Ansichten zu PR 2568

Einsatzkommando Infiltration – Handlung:
Im Jahr 1346 treffen Reginald Bull und Homer G. Adams die Entscheidung, die Menschen, die sich für die Auswanderung ins Stardust-System entschlossen haben, sich nicht sich selbst zu überlassen. Bull und Adams wollen auch in der Zukunft der Stardust-Menschheit die positiven Grundsätze und Prinzipien der LFT gewahrt wissen. Die beiden Männer beschließen, auf drei biopositronische Roboter zurückzugreifen, die im Rahmen des Projekts VARIO entwickelt wurden. Ursprünglich für die Infiltration der Terminalen Kolonne TRAITOR vorgesehen, werden die 3 VARIO-1000 ins Stardust-System eingeschleust.
An Bord der KATARAKT, einem Schiff der Stardust-Flotte macht man sich im Februar 1463 NGZ Sorgen. Die Besatzung hat das Duell zwischen VATROX-DAAG und VATROX-VAMU beobachtet und das Eindringen VATROX-VAMUs in das Stardust-System durch den perforierten Sextadim-Schleier verfolgt. Der Verteidigungsminister Sean Legrange, der von den Geistwesen nicht beeinflusst scheint, fasst einen waghalsigen Beschluss. Zusammen mit einem Trupp will er die Station SOLAR SYSTEM im Stardust-System über eine Transmitterverbindung erreichen. Dies kann nur gelingen, solange der Sextadim-Schleier noch durchlässig ist. Die Teilnehmer des Einsatzkommandos Infiltration dürfen nur Besatzungsmitglieder sein, die nicht von VATROX-VAMU beeinflusst waren. An den Kommando-Unternehmen nehmen neben STARA-Kampfrobotern auch 15 Elfahder teil. Von der KATARAKT melden sich 3 Freiwillige. Captain Björn Saint-Germain, Master-Sergeant Lucrezia DeHall und Leutnant Sergio Pepporani. Schnell wird deutlich, dass alle Freiwilligen Elternteile hatten, die vom goldenen Funkenregen berührt wurden. Bei DeHall waren es sogar beide Elternteile.
Der Transmittersprung nach SOLAR SYSTEM gelingt. Die Präsenz des Geistwesens ist deutlich spürbar. Die drei Freiwilligen nehmen zudem einen Ruf war, der sie nach Talanis locken soll. An Bord von SOLAR SYSTEM ist die Bewegungsfähigkeit des Trupps stark eingeschränkt. Die Station ist mittlerweile von Jaranoc besetzt. Die reguläre Besatzung steht unter dem Einfluss des Geistwesens und hat sich in ihre Kabinen zurückgezogen. Und noch eine wichtige Entdeckung macht der Trupp. Bei DeHall treten Psi-Fähigkeiten zu Tage. Sie entwickelt telepathische Fähigkeiten und vollzieht, wenn auch unkontrolliert eine Teleportation. Lucrezia DeHall erkennt mit ihren telepathischen Fähigkeiten, dass Verteidigungsminister Sean Legrange vor einer schwerwiegenden Entscheidung steht. Legrange ist ebenfalls unbeeinflusst aber im Gegensatz zu den anderen kann sie von ihm nur ein kaum wahrnehmbares Raunen empfangen.
Sean Legrange offenbart sich den anderen Teilnehmern des Kommandos. Er enttarnt sich als ein VARIO-1000 und öffnet zum Beweis seine PVK-Maske. Der VARIO-1000 ist seinerzeit zerlegt in einer Kiste im Stardust-System angekommen. Begleitet wurden die Kisten von 3 als TLD-Agenten getarnten Matten-Willys, Ducy, Uwan und Krif. Die drei Matten-Willys sollten die langfristige Betreuung der PVK-Masken und der ihnen zugeteilten VARIO-1000 sicherstellen. Damit einer der VARIO-1000 später als Duncan Legrange auftreten konnte, musste der Empfänger der Kiste ein anderer sein. Der Matten-Willy Ducy trägt von daher ebenfalls eine PVK-Maske vom Aussehen Duncan Legranges. Nach der Deaktivierung der Teletrans-Weiche sollte der Zusammenbau und die Aktivierung der VARIO-1000 stattfinden. Als der Matten-Willy Ducy in der Maske Duncan Legranges „seinen“ VARIO-1000 aufsucht, überrascht er den ES-Boten Lotho Keraete. Dieser versucht den vermeintlichen TLD-Agenten zu betäuben ohne allerdings zu erkennen, dass es Ducy in einer PVK-Maske ist. Der Matten-Willy geht zum Schein darauf ein und beobachtet die Manipulationen, die der Bote von ES am VARIO-1000 vornimmt. Auch der VARIO-1000 kann, obwohl im zerlegten Zustand, die Manipulationen wahrnehmen. Nachdem der Bote von ES verschwunden ist, versuchen Beide die Manipulation rückgängig zu machen, was aber nicht gelingt. Der Bote von ES hat Nanomaschinen und fremde Molekülketten in den VARIO-1000 eingebracht. Einige der eingebrachten Teile entpuppen sich als Speicherbausteine, die wohl dazu dienen, beizeiten Informationen zur Verfügung zu stellen. Ducy und sein VARIO-1000 bauen einige Sicherungen ein, um zu verhindern, dass ES die vollständige Kontrolle über den VARIO-1000 übernehmen kann. Ob diese Sicherungen greifen, ist allerdings ungewiss.
Die erste Aktion des nunmehr zusammengesetzten VARIO-1000 in der Gestalt von Duncan Legrange ist die scheinbare Vernichtung der Lieferung der VARIO-1000 und die Täuschung von Administrator Timber F. Whistler. Als Duncan Legrange später von Whistler beschuldigt wird, den Gleiter manipuliert zu haben, dessen Absturz und die Folgen Whistler zu einem Robot-Körper verholfen haben, zieht sich Duncan Legrange zurück. Der VARIO-1000 hatte zwar erkannt, dass er durch die Manipulationen, die von Keraete vorgenommen wurde, tatsächlich beinahe den Gleiter manipuliert hatte, seine Gegenmaßnahmen haben dies zwar zunächst verhindert, er konnte jedoch nicht verhindern, dass die beiden anderen VARIO-1000 die Sabotage am Gleiter durchführten. Dahinter steht ein Langzeitplan von ES, Whistler längere Zeit am Leben zu erhalten. Dazu muss dieser einen Robot-Körper erhalten.
Der VARIO-1000 kehrt später als der vermeintliche Sohn von Duncan, als Sean Legrange zurück und wird schließlich Verteidigungsminister. Über die Jahre hat er keinen Kontakt zu den anderen VARIO-1000 gehabt und kennt auch deren Schein-Identitäten nicht. An Bord der SOLAR SYSTEM beschließt der nun enttarnte Sean Legrange die Station zu verlassen. Er hat den von Rhodan erhaltenen A-Controller dabei. Es gelingt ihm, einen Transmitter an Bord von NEO-OLYMP anzusprechen. Das „Wissen“ zu den Schaltungen fließt ihm dabei von den Speicherbausteinen zu, die von Keraete eingebaut wurden. Der Trupp erreicht den Polyport-Hof. An Bord von NEO-OLYMP wird erneut das ES-Programm im VARIO-1000 aktiv. Sean Legrange aktiviert einen Schleierschirm um den Polyport-Hof. Die zugehörigen technischen Anlagen waren im Auftrag von ES installiert worden. Das ES-Programm liefert Sean Legrange auch Informationen zu einem „verborgenen Raum“ in NEO-OLYMP. Darin erhält der Verteidigungsminister Zugang zu weiteren Informationen. Unter anderen sieht er die Maßnahmen der anderen Unbeeinflussten auf der Insel Talanis. Er beschließt schnellstmöglich Kontakt zu dieser Gruppe aufzunehmen. Er bekommt auch die Information, wenn der fünfte Himmel sich öffnet, das Tor nach Terra offensteht.
Terra steht unterdessen unter der Bedrohung des Feuerauges. Bull hat zwar den Kristallschirm um das System aufbauen lassen und mittlerweile ist auch Atlan mit der JULES VERNE 1 eingetroffen, aber es ist nicht sicher, ob der Schirm das Feuerauge, das sich Richtung SOL bewegt, aufhalten kann.

Rezension:
Rainer Castor steuert seinen 2. Roman zum Stardust-Zyklus bei. Sein 1. Roman ist mir noch in grausiger Erinnerung. Um es vorwegzunehmen, dieser Castor ist besser und hat mir, abgesehen von ein paar episch ausufernden Technikbeschreibungen, gefallen!
Der vorliegende Roman ist anders geraten, als der letzte Betrag des Autors zur Serie. Im Titel nimmt der Autor offensichtlich Anleihe an Scheers legendäre ZBV-Serie. Auch sprachlich gibt es einige Gemeinsamkeiten zu K.H.Scheers Romanen. Das wird z.T. aus den Namen der Beteiligten ersichtlich und natürlich darf die vollbusige Frau in dieser Erzählung nicht fehlen. 😉
In dem Roman wird deutlich, dass der Autor stolz darauf ist, sein umfängliches Wissen zur Serie und den Zusammenhängen der Leserschaft mitzuteilen. Positiv hervorzuheben ist, dass die handelnden Personen diesmal nicht zu reinen Personaldossiers ohne Seele verkommen, sondern durchaus den einen oder anderen Charakterzug entwickeln durften und zudem in einer Handlung agierten. Die technischen Beschreibungen, insbesondere die Schilderung der Station SOLAR SYSTEM gerieten für meinen Geschmack zu umfangreich. Wo ein anderer Autor gerademal die Außenmaße und den Einsatzzweck geschildert hätte, liefert Rainer Castor seitenlange Abrisse des technischen Aufbaus der Station. Aber wie gesagt, das ist durchaus Geschmackssache. Der Charakter der Serie ist in weiten Bereichen auf kosmische Abenteuer ausgelegt, häufig kommen technische Beschreibungen daher zu kurz und wenn sie, wie im vorliegenden Roman dann eingebaut werden, erschlagen sie einen fast. Vom Grundgedanken find ich es also durchaus in Ordnung wenn Rainer Castor in seinen Romanen die Schwerpunkte Technik und Wissenschaft setzt. Dadurch, dass sie so selten sind wirken seine Romane im Vergleich zu den „Werken“ der anderen Autoren dann schon fast anachronistisch. An der einen oder anderen Stelle im Heft habe ich allerdings dann doch die eine oder andere Zeile übersprungen, ohne Angst haben zu müssen, etwas verpasst zu haben.
Andere technische Beschreibungen, z.B. die der Einsatzvorbereitung und der SERUNS trafen weitestgehend meinen Geschmack. Das war schon deshalb interessant geschrieben, da der Autor die Szene auch mit einigen Interaktionen der Beteiligten mischt. Dadurch kommt das Ganze auch nicht trocken rüber und konnte gefallen. Auch die Sequenzen über die VARIOs waren recht gut geschrieben. Auch hier werden technische Beschreibungen mit Emotionen verknüpft und dazu Hintergrundinformationen eingestreut. Die Ausnahme stellte die Szene mit dem Zusammenbau des VARIO-1000 dar. Die war ebenfalls zu lang geraten.

Von der Story-Line her hatte der Roman einige heftige Elemente zu bieten. Eine SI, die einen Menschen verstümmelt, um ihm dadurch zu einem möglichst langen Leben in einem Robotkörper zu verdammen, das ist schon reichlich infam. Aber auch Bulls und Adams Entscheidung, den Ausgewanderten ein paar Aufpasser mitzuschicken, hinterlässt bei mir einen üblen Beigeschmack. Vertrauen in die in Jahrtausenden „gewachsene“ kosmische Menschheit sieht anders aus. Wäre die Entscheidung alleine auf den TLD zurückzuführen, dann könnte dies anders bewertet werden. Geheimdienste und ähnliche Organisationen werden wohl in jeder Epoche ihre eigenen Süppchen kochen. Hier hingegen steht eine politische Entscheidung dahinter. Ob wohl alle Kolonien der LFT von Terra „infiltriert“ sind?

Fazit: Wenn Rainer Castor es will, dann kann er auch. Immer dort, wo er sich nicht alleine mit dem Niederschreiben von Datenbankenauszügen begnügt, sondern diese Informationen in eine Handlung einbaut und seine Protagonisten agieren lässt, funktioniert der Roman. Diesen Stil sollte er pflegen und bei der einen oder anderen Beschreibung etwas kürzer treten.

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