Ansichten zu PR 2635

Jagd auf Gadomenäa – von Hans Kneifel – Handlung:
Shamsur Routh hält sich wieder im Daakmoy seines Ziehvaters Chourtaird auf. Sein Implantmemo Puc hat ihn vor dem mentalen Zusammenbruch gewarnt. In seinem Schlafbehälter wird der Journalist von Erinnerungen und Halluzinationen gequält. Die Ereignisse auf Terra, die Suche nach seiner Tochter Anicee und die Erlebnisse auf Gadomenäa scheinen ihn zu überfordern.
Endlich kann er wieder einigermaßen klar denken. Puc ist der Ansicht, dass er den mentalen Zusammenbruch überwunden hat. Für eine Manipulation seines Verstandes durch die Sayporaner findet sein Implantmemo keine Hinweise. Sein Ziehvater bittet um ein Gespräch und Routh sucht den alten Sayporaner auf, der wie immer seine Haustiere füttert. Chourtaird hat überraschende Neuigkeiten. Anicee hat Whya verlassen und ist in die Hauptstadt Anboleis gegangen, vermutlich weil ihre Neu-Formatierung abgeschlossen war. Anboleis, die Stadt ohne Geheimnisse liegt auf dem Inselkontinent Saylomin. Um dort hinzugelangen muss Routh eine Onuudoy nutzen. Die einzige fliegende Landschaft, die Anboleis anfliegen darf, heißt Vae-Bazent, das Land aus Sand und Wind, und gilt als überaus gefährlich. Shamsur Routh ist wild entschlossen, sich von keiner Gefahr davon abhalten zu lassen, zu seiner Tochter zu reisen. Chourtaird gibt ihm weitere Informationen. Vae-Bazent hat eine Steuerzentrale, das Regularium. Von dort kann man Einfluss auf den Kurs der Onuudoy nehmen. Sein Ziehvater warnt ihn auch vor den Coccularen und den Vae-Vaj, die auf der Oberfläche leben. Sie seien Barbaren, ohne Sitte und Moral.
Der Junker Cülibath rüstet Shamsur Routh für die Reise aus. Er bekommt einen Reizüberfluter, eine Waffe, die winzige Nadeln verschießt und bei den Getroffenen falsche Wahrnehmungen und Schmerzen erzeugt. Außerdem bekommt er andere Kleidung, einen Wasserbehälter und Konzentratriegel. Cülibath bringt ihn mit einer Wegschale zu Vae-Bazent. Die Landschaft nimmt gerade Wasser aus einem See Gadomenäas auf. Die Onuudoy hat eine Fläche von 5625 Quadratkilometern. Die Scholle ist 500 m dick und über die Oberfläche wölbt sich ein Schutzschirm. Diesen Schutzschirm wandert eine künstliche Sonne entlang. Über die Saumregion gelangt Routh auf die Landschaft. In der ersten Nacht spürt er eine Erschütterung. Die Onuudoy hat die Wasseraufnahme beendet und bewegt sich. Tagsüber ist es in der wüstenähnlichen Landschaft sehr heiß, in der Nacht eisig kalt. Nach einer unliebsamen Begegnung mit einem riesigen Spinnenwesen trifft Routh auf Coccularen. Die vier Wesen, die wie Riesenkrebse aussehen, bekämpfen einander mit primitiven Keulen. Routh rettet einem von ihnen, der anders zu sein scheint, das Leben. Das Wesen stellt sich als Spiegelin 1113 Taomae vor. Sie ist eine Vae-Vaj, vorrübergehend in der Gestalt eines Coccularen, von denen sie gejagt wird. Taomae schließt sich Routh an. Aus Dankbarkeit nimmt die Gestaltwandlerin menschliche Form an. In ihrem Aussehen gleicht sie nach einiger Zeit Henrike Ybarri, der früheren Lebensgefährtin des Journalisten. Die beiden kommen sich in den nächsten Tagen näher.
Beide werden von den Coccularen gejagt und geraten in Gefangenschaft. Sie können fliehen, wobei die Vae-Vaj verletzt wird. 1113 Taomae wird immer schwächer. Schließlich gelangen sie zum Regularium. Die Steuerzentrale reagiert auf die Vae-Vaj und nimmt ihre genetische Authentifizierung zur Kurssetzung an. Bei der Rückverwandlung in ihre Ursprungsgestalt kommen auch die Erinnerungen der Vae-Vaj zurück. Sie erzählt Routh, dass die Vae-Vaj einst ein mächtiges Volk waren und mit ihren kommunikativen Fähigkeiten positiven Einfluss auf andere Zivilisation nahmen. Aber auch die Vae-Vaj hatten Feinde und die Sayporaner boten ihre Hilfe an. Schließlich entdeckten die Vae-Vaj, dass sie von den Sayporanern hintergangen wurden. Die Sayporaner entführten Jugendliche der Vae-Vaj. Diejenigen, die nicht formatiert werden konnten, verbannten die Sayporaner auf die fliegende Landschaft. Die Sayporaner hätten es zudem auf die besonderen Organe der Gestaltwandler abgesehen. Routh erinnert sich, niemals sayporanische Kinder gesehen zu haben. Dienen fremde Organe den Sayporanern zur Erhaltung der Gesundheit und zur Langlebigkeit? Taomae weiß es nicht. Bevor sie stirbt, gibt sie Routh ihr Schemenkleid, das ein Symbiont sein soll und ihm nützlich sein könnte. In ihrer Ursprungsgestalt, die sie im Tod endgültig annimmt, gleicht sie einer großen Libelle. Routh beerdigt seine Begleiterin. Schließlich erreicht die fliegende Landschaft die Hauptstadt. Routh erkennt, warum Anboleis als die Stadt ohne Geheimnisse bezeichnet wird. Alle Gebäude sind durchsichtig. Jeder sieht jeden. Die Transparenz scheint allumfassend zu sein. Routh empfindet Furcht.

Rezension:
Der „Altmeister“ Hans Kneifel setzt in seinem Gastbeitrag die Erlebnisse des Journalisten Shamsur Routh auf Gadomenäa fort. Wim Vandemaan hatte uns vor 16 Wochen an diesen absonderlichen Ort geführt. Obwohl mir der Roman um den Planeten der Formatierer noch recht gut in Erinnerung war, fiel mir der Einstieg in Kneifels Roman schwer. Vandemaans Geschichte endete mit der Feststellung Pucs, dass Rouths Zeit als selbstbewusst handelnde Person begrenzt und seine Psyche zerrüttet sei. Hans Kneifel setzt genau da seine Geschichte an, zwar letztlich konsequent aber die gleich zu Beginn geschilderten Probleme der Hauptfigur ließen Schlimmes befürchten.
Anders als Vandemaan lässt Kneifel den Leser dann allerdings nicht gänzlich im Unklaren darüber, ob die Erlebnisse Rouths lediglich Auswüchse einer übersteigerten Phantasie dieser Figur, ob sie von außen manipuliert wird oder manch seltsames Erlebnis eine Folge der zerrütteten Psyche der Figur ist. Hat man die ersten Seiten überwunden, stellt Puc, respektive der Autor fest, dass Rouths mentaler Zusammenbruch überstanden ist und es keinen Hinweis auf eine Manipulierung seines Verstandes gibt. Diese „Erklärungen“ sollten wohl dazu dienen, die weiteren Ereignisse wieder etwas bodenständiger zu gestalten. Tatsächlich ist die Geschichte von da an nicht mehr ganz so bizarr beschrieben, wie es W.V. getan hat. Die Umgebung bleibt nach wie vor exotisch allerdings benutzt Hans Kneifel ein sachlicheres Vokabular für seine Beschreibungen als sein Autorenkollege Vandemaan. Zehn bis fünfzehn Seiten später hat die Figur dann doch wieder einen der befürchteten Rückfälle, d.h. Träume, absonderliche Gedanken und Bewusstlosigkeit der Figur Routh kehren zurück. Das wäre nicht notwendig gewesen. Die fliegende Landschaft Vae-Bazent bot ein phantastisches Szenario mit seltsamen Pflanzen und bevölkert von bizarren Wesen. Da hätte es gut getan, wenn Routh eine zuverlässige Konstante in der Erzählung geworden wäre.
Abgesehen davon konnte die Geschichte, trotz einiger Längen und Ungenauigkeiten, gefallen. Die Fütterung der Ziermollusken durch den Ziehvater geriet etwas durcheinander und auch Pucs Funktion als Translator hätte eigentlich nicht immer möglich sein dürfen, da das Implantmemo zeitweise inaktiv war. Ansonsten lagen die Schwerpunkte der Geschichte in den Erlebnissen auf der fliegenden Landschaft Vae-Bazent. Hier zeigt der Autor, dass er es immer noch drauf hat.
Da Kneifels Roman ein Gastbeitrag war, waren Handlungsfortschritte leider nicht zu erwarten und so ist es dann auch eingetreten. Für den letzten Roman eines Viererblocks tut das schon weh, zumal auch die drei Romane davor ebenfalls die Geschehnisse nicht wesentlich voranbrachten, außer die Terraner noch tiefer in den Schlamassel zu ziehen.

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