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Terras neue Herren – von Hubert Haensel – Handlung:
Nach dem von den Nano-Maschinen ausgelösten Monsterbeben in der Zona Mexico sind die Rettungskräfte im Einsatz. Einer der Trupps kann das Wrack des Gleiters orten, mit dem der terranische Resident unterwegs war. Der Leichnam im Innern der Maschine wird als Reginald Bull identifiziert. Sein Zellaktivatorchip scheint ausgebrannt zu sein. Henrike Ybarri wird informiert.
Nur wenige Stunden zuvor macht sich Bull auf dem Weg nach Yucatán. In Mexico City bekommt Bull Kontakt zu Flint Surtland. Der Kommandant der LADY LAVERNA ist im Auftrag Adams unterwegs. Bull geht an Bord und die Springerwalze bringt ihn in den Regenwald an die Position von Nachtaugs Beisohn. Der Utrofar wird geborgen. Geronimo Abb und DayScha gehen mit an Bord der Springerwalze. Zurück auf dem Space-Port von Mexico City landet eine Space-Jet neben der LADY LAVERNA. Der Swoon Fanom Pekking überstellt einen Gleiter mit einer exakten Kopie des Residenten. Als das Beben eintritt, startet die LADY LAVERNA zur Ganymed-Baustelle. Der Gleiter mit Bulls totem Doppelgänger wird ausgeschleust und in die Bebenzone gesteuert.
Die Erste Terranerin lässt sich Bilder des Leichnams zeigen. Für Trauer bleibt keine Zeit. Die Raumortung meldet 63 Sternengaleonen, die in Höhe der Neptun-Bahn materialisiert sind. Ybarri nimmt Kontakt zum Admiral der Flotte auf. Das Gespräch wird plötzlich gestört. In die Funkverbindung schaltet sich ein Sayporaner ein. Sein Name ist Marrghiz. An seiner Seite steht der Fagesy Chossom. Marrghiz fordert die bedingungslose Kapitulation der Terraner und droht mit der Nano-Waffe. Er gibt Ybarri 12 Stunden Zeit. Die Ovoid-Raumer nehmen Kurs auf Terra.
Das Kabinett kommt zusammen und diskutiert die Lage. Die Abstimmung fällt knapp aus. Mit einer Stimme Mehrheit spricht sich das Kabinett für die Kapitulation zum Schein aus. Wichtige Regierungspersonen und Minister sollen sich zudem aus Terrania absetzen. Drei Sternengaleonen landen in Terrania. Während die Regierung die gelandeten Schiffe ignoriert, sind einige Reporter zur Landestelle geflogen. Die Redakteurin von SIN-TC, Phaemonoe Eghoo interviewt Marrghiz. Der Sayporaner bietet ihr die Stelle eines Regierungssprechers an. Eghoo willigt ein. In der Solaren Residenz übernimmt Marrghiz die Regierungsgeschäfte. Den bisherigen Regierungsmitgliedern werden „Assistenten“ zur Seite gestellt. Zum Entsetzen von Henrike Ybarri handelt es sich um Terraner. Vermutlich standen sie schon seit längerer Zeit aufseiten der Invasoren. Auch Fydor Riordan, ein Stellvertreter des TLD-Chefs gehört zu den Assistenten. Ybarri muss sämtliche Berechtigungskodes an Marrghiz und Chossom übertragen. Auf einer Pressekonferenz deutet Marrghiz an, dass die Rückkehr der entführten Jugendlichen vorgesehen sei.
Der Sayporaner und der Fagesy lassen sich von Ybarri zur aufgebahrten Leiche des Residenten bringen. Marrghiz schickt die Erste Terranerin weg und nimmt Untersuchungen am Leichnam und dem Aktivatorchip vor. Marrghiz und Chossom sind misstrauisch. Sie stellen zudem Überlegungen an, ob die Terraner den Korpus der SI ALLDARS gestohlen haben und im Sol-System verstecken. Nachdem auch Chossom den Raum verlassen hat, entfaltet der Sayporaner ein merkwürdiges Werkzeug. Das Gerät entnimmt dem Leichnam mehrere Organe. Dann löst sich der Körper des Sayporaners auf und auch die Organe verschwinden. Nach einiger Zeit erscheint Marrghiz deutlich gekräftigt wieder.
In Terrania findet die Beisetzung Reginald Bulls statt. Millionen Terraner säumen die Straßen. Die Erste Terranerin wird von Marrghiz und Chossom zur Rede gestellt. Von patrouillierenden Fagesy sind 2386 spurlos verschwunden. Und auch fünfzig Millionen Terraner haben spurlos die Stadt verlassen. Für Ybarri gestalten sich die Dinge doch ein wenig moderater, als es zunächst den Anschein hatte.

Rezension:
Wie ich schon letzte Woche geschrieben habe, stumpfen mich Invasionsplots dieser Art ab. Es bleibt natürlich immer noch die Hoffnung, dass wenigstens die Autoren etwas aus den schwachen Exposés herausholen. Vandemaans Roman zum Auftakt des aktuellen Viererblocks um das Sol-System hat gezeigt, wie gut das gelingen kann. Der Nachfolger von Hubert Haensel kam an dieses Niveau nicht heran, war aber letztlich aufgrund der ungewöhnlichen Ideen und der recht straffen Handlung noch recht gut gelungen. Die erzählerische Qualität der Fortsetzung diese Woche ist unterschiedlich ausgefallen.
Der insgesamt sehr dialoglastige Roman bringt insbesondere im ersten Drittel nichts Neues. Die Darstellung von Geronimo Abb und seiner cheborparnischen Begleiterin DayScha verblasst zusehends, die Wiederholungen aus den beiden Romanen zuvor waren unnötig. Dass der Autor seinen Protagonisten Bull Überlegungen anstellen lässt, ob seine Entscheidung zum Untertauchen in der aktuellen Situation des Sol-Systems wirklich die Richtige sei, war zu erwarten. Leider verfolgt Hubert Haensel diese Überlegungen des Unsterblichen nicht konsequent genug. Die Figur macht sich zu viele Gedanken um sich selbst und um Adams, als um die Gesamtsituation. Ein detaillierterer Blick auf die Situation der Terraner und eine bessere Analyse seiner Optionen hätte man von einem Unsterblichen erwarten können und blieb leider aus.
Die Invasionsgeschichten waren auch schon mal klüger. Alleine der Funk-Dialog zwischen dem Sayporaner Marrghiz und der Ersten Terranerin ist so billig gestrickt, dass selbst die privaten TV-Sender nach Mitternacht eine intelligentere Unterhaltung in ihren Werbeblöcken bieten. Der Autor platziert eine abgedroschene Phrase nach der anderen. Diese Banalitäten wie „Hör mir zu“, „Ich wiederhole mich nur ungern“, „Ach ja, versucht gar nicht erst …“ nervten ungemein.
Deutlich besser geriet dem Autor die Diskussion der Kabinettsmitglieder. Hubert Haensel nimmt sich viel Zeit, die einzelnen Standpunkte herauszuarbeiten. Auch der Auftritt des Sayporaners Marrghiz in der Solaren Residenz war gut geschrieben und man konnte es zumindest zeitweise nachvollziehen, mit welch ohnmächtigem Zorn Henrike Ybarri zu kämpfen hatte, als sie den Invasoren die Lenkung der Regierungsgeschäfte übertragen musste. Trotz dieser gelungenen Passagen hatte die Geschichte jedoch einen gravierenden Mangel. Beinahe schien es so, als sei es auch dem Autor peinlich, dieses Eroberungsszenario durchzuziehen. Er streut zu viele „Lichtblicke“ ins Geschehen, wahrscheinlich, um die Leser bei der Stange zu halten, denen dieser Plot zum Halse heraushängt.
Wieder deutlich schlechter und zum Teil unlogisch gerieten dem Autor die Dialoge während der Pressekonferenz, die Marrghiz in der Solaren Residenz abhielt. Ich bin zwar kein Freund von Journalisten aber die Darstellung der Medienvertreter geriet dem Autor nicht besonders gut. Natürlich muss die Geschichte auch noch nächste Woche weiter gehen, aber die wichtigste Frage an die Usurpatoren, nämlich die Frage was sie eigentlich auf der Erde wollen, hat gefehlt. Dadurch wirkte das Ganze wieder einmal arg gekünstelt.
Sehr wirr schließlich geriet der Dialog zwischen Marrghiz und dem Fagesy Chossom. Die Sayporaner sind auf der Erde bereits tätig gewesen, als das Sol-System noch nicht versetzt war. Während dieser Zeit haben sie nicht nur Informationen gesammelt und Trojaner in die Computersysteme eingeschmuggelt, sie haben auch ihre Helfer rekrutiert. Nach der Versetzung haben sie die von langer Hand vorbereitete Entführung der jungen Terraner durchgezogen, um sie einer Neu-Formatierung zu unterziehen. Diese zeitlichen Abläufe sind Marrghiz bekannt. Von daher sind die beschriebenen Überlegungen der Beiden, ob die Terraner Schuld am Verschwinden des Leichnams ALLDARS tragen könnten, von Grund auf falsch. Die Terraner hatten schlicht keine Zeit, den Diebstahl durchzuführen und den Sayporanern wäre ein solches Unternehmen nicht entgangen. Ebenso verwirrend sind die Gedanken des Sayporaners zur Versetzung des Sol-Systems. Er scheint keine Ahnung zu haben, aus welchem Grund die Versetzung erfolgt ist. Das wäre merkwürdig, da doch diese Versetzung genau in die Pläne der Sayporaner spielt. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wie diese Unklarheiten aufgelöst werden

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