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Der Umbrische Gong – von Leo Lukas – Handlung:
Im Zoo von Terrania gerät die kleine Gruppe von Widerständlern in einen Hinterhalt, dem Urs von Strattkowitz zum Opfer fällt. Sharoun Beffegor wirft sich in einen Abflussgraben und duckt sich unter den Schallwaffen der Fagesy. Die Schlangensternwesen schießen jedoch auf den plötzlich aufgetauchten Schatten. Der Fremde zieht die Aufmerksamkeit der Angreifer auf sich. Dies gibt der Ex-TLD-Agentin die Chance, sich unbehelligt vom Ort des Geschehens zu entfernen.
Auf dem Weg zum vereinbarten Rückzugsort am Giraffengehege gabelt sie noch den Mattenwilly Snacco auf und beide treffen schließlich mit Barisch Chada und dem Fagesy Oachono zusammen, der von seinen Fesseln befreit ist. Chada informiert sie über seine Rettung durch die ehemalige Geisel. Plötzlich erscheint der Schatten und gibt sich als Toufec zu erkennen. Der Fremde gibt zu verstehen, dass er der Gruppe nicht immer helfen könne. Er sei nur ein Emissär, ein Vorbote, der die Ankunft von Rhodan vorbereiten würde. Die Gruppe geht in den Untergrund von Terrania. Sharoun Beffegor sucht Hilfe bei der TLD-Agentin Undine Comerell, mit der sie vor Jahren die Ausbildung zusammen gemacht hatte.
In der Solaren Residenz werden die Aufzeichnungen der Attacke Toufecs im Dolan Memorial Park von Marrghiz analysiert. Er gibt das Ziel aus, den Schatten unbedingt zu fassen. Insbesondere Riordan fühlt sich herausgefordert und ersinnt einen Plan.
Reginald Bull im Kastell ist von seiner Rolle wenig angetan. Am liebsten würde er schnellstmöglich nach Terra zurückkehren. Die Schläfer der BOMBAY werden noch immer behandelt, ohne Fortschritte. Die Nanomaschinen wurden untersucht. Diese Technologie scheint nicht von den Fagesy zu stammen, da sie deren Technologielevel übersteigt. Nachtaugs Beisohns Genesung schreitet voran. Adams, der auf der Erde weilt, informiert Bull über die neuesten Entwicklungen. Die Position der Abwesenden Freunde würde sich ständig verbessern. Toufec stellt für die beiden Unsterblichen ein Rätsel dar. Adams fordert die LADY LAVERNA mit Don Monwiil zu einem Einsatz an.
Auf Terra findet am 18. November 1469 NGZ die erste Sitzung des Umbrischen Rats statt. Die Veranstaltung gerät zur Farce. Vor 3000 geladenen Gästen, in der Mehrzahl Jugendliche, verkündet Anicee ein neues Staatswesen mit dem Namen Republik Formatiertes Terra Umbra, abgekürzt FTU. Sie ruft die Jugendlichen auf, sich auf Saypor formatieren zu lassen. Sol würde vorerst so bleiben und die Kunstsonnen würden in der Leistung zurückgefahren werden, um eine rote Sonne zu simulieren. Zudem würde an prominenter Stelle der Umbrische Gong errichtet werden.
Über ein Transitparkett werden Bauteile geliefert, die zusammengesetzt eine kreisförmige Scheibe von elf Meter Durchmesser ergeben. Der Umbrische Gong wird über der Solaren Residenz stationiert und schlägt schließlich das erste Mal. Der Klang erreicht nur Menschen und beeinflusst deren Gehirne. Auch Toufec hört den Umbrischen Gong. Sein Dschinn Pazuzu konstruiert für ihn Ohrstöpsel, die die Schwingungen ausfiltern und ihn vor Beeinflussung schützen.
Unterdessen ist Riordan auf die Spur der Widerstandsgruppe gekommen. Der Kontakt zu Undine Comerell hat ihm die entscheidende Information geliefert. Er benutzt ein psibegabtes Kind, um den Aufenthaltsort der Gruppe auf einer Raumstation ausfindig zu machen. Doch sein Einsatzkommando kommt zu spät. Undine Comerell ist auch Mitglied von Adams Geheimorganisation und die Widerstandsgruppe kann mit der LADY LAVERNA entkommen.
Als der Umbrische Gong das nächste Mal schlägt und den Menschen ein besänftigendes Gefühl vermittelt, lässt Toufec das Gebilde vernichten. Marrghiz trifft sich mit Riordan, als plötzlich eine Trividsendung ausgestrahlt wird. Phaemonoe Eghoo überträgt ein Exklusiv-Interview mit Toufec. Der Fremde teilt mit, den Umbrischen Gong zerstört zu haben, außerdem berichtet er von QIN SHI, die ihre Hand nach dem Solsystem ausstrecken würde. Toufec teilt weiter mit, dass die Rettung naht. Rhodan wäre bereits im Solsystem. Diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Die Menschen brechen überall in Jubel aus.
Toufec lässt von seinem Dschinn ein kleines Raumschiff erschaffen. Er und Phaemonoe Eghoo gehen an Bord und verlassen Terra, um Rhodan entgegenzufliegen. Im Kastell erreicht Bull eine Nachricht im alten Morsekode. Hier ist die TOLBA. Bitte um Einflugerlaubnis. Gezeichnet Rhodan. Eine transparente 110 Meter durchmessende Sphäre, in der eine kleinere Kugel mit 75 Meter Durchmesser eingebettet ist, legt am Kastell an.

Rezension:
Den Einstieg in seinen Roman wählt Leo Lukas sehr geschickt. Er greift die Geschehnisse im Zoo von Terrania auf, als die kleine Gruppe von Widerständlern um Barisch Chada in einen Hinterhalt geriet. Dass Barisch Chada und der Fagesy Oachono vorerst entkommen konnten wissen wir aus dem Roman von Verena Themsen. Leo Lukas schildert die Ereignisse nun aus der Sicht von Sharoun Beffegor. Diesen Einstieg und die Ankündigung Toufecs, der vorgibt im Auftrag Rhodans tätig zu sein, kann man als gelungen bezeichnen.
Es folgt eine Vielzahl an kleineren Szenen, denen es irgendwie an einem Zusammenhalt mangelt. Wie schon im Roman der Vorwoche sind die einzelnen Erzählstränge lesenswert und gut geschrieben aber letztlich fehlt es einfach an einer den Roman beherrschenden spannenden Story.
Der Invasionsplot krankt weiterhin am völligen Fehlen von nachvollziehbaren Folgen der geschilderten Handlungen. Oder anders ausgedrückt, die beschriebenen Ereignisse, nämlich Entführung des Solsystems, Auswirkungen der Anomalie, Ausknipsen der Sonne, Entführung der Jugendlichen, die Gehirnwäsche dieser Terraner, die Besetzung der Erde, die Zerstörungen durch Angriffe der Nanomaschinen, die Bluttaten der Fagesy, die Veränderung der Kunstsonnen, und und und entfalten keine Nachhaltigkeit in der Gesellschaft der Terraner.
Jedes Ereignis, dass von den Autoren geschildert wird, entfaltet allenfalls eine temporäre Empörung, die zudem lokal begrenzt ist. Die unmittelbaren Reaktionen der Beteiligten sind in etwas so, wie man es erwarten kann. Empörung, Wut, Ärger, Ohnmacht etc. werden kurz bei einzelnen Figuren geschildert. Dazu ein paar wütende Blicke anderer Beteiligter. Der Rest der Menschheit befindet sich trotz fortschrittlichster Berichterstattung und Aufklärung in einem geradezu lächerlichen Zustand der Agonie. Es gibt keine Regierungsmitglieder, die sich, mit welchen Ansichten auch immer, an die Bevölkerung wenden. Keine Opposition, die gegen die Besatzer rebelliert, keine Demonstrationen aufgebrachter Bürger, keinen effektiven Widerstand, keine Kundgebungen der Eltern der formatierten Jugendlichen, keine Nachrichtensender, die diesen Eltern Gehör verschaffen oder die offen zum Widerstand aufrufen. Stattdessen werden die Autoren nicht müde, den „normalen“ Alltag einer Gesellschaft zu schildern, die ihren Höhepunkt offensichtlich längst überschritten hat.
Auswirkungen und nachhaltige Wirkungen auf die Gesellschaft treten nicht ein, bzw. werden diese Effekte von den Autoren nicht geschildert. Hin und wieder wird auf ein bestimmtes zurückliegendes Ereignis reflektiert, jedoch ohne Tiefgang und ohne die Folgen intensiv zu beschreiben und sich mit dem Geschehen echt auseinanderzusetzen. Dadurch wirkt diese Handlungsebene trotz interessanter Elemente leider insgesamt sehr unglaubwürdig, um nicht zu sagen stümperhaft. Das Hauptaugenmerk richten die Autoren auf die üblichen rätselhaft anmutenden Zutaten. Einen Schatten, eine Geheimorganisation, ein seltsames Fremdwesen, ein geheimnisvolles Raumschiff mit einer ebenso geheimnisvollen Botschaft.
Ich bin mir bewusst, dass die Handlungen in der Serie aus Sicht der agierenden Figuren geschildert werden müssen und ein Epos über gesellschaftliche Auswirkungen wohl keine Käufer finden würde. Nichtsdestotrotz ist der Hintergrund nach wie vor die Bühne, auf der diese Einzelfiguren ihre Darstellung abliefern. Und dieser Background ist von den Autoren zu wenig durchdacht.

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