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Die Stadt am Ende des Weges – Handlung:

Die LEUCHTKRAFT ist auf dem Weg zu den Koordinaten, die in der Fibel ihrer verschollenen Kommandantin entdeckt wurden. Während des Fluges beschäftigen Alaska Saedelaere jedoch andere Dinge. Der Maskenträger, der keine Ahnung hat, in welchem Teil des Universums er sich gerade befindet, ist in der abstrakten Innenwelt der Kosmokratenwalze unterwegs und er sehnt sich nach dem Anzug der Vernichtung. Er erinnert sich, dass bei seinen früheren Besuchen die LEUCHTKRAFT von Pseudolebewesen bevölkert war, die z.T. Lewis Carolls Geschichte „Alice im Wunderland“ oder vielmehr seinen eigenen Erinnerungen an diese Geschichte entstammten. Bei einer Kletterpartie gerät Alaska in Schwierigkeiten. Sein SERUN funktioniert nicht mehr in der gewohnten Weise. Er stürzt ab und bemerkt eine Veränderung der Umgebung bis ihm klar wird, dass er selbst sich verändert hat. Ihm begegnen eine grinsende Katze und ein Kaninchen mit Uhr. Er erhält von den Gestalten Hinweise, wo er mehr über Samburi Yuras Schicksal erfahren könne. Er macht sich auf den Weg, wobei sich die Umgebung innerhalb der Kosmokratenwalze aufgrund seiner Beobachtungen und Interpretationen ständig verändert. In einem Dorf aus primitiven Hütten trifft er auf Pseudo-Lebewesen. Wie es scheint, eine primitive Urform der Enthonen, dem Volk, dem Samburi Yura entstammt. Nach einigen vergeblichen Versuchen, mit den Proto-Enthonen in Kontakt zu kommen, führt eine der Gestalten Saedelaere schließlich zu einen Baum am Ufer eines Flusses. Dort hängt der Anzug der Vernichtung. Der Enthone bezeichnet den Anzug als Tabu seiner Gruppe. Alaska kann den Anzug nicht berühren. Stattdessen wird er aus diesem unwirklichen Geschehen gerissen und sieht sich dem Androiden Eroin Blitzer gegenüber.

 

Dieser teilt ihm mit, dass weitere Untersuchungen ergeben haben, dass die Informationen der Fibel nur freigegeben wurden, weil etwas in dem Schmuckstück auf die Strahlung des Cappinfragmentes reagierte. Es wurde auch festgestellt, dass Samburi Yura bereits zu früheren Zeiten Ausflüge unternommen hatte und die Flugdaten dazu löschte. Diese Information und seine bisherigen Erlebnisse lassen Alaska vermuten, dass der Bordrechner DAN nicht über alle Dinge und Bereiche des Schiffes eine Kontrolle hat. Saedelaere versucht Blitzer dazu zu überreden, ihm den Anzug der Vernichtung zu geben, scheitert aber mit diesem Wunsch. Schließlich erreicht die Walze die Koordinaten.

 

Das Sonnensystem mit vier Planeten zeigt anfänglich keine Besonderheiten bis die Androiden am Rande des Systems auf einem Planetoiden ein Energieecho orten. Dort angekommen zeigt sich auf dem Irrläufer eine Immaterielle Stadt. Aufgrund der Farbe bezeichnet Alaska die Stadt als Ultramarin-Stadt. Alaska hat auch die Berichte studiert, die Bull von seinem ersten Besuch des Stardust-Systems mitbrachte und ihn beschleicht eine dunkle Ahnung. Da Bull von 5 anderen Städten berichtete, vermutet Saedelaere, dass Ultramarin-Stadt, aus welchem Grund auch immer, auf dem Planetoiden festhängt und von ihr deshalb kein Abbild auf Katarakt zu sehen war. Die Stadt auf dem Planetoiden ähnelt ansonsten den anderen Städten, allerdings sieht ein großer Teil verfallen aus. Saedelaere begibt sich mittels UHF-Fenster an den Rand der Stadt. Aus dem Bericht von Bull ist dem Maskenträger bekannt, dass die Immateriellen Städte neue Bewohner mit unterschwelliger Beeinflussung anlocken. Er programmiert seinen SERUN, ihn nach einiger Zeit automatisch aus der Stadt zu fliegen. Tatsächlich „rettet“ ihn der Anzug, denn die Beeinflussung ist fast zu stark für ihn. Wieder zurück an Bord der LEUCHTKRAFT teilt ihm Eroin Blitzer mit, dass die Stadt nach sorgfältiger Untersuchung wohl schon seit Jahrtausenden auf dem Planetoiden weilt. Saedelaere will die Stadt erneut aufsuchen, um Samburi Yuras Spur aufzunehmen. Nur mit dem Anzug der Vernichtung argumentiert er, kann er den dunklen Versuchungen der Stadt widerstehen.

 

Diese Begründung scheint nun auch die Androidenbesatzung zu überzeugen. Von Eroin Blitzer wird Saedelaere aufgefordert, an den Ort in der Walze zurückzukehren, wo er den Anzug gesehen hatte. Alaska holt sich von dort den Anzug und streift ihn über seinen SERUN. Besser gerüstet begibt er sich erneut in die Immaterielle Stadt. Er trifft auf unterschiedlichste Bewohner. Allen gemeinsam ist, dass sie von Angst getrieben sind. Er wird wiederholt Zeuge von Gewaltexzessen und wird selbst auch angegriffen. Dank des Anzugs der Vernichtung kann er den Angriff zurückschlagen. Als eine Gruppe von Bewohnern ein einzelnes Fremdwesen attackiert und schwer verletzt, greift Saedelaere ein. Auch hier verleiht ihm sein Anzug überlegene Fähigkeiten. Die Bewohner werfen dem Fremden, der den Namen Korte Hanner trägt, vor, das Verderben über die Stadt gebracht zu haben. Alaska kann sie vertreiben und stellt Korte Hanner Medizin aus seinem SERUN zur Verfügung. Der Fremde gehört dem Volk der Jaranoc an. Der Maskenträger erhält nur wenige Informationen von dem Jaranoc. Auf einem Holobild, das ihm Alaska zeigt, erkennt Hanner jedoch das Sternjuwel wieder, das Samburi Yura trug. Korte Hanners Ehrenkodex gebietet ihm, von nun an nicht mehr von der Seite Saedelaeres zu weichen. Als sie aufbrechen hören sie ein unbekanntes Geräusch, das beständig lauter wird. Die Gebäude fangen an, sich aufzulösen. Der Jaranoc meint, dass die Stadt weiter reisen wird. In einer der Straßen sieht Alaska eine Enthonin. Er hält sie zuerst für Samburi Yura, erkennt dann aber eine Proto-Enthonin. Eine Funkverbindung zur LEUCHTKRAFT ist nicht möglich. Alaska kann offensichtlich nichts gegen die Weiterreise der Stadt unternehmen.

 

 

Rezension:

Marc A. Herren setzt gekonnt die Erlebnisse des Maskenträgers fort. Im Vordergrund der Geschichte steht der Wunsch des Haupthandlungsträgers nach dem Anzug der Vernichtung. Diesem Wunsch und der Gefühlswelt des Protagonisten widmet Herren gut die Hälfte seines Romans. Die andere Hälfte gehört der Erkundung der Immateriellen Stadt. Ich fand beide Ebenen interessant und in dieser Mischung auch ausgewogen. Obwohl Motive aus „Alice im Wunderland“ schon in früheren Romanen Verwendung fanden, ist es denkbar, dass sich der Autor von der Neuverfilmung Burtons hier hat inspirieren lassen. Für diesen Gedanken spricht die Vorlaufzeit der Romane und es ist auch noch nicht so lange her, dass der Film im Kino war. Die „Auftritte“ von Kaninchen und Grinsekatze sind für meinen Geschmack erfreulich kurz. Der Autor hat es also nicht übertrieben. Dass eine Person, die im 35. Jahrhundert der Menschheit geboren wurde, mit Geschichten von Lewis Caroll aufgewachsen ist, hat mich etwas verwundert. Da liegen immerhin gute 1500 Jahre dazwischen. Vielleicht hat sich auch der Autor gedacht, hier noch eine Begründung liefern zu müssen und hat uns aus diesem Grund einen Rückblick in die Kindheit seines Protagonisten gegeben und damit die „Erklärung“ mitgeliefert.

Ein anderer Aspekt der Gefühlswelt Alaskas ist seine Sehnsucht nach Samburi Yura. Dass diese Sehnsucht so übermächtig ist, dass er in einer Szene gleich die erstbeste Enthonin „bespringt“ war dann doch etwas überraschend. Mit dieser Sex-Szene, die Marc. A. Herren da seiner Hauptperson angedeihen lässt, hatte ich nicht gerechnet. Sicherlich waren in den früheren Romanen zumindest Andeutungen enthalten, dass diese Sehnsucht des Maskenträgers auch eine sexuelle Komponente beinhalten könnte aber dann gleich in die Vollen gehen? Noch dazu mit einer Proto-Enthonin! Was wohl Frau Samburi sagen wird, wenn sie davon erfährt?

(Anm.: Ganz so derb, wie ich das jetzt notiert habe, hat Marc A. Herren das natürlich nicht geschrieben. Abgesehen davon bleibt es unklar, ob es nicht nur eine Phantasie Saedelaeres war).

Fazit: Der Roman bot sehr gute Unterhaltung. Ob das Auftauchen der Immateriellen Stadt und des Jaranoc tatsächlich auch eine inhaltliche Verbindung der Alaska-Ebene zu der Handlungsebene Stardust-System/Anthuresta bedeutet, bleibt abzuwarten. Es könnte sich ja auch um reinen Zufall handeln. Ob das wohl im Exposé stand?

 

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