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Der Spieler und die Toten – Handlung:
Eroin Blitzer durchsucht die PROTENO GAVRAS, das Schiff von Martus, dem Kritiker. Er entdeckt ein Aufzeichnungsgerät, das Bilder vom Mahnenden Schauspiel vom See der Tränen enthält. Bei seinen Untersuchungen entdeckt er im ganzen Schiff hunderte, vielleicht sogar tausende Leichen. Die Wesen sind vor sehr langer Zeit gestorben. Der Androide verlässt das Schiff des Kritikers und beginnt damit auch die anderen Schiffe im Umkreis zu scannen. Da die Schiffe untereinander kommunizierten, als die LEUCHTKRAFT eintraf, hatte man auf detaillierte Ortungen verzichtet. Ein Fehler, wie der Commo’Dyr jetzt feststellt. Alle Schiffe sind ohne Leben, die Funksprüche Jahrtausende alte Konserven. Er nimmt Kontakt zur LEUCHTKRAFT auf und befiehlt DAN die Inhalte sämtlicher Rechner des Schiffsfriedhofs zu kopieren und auszuwerten. Blitzer vermutet eine fremde Macht in diesem System und sieht den Tabuträger in Todesgefahr. Er fliegt nach Tolmar. Die Theaterstadt erscheint wie ausgestorben. Vor dem Turm, dem Hauptgebäude der Stadt verlässt er die ROTOR-G. Die Eingangstür öffnet sich und Vetri tritt ihm entgegen.
Alaska ist unterdessen mehr als nur bloßer Zuschauer des Schauspiels. Während er in der Logenkapsel sitzt wechselt ein Teil von ihm in schneller Folge in die unterschiedlichen Gefühlwelten der Mimen. Mal ist er Kanzler, mal Narr, mal Bote, dann wieder die Prinzessin oder der König. Als Kanzler ist er voller Vorfreude auf den Boten der Hohen Mächte, als König voller Wehmut über die Zukunft des Reiches, als Narr sieht er im Boten die Verkörperung des schlechten Omens. Als Kanzler erlebt er die quälend unerfüllte Liebe zur Prinzessin und gleichzeitig bemerkt er als Prinzessin die bewundernden Blicke des Kanzlers, zuweilen aber auch die Gier in dessen Augen.
Jenem Teil des Maskenträgers, der in der Logenkapsel sitzt, macht die Spaltung seiner Persönlichkeit schwer zu schaffen. Nachdem die ersten beiden Akte mit mehreren Szenen vorbei sind, steht der Maskenträger kurz vor dem Kollaps. Mit letzter Kraft gelingt es ihm, sich mit aktiviertem Schutzschirm und mit Hilfe seiner Waffe aus der Logenkapsel in den freien Raum zu katapultieren. Alaska ist sich sicher, dass er nur dank seines Zellaktivators die Gefühle, die durch die besondere Gabe der Mimen ausgelöst wurden und durch den Sontaron-Generator und den Kristallplaneten zu einer tödlich hohen Dosis verstärkt wurden, überleben konnte. Er ist sich aber sicher, dass alle anderen Zuschauer sterben werden, wenn er die Vorführung nicht unterbricht.
Vor den Augen von Eroin Blitzer verwandelt sich Vetri in Gommrich Dranat. Der Mime greift den Androiden an. Mit einem Dimensionsstopper währt der Commo’Dyr den Angriff des Doppelwesens, bzw. der Projektion ab. Die Gestalt löst sich auf. Blitzer stellt weitere Untersuchungen an. Die Bewohner der Stadt waren nur stoffliche Projektionen einer Entität und mit sehr fortschrittlicher Technologie geschaffen. Blitzer bemerkt Sperren in den Datenbanken der Stadt, die nur von Kosmokratentechnologie geschaffen sein konnten. Da er Alaska auf Tolmar nicht findet, verlässt er mit der ROTOR-G den Planeten und fliegt zur Theaterplattform im Schwerpunkt des Dreiecks aus schwarzem Loch, Kristallplanet und Hyperperforation. Dort entdeckt er schließlich den Bioreflex des Terraners.
Alaska ist zur Logenkapsel zurückgekehrt und damit in den Einflussbereich der Strahlung. Erneut kehren der Druck und die Emotionen der Schauspieler zurück. Dennoch gelingt es ihm mit Unterstützung seines SERUNs die Steuerung der Kapsel zu übernehmen. Eine kurze Überlichtetappe bringt ihn unter die Bühnenplattform. Auf der Unterseite der Plattform ist der Einfluss der Hyperstrahlung geringer. Dort befindet sich der Sontaron-Generator, der sich als ein Kristallgitter von 200m Durchmesser präsentiert, während die Antennen an der Oberseite der Plattform sitzen. Als Alaska, dessen Cappinfragment heftig reagiert, noch überlegt, wie er den Generator abschalten kann, sieht er für einen kurzen Moment sein Abbild in dem Kristallgitter. Dann zerstiebt das Bild in einer Kaskade aus Myriaden von Bildern. In jedem Splitter innerhalb des Kristallgitters verbirgt sich eine Momentaufnahme des mahnenden Schauspiels. Plötzlich erscheint die Prinzessin oder vielmehr die Mimin Arden Drabbuhl und fragt ihn was er hier verloren habe. Er sollte in seiner Logenkapsel sein. Auch einige der anderen Mimen des Schauspiels erscheinen nun, darunter Orsen Tafalla. Saedelaere beschwört die Darsteller, das Schauspiel abzubrechen, doch seine Bitte wird ignoriert. Tafalla bezeichnet Alaska gar als Kosmokratenknecht und das Schauspiel müsse weitergehen.
Als Alaska mit dem Paralysator auf Tafalla feuert, erzielt er keine Wirkung. Doch plötzlich krümmen sich die Mimen wie unter großen Schmerzen und scheinen an Konsistenz zu verlieren. Sie lösen sich auf, bzw. vereinen sich zu einem Wesen. Nur noch Orsen Tafalla bleibt übrig. Alaska vermutet, dass Tafalla ein Geistwesen ist, das den Untergang des Reichs der Harmonie als Schauspiel inszeniert, bzw. sich selbst inszeniert. Mit den Worten „So sind die Masken also doch noch gefallen“ greift Tafalla durch den SERUN und reißt Alaska die Maske vom Gesicht. Das Cappinfragment flammt auf und das Kristallgitter des Generators schafft ein Kaleidoskop an Pararealitäten, die vom Terraner miterlebt werden. Er sieht sich im Reich der Harmonie nach dem Untergang, dann wieder ist er ein Graf im Reich der Harmonie nach dessen Befreiung. In einer anderen Pararealität ist er auf Seiten der Gegner und befiehlt den Angriff auf das Reich.
Für Alaska verändert sich die Umgebung erneut. Er sieht Samburi Yura in Begleitung von fünf Zwergandroiden. Es ist der erste Auftrag von Samburi Yura, den sie nach der Ausbildung erhalten hat. Sie soll Tafalla Einhalt gebieten. Da das Geistwesen die Bühne nicht verlassen will, befiehlt Yura ihren Begleitern die Zerstörung von Tafallas Einrichtungen. Tafalla tötet die Androiden und setzt auch Yura verschiedenen Pararealitäten aus. In diesen sieht die Kosmokratenbeauftragte sich selbst auf der Suche nach dem BOTNETZ. In einer Pararealität kommt sie zu spät, in einer andern kann sie es sichern. Sie begegnet ihrem Vater Borgin Sondyselene an Bord der OREON-Kapsel EWIGKEIT und sieht sich selbst als alte Frau in der Stadt der Enthonen und sie trifft auf Alaska Saedelaere. Durch die Raserei der Tafalla-Projektion hat sie potentielle Zukünfte sehen können.
Der Maskenträger sieht allerdings nicht, wie Yura sich aus Tafallas Griff befreien konnte. Er sieht sie, wie sie wieder zurück an Bord der LEUCHTKRAFT ist. Dort hat sie eine Begegnung mit Sholoubwa, dem Konstrukteur. Dieser ist ebenfalls ein Beauftragter der Hohen Mächte. Er verbietet Yura die Vernichtung des Kristallplaneten. Samburi Yura zieht unverrichteter Dinge ab, nicht ohne zu erwähnen, dass ein Werkzeug von Ihr Ihren Auftrag übernehmen wird. Diese Darstellung in einem Splitter des Kristallgitters veranlasst Saedelaere, seine Beziehung zu Yura gründlich zu überdenken.
Alaska schafft es schließlich mit Hilfe der Uhr des Kaninchens den Kristallgenerator zu verlassen. Er wird von Tafalla attackiert. Die ROTOR-G ist rechtzeitig zur Stelle und kann Tafalla mit einem Strahl auflösen. Anschließend lässt der Terraner die Bühnenplattform zerstören. Die Trümmer der Plattform treiben durch das All und werden irgendwann in das Schwarze Loch stürzen. Die ausgewerteten Daten lassen den Schluss zu, dass der Konstrukteur Sholoubwa die Hyperperforation geschaffen hat. Die LEUCHTKRAFT verlässt das System, nachdem DAN in den Daten auch Hinweise auf weitere Fertigungsstätten des Konstrukteurs Sholoubwa gefunden hat. In einer wurde wahrscheinlich das BOTNETZ erschaffen.

Rezension:
In meiner Rezension des „mahnenden Schauspiels“ hatte ich mich mit 3 Elementen aus Herren’s Roman näher befasst, als da wären das dramaturgische Element der mentalen Beeinflussung der Hauptfigur, die Darstellung/Gefühlswelt der Androiden und schließlich der strukturelle Aufbau der Geschichte vor dem Hintergrund, dass der Folgeroman auch noch gefüllt werden muss. Wie schlägt sich der Autor bei der Betrachtung dieser Elemente in „Der Spieler und die Toten?“
Die Hauptfigur ist nach wie vor nicht frei von äußerer Beeinflussung. Allerdings werden die daraus resultierenden Aktivitäten und Wahrnehmungen des Protagonisten Alaska vom Autor trotz verschiedener Ebenen (Realität, Schauspiel, Pararealitäten) gradliniger und durchsichtiger als zuletzt geschildert. Der Kniff, den der Autor dabei anwendet ist der, den Bezug zur Realität zu keiner Zeit vollends zu durchtrennen. Marc lässt seine Figur Alaska Saedelaere beispielsweise Reaktionen seines Körpers oder seines Cappinfragments wahrnehmen. In einer Szene muss sich Alaska übergeben. Der Geruch von Erbrochenen ist für die Figur wiederholt auch ein Bezug zur Realität.
Die Geschichte ist vielschichtig, ohne allerdings zu komplex zu werden. In der ersten Romanebene agieren Alaska und Blitzer in der realen Welt (Serienwelt), unterbrochen von Auszügen aus dem mahnenden Schauspiel. Die zweite Ebene führt die Hauptfigur in das Reich der Harmonie aus Sicht der Mimen. In den Pararealitäten erlebt Alaska das Reich der Harmonie auch noch aus anderen Perspektiven. Und schließlich lässt der Autor seine Hauptfigur die potentiellen Zukünfte einer anderen Figur, die in einer Pararealität gezeigt wird, nämlich Samburi Yura, ebenfalls miterleben.
Einige Auszüge aus dem Schauspiel werden vom Autor wiederholt. Da ist die eine Szene, als der Narr zum Maskenball „Hereinspaziert, hereinspaziert“ ruft und die andere Szene, in der Kanzler und Narr auf dem Balkon streiten. Beide Szenen werden von der Hauptfigur einerseits im Schauspiel als unmittelbar Beteiligter erlebt und damit erlebt es der Leser mit, andererseits aber auch ein weiteres Mal vom Autor als Auszug des Schauspiels wiedergegeben. Ging es darum, einen anderen Blickwinkel zu schaffen oder nur darum, die Geschichte etwas zu strecken?
Die Darstellung der Figur Eroin Blitzer geriet besser, als zuletzt von mir befürchtet. Der Androide agierte bis auf ein kleine Szene an Bord des Kritikerschiffes wieder etwas nüchterner als zuletzt. In der erwähnten Szene befällt den Androiden eine kreatürliche Angst, als er ein unbekanntes Geräusch wahrnimmt. Das habe ich bei einem Kunstwesen so nicht erwartet.
Die Idee, die Hauptfigur mit der Uhr des Kaninchens aus dem Kaleidoskop der Pararealitäten zu befreien, ist zauberhaft. Diese Szene hat schon einen sehr surrealen Charakter. Hier muss der Autor nur aufpassen, solche Ideen nicht zu häufig in seine Geschichten zu packen. Es gibt PR-Leser, die dadurch mehr verschreckt werden als dass sie diese wunderbaren Gedanken honorieren.
Fazit: Eine vielschichtige und intelligente Geschichte. Schade, dass es mit der Storyline und der Figur des Maskenträgers wohl erst nach Heft 2600 weitergehen wird. Nächste Woche geht der Vorhang auf für den Schlussakt des Stardust-Zyklus.

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