Ansichten zu PR 2633

Der tellurische Krieg – von Hubert Haensel – Handlung:
Nachtaugs Beisohn fürchtet den nahenden Tod. Sein Schiff war durch die gegnerischen Treffer auseinandergebrochen. Die Besatzungsmitglieder haben sich über Transmitter in Sicherheit gebracht. Der Utrofar wird von Wehmut erfasst und von Wut. Ausgerechnet der Tresor, der ihn behüten sollte, hat versucht ihn zu töten. Allerdings wurde der Tresor ebenfalls beschädigt, seine Hülle ist zerborsten. Das rettete Beisohn zumindest vorübergehend das Leben.
Geronimo Abb und DayScha haben den Giganten in einer Schneise im Regenwald entdeckt. Das riesige vierarmige Wesen hat zahlreiche blutende Wunden. Der Riese hat keinen Unterleib. Ab der Hüfte scheint das Wesen aus einem Aggregatblock herauszuwachsen. Der Terraner und die Cheborpanerin beobachten, dass sich der Aggregatblock zu regenerieren scheint. DayScha drängt Geronimo zur Kontaktaufnahme mit den Behörden. Die Polizistin, die den Anruf entgegennimmt, ist allerdings von der Entdeckung eines vierarmigen Riesens nicht zu überzeugen. Sie unterbricht die Verbindung. Geronimo und DayScha sind auf sich gestellt. Geronimo scheint das nicht zu stören, er wollte schon immer mal etwas Verrücktes tun. Während DayScha auf der Lichtung zurückbleibt und erste Kontaktversuche zu dem Riesen unternimmt, holt der Junge einen Medoroboter von der elterlichen Hazienda.
Unterdessen werden andernorts die Untersuchungen an den Absturzstellen der Sternengaleonen vorangetrieben. Zu den Suchteams, die von NATHAN zusammengestellt werden, gehört auch Bentelly Farro, Direktor des Seismischen Maschinenparks und Terras führender Lithosphärentechniker. Seine Nano-Maschinen, die ständig im Einsatz sind, um Spannungen in der Erdkruste abzubauen, könnten bei der Untersuchung der Wrackteile helfen. Die Regierung befürchtet, dass die Erde von Nano-Maschinen infiltriert wurde, wie sie auch auf der BOMBAY, die mittlerweile unter Quarantäne steht, beobachtet wurden.
Über ihren Translator hat DayScha bereits den Namen des vierarmigen Riesens erfahren. Nun kehrt auch der Junge mit der Medoeinheit zurück, die sich sofort an die Arbeit macht. Nachtaugs Beisohn macht vage Angaben über eine Bedrohung und den Tod, den er fürchtet. Der Jäger würde die Kleinen töten und dann auch ihn. Geronimo und DayScha beschließen, den Riesen zu bergen. Beisohn wird auf den Lastenschweber verladen. Aufgrund der gewaltigen Ausmaße ist der Transport nicht leicht und die Spur der Zerstörung, die der Gleiter im Regenwald hinterlässt, nicht zu übersehen. Don Monwiil, der das Gespräch Geronimos mit der Polizistin verfolgt hat, kann der Spur mit Leichtigkeit folgen. Der Terraner, der aufgrund einer unheilbaren Infektion ständig ein Medopack, ein Mobiles Labor auf dem Rücken trägt, ist im Auftrag von Homer G. Adams unterwegs. Er will die Galionsfigur bergen.
Der Transport des Riesen wird unterbrochen. Die Regeneration des Aggregatblocks hat einen Stand erreicht, der den Riesen zu beunruhigen scheint. Geronimo entdeckt plötzlich den Lauf einer Waffe, der aus der Maschine wächst und sich auf ihn richtet. Er und DayScha hechten in Deckung. Die Waffe verletzt die Cheborpanerin. In diesem Augenblick kommt Don Monwiil dazu und zerstört mit einem Desintegrator die Waffe. Monwiil gibt zu erkennen, dass er für Adams arbeitet. Während sein Mobiles Labor DayScha versorgt, erfährt Monwiil, dass der Jäger, den Beisohn so fürchtet, Teile seines Aggregatblocks einnimmt. Mit Anweisungen des Riesen zerstört Monwiil diese Teile, lässt aber die Lebenserhaltung von Nachtaugs Beisohn unbeschädigt.
Don Monwiil informiert Adams. Der Unsterbliche sucht den Residenten auf. Er weiht Reginald Bull zumindest in groben Zügen über seine Organisation der Gesellschaft der abwesenden Freunde ein. Bull ist nicht sonderlich überrascht. Er hatte schon länger eine Ahnung von den Aktivitäten seines Freundes. Adams sieht die Erde in Gefahr und macht Bull mit einem ungewöhnlichen Plan vertraut. Bull findet Adams Vorhaben geradezu irrwitzig, lässt sich aber darauf ein. Er begibt sich persönlich nach Mittelamerika. An einem anderen Ort ist derweil ein Swoon im Auftrag Adams am Reifungsprozess eines Doppelgängers des terranischen Residenten beteiligt.
Die Suchteams haben derweil beunruhigende Beobachtungen gemacht. Die Wrackteile der Sternengaleonen bestehen zum Teil aus Nanomaschinen. Bentelly Farro schickt seine eigenen Nanomaschinen aus, um so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen. Die fremden Nano-Kolonnen bewegen sich auf die mittelamerikanische Küste zu. Nach Farros Ansicht, werden sie dort ein verherrendes Erdbeben verursachen. Das Ereignis tritt ein. Trotz angelaufener Evakuierung werden in der Zona Mexico bei einem Monsterbeben zehntausende, möglicherweise hunderttausende Menschen getötet. Die Schäden sind von ungeheuerlichen Ausmaßen. Über die Medien werden die Terraner über die Ereignisse informiert. Plötzlich zeigt der übertragende Sender die Flagge der Liga mit einem Trauerflor. Der Anchorman berichtet, dass Reginald Bull im Katstrophengebiet war und dass mehrere Zeugen übereinstimmend die Projektion einer Spiralgalaxis gesehen haben, die aus den Trümmern Mexico Citys aufstieg. Reginald Bull ist tot!

Rezension:
Hubert Haensel schickt Bully also in den Untergrund. Ich finde es reichlich merkwürdig, dass sich der terranische Resident auf Adams Plan eingelassen hat, um die Terraner, die sich größter Bedrohungen ausgesetzt sehen, auf diese Weise zu verlassen. Zumal die Informationen Adams über die Vorgänge doch eher vage sind. Adams vermutet lediglich, dass die terranische Gesellschaft möglicherweise unterminiert wurde. Bulls Untertauchen könnte gerechtfertigt sein, um den unbekannten Gegner besser entgegentreten zu können aber es könnte auch die Moral der Terraner schwächen. Ob diese Überlegungen nächste Woche eine Rolle spielen, bin ich schon sehr gespannt.
Ansonsten kann niemand ernsthaft mit dem dahinscheiden eines Haupthandlungsträgers gerechnet haben. Allerdings ging mir schon der eine oder andere ketzerische Gedanke durch den Kopf. Auch wenn ich die Figur Reginald Bull liebgewonnen habe, würde ich es begrüßen, wenn das Autorenteam den engsten Freund Rhodans aus der Serie schreiben würde. Das wäre mal mutig. Und Mut zu außergewöhnlichen Entwicklungen fehlt dem Autorenteam leider seit vielen Jahren! Allerdings hat Hubert Haensel zu viele Andeutungen im Roman gemacht, als dass wirklich etwas an Bulls Tod dran sein könnte.
Hubert Haensels Roman steht im völligen Gegensatz zum Roman der Vorwoche. Während Wim Vandemaans Figuren sich entwickelten, selbständig agierten und die Handlung dadurch voranbrachten ist es diese Woche genau umgekehrt. Die Handlung ist vorgegeben und die Figuren werden den Geschehnissen völlig untergeordnet. Dazu kommt, dass eine Vielzahl absonderlicher Charaktere die Geschichte bevölkerte. Allen gemein ist, dass ihre mentalen oder körperlichen Unzulänglichkeiten den Verlauf der Geschichte begünstigte. Die einzige „normale“ Nebenfigur in der Geschichte, die Polizistin, hätte hellhörig werden müssen, als Geronimo von der riesenhaften Galionsfigur berichtet. Noch dazu, dass sie über die Medien und den offiziellen Kanälen von den Raumschiffsabstürzen wusste. Der Autor bestraft seine Leser doppelt, indem er ausgerechnet diese Figur unsagbar dämlich darstellt. Hier werden die Figuren schon sehr extrem der Handlung untergeordnet.
Die Motivation von Geronimo Abb und seiner cheborparnischen Begleiterin DayScha bleibt zum Teil unklar. Zuerst steht die Hilfe für das fremde Wesen im Vordergrund. Das Hinzuziehen einer Medoeinheit ist folgerichtig. Auch der Versuch, die Behörden zu informieren, ist logisch. Doch dann wird es etwas konfus. Die Beiden wollen dem Wesen nach wie vor helfen aufgrund einer vagen, nicht näher beschriebenen Bedrohung. Statt jedoch den Transport zu den Behörden durchzuführen, schleppen sie das Wesen, dem die Medoeinheit nicht helfen konnte, noch tiefer in den Dschungel. Und wir reden hier nicht von einem Außerirdischen im Handtaschenformat sondern von einem Wesen, mit den Körpermaßen eines 15-stöckigen Hochhauses! Ausgerechnet die Cheborpanerin, die bislang den besonnenen Part für sich in Anspruch nahm, unterstützt dieses Vorgehen und macht sich sogar Sorgen, dass die Spur, die sie zurücklassen, entdeckt werden könnte. Dieses Verhalten ist unverständlich, wie ich überhaupt nicht glauben mag, dass die Beiden diese Situation beherrschen könnten. Überhaupt hat die Darstellung der beiden jungen Protagonisten im Vergleich zu Vandemaans Einführung vergangene Woche etwas gelitten. Die Leichtigkeit und Unbeschwertheit in der Sprache ist einem etwas derberen Ton gewichen.
Insgesamt hat der Autor eine Vielzahl an Ideen in seinem Roman untergebracht. Ego-virtuelle Implantate, exotische Partnerschaften, synthetische Erinnerungen und eine Vielzahl gestörter Charaktere. Das war schon beinahe etwas zu viel des Guten. Was die Bedrohung der Erde und die erneuten Zerstörungen und Opferzahlen angeht, bin ich mittlerweile abgestumpft. Zu häufig wird dieses Billigszenario von Uwe Anton bemüht. Als Steigerung wird vermutlich im nächsten Zyklus Luna mit Terra kollidieren oder die Venus zerfetzt. Mehr fällt Uwe Anton leider nicht ein. Schwach!

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