Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3200

Mission MAGELLAN – von Robert Corvus
Ein Vierteljahrhundert nach den Ereignissen um den Chaoporter FENERIK macht sich Perry Rhodan auf die Suche nach den ES-Fragmenten. Einer von zwei Datensätzen, die im Datenträger von Mu Sargai enthalten waren, markiert die Kleingalaxis Morschaztas als Refugium eines ES-Fragmentes. 10 Jahre zuvor ist der Flottentender MAGELLAN dorthin aufgebrochen, um als Einsatzbasis zu dienen. Ihm sollte die RAS TSCHUBAI folgen. Doch die Mission MAGELLAN steht unter keinem guten Stern. Nach 10 Jahren Flug hat der Tender Ende 2095 NGZ das Ziel erreicht, ist jedoch in Schwierigkeiten geraten und hat über die Funkrelaiskette einen Hilferuf abgesetzt. In der Milchstraße haben die politischen Entscheidungsträger mit Perry Rhodan, Atlan und Sichu Dorksteiger drei Allianz-Kommissare mit der Suche nach ES beauftragt. Allerdings bekommen sie nicht die vollständige technologische Unterstützung. Und es scheint Kräfte zu geben, die nicht wollen, dass ES gefunden wird. Gilt die SI doch als Unterstützer der Terraner. Auf Perry Rhodan wird ein Giftanschlag verübt. Die RAS TSCHUBAI wird sabotiert und auch die RA, Atlans Sextadim-Kapsel, wird von Saboteuren heimgesucht. Zu dumm, dass der Sextadim-Park für eine Reparatur nicht zur Verfügung steht.
Mit erheblicher Verspätung wird die RA nach einer Instandsetzung auf einer terranischen Werft doch noch auf die Reise geschickt. Neben den drei Allianz-Kommissaren machen den Flug von 35 Tagen auch noch der Wissenschaftler Antanas Lato, der Kastellan Alschoran und die Posbi Marat, ehemals Madame Ratgeber, mit.
Fast ein halbes Jahr ist seit dem Hilferuf vergangen. Die Besatzung der RA entdeckt die MAGELLAN, die von Ganjasen geentert wurde. Morschaztas selbst ist verborgen, was insbesondere Sichus und Antanas´ Interesse weckt. Alschoran unternimmt mit Marat einen ersten Vorstoße auf den Tender. Sowohl die ehemalige Besatzung als auch die Eroberer scheinen unter dem Diktat der Panjasen zu stehen. Dieses Teilvolk der Ganjasen hat eine Führungsrolle inne und strebt nach Schönheit und Vollkommenheit. Die Mittel, die dazu eingesetzt werden, sind allerdings gewalttätig. Als Ase und mit der Fähigkeit als Pedotransferer verschafft sich Alschoran eine Identität in dem System und versorgt auch die anderen aus dem Team mit einer Tarnidentität.
Weitere Einsätze folgen. Als Atlan Zeuge einer Züchtigung durch eine Panjasin wird, schreitet der Arkonide ein. Er unterschätzt jedoch die Gegnerin, wird verletzt und gerät in Gefangenschaft. Die anderen, allen voran Perry und Sichu, versuchen den Freund zu befreien und gleichzeitig mehr über die Verhältnisse vor Ort zu erfahren.
 
Der Jubiläumsband beginnt, wie auch schon frühere Zykluseinstiege, mit einem Statement zu Freundschaft und Frieden. Diesen Text, der jeden Roman vorgeschaltet ist, sollte man kritisch hinterfragen. Es ist beinahe der gleiche Text, der schon im Vorgängerzyklus jeden Roman einleitete. Wir erinnern uns. FENERIK und seine Truppen säten Tod und Zerstörung. Chaofakta rissen ganze Sternensysteme in den Untergang. Ich würde mir wünschen, dass den Romanen ein ehrlicherer Text vorgeschaltet wird. Die Konflikte lassen nämlich auch in diesem Band nicht lange auf sich warten. Sabotageakte und Anschläge gehen dem Handeln der Helden voraus. Ich wäre schon sehr verwundert, wenn der Zyklus ohne Bedrohungslage in der Heimat auskommen täte. Und, machen wir uns nichts vor, dass es inzwischen eines „dritten“ Galaktikums bedarf, zeigt doch sehr anschaulich, dass es mit Freundschaft und Frieden doch noch nicht so weit ist, wie uns der Vorspann suggerieren will.
Zum Roman. Autor Robert Corvus konzentriert sich in seiner Geschichte auf zwei Handlungsstränge. Der eine setzt eine Siganesin in Szene, die sich als Soldatin gegen die Eroberer der MAGELLAN stellt. Nachdem sie von ihrer Einheit getrennt wird, sorgt sie sich um ihre Familie. Die Darstellung der Siganesin Hilke Silent-Brown steht ganz in der Tradition anderer Romane der Serie, die die kleinwüchsigen Helden von Siga in den Mittelpunkt rasanter Action- aber auch liebenswerter Abenteuergeschichten gestellt haben.
In der zweiten Handlung wird das Team an Bord der RA begleitet, das zur Rettungsmission aufgebrochen ist. Hin und wieder flechtet der Autor Rückblenden ein, die den Hintergrund beleuchten, warum nur eine Sextadim-Kapsel mit sechs Personen losgeschickt wird. Das Team ist hochkarätig besetzt. Bis auf eine kleine Animosität zwischen Atlan und Alschoran herrscht auch Harmonie in dieser Gruppe. Der Einsatz der Gruppe enthält zwar auch Action-Szenen, dient aber vordergründig der Aufklärung und der Lieferung von Hintergrundinformationen. Der Autor verzichtet zugunsten einer klaren Linie und einer forcierten Handlung weitgehend auf Rückblicke zum Vorgängerzyklus. Nur vereinzelt und an Stellen, an denen es auch passt, fließen ein paar Informationen zu FENERIK, bzw. die Zeit danach, ein.
Für mich fühlte sich die Geschichte so an, als ob schon ein paar Romane dieses Zyklus hinter uns liegen. Die Erzählung war nicht sonderlich spannend und große Überraschungen blieben aus. Ganzheitlich betrachtet ist Heft 3200 ein solider Zyklusauftakt. Da ist allerdings auch noch deutlich Luft nach oben.