Ansichten zu PR 2578

Das mahnende Schauspiel – Handlung:
Die LEUCHTKRAFT ist auf dem Weg zum Schwarzen Loch, das singt. Die Sternposition hatte Alaska Saedelaere in der Stadt Connajent von einer Proto-Enthonin erhalten. Während des Flugs ist Alaska dabei, sich in der Siedlung der Proto-Enthonen ein Zelt zu bauen. Das Nomadendorf stellt einen Rückzugsort für Alaska dar, denn nach seiner Theorie hat kein Androide der Besatzung eine Möglichkeit in das Enthonen-Reservat zu gelangen. Als er das Zelt fertiggestellt hat, bekommt er eine Nachricht von Eroin Blitzer. Dieser teilt ihm mit, dass das Ziel erreicht aber auch Probleme aufgetaucht seien.
Saedelaere kehrt in die Zentrale zurück und wird dort von einer sichtlich nervösen Besatzung empfangen. Die Kunstwesen haben eine Strahlung in dem vor der LEUCHTKRAFT liegenden Raumgebiets festgestellt. Von dieser Strahlung wird sogar das Kosmokratenschiff beeinflusst. Die Messinstrumente arbeiten nicht mehr zuverlässig und der Antrieb zeigt Fluktuationen. Das Raumgebiet wird dominiert von 3 ungewöhnlichen Objekten, die die Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks bilden und ca. 1,8 Lichtjahre voneinander entfernt liegen. Das erste Objekt ist ein Schwarzes Loch. Die ominöse Strahlung, die das Raumgebiet erfüllt, trifft auf das Schwarze Loch, das in einer Art Hyperresonanz in wechselnder Intensität mitschwingt. Objekt 2 ist eine Ultradim- oder Hyperperforation, eine Art Bruchstelle zwischen den Dimensionen, die nicht vollständig erfasst werden kann, die aber künstlichen Ursprungs ist und am Schwarzen Loch verankert wurde. Das dritte Objekt schließlich ist ein kleines Sonnensystem mit einem Stern des Typs G und einem einzigen Planeten. Der Planet ist auch die Quelle der Strahlung, er besteht zu einem großen Teil aus Hyperkristallen. In dem System befinden sich hunderte von Raumschiffen, zwischen denen angeregt kommuniziert wird. Als Alaska einige Funksprüche auswerten lässt, stellt er überrascht fest, dass die verwendeten Sprachen bereits in den Datenbanken des Bordgehirns DAN gespeichert sind. Die analysierten Gespräche haben alle ein Schauspiel zum Inhalt, das hier aufgeführt werden soll. Es geht um das Mahnende Schauspiel vom See der Tränen. Der Begriff See der Tränen löst eine unangenehme Assoziation in Alaska aus. Bei seinem ersten Ausflug an Bord der LEUCHTKRAFT hatte er einige Momente lang das qualvolle Gefühl in einem See zu ertrinken, der aus seinen eigenen Tränen gespeist wurde.
Die Androidenbesatzung will schnellstmöglich der geheimnisvollen Strahlung auf dem Grund gehen, während der Maskenträger sich mehr für das Schauspiel interessiert. Die Entscheidung wird ihnen abgenommen. Vom Planeten wird die LEUCHTKRAFT angefunkt. Eine Humanoide mit 3 Augen, die sich als Sekretärin Evon vorstellt, begrüßt die LEUCHTKRAFT im Namen der Theaterleitung. Der Vorgang setzt die Androiden und Saedelaere in Erstaunen. Die LEUCHTKRAFT wurde trotz ihres Diffusoreffekts erkannt und da sie namentlich begrüßt wurden, scheint das Schiff entweder bekannt oder sogar schon einmal hier gewesen zu sein. Auch hier hat DAN keine Informationen. Evon gibt der LEUCHTKRAFT gar den Status eines Ehrengastes und lädt sie ein, auf dem Planeten Tolmar zu landen. Alaska nimmt die Einladung an. Er lässt die LEUCHTKRAFT allerdings zurück, die das Schwarze Loch und die Hyperperforation untersuchen soll und landet mit der ROTOR-G und mit Eroin Blitzer als Begleiter im Randbereich der einzigen Siedlung Tolmars. Während des Anflugs reagiert das Cappinfragment heftig auf die Strahlung. Die Theaterstadt nimmt eine Fläche von ca. 700 Quadratkilometern ein und wird von einem Schutzschirm überspannt. Die Stadt wird von einem graphitfarbenen Turm im Zentrum dominiert, der mit seiner Höhe von 3,5 km Höhe die anderen Gebäude weit überragt.
Alaska und Eroin werden von einer aufregend schönen Frau namens Vetri abgeholt, die ihnen als persönliche Betreuerin zugeteilt wurde. Die Fremde gleicht einer Terranerin des kaukasischen Typs. Alaska ist durch die Schönheit und Ausstrahlung der Frau von Beginn an sehr verunsichert. Vetri bringt die Besucher zum Turm des Spiels, wo sie eine Unterkunft erhalten. Die Stadt ist erfüllt von einer Vielzahl fremder Wesen, teils humanoid, teils völlig fremdartig. Als Saedelaere in der Suite sich mit dem Androiden über die bisher gemachten Beobachtungen austauscht und auch von seinen Emotionen spricht, die Vetri in ihm auslöst, vermutet Blitzer, dass der Maskenträger beeinflusst wird.
Vetri bringt die Besucher in den Ballsaal. Der Weg dorthin wird gesäumt von in Marmor gemeißelten Theaterfiguren. König, Königin, Prinzessin, Narr, der Tod, Berater und andere klassische Figuren. Eine Figur versetzt den Terraner einen gehörigen Schrecken. Eine in fast schwarzen Marmor gefertigte Statue zeigt einen hageren, hochgewachsenen Mann in raumanzugähnlicher Kleidung, dessen Gesicht von einer einfachen Maske verdeckt wird. Nach Vetris Auskunft stellt der Maskierte das Unbekannte dar, das uns jeden Tag begegnet. Im Ballsaal haben sich hunderte fremder Wesen eingefunden. Vetri begrüßt alle Anwesenden und stimmt sie mit einer Präsentation auf das demnächst bevorstehende Theaterstück ein. Die Besucher erwartet das ultimative Theatererlebnis. Die von den Mimen bei Ihrem Schauspiel erzeugten Emotionen bei den Zuschauern werden über einen Sontaron-Generator aufgenommen und vom Planeten Tolmar intensiviert und über 1 Lichtjahr weit abgestrahlt.
Alaska will das Schauspiel unbedingt erleben. Über die Inhalte indes erfährt er nur wenig. Es geht um das Reich der Harmonie, einem Ort des Friedens. Dann kam ein Bote der Hohen Mächte und überredete den König dazu, das Reich in die Dienste einer mächtigen Entität zu stellen, die zum Wohle des Universums arbeitete. Der König wollte sein Reich aber an die Prinzessin übergeben. Das rief den Kanzler auf den Plan, der sich auf die Seite des Boten geschlagen hatte. Er wurde zum Verräter am Reich der Harmonie, das zwischen die Fronten der Hohen Mächte geriet und vernichtet wurde. Saedelaere mutmaßt, dass es das Reich der Harmonie tatsächlich gegeben hat. Er versucht auch mehr über die Theaterstadt herauszufinden. Er glaubt, dass es nicht immer eine Theaterstadt war, sondern dass der Konstrukteur des BOTNETZES hier gelebt hat und die Hyperperforation geschaffen hat. Die Suche nach Sholoubwa und nach Samburi Yura in den Datenbeständen der Stadt bleibt aber ergebnislos. Dafür trifft Alaska einen Kritiker namens Martus. Das krötenartige Wesen verspricht ihm Informationen über das Reich der Harmonie, die er an Bord seines Schiffes hat.
Bevor Alaska darauf eingehen kann wird er von Vetri als besondere Überraschung zu einem Treffen mit den Mimen des Schauspiels geladen. Die Darsteller von König, Prinzessin, Kanzler, Bote und Narr wirken in ihrer Präsenz geradezu beängstigend. Saedelaere vergleicht ihr Charisma mit dem der sieben Mächtigen. Er vermutet allerdings paranormale Fähigkeiten bei den fünf Darstellern. Während des Treffens kommt es zu einem Eklat. Der Darsteller des Hofnarren, der Mime Gommrich Dranat, bezeichnet den Androiden Eroin Blitzer als Missgebilde, geschaffen aus den Abfällen seines Vorgängers und programmiert von seinen ach so Hohen Herren. Der Darsteller des Kanzlers, Orsen Tafalla, trägt zur Beruhigung der Situation bei und verspricht Saedelaere im Anschluss an die Vorführung dessen Fragen zu beantworten. Mit Kapseln werden die Zuschauer zu einer Plattform im All gebracht, wo das Schauspiel stattfinden soll. Erst im All wird sich Alaska bewusst, dass er wohl die ganze Zeit auf dem Planeten beeinflusst wurde, wenn er auch nicht sagen kann, wie und warum dies geschehen ist. Unterdessen ist Eroin Blitzer im Auftrag des Maskenträgers zu dem Schiff von Martus, dem Kritiker geflogen, um dort Informationen zum Reich der Harmonie einzuholen. An Bord findet Eroin das Wesen tot vor. Wie es scheint, ist es bereits vor Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden gestorben!
Für Alaska beginnt die Vorführung. Ein überwältigender mentaler Druck greift nach ihm. Alaska Saedelaere wird zu einem Teil des mahnenden Schauspiels. Er dringt in die Gefühlswelt der Mimen ein und wird eins mit ihnen. Seine eigene Persönlichkeit wird auf den Teil reduziert, der in der Logenkapsel dem Spiel staunend folgt. Er, Saedelaere, der Kanzler wirft den Blick in weite Ferne, dorthin wo er den Boten der Hohen Mächte vermutet, der den Untergang bringen wird. Und er, der Kanzler, würde die Schuld daran tragen.

Rezension:
Die Erzählebene des Maskenträgers finde ich momentan interessanter als die anderen Ebenen. Hier wird die Bühne für den nächsten Zyklus bereitet. 1. Akt, erste Szene sozusagen um ein wenig aus Marcs Roman zu übernehmen.
Wenn ich mich zurückentsinne, war das mit den Stardust-Romanen im vergangenen Zyklus allerdings auch so. Es ist schon seltsam. Der Stardust-Zyklus strebt derzeit dem Ende und damit dem Höhenpunkt entgegen und irgendwie tangiert es mich nicht. Irgendeine Lösung mit der im Sterben befindlichen SI wird den Autoren schon einfallen. Ob mein Desinteresse an der Haupthandlung in hundert Heften erneut so eintreten wird?

Zurück zum Roman und zurück zu Marc A. Herren. Der liefert mal wieder einen erstklassigen Beitrag zur Serie. Nicht ganz so gut wie die beiden letzten Romane um Alaska Saedelaere aber nicht viel schlechter. Drei Dinge sind es, auf die ich hier eingehen möchte.
Da ist mal wieder die mentale Beeinflussung zu nennen. Diese Form der Dramaturgie, d.h. den Protagonisten nicht immer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte agieren zu lassen, ist besonders in diesem Zyklus ausgelutscht wie ein hundertmillionenjahre alter Lolli der sieben Mächtigen. Dieses Stilmittel ist insbesondere bei Alaska Saedelaere eigentlich gar nicht notwendig. Der Transmittergeschädigte kann auch im Normalzustand mit interessanten Facetten seiner Gefühlswelt geschildert werden. Psychosen hat die Figur doch genügend.
Zumindest auf mich störend wirkten auch die Schilderungen der Androidenbesatzung und die spätere Mobilisierung der Figur Eroin Blitzer in dieser Geschichte. In den bisherigen Romanen schilderte Herren die Kunstwesen als die einzige feste Konstante in der Welt der Kosmokratenwalze. Während alles andere veränderbar war, die Androiden blieben gleich. Die Kunstwesen gingen mehr oder weniger gleichmütig ihren Tätigkeiten nach. Ein bisschen ist der Autor in der Schilderung der Androiden von der bisherigen Linie abgewichen. M.E. ist das unnötig. Die Figur Alaska reicht als Träger verwirrender Gefühlswelten eigentlich aus. Überhaupt ist die Schilderung von Sinnes- und Gefühlseindrücken in diesem Roman etwas überstrapaziert worden, Beeinflussung hin oder her. Der Autor verpasst seinem Protagonisten ein paar Magenstiche und Magengrummeln zu viel. Schon erstaunlich wie häufig Saedelaeres Magenmuskeln vom Autor strapaziert werden.
Zu guter Letzt ist es der Geschichte anzumerken, dass nächste Woche noch ein zweiter Teil folgt. Sie hat ein paar unnötige Längen und der Autor ist auch sichtlich bemüht gewesen, nicht zu viel zu verraten. Vielleicht ist das aber auch als positive Leistung zu bewerten. Den Roman der nächsten Woche will ich jedenfalls nicht verpassen.

Stilblüte (Seite 39):
Du hast doch nicht alle Sprossen in der Doppelhelix!


Leave a reply