Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3201

Die Vollkommenen – von Robert Corvus
Die Rettungsmission zur MAGELLAN hat den Besatzungsmitgliedern der RA inzwischen zu einigen Erkenntnissen verholfen. Der Ultratender steht unter der Diktatur der Schönheit. Panjasen, die sich der Vollkommenheit verschrieben haben, unterdrücken die Besatzung und haben das Schiff zu einer Insel der Bewährung umfunktioniert. Die Besatzung wird indoktriniert. Aber es regt sich Widerstand. Während Atlan in Gefangenschaft ist und dort an weiteren Informationen zu gelangen versucht, sind Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und Alschoran dabei, Kontakt zu den Widerständlern zu bekommen. Unterstützt werden sie von Marat, einer Posbi.
Unterschätzen darf man die Panjasen jedoch nicht. das bekommt auch Antanas Lato zu spüren. Der Wissenschaftler ist auf der RA geblieben und fällt auf einen Köder der Panjasen herein, die herausgefunden haben, dass die MAGELLAN von außerhalb Unterstützung erhalten hat. Unterstützt von der AURA, einem Beiboot des Tenders und mit Alschorans Hilfe wird die RA in Sicherheit gebracht.
Auf der MAGELLAN haben die „Erzieher“ Yahorosch und Devvasch das Sagen. Insbesondere Devvasch bekundet ein Interesse an Atlan. Die Frau lässt sich zu einigen Äußerungen über ein mentales Konglomerat aus, das die Panjasen vor Jahrhunderten in einer uralten verfallenen Stadt entdeckten. Die Panjasen hatten damals über Para-Hellhörige ein mentales Schmerzecho empfangen. Atlan stellt die Vermutung an, dass hier ein ES-Fragment gemeint sein könnte.
Yahorosch hat unterdessen eine Pedotransfererin angeheuert. Sie soll den Widerstand auf der MAGELLAN infiltrieren. Der Panjase vermutet auch Parabegabte auf der Gegenseite. Die Pedotransfererin sucht sich ausgerechnet Sichu Dorksteiger als Ziel. Perry Rhodan erkennt schnell am Verhalten seiner Frau, dass etwas nicht stimmt. Die Dakkarschleife scheint nicht zu schützen und der Hollbeyn-Resonator zeigt keine Übernahme an. Während Rhodan nach einem Ausweg sucht, kommt Atlan in Kontakt zu Shema Ghessow. Sie und Damar Feyerlant sind Mitglieder des Widerstands.
Nun gilt es, Sichu Dorksteiger von der Pedotransfererin zu befreien und den Widerstand gegen die Besatzer weiter zu organisieren.
 
Jeder Zyklusauftakt birgt Geheimnisse. Um die kommende Geschichte über 100 Romane interessant zu gestalten und die Leser zu ködern, müssen Rätsel platziert werden und vor allem müssen die Motive der Figuren hervorgehoben werden, die Geheimnisse lösen zu wollen. Wenn es starke Motive sind, wird der Leser automatisch von der Geschichte mitgenommen. Der Grundstein zum Fragmente-Zyklus wurde im Chaoporter-Zyklus gelegt. ES sei fragmentiert und die Fragmente würden in Refugien zu finden sein. Mu Sargai hat zwei solcher Standorte auf einen Datenträger zur Verfügung gestellt.
Bislang haben sich unsere Helden recht wenig Gedanken zu dieser Ausgangslage gemacht. Es blieb bislang bei einigen schwachen Formulierungen, der SI helfen zu müssen. Die Beweggründe unserer Helden hat das noch nicht erleuchtet. Und bislang hat sich auch noch niemand der Akteure Gedanken gemacht, warum ES fragmentiert ist. Nun lässt Robert Corvus erstmals einen Protagonisten, hier Atlan, ein paar Gedanken anstellen. Viel ist es nicht. An den Überlegungen Atlans zur Fragmentierung von ES verwundert es mich, dass der Arkonide andere Ereignisse nicht in seine Betrachtungen einbezieht. Er reflektiert lediglich über die Trennung von ES in ES und TALIN. Doch zwischenzeitlich sind auch andere Ereignisse zu berücksichtigen. Die Scherung, die von Thez verursacht wurde und der Weltenbrand. Dessen Löschung mit spezieller Eiris hat zu einem ungewöhnlichen Nebeneffekt geführt. Höhere Wesenheiten können sich in der Milchstraße nicht halten. Und auch im weiten Umkreis. Auch Gruelfin muss dazu zu zählen sein. Es sollte also auf der Hand liegen, dass die Fragmentierung andere Ursachen haben könnte. Hier fehlt es mir ein wenig an nachvollziehbaren Überlegungen unserer Helden. Zumindest spekulieren könnten sie.
Autor Robert Corvus lässt in seiner Geschichte allerdings auch wenig Platz für Spekulationen seiner Figuren. Die kämpfen gerade mit anderen Problemen. Der Zyklusauftakt mit dem Doppelband ist eher actionbetont. Mysterien stehen nicht im Mittelpunkt. Der Autor zieht die Geschichte, die er in 3200 begonnen hat, noch weiter in die Breite. Es kommen noch mehr Figuren ins Spiel und er verändert auch die Sicht auf die Geschehnisse. Die Blickwinkel werden auch auf die Panjasen ausgedehnt, aus deren Augen wir das Streben nach Vollkommenheit verfolgen können. Nicht immer einleuchtend. Allerdings liegt wohl auch bei den Panjasen die Schönheit nicht selten im Auge des Betrachters. Soll heißen, die Panjasen haben durchaus unterschiedliche Auffassung von Schönheit. Dieser Disput macht dieses Streben nach Vollkommenheit allerdings auch erträglich. Das fanatische wird dadurch etwas gedämpft.
Auch wenn die sehr breit aufgestellte Geschichte sehr nachhaltig die unterschiedlichsten Aspekte beleuchtete, stört es mich, dass erst durch Rhodan und Atlans Auftauchen, die Dinge erst in Bewegung geraten. Es ist inzwischen mehr als ein halbes Jahr seit dem Hilferuf der MAGELLAN vergangen. Aber die originäre Besatzung des Tenders hat, auch verstärkt durch Shema Ghessow und Damar Feyerlant, es bislang nicht geschafft, den Eroberern entschieden entgegenzutreten. Dabei haben die beiden Mutanten beinahe im Alleingang im Vorgängerzyklus die Kleingalaxis Cassiopeia von den Mächten des Chaos befreit. Hier folgt der Zyklusauftakt einmal mehr sehr ausgetretenen Pfaden. Terraner sind am Anfang eines Zyklus schwach und verletzlich, der Gegner übermächtig. Dieses Verhältnis wird kippen, auch das ist schon sicher. Möglicherweise früher als sonst. Denn die Fragmente werden nicht alle in Morschaztas liegen. Es werden andere Orte und damit andere Völker aufgesucht werden müssen.
Die sehr flotte Geschichte schaltet in der zweiten Hälfte nochmals einen Gang höher. Das Geschehen konnte mich mehr fesseln, als es noch zu Band 3200 der Fall war. Insbesondere die Überleitungen zwischen den diversen Figurengruppierungen fand ich sehr gelungen. Marat bildet die Schnittstelle. Obwohl alle Einsatzteams bzw. Gefangene räumlich getrennt sind, gehen ihre Aktionen ineinander über. Letzte Woche schrieb ich, dass noch Luft nach oben sei. Der Autor hat tatsächlich eine Schippe draufgelegt. Nun bin ich gespannt auf die Fortsetzung.