Andromeda antwortet nicht – Olaf Brill
Der Ghoublane Shrou Loubviwum, der sich dem Zugriff des Elysion auf Im’Hadaki entziehen konnte, ist mit seinem Schiff ULLEOPE nach Andromeda geflogen. Der Heiligenmörder möchte mehr über die Legaten erfahren. Im Halo der Galaxis entdeckt er an den vereinbarten Koordinaten ein riesiges Objekt. Der Tetraeder hat eine Kantenlänge von 20 Kilometern und schimmert in allen Regenbogenfarben, dem Markenzeichen der Legaten. Die Funknachricht eines gewissen Ugsnan Bel enttäuscht Loubviwum. Er kommt sich wie ein Bittsteller vor, der abgespeist wird. Als er sich mit der ULLEOPE unerlaubt dem Tetraeder nähert, stellen sich ihm Kollmanenschiffe in den Weg. Schließlich meldet sich doch der Friedensstifter, jener geheimnisvolle Legat, der gemeinsam mit Kom die Vision für immer entworfen hat. Shrou Loubviwum wird von einer unbekannten Strahlung eingehüllt. Gefühle des Glücks und der inneren Ruhe werden ihm zuteil. Allerdings bekommt er keinen Auftrag. Seine Besatzung gegenüber behauptet er allerdings, einen Auftrag der Legaten erhalten zu haben.
Auch Atlan ist mit der HELIOS nach Andromeda aufgebrochen. Eine galaxienumspannende Hypersperre riegelt seit fast sechshundert Jahren die ganze Galaxis ab. Ziel der HELIOS unter dem Expeditionsleiter Jasper Cole ist demnach Andro-Alpha, bzw. der sich dort im Bau befindliche San-Hof. Bei verschiedenen Zwischenstopps scheitern Kontaktversuche. SH-ANDROMEDA antwortet nicht.
Als die HELIOS Uglusch erreicht, den der San-Hof umkreist, staunt die Besatzung nicht schlecht. Die Station ist uralt, teils zerfallen und wegen zahlreicher An- und Umbauten kaum zu erkennen. Eine Altersbestimmung ergibt ein Alter von 98.003 Jahren. Offensichtlich war der San-Hof zusammen mit dem Planeten und der Sonne in ein Zeitfeld gehüllt, das nun erloschen ist. Unter dem Eispanzer der Eiswelt Uglusch wird eine Infrastruktur entdeckt. Auch gibt es eine Transmitterverbindung zwischen dem San-Hof und dem Planeten. Atlan erkundet mit Rachel Mykossa den Planeten. Die Terranerin hatte einen Bruder auf der Station. Jasper Cole und Icho Tolot gehen zur gleichen Zeit an Bord des San-Hofs.
Beide Teams machen unabhängig voneinander ähnliche Beobachtungen. Nachdem das Zeitfeld aktiviert wurde, konnte die Besatzung den San-Hof nicht mehr verlassen. 100 Jahre versuchte man, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Leider vergebens. Familien wurden gegründet. Die Beiboote wurden außen an der Station angedockt, um mehr Platz zu erhalten. Zudem wurde der Planet besiedelt und von dort notwendige Rohstoffe an den San-Hof geliefert. Trotz Wartung versagten nach und nach die Geräte und die Nachkommen degenerierten und verloren an Wissen. Nur der Posbi Stahlbrust hat die lange Zeit überstanden. Die Besatzung der HELIOS ahnt nicht, dass sie in eine Falle gegangen sind.
Rezension
Olaf Brill setzt seine eigene Geschichte von vor 10 Wochen fort. Nur mit anderen Figuren. Inzwischen habe ich einiges von dem, was zuletzt über die Legaten geschrieben wurde, wieder vergessen. Das liegt auch daran, dass über diese Legaten kaum mehr als winzige Informationshäppchen in den Romanen zu lesen waren. Sie sind bislang so wenig präsent, dass das Wenige auch noch schnell in Vergessenheit gerät. Da ist einfach nichts, was den Gegner – es ist doch ein Gegner? – interessant und damit greifbarer machen könnte. Die Zeit scheint eine Rolle zu spielen. Immer dann, wenn die Legaten oder ihre Sprecher auftreten, wird so etwas wie ein zeitliches Element eingebaut. Man spricht von Erben oder Nachkommen, so als wären die Ereignisse in grauer Vorzeit angestoßen worden.
Und möglicherweise gibt es eine Verbindung zu den Portuu. Die Kollmanenschiffe könnten von Stellaren Hauch überzogen sein. Kollmanen sind in der Serie bislang nicht aufgetaucht. Da Olaf Brill auch keine Beschreibung dieses Volkes liefert, kann man darüber nur spekulieren. In der 2. Atlantis-Serie hat Ben Calvin Hary die Kol Mani eingesetzt, die aus Andromeda stammen. Die sich übrigens sehr farbenfroh gezeigt haben. Und die Fingerschiffe einsetzten, wie sie hier kurz erwähnt werden. Die Kol Mani waren sehr friedlich, ihre Schiffe meist unbewaffnet.
Für die Geschichte seines Romans greift der Autor auf klassische Themen zurück. Eine Zivilisation, oder hier, eine Stationsbesatzung, wird vom Rest des Universums abgenabelt. Sie verwahrlosen. 100.000 Jahre sind ganz schön heftig. Ich kann aber keine Gegenargumente finden, die die beschriebenen Auswirkungen in Frage stellen könnten. Den emotionalen Part in der Story nimmt Rachel Mykossa ein, die ihren Bruder verliert, der ihr am Ende eine Videobotschaft hinterlässt. Diesen Part hätte man zu Beginn ein wenig mehr ausbauen können. So, wie es gemacht wird, geht es zunächst etwas unter, warum Rachel Mykossa Atlan begleitet.
Am Ende gibt es noch eine Wendung in der Geschichte. Das Szenario erweist sich als Falle, bzw. soll es eine solche werden. Dass darin Shrou Loubviwum verwickelt ist, der sich als „vorausschauend“ entpuppt, weil er die Ankunft eines bestimmten Schiffes voraussagt, könnte ebenfalls was mit Zeit zu tun haben. Andererseits hatte Shrou Loubviwum einen Vorsprung vor der HELIOS, ist er doch direkt von Hangay nach Andromeda geflogen, während die GIDEON erst in die Milchstraße zurückmusste, bevor Atlan aufbrechen konnte. Man sollte also denken, dass die Legaten Bescheid wissen, wenn aus der Milchstraße ein Schiff aufbricht, um sie zu besuchen.
Ein kurzweiliges Leseerlebnis, das sich flüssig wegliest. Die Story ist unterhaltsam, bietet allerdings wenig neue Impulse zu den Legaten und verläuft weitgehend in erwartbaren Bahnen.

