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Das Lied der Vatrox – Handlung:
Lucba Ovichat, eine Historikerin, berichtet von einem Wendepunkt in der Geschichte der Vatrox. Es wird als das Zeitalter der Ersten Hyperdepression bezeichnet und zehntausend Jahre nach seinem Beginn kam der Moment, als ein neuer Anfang eingeleitet wurde.
Die Vatrox sind in einem Neun-Planeten-System beheimatet. Als 3. Planet umkreist ihre Heimatwelt Vat die Sonne Vatar (Anm.: Teils uneinheitliche Bezeichnung für die Sonne, sowohl Vat als auch Vatar). Als Historikerin ist Lucba Ovichat auf der Suche nach den Gründen, die für die vorherrschende gesellschaftliche Entwicklung der Vatrox verantwortlich zeichneten. Es herrscht eine Trennung der Geschlechter. Allerdings sind es nicht Gesetze, die diese Trennung verursachen sondern sie ist gesellschaftlich erwünscht. Lucba Ovichat vermutet die Ursache in den besonderen Verhältnissen im Vat-System. Vor langer Zeit haben die Frauen der Vatrox angefangen, Dinge zu hören, die den Männern verborgen blieben. Sie können die Gedanken anderer Vatrox lesen und empfangen eine Art Hintergrundrauschen, für das sie keine Erklärung haben.
Ovichat will diesem Mysterium auf den Grund gehen. In jahrzehntelanger Arbeit hat sie Programme geschaffen, um die historischen Ereignisse auf einzigartige Weise sichtbar werden zu lassen. Mittels einer Holo-Memo-Simulation sollen die beteiligten Frauen bedingt durch ihre mentale Empfänglichkeit direkt in das Geschehen eintauchen, so dass die Zuschauerinnen glauben mittendrin zu sein. Bei einem alle 90 Jahre stattfindenden Fest der Frauen will sie die Holo-Memo-Simulation vorführen. Obwohl es nur eine Simulation ist, sind die zugrundeliegenden Daten von ihr genauestens geprüft worden und kommen der historischen Wahrheit näher als je zuvor. Die Simulation dient jedoch noch einem anderen Ziel. Mit Ihrer Hilfe will Lucba Ovichat den wahren Zweck ihrer Forschung enthüllen. Sie will dem geheimnisvollen Hintergrundrauschen auf die Spur kommen.
Die Frauen kommen jedoch auch zusammen, um Kreise zu bilden. Bevor Lucba ihren großen Auftritt hat, bei dem auch ein Großkreis gebildet werden soll, nimmt sie an einem Kleinkreis teil und begibt sich wie andere Frauen auch durch monotone Klänge und Gesänge in Trance. Die Frauen sehen sich selbst als Lichtpunkte in einem feingewobenen Netz aus leuchtenden Fäden und erfahren dadurch eine Nähe und Intimität, die auf keine andere Weise zu erreichen ist. Der Höhepunkt eines jeden Kreises ist, eine unbekannte aber seltsam vertraute Präsenz zu suchen und mit ihr Kontakt aufzunehmen. Diesmal ist alles anders. Als der Kleinkreis mit Ovichat den Höhepunkt erreicht, formt sich plötzlich in ihrem Bewusstsein ein Gedanke: „Wir sind es! Wir sind bei Euch!“
Der Kreis bricht auseinander. Die Frauen haben keine Erklärung. Sie erwarten jedoch, durch den später stattfindenden Großkreis Antworten zu erhalten. Etwa 100.000 Frauen kommen zusammen, um an der Vorführung von Ovichat teilzunehmen. Als erste Präsentation zeigt sie den Anwesenden ein besonderes Licht, als den Nachhall eines tiotronischen Hyperimpulses, der von einem unbekannten Absender ausgestrahlt worden war und mit dem Wissen weitergegeben und zugänglich gemacht wurde. Aufgrund der Struktur und der zugrundeliegenden Frequenzen hat sich der Impuls wohl durch das gesamte Universum ausgebreitet. Der Impuls hat vor Jahrmillionen auch das Vatar-System passiert und sei dabei wohl für eine gewisse Zeit eingefangen worden. Während der größten Annäherung von Vatar VIII, Eigenname Perm, an die Sonne Vatar. Perm ist kein Planet, sondern ein brauner Zwerg, der alle 90 Jahre sein Gestirn umkreist. Die besonderen Bedingungen dieser Verhältnisse interpretiert Lucba Ovichat als Initialzündung für die mentale Veränderung der Frauen. Neben der visuellen Darstellung führt Ovichat nun auch eine akustische Simulation vor und versetzt die Besucherinnen geradezu in einen Rausch.
In der nächsten Simulation führt die Historikerin die anwesenden Frauen in die Zeit vor 4722 Jahren. Cagra Hanovoch ist die Kommandantin eines Vatrox-Raumschiffes und auf einer Rettungsmission. Ihre Schwester ist mit einem Schiff havariert und Cagra eilt zur Hilfe. Es bleibt nur wenig Zeit zur Rettung. Auf der Suche nach der Besatzung und Ihrer Schwester geschieht es. Cagra kann zum ersten Mal mentalen Kontakt zu Ihrer Schwester aufnehmen. Zurück auf Vat wird sie aufgrund dieser Fähigkeiten in einen geheimen Orden aufgenommen. Der Vamu-Orden fördert ihre Fähigkeiten und die der anderen Vatrox-Frauen. Vor 4334 Jahren führt dann die nächste Simulation, in die die Vatrox-Frauen eintauchen. Mittlerweile beherrschen 98% der Frauen das Gedankenlesen. Auch einige Männer haben mentale Fähigkeiten, die sich jedoch nicht mit denen der Frauen messen lassen können. In dieser Zeit will man erstmals das mentale Hintergrundrauschen erforschen. Man hat eine Theorie entwickelt, dass dieses Rauschen verstärkt wird, wenn durch Katastrophen viele Vatrox ums Leben kommen. Caha Honnofoch macht dazu wissenschaftliche Analysen. Sie beobachtet ein Dorf, dass durch einen drohenden Vulkanausbruch zerstört werden wird und die Bewohner den Tod finden werden. Die Ordensfrau hat nicht vor, die Bewohner zu warnen. Die Katastrophe fällt heftiger aus als erwartet. Tausende Vatrox sterben, auch ihr Lebenspartner kommt ums Leben aber die Theorie wurde tatsächlich durch die Beobachtungen untermauert.
2187 Jahre vor der Zeit führt eine weitere Präsentation. Tiva Itemba ist eine Ordensfrau, die die Gesetze des Ordens bricht. Mittlerweile haben die Vatrox-Frauen die mentale Fähigkeit entwickelt, um durch Zusammenschluss den Willen anderer zu brechen. Alleine die Androhung reicht. Tiva unterwirft sich.
Die Präsentation ist zu Ende. Die Frauen spenden der Historikerin tosenden Applaus. Bevor sich Lucba Ovichat zum Großkreis einfindet, erhält sie Besuch vom Vamu-Orden, der ihre Arbeit finanziell unterstützt hat. Die Ordens-Schwestern teilen Ihr mit, dass sie für ein bestimmtes Programm auserwählt worden sei. Dafür wird ihr etwas Blut abgenommen.
Schließlich kommt es zum Höhepunkt des Festes. Die Frauen bilden einen Großkreis. Und wie zuvor im kleinen Kreis erfolgt die Kontaktaufnahme zu der mentalen Präsenz. Die Erkenntnis löst beinahe ein Chaos aus. Aber der Großkreis wird aufrechterhalten. Die mentale Präsenz erweist sich als das Vamu der „Verstorbenen“. Niemand ist jemals endgültig gegangen und mehr noch, die Toten haben von Anbeginn Einfluss auf die Lebenden genommen und sie bis zu diesem Punkt geführt. Der Tod ist nicht das Ende! Als Lucba Ovichat sich auf den Heimweg macht, wird sie von tausenden Vatrox-Frauen, die auf den Straßen tanzen und singen als Erlöserin und als Schöpferin der Unsterblichkeit gefeiert. Immer dichter drängen sich die singenden Frauen an Ovichat, reißen sie zu Boden, erdrücken sie, trampeln sie nieder im rhythmischen Stampfen zum Lied der Vatrox …

Rezension:
Als Gastautorin ist Susan Schwartz überaus aktiv. Nach den Romanen 2562 und 2563 erscheint erneut ein Doppelband der früheren Team-Autorin. Im vorliegenden Heft schildert Susan Schwartz die Gesellschaft der Vatrox, die bisher im Zyklus als männerdomminierend beschrieben wurde, als Matriarchat und nutzt die Gelegenheit für den einen oder anderen Seitenhieb gegen das männliche Geschlecht. Der Vatrox, versteht sich ;-).
Die Autorin kommt recht schnell zum Thema. Ihre Protagonistin ist auf der Suche nach der Ursache für den gesellschaftlichen Umstand der Geschlechtertrennung, ausgelöst durch die mentalen Fähigkeiten der Frauen durch ein anfangs unbekanntes Ereignis. Und recht schnell wird auch das ominöse Hintergrundrauschen zum Gegenstand des Romans. Für meinen Geschmack lässt sich die Autorin dann allerdings etwas zu viel Zeit, bis sie diese Themen zur Lösung zusammenführt. Das Ergebnis ist jetzt nicht so überraschend. Es hat sich während des Romans angedeutet. Den Begriff „Frequenz-Monarchie“ verwendet Susan Schwartz übrigens nicht, auch wenn mehrmals von Frequenzen die Rede ist. Die Gründung der Frequenz-Monarchie und der Wechsel in eine von den Männern dominierte Gesellschaft (wenn es denn so ist?) ist wohl Inhalt des Romans der nächsten Woche.
Der Schreibstil und die Storyline gefielen mir. Die Exotik dieser Kultur blieb allerdings etwas auf der Strecke. Das ist allerdings nicht Susan Schwartz anzulasten. Es ist nur so, dass uns die Vatrox bereits seit Anbeginn des Zyklus begleiten. Dadurch erscheinen sie zumindest mir, bereits in gewisser Weise vertraut. Diesen Umstand kann der vorliegende Roman nicht ganz beseitigen.

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