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Die Nacht des Regenriesen – von Wim Vandemaan – Handlung:
Die CASABLANCA, ein Achthundert-Meter-Raumer der APOLLO-Klasse ist am Rande des Sonnensystems im Einsatz. Während die meisten Schiffe zu den inneren Planeten abkommandiert wurden, um mit ihren Maschinen Wärme und Licht für die von der Sonne verlassenen Himmelskörper zu erzeugen, muss die Besatzung der CASABLANCA Messungen auf Höhe der Neptun-Bahn durchführen. Die Besatzung verfolgt auch die bislang vergeblichen Versuche anderer Schiffe, die Fimbul-Kruste um Sol mit Waffengewalt zu durchdringen. Da entdecken die Orter ein Großraumschiff der NEPTUN-Klasse, das in das System einfliegt und Kurs auf Terra hält. Es ist die BOMBAY und sie sendet ein Notsignal. Der Explorer reagiert nicht auf Kontaktversuche. Reginald Bull schickt zur Verstärkung 10 Schiffe, darunter das Flaggschiff der Liga.
Auf der unter dem Fimbul-Winter leidenden Erde ist der 15-jährige Geronimo Abb zusammen mit seiner cheborparnischen Begleiterin DayScha auf der Halbinsel Yucatán unterwegs. Die Cheborpanerin hat sich als Au-pair verpflichtet. Geronimos Eltern sind 2 Tage vor Versetzung des Sol-Systems zur Wega geflogen und sein älterer Bruder Occam hat sich den Auguren angeschlossen. Die Hazienda seiner Eltern wurde von den Phänomen, die bei der Versetzung des Systems auftraten, schwer beschädigt. Seitdem campieren Geronimo und DayScha in einem Geodät im Regenwald. Als die Nahrung zu Neige geht fliegen die beiden zur Hazienda und decken sich mit Lebensmitteln ein. Zurück im Zelt im Regenwald erzählt das Au-pair-Mädchen eine Legende über die Regenriesen ihrer Heimatwelt Pspopta. Schließlich legen sich die beiden schlafen.
An einem anderen Ort in dem Miniaturuniversum, in das das Sol-System versetzt wurde, sinniert Nachtaugs Beisohn auf dem Thron seiner Dynastie. Er überlegt, wo sein Vater sein mochte, der sich mit einer Kyberarmada auf den Weg in den Sternenlimbus gemacht hatte und auf die Streitkräfte des Metanats traf. Beisohn beobachtet den Bau eines Sternenschiffs. Am Stahlkorb wird gearbeitet und an der Spitze des Schiffes kann er den Tresor erkennen. Er fragt sich, wer eines Tages den Tresor betreten würde, um das Schiff zum Leben zu erwecken. Beisohns Gedanken verlieren sich. Schließlich wird ihm klar, dass er im Tresor liegen musste und das Schiff durch das All trieb. Aber das All hatte kaum Sterne. Wo waren die Sterne geblieben? Da entdeckt er einen Stern, der noch keine feste Position bezogen hat. Neugierde erfasst ihn. Er macht den Sprung über die Lichtmauer.
Die Hyperphysikerin Helia Margaud entdeckt Unregelmäßigkeiten im Paratronschirm, der die BOMBAY einhüllt. Zusammen mit dem Bordrechner der CASABLANCA errechnet sie eine Möglichkeit, den Schirm mit Hilfe eines Transmitters und eines Vorrangkodes zu überwinden. Da die Zeit drängt, wird ihr Vorgehen genehmigt. Mehrere Trupps und Roboter sollen per Transmitter auf den Explorer geschickt werden. Helia Margaud wechselt zusammen mit Emilio Luna und Chorvis Miravete auf die BOMBAY. Direkt danach wird allerdings die Verbindung unterbrochen. Das Hypermuster im Paratron ist kollabiert. Die 3 Besatzungsmitglieder der CASABLANCA materialisieren in einem Lagerraum in der Nähe des Südpols der BOMBAY. Die Lebenserhaltungssysteme des Explorers funktionieren noch, allerdings werden verschiedene Zonen des Schiffes unterschiedlich temperiert. Von der Besatzung des Explorers lässt sich niemand blicken. Im zentralen Antigravschacht entdeckt die Hyperphysikerin schwarze ovale Gebilde, nicht größer als ein Taubenei. Die energetisch inaktiven fremden Gebilde werden zu Sicherheit umgangen. Der Trupp legt Sprengsätze am Zyklotraf-Ring, um im Notfall zumindest den Schiffsbetrieb für einige Zeit stören zu können.
Auf dem Weg zur Äquatorialebene des Schiffs werden sie von einem gestörten TARA bedroht. Der Kampfroboter scheint in einem internen Konflikt gefangen und zerstört sich schließlich selbst. Weitere schwarze Eier werden entdeckt. Als Helia eines der Gebilde berührt, spürt sie einen Stich. Der SERUN verzeichnet allerdings keine Beschädigung des Anzugs. In einer der Schiffslandschaften entdecken sie schließlich mehrere Dutzend Besatzungsmitglieder der BOMBAY. Alle schlafen auf Pneumo-Liegen und werden von Medo-Einheiten betreut. Der Erkundungstrupp findet heraus, dass der Schlaf durch eine hohe Melatonin-Sättigung auf unbekannte Weise herbeigeführt wurde. Major Achil van Taarnhoi wird trotz medizinischer Komplikationen geweckt. Der Major berichtet von den Sternengaleonen und von der Rückkehr der VAHANA von der Brückenwelt und die Kontamination des Schiffes mit der Nano-Waffe. Sie befällt Maschinen und Menschen. Die Menschen werden in einem Tiefschlaf geschickt. Die BOMBAY scheint eine Art trojanisches Pferd zu sein. Die Informationen, die die fremde Nano-Waffe sammelt, werden zu einer Sonde am Rande des Sol-Systems übertragen. Der Erkundungstrupp kann die gesammelten Informationen an Reginald Bull geben. Die BOMBAY wird unter Quarantäne gestellt und Schiffe zu den Koordinaten der fremden Sonde geschickt.
Beisohn erreicht den Zielstern. Mit ihm fliegen 150 andere Sternenschiffe. Merkwürdig ist nur, dass der Stern in einer transdimensionalen Kapsel verborgen ist. Warum sollten die Bewohner des Systems ihre Sonne in eine Schwarzkapsel einlagern? Aber vielleicht ist er ein Forscher? Er wird die Bewohner fragen. Aber aus dem Stahlkorb des Sternenschiffs kommen andere Gedanken. Der Stahlkorb befiehlt ihm die Transition zum Zielplaneten. Beisohn gehorcht. Die Bewohner des Systems wehren sich. Sein Sternenschiff wird getroffen. Der Tresor wird abgesprengt. Beisohn spürt Ungeheuerliches. Der Tresor möchte ihn töten. Da wird der Tresor getroffen und die Maschinerie versagt. Er stürzt auf der Nachtseite des Planeten ab und fürchtet seinen Tod beim Aufschlag.
Die terranischen Schiffe, die zur Sonde unterwegs waren, kommen zu spät. Die Sonde zerstört sich. Da materialisieren 150 Sternengaleonen im Sol-System und nehmen Kurs auf Terra. Jedes der Schiffe trägt eine riesige Galionsfigur mit vier Armen am Bug. Der Resident lässt die Schiffe abfangen. Über Terra kommt es zum Kampf. Die Invasoren setzen Waffen auf elektromagnetischer Basis und auf Schallbasis gegen die Erde ein. Ein Großteil der Invasoren wird von der Heimatflotte abgeschossen. 63 Sternengaleonen gelingt die Flucht aus dem Sol-System. Drei Schiffe stürzen auf die Erde und in tiefe Gewässer. Etwas ist merkwürdig. Die Schiffe sind offensichtlich nicht durch den Beschuss vernichtet worden, sondern von innen heraus explodiert. Wenn sie denn tatsächlich zerstört wurden. Bull lässt nach Trümmern suchen.
Geronimo Abb und DayScha werden von einem infernalischen Lärm geweckt. Geronimo wird bewusstlos. DayScha kann das Geodät versiegeln. Sie verabreicht Geronimo Medikamente. Als er wieder zu sich kommt, schauen sie sich um. Im Regenwald ist eine Lichtung. Darauf finden sie eine gigantische Figur mit vier Armen und einem riesigen Kopf. „Es ist der Regenriese“, sagt Geronimo.

Rezension:
Wie immer bei einem Roman von Wim Vandemaan fiel mir eine Zusammenfassung schwer. Der Ideenreichtum seiner Geschichte ist schlicht gigantisch. Es ist schade, dass ich kürzen muss. Aber irgendwo muss ich ja ein wenig streichen, sonst würde die Zusammenfassung Heftromanlänge erreichen!
Wim Vandemaan verfolgt gleich 3 Handlungsebenen in seiner Geschichte. Der intelligente strukturelle Aufbau und die unterschiedliche Sprache der drei Erzählstränge lässt den Roman trotzdem nicht überladen erscheinen. Der besondere Reiz der Geschichte liegt m.E. auch darin, dass für Leser jeden Alters eine Erzählebene dabei ist. Außerdem sorgt die differenzierte Sprache und die besondere Erzählweise des Autors dafür, dass auch Leser mit unterschiedlichen Themen-Vorlieben für sich etwas in dem Roman entdecken können. Anders ausgedrückt: Der Roman ist vielschichtig, für jeden ist etwas dabei.
Der jugendliche Leser trifft mit Geronimo Abb auf einen etwa gleichaltrigen Protagonisten. Die Sprache dieser Handlungsebene wird vom Autor etwas einfacher gehalten. Die Erlebnisse Geronimos und seiner Begleiterin wirken sehr authentisch. Diese Authentizität erreicht der Autor insbesondere mit seinen Schilderungen von den Gefühlen des Heranwachsenden. Diese Passagen sind sehr einfühlsam geschrieben.
Für Freunde des absonderlichen vandemaanschen Schreibstils ist die Handlungsebene um den utrofarischen Raumfahrers ein Leckerbissen. Die besondere Erzählweise und der gelungene Perspektivenwechsel beim Zusammenführen dieser Erzählebene mit der Ebene Sol/BOMBAY liefert für viele absonderliche Beschreibungen dann eine logische Auflösung.
Und schließlich liefert der Autor mit den Geschehnissen an Bord der BOMBAY für alle Freunde von klaustrophobischen Raumabenteuern eine packende Episode ab. Allen Erzählebenen ist übrigens eines gemeinsam. Vandemaans Protagonisten agieren, statt nur zu reagieren oder nur zu beobachten, wie es leider allzu oft in anderen Romanen dieses Zyklus praktiziert wird.
Mein persönliches Fazit: Ich fand alle Erzählstränge überaus anregend und habe mich so gut unterhalten gefühlt, wie schon lange nicht mehr.

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