzt dazu seine Nanogenten ein. Bei den Gefechten verrutscht das Geflecht, das Toufec im Haar trägt und ihn vor Telepathen schützt. Shanda Sarmotte kann seine Gedanken extrahieren. Mit der Aufhebung des Befehls Winterstille sind die terranischen Schiffe in der Lage gegen die Sternengaleonen vorzugehen, was sie auf Befehl der Ligaministerin für Verteidigung auch sofort tun. Die Fagesy unterliegen. Viele Sternengaleonen werden zerstört. Die Kunstsonnen werden wieder eingeschaltet und der Umbrische Rat tritt zurück und seine Mitglieder werden unter Hausarrest gestellt. Marrghiz und Chossom sind geflohen. LAOTSES Programmierung soll von Unbekannten im Vorfeld der Invasion manipuliert worden sein. Er wird neu programmiert. Bei einer Feier zur Rückkehr Bulls wird plötzlich Alarm gegeben. Zunächst wird befürchtet, dass die Flotte der Sayporaner eingetroffen sein könnte, doch Delorian beruhigt die Terraner. Es sind 48 Kugeln mit Chanda-Kristallen, die um das Solsystem stationiert wurden. Als dann tatsächlich die Flotte der Sayporaner eintrifft, erzeugt Delorian mit den Hyperkristallkugeln eine Sextadim-Blase, die ähnlich dem Sextadimschleier um das Stardust-System, das Sol-System einhüllt und schützt.
Shanda Sarmotte teilt Bull mit, dass sie alles über die Stadt Aures und den Vertrag von Sanhaba aus Toufecs Gedanken gelesen hat.

Rezension:
Die Geschichte brillierte mit einem Ablauf, der leider nur noch sehr selten in einem Perry-Rhodan-Roman zu finden ist. Die Autorin lässt ihre Hauptfigur einen Plan ersinnen, Vorbereitungen treffen, den Plan schließlich in die Tat umsetzen und lässt diese Handlung zudem einen Großteil des Romans einnehmen. Das ist deshalb erwähnenswert, weil die einzelnen Handlungsebenen derart facettenreich aufgebaut sind, dass viele Autoren sich nur noch darauf konzentrieren, die einzelnen Puzzle dieser Ebenen mit mehr oder weniger gelungenen Textpassagen zu verbinden, statt sich eine passable und den Roman beherrschende Hauptstory auszudenken.
Der Roman von Verena Themsen war da in vielerlei Hinsicht unterhaltend. Neben der erwähnten Haupthandlung gelang es der Autorin auch die Emotionen der Figuren sehr gut darzustellen. Beispielsweise als der totgeglaubte Bull sich Terranern in der Solaren Residenz zu erkennen gibt. Diese Stimmung hat die Autorin sehr gut transportiert. Die Idee, den Fimbulwinter aus der Sicht von Tieren zu schildern, fand ich ebenfalls originell auch wenn nicht jede Darstellung der instinktgesteuerten Verhaltensweisen überzeugen konnte.
Die Geschichte wies doch den einen oder anderen Fehler und andere Ungenauigkeiten im Ablauf auf. Zugute halten muss man der Autorin, dass die Situation in der Sol-Ebene schon lange vor diesem Roman unlogisch war. Gerade die naive Darstellung einer Demokratie der Zukunft und die Legitimation ihrer Organe, bzw. das Aushebeln dieser Organe basieren mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Exposé-Vorgaben und sind der Autorin nicht anzulasten. Ein Mangel muss unbedingt erwähnt werden. Bull legt Einspruch gegenüber einer Positronik ein. Was war passiert? Bull will LAOTSE überzeugen, den Schutzschirm um die Solare Residenz auszuschalten. LAOTSE weigert sich, da er gegenüber der gegenwärtigen Regierung (Umbrischer Rat, Marrghiz etc.) loyal ist. Zudem kann die Positronik kein Unrecht bei der Machtübernahme erkennen und stellt auch fest, dass alle Vollmachten des Residenten an den Umbrischen Rat übergegangen sind.
Dennoch gelingt es Bull LAOTSE zu überreden, zumindest eine Strukturlücke in den Schutzschirm zu schalten. Die Begründung für den Umschwung in LAOTSES Verhalten bleibt zunächst unklar. LAOTSE gibt Bull zu verstehen, dass er dessen Befehlen nicht folgen kann, gibt ihm aber Tipps welche Befehle er geben darf, damit er diesen dann Folge leisten kann. Äh? Die Positronik akzeptiert Bull plötzlich wieder als Regierungsmitglied und stellt zudem fest, dass die Machtübernahme fragwürdig war. Später im Roman reicht die Autorin eine schwache Erläuterung zu LAOTSES Verhalten nach. Demnach haben Unbekannte in die Programmierung LAOTSES bereits vor der Invasion eingegriffen. Die Erläuterung ist aus mehreren Gründen schwach. Wenn LAOTSE so funktioniert hätte, wie es die Usurpatoren sich vorstellten, dann hätte Bull keinen Erfolg haben dürfen. Wenn die Manipulation LAOTSES aber nicht ausreichend war, dann hätte die Maschine die anderen Regierungsmitglieder bereits früher unterstützen müssen. Dann hätte beispielsweise der Umbrische Rat die Kunstsonnen nicht herunterfahren können und andere Entscheidungen wären am Widerstand LAOTSES gescheitert.
Abgesehen davon bleibt leider mehr als unklar, inwieweit sich eine Positronik überhaupt in die Belange der Regierung einmischen kann und darf, obwohl das ein interessantes Thema ist. Und da sind wir wieder bei dem Background für die Sol-Ebene. Sie ist zu wenig durchdacht, gerade weil solche Themen eben nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Muss oder darf eine Positronik bei Verschiebungen der Machtverhältnisse Gegenmaßnahmen ergreifen und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Den Gedanken von oben aufgreifend, dass LAOTSE vor der Invasion bereits manipuliert wurde und daher nicht eingegriffen hat lässt den Umkehrschluss zu, dass die Positronik durchaus Einfluss auf die Arbeit der gewählten Politiker nehmen kann. Dann aber bitte definieren, was die Positronik darf und was nicht. Und welche Kontrollinstanzen überwachen das!
Das wäre vielleicht mal ein Thema für ein Perry Rhodan EXTRA. Eine Anmerkung noch zu der Erläuterung der Autorin, die wie schon erwähnt am Romanende eingebaut wurde. Es wäre schön gewesen, wenn die Protagonisten im Verlauf ihrer Handlungen in diesem und in früheren Romanen selbst die Beobachtung von LAOTSES Fehlverhalten hätten machen können, um dann daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, die wiederum zu anderen Handlungen geführt hätten. Dadurch wäre mehr Logik in die Abläufe gekommen und man spart sich diese überraschenden Eröffnungen, wenn doch bereits alles vorbei ist.
Noch ein paar Anmerkungen zu weiteren Inhalten der Geschichte. Interessant an dem erzielten „Sieg“ ist, dass Delorian Pläne verfolgen könnte, die womöglich ebenfalls nicht von der Mehrzahl der Menschen akzeptiert wird. Man hat sich zwar vorerst der Fagesy und Sayporaner entledigen können, aber das Regiment schwingt noch immer nicht die terranische Regierung, bzw. tut sie es offensichtlich nicht alleine. Schade ist im Übrigen auch, dass uns die Motive der Mitglieder des Umbrischen Rats bislang nicht präsentiert werden. Die Schilderungen auf der Welt der Sayporaner gehören mit zum Besten, was der Zyklus zu bieten hat. Die „Ergebnisse“ der Umformatierung sind leider irgendwie in den Hintergrund geraten. Ein bisschen durfte Anicee Politik spielen, das war’s. Ich hoffe, da kommt noch was.

Ansichten zu PR 2657

Geheimbefehl Winterstille – von Leo Lukas – Handlung:
In der Solaren Residenz diskutieren die aktuellen Machthaber die Botschaft Delorians. Der Sayporaner Marrghiz bestätigt die Informationen, die Delorian verbreiten ließ. Die Nano-Waffe, das wichtigste Druckmittel der Usurpatoren, hat keine Wirkung mehr. Damit steigt das Risiko für die Besatzer. Als erste Maßnahme wird um die Residenz eine Paratronglocke errichtet. Die Fagesy-Truppen, die noch durch die Stadt patrouillieren, werden aufgefordert, sich zurückzuziehen. Anschläge durch Terraner sollen so verhindert werden. Die Botschaft Delorians verfehlt ihre Wirkung nicht. Überall zeigen die Terraner durch spontane Demonstrationen oder durch Straßenfeste, dass sie sich nicht unterdrücken lassen.
In der Residenz berät Marrghiz mit Anicee weitere Maßnahmen. Die Sprecherin des Umbrischen Rates erteilt über LAOTSE den Überrangbefehl „Winterstille“ an alle Einheiten der LFT-Flotte, sowie an Raumstationen und andere militärische Einrichtungen. Die Schiffe werden dadurch quasi eingefroren, sie halten die letzte Position, können aber nicht mehr navigieren oder ihre Waffen verwenden. Auch an Bord der KRAKAU II, einem 800-Meter-Schlachtschiff der APOLLO-Klasse wird der Befehl empfangen. Die Besatzung verliert die Kontrolle über das Schiff. Allerdings geben sich die Terraner nicht geschlagen. Sie tüfteln an einem Plan, die zentrale Positronik zu überlasten und die Kontrolle über das Raumschiff zurückzugewinnen.
In Terrania kommt es zu einem Zwischenfall. Die Fagesy-Truppen, die sich nur zögerlich aus der Stadt zurückziehen, fühlen sich durch Holo-Symbole, die bei einem Straßenfest gezeigt werden, provoziert. Sie greifen an und nehmen mehrere hundert Menschen und Galaktiker als Geiseln. Die Besatzer erhöhen den Druck und nehmen die zweite Stufe des Geheimbefehls „Winterstille“ in Kraft. Die Raumschiffe, die bislang an der Versorgung und Aufrechterhaltung der Kunstsonne beteiligt waren, stellen den Betrieb ein. Terra droht der Fimbul-Winter. Terranische Raumlandedivisionen, die sich bisher im Untergrund verborgen hatten und einige Junghaluter mit Unterstützung durch Toufec greifen die Geiselnehmer an und können die Geiseln befreien.
Mittlerweile hat auch das Flaggschiff der Liga, die LEIF ERIKSSON IV, die Versieglung brechen können und bezieht Position über Terrania. Im Kastell sind Reginald Bull durch den Geheimbefehl Winterstille die Hände gebunden. Als Resident kann er zwar an Bord eines jeden Schiffs den Befehl widerrufen, aber ein solches Prozedere würde zu lange dauern. Die Zeit drängt, denn von Delorian erfährt Bull, dass Marrghiz eine Flotte von Ovoid-Raumern angefordert hat.
Reginald Bull nimmt Kontakt zur LEIF ERIKSSON IV auf. Die Ministerin für Verteidigung ist erfreut, dass der Resident noch lebt. Oberste Priorität muss die Zurückeroberung der Solaren Residenz und damit die Kontrolle über die Flotte haben. Vorerst kann das Flaggschiff jedoch nichts unternehmen. Bull setzt die Verhandlungen mit Chourtaird fort und erfährt, dass die Heimat der Sayporaner die Galaxis Chanda ist und er bekommt Informationen über die Spenta. Schließlich schließt er mit dem Sayporaner einen Vertrag und nach deren Sitte opfert Bull das letzte Glied seines kleinen Fingers der linken Hand. Das Gewebe wird von Chourtaird in seinen Körper aufgenommen. Zum Vertrag gehört auch, dass die Spenta den Korpus ARCHTIMS mitnehmen dürften.
Während in Bull ein Plan reift, wie er in die Solare Residenz gelangt, erreicht ihn ein Funkspruch der KRAKAU II. Auch diesem Schiff ist es gelungen, den Befehl Winterstille zu überwinden.

Rezension:
Der Titel des Romans erinnerte mich an die ZBV-Serie von K.H. Scheer und suggerierte einen SF-Roman mit klassischer Action. Der Einstieg unter der Rubrik „Merkst du (noch) was?“ nährte in mir die Hoffnung, dass ich die bisherigen Schilderungen einer offensichtlich degenerierten terranischen Gesellschaft im 51. Jahrhundert falsch interpretiert habe und nun die Gegenströme aufgearbeitet werden. Die Ernüchterung folgte nicht viel später. Ein paar Jugendliche veranstalteten ein Straßenfest. Hurra!
Der Autor Leo Lukas konnte sich zudem nicht so recht entscheiden, welche Art Roman er schreiben wollte. Auf der einen Seite gab es diverse Kapitel, in denen die Situation zu eskalieren schien, auf der anderen Seite hat der mehr als umgangssprachliche Tonfall des Autors diesen Entwicklungen die Brisanz genommen. Der Versuch, den Invasionsplot überzeugend und gleichzeitig witzig aufzubereiten ist Leo Lukas nicht gelungen. Das Ganze machte eher einen übertrieben gewollten als überzeugenden Eindruck. Die Reaktion des Residenten auf den Geheimbefehl Winterstille war – wie soll ich das jetzt ausdrücken – sparsam. Die Reaktionen der Besatzungsmitglieder der KRAKAU II war eher von Slapstick geprägt, als dass man echte Gegenmaßnahmen erwarten konnte. Die vom Autor eingestreuten Dialoge waren bisweilen zwar witzig, die wenigen dadurch ausgelösten Debatten bargen allerdings keinen Zündstoff und entsprachen eher einem harmlosen Fünf-Uhr-Tee-Geplänkel.
Wie ich schon in früheren Rezensionen schrieb, fehlt der Sol-Ebene ein durchdachter Überbau. Die geschilderten Veränderungen der Machtverhältnisse, das vollständige Fehlen von Kontrollinstanzen und eine weiterhin in Agonie befindliche Gesellschaft werden nicht hinreichend erklärt. Die Fehler potenzieren sich, je weiter der Zyklus voranschreitet. Dazu kommt, dass sich mittlerweile auch die neuen Machthaber dumm und dusselig anstellen. Von den „neuformatierten“ Jugendlichen geht kein wie auch immer gearteter Einfluss aus, die Sayporaner wissen auch nicht so recht, was sie eigentlich auf der Erde wollen und die Fagesy haben noch immer nicht kapiert, dass die Terraner den Korpus von ALLDAR gar nicht gestohlen haben können. Dieses Hirngespinst passte schon beim ersten Erwähnen nicht in die Geschichte und wird durch ständiges Wiederholen nicht richtiger. Dieses Konstrukt, ein Motiv für die Anwesenheit der Fagesy herzuleiten, verwässert die Geschichte. Ansonsten besteht der Roman aus vielen Einzelaktionen, denen es an Zusammenhalt fehlt. Ein paar Aktionen stehen plakativ im Vordergrund, dazu zählt der Einsatz der Raumlandedivisionen, der beindruckende Anflug des Flaggschiffs der Liga mit einigen völlig unmotiviert eingeblendeten technischen Daten und ein paar Effekte mehr. Dazu kommt, dass der Autor uns weismachen will, dass das Abschalten der Sonne und nun auch der Kunstsonne, den Medien keine Schlagzeile wert wäre. Insgesamt betrachtet mangelt es dem Roman an Plausibilität und es fehlte zum wiederholten Male eine durchgehende, d.h. eine diesen Einzelroman bestimmende Story!
Der Geheimbefehl „Winterstille“ lieferte leider nur eine Pseudo-Spannung. Mit der künstlichen Intelligenz der Positronik der Solaren Residenz LAOTSE scheint es nicht weit her zu sein. Die Positroniken der Serie wurden in der Vergangenheit auch schon leistungsfähiger und intelligenter geschildert. Erstaunlich, wie bereitwillig sich die wichtigste Positronik der Menschheit – abgesehen von NATHAN – von den Besatzern benutzen lässt. Die wenigen Erklärungen des Autors zu diesen Aktionen sind nicht einleuchtend. Dieses Auf und Ab in den Schilderungen dieser Technologie, eben noch Hui und wenn es benötigt wird, dann eben Pfui, verzerrt das Ganze ins Lächerliche. Im Gegensatz dazu schildert der Autor die Positronik der KRAKAU II anfänglich als nicht überlistbar. Dann dreht der Autor erneut an der Leistungsschraube und dreht das Ganze wieder um. Die folgende nähere Beleuchtung von Rechengeschwindigkeit und Übertragungswegen im 51. Jahrhundert durch den Autor hätte der sich besser sparen sollen, denn die sind – zurückhaltend ausgedrückt – ein Reinfall in dieser Geschichte und in dieser Zeit. Die Angaben des Autors zu Geschwindigkeit, Bandbreite und den Rechenoperationen sind niedlich aber so wird die Zukunft der Computer sicherlich nicht aussehen. Da leistet ja die CPU, die mich beim Schreiben dieser Rezension unterstützt, schon heute mehr!
Das eigentlich Interessante an dem Roman von Leo Lukas waren noch ein paar zum Ende hin eingestreute Informationen zur Heimat der Sayporaner und zum Volk der Spenta. Das ist zumindest für den Zyklus wichtig gewesen, das insgesamt schwache Heft konnten diese Hinweise natürlich nicht retten. Zumal diese Infos mehr oder weniger ohne einen Zusammenhang einfach im Heft platziert wurden. Prolog und Epilog sind die Textpassagen, die noch am ehesten überzeugen konnten, der Rest nicht. Leo Lukas hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass er auch bei schwachen Exposés und einer schwachen Gesamtstory noch gute Einzelromane abliefern konnte. Das ist ihm diesmal nicht gelungen.
Ein letzter Gedanke zum Vertragsabschluss mit Chourtaird. Bulls Fingerglied müsste ohne die regenerativen Impulse des Aktivators im sayporanischen Körper eigentlich zu Staub zerfallen. Hoffentlich kommt es dadurch nicht zum Vertragsbruch! J

 

Ansichten zu PR 2656

Das Feynman-Kommando – von Wim Vandemaan – Handlung:
Im Kastell von Neo-Ganymed sieht Reginald Bull am 22. November 1469 NGZ der Ankunft der TOLBA mit Rhodan an Bord entgegen. Der Resident ist die einzige Person am Landeplatz der transparenten 110 Meter durchmessenden Sphäre, in der eine kleinere Kugel mit 75 Meter Durchmesser eingebettet ist. Nach der Landung sinkt die innere Kugel quälend langsam nach unten, bis schließlich die Hüllen der beiden Kugeln verschmelzen. Der Mann, der durch ein Portal das Schiff verlässt tritt an Reginald Bull heran. Es ist Delorian, der, wie er Bull auch sogleich mitteilt, sich schon lange nicht mehr als Chronist von ES versteht. Bully lädt Perrys und Mondras Sohn in das Kastell. Delorian lässt sich von Bull die Einrichtung und die dort arbeitenden Menschen zeigen, während er beiläufig erwähnt, dass er hier sei, um etwas zu tun, was sein Vater sich nie getraut hat. Auf Nachfragen schweigt er zu diesem Thema. Shanda Sarmotte kann die Gedanken Delorians nicht lesen.
Schließlich gibt Rhodans Sohn doch einige Informationen preis. Er will gegen die Invasoren kämpfen. Ihm zu Seite stehe der Bund der Sternwürdigen. Toufec würde dazugehören und andere. Sie sind bereits auf Terra im Einsatz und führen das Feynman-Kommando aus. Bull soll ihn nach Terra begleiten. Die Unterredung wird unterbrochen. Der Utrofare Nachtaugs Beisohn hat im Bereich des Uranus ein fremdes Schiff wahrgenommen. Bull und Sarmotte fliegen mit dem schweren Kreuzer KLEOPATRA im Tarnmodus zum Uranus. Dort treffen sie auf 3 Sternengaleonen, die wohl ebenfalls auf der Suche nach dem fremden Schiff sind. Dank Shandas telepathischer Fähigkeiten gelingt ihnen die Entdeckung eines kleinen Flugkörpers, der sich in einem Krater des Uranusmondes Umbriel verbirgt. Shanda identifiziert das Schiff als die ANÄIRY mit Shamsur Routh und dem Sayporaner Chourtaird. Sie nehmen das Schiff an Bord und können mit einer List den Sterngaleonen entkommen.
Zurück im Kastell entscheidet sich Bull dafür, vorerst nicht nach Terra zu reisen. Er will mehr über Chourtaird herausfinden. Während Shamsur Routh medizinisch versorgt wird, verhört der Resident den Sayporaner. An Stelle Bullys soll Shanda Sarmotte Delorian begleiten. Die beiden gehen an Bord der TOLBA und fliegen zur Erde. Von der Technik der transparenten Sphäre bekommt die Telepathin nicht viel zu sehen. Die wenigen Bedienelemente werden aus Formenergie oder als Materieprojektion erzeugt. Das Schiff landet unbemerkt auf dem Raumhafen von Aldebaran City nördlich von Terrania. Von außen tarnt sich das Schiff als uralter Kreuzer mit den Namen GLIMMER II. Nach dem Ausstieg ertönt der Umbrische Gong. Shanda hat Mühe der Beeinflussung zu widerstehen. In einem Park treffen Delorian und die Mutantin auf Toufec. Mit seinem Dschinn erschafft Toufec für alle eine Unterkunft für die Nacht.
Am nächsten Tag trifft sich die Gruppe mit Phaemonoe Eghoo. Die Journalistin zeichnet eine Ansprache Delorians an die Menschheit auf. Riordan hat über die Stille Ve den Aufenthaltsort von Eghoo herausgefunden und schickt Roboter und seine Leute los. Allerdings kann die Gruppe mit Hilfe von Toufecs Dschinn entkommen. Während Shanda Sarmotte von Delorian mehr über das Feynman-Kommando erfährt, begibt sich Eghoo in die Redaktionsräume des SIN-Towers. Die Ansprache Delorians wird ausgestrahlt. Delorian informiert die Solaner über seine Absicht, die Invasoren zu bekämpfen und die Sonne zurückzuholen. Direkt nach der Ausstrahlung der Botschaft dringt Riordan mit TARAS in die Redaktionsräume ein und ermordet vor den Augen ihrer Kollegen Phaemonoe Eghoo, indem er ihr das Genick bricht.
Shanda Sarmotte lernt in der Zentrale der TOLBA Clara Esleve und Duncan Talbot, zwei weitere Mitglieder von Delorians Bund kennen. Talbot erklärt ihr, dass das Feynman-Kommando die Aufgabe hat, die Nano-Maschinen der Fagesy zu bekämpfen. Er gestattet Shanda, sich die Informationen dazu direkt aus seinem Gehirn zu holen. Die Mutantin ist auch Informationsextraktorin und erfasst damit ganzheitlich das Wissen ihres Gegenübers. Schließlich erfährt sie auch, dass das Feynman-Kommando Erfolg hatte. Die zweite Botschaft Delorians, die Eghoo vor ihrem Tod hat verstecken können, wird ausgestrahlt. Delorian verkündet der Menschheit das Ende der Erpressung durch die Nano-Waffe.
Im Kastell hat sich Reginald Bull mit Chourtaird beschäftigt. Der Sayporaner ist lt. medizinischer Untersuchung über tausend Jahre alt, wobei seine Organe, die DNS und auch Teile des Gewebes des Sayporaners aus unterschiedlichen Quellen stammen. Chourtaird erzählt Bully vom Weltenkranzsystem und vom Planeten Gadomenäa. Er erläutert dem Residenten die Anomalie und welchem Zweck sie dienen soll, nämlich ein sicheres Refugium für QIN SHI vor den Hohen Mächten zu sein. Er bittet Bull um Hilfe. Die sayporanische Gesellschaft ist selbst unterwandert. Die Macht geht von der Akademie für Logistik aus. Wenn die Terraner helfen, diese Macht zu brechen, würden die Terraner im Gegenzug Hilfe bei der Rückkehr des Solsystems an seinen angestammten Platz erhalten. Für die Neuformatierten kann Chourtaird keine Hilfe bieten und auch nicht gegen die Spenta. Aber er gibt Bull die Koordinaten des Lichtwirt-Systems, der Heimat der Spenta. Bull geht auf die Vereinbarung ein.

Rezension:
Bereits nach zwei Zeilen habe ich den Roman kurz zur Seite gelegt, um die Datumsangabe des Autors, den 22. November 1469 NGZ, mit den Angaben des letzten Romans der Chanda-Ebene abzugleichen. Als Perry zuletzt im Einsatz war, schrieb man den 18. November 1469. Es hätte also tatsächlich Perry Rhodan sein können, der hier das Solsystem aufsucht. Das Nachschlagen hätte ich mir allerdings sparen können, denn der Autor spannt seine Leser nicht lange auf die Folter und enthüllt die Identität des Ankömmlings bereits 2 Seiten weiter. Zur Rettung des Solsystems erscheint Delorian Rhodan.
Wim Vandemaan überzeugt jetzt nicht mit einer brisanten Handlung. Vielmehr führt der Autor die vielen kleinen Erzählstränge, in der die Sol-Ebene zerfasert ist, konsequent weiter, verwebt sie und schließt einige Episoden ab. Dabei greift der Autor gerade in den Dialogen auf einen trockenen Humor zurück. Die wissenschaftlichen Daten, die der Autor einfließen lässt, z.B. bei dem Ausflug zum Uranus, verleihen zumindest diesem Teil der Geschichte ein hohes Maß an Authentizität. Die zahlreichen Superintelligenzen und Wundermittel, die diesen Zyklus beherrschen, treten in diesem Moment, in dem sich der Autor auf ein klassisches SF-Element besinnt, in den Hintergrund. Auch dadurch bekommt diese Szene einen besonderen Charme. Davon würde ich gerne mehr lesen.
Der Autor bedient sich jedoch nicht alleine solcher Zutaten und würfelt sie einfach zusammen, sondern er macht sich auch Gedanken zum Aufbau seiner Geschichte. Als Leser von Vandemaans Romanen hat man es nicht immer leicht, jeden seiner Ideen und Einfälle zu folgen. Die Komplexität dieser Elemente sind jedoch ein Garant dafür, dem Stoff aufmerksamer als anderen Romanen der Serie zu folgen. Dadurch zeichnete sich auch bald ein dramatischer Höhepunkt in diesem Roman ab. Das Schicksal der Figur Phaemonoe Eghoo kündigt der Autor bereits früh an. Da ist die seltsame Bemerkung Toufecs, die Ablenkung Shandas, die somit nicht die Gedanken Eghoos lesen kann und die Bemerkung der Journalistin an ihre Kollegin. Dann lässt der Autor das Geschehen eskalieren. Der Figur Eghoo entgleitet die Situation und ihre Ermordung ist schlicht widerwärtig und obwohl es mir schwer fällt, das zu schreiben, war die Szene jedoch glaubhaft. Direkt im Anschluss an diesen barbarischen Akt setzt der Autor noch eins oben drauf. Er legt zumindest eines der abartigen Motive dieser Tat bloß, in dem er schildert, wie sich der Mörder und seine Begleiterin an dem Mord ergötzen wollten, indem die Ferronin als Telepathin die letzten Gedanken der Ermordeten liest. Meines Wissens, hat hier Wim etwas geschildert, dass es bislang in der Serie noch nicht gegeben hat. Abstoßend und faszinierend zugleich. Dass ich es faszinierend finde, erschreckt mich übrigens jetzt auch!
Noch ein paar Worte zur Gesamtstory. Es überrascht jetzt nicht wirklich, dass die zahlreichen Probleme, mit der sich die solare Menschheit einmal mehr konfrontiert sieht, wohl wieder nicht mit eigenen Kräften gelöst werden. Und ebenso wenig überrascht es, dass sich Delorian als Geheimniskrämer präsentiert. Der Autor hat jedoch das Beste aus der Situation gemacht und kann die Schwächen in der Storyline mit trockenem Humor und zahlreichen Einfällen überdecken. Obwohl mir Wims Roman sehr gut gefallen hat, kann ich die Schwächen des Zyklus nicht übersehen. Das Bull die Koordinaten des Heimatsystems der Spenta von Chourtaird erhält, statt einfach mal ein paar Schiffe zu den wenigen Sonnen der Anomalie zu schicken ist schon als peinlich für den Expokraten zu bezeichnen.
Und noch ein Gedanke zum Schluss. Asimov würde sich übrigens im Grabe umdrehen. Die drei Gesetze der Robotik sind bei den TARAS nicht zur Anwendung gekommen. Ansonsten hätten diese den Mord verhindert.