Ansichten zu Perry Rhodan Atlantis 06

In der Methanhölle – von Dietmar Schmidt
Die Arkonidin Rowena, bislang unerbittliche Verfolgerin von Perry, Sichu und Caysey, hat die drei Gefangenen befreit und flieht mit Ihnen in die Methanhölle von Galkorrax. Atlan, der sich mit seinen Begleitern und mit Geektor, dem Kommandeur der hiesigen Maahks, auf der LT-IV aufhält, befiehlt sofort die Verfolgung. Kameraaufzeichnungen verraten dem Kristallprinz, dass Rowena mit den Gefangenen paktiert.
Um in der lebensfeindlichen Umgebung überleben zu können, hat Rowena Schutzanzüge besorgt. Jedoch würde ein verstärkter Einsatz der enthaltenen Funktionen den Suchtrupps den Weg weisen. Rowena kann jedoch mit einem Trick an einen Gleiter gelangen und die Gruppe erreicht damit eine zivile Stadt der Maahks. Dort erhalten sie Unterstützung durch eine Medikerin der Maahks, die Rowena zuvor um Hilfe gebeten hat. Sie versorgt vor allem Caysey, der es immer schlechter geht.
Auf Larsaf III bahnt sich unterdessen eine Katastrophe an. Quartam da Quertamagin ist bei der Untersuchung des Zeittransmitters auf unbekannte kleinwüchsige Wesen gestoßen, die ihn paralysierten. Er erwacht in einem abgestürzten Arkonidenraumschiff. Die Besatzung ist durch eine unbekannte Biowaffe getötet worden. Der Wissenschaftler versucht so viele Daten wie möglich zu sammeln, um Arkonis anschließend zu warnen. Wieder kommt er in Kontakt zu den seltsamen Wesen. Er erfährt, dass der Zeittransmitter eine Hinterlassenschaft von ARCHETIM ist. Ein Wesen namens Tolcai will den Transmitter vernichten und das ihm gestohlene Talagon finden und öffnen.
Atlan, Tarts und ein Verfolgerteam erreichen ebenfalls die Stadt, in der Perry und seine Begleiter geflüchtet sind. Ungeschicktes Verhalten aus Atlans Gruppe erschwert ihre Suche. Beide Gruppen verfolgen weiterhin das Ziel, an das Talagon zu gelangen. Beide Gruppen vermuten es auf der LT-IV. Dort kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen von Perry Rhodan und Atlan. Plötzlich greift eine unbekannte dritte Macht in das Geschehen ein.
 
Der Titel des Romans weckte Erinnerungen in mir. Meinen ersten Kontakt zum Perryversum hatte ich mit Band 20 der Atlan-Serie. „Planet der Orkane“ hieß der und beschrieb ein Szenario, das ich ähnlich auch von dieser Geschichte erwartete. In beiden geht es um Extremwelten, zumindest für Sauerstoffatmer, in beiden spielen Maahks eine Rolle. In beiden müssen sich die Helden durch eine lebensfeindliche Umgebung kämpfen.
Zunächst aber spendiert Dietmar Schmidt zur Halbzeit der Mini-Serie seiner Geschichte die erste Veränderung in der Erzähl-Perspektive. Er schildert Atlan aus der Ich-Perspektive. Nichts Neues an sich. Der Arkonide wird sehr häufig so erzählt. Aber für die Mini-Serie bedeutete es Abwechslung. Variabel gestaltete der Autor auch die Handlungsebenen. Auf Galkorrax entwickelt sich eine Jagd zweier Gruppierungen nach dem Talagon. Und auf Atlantis hat Quartam da Quertamagin eine merkwürdige Begegnung.
Die Geschichte enthielt einige Wendungen und das Figurenverhalten führte nicht selten zu Stirnrunzeln bei mir. Allerdings hat der Autor für viele, mir zunächst merkwürdig vorkommende Handlungen, eine plausible Erklärung. Allerdings nicht für alle. Es gab unzählige Chancen für Perry und Sichu das Versteck des Talagons von Caysey zu erfahren. Nur nutzten die Beiden diese aber nicht.
Ninthals Bereitschaft, die Flüchtigen zu unterstützen, kommt etwas überraschend. In der Behandlung der Atlanterin hat die Maahk durchaus logische Argumente gebraucht, weil sie ihr Wissen über den „Feind“ erweitern möchte. Nun gibt sie, ohne unter Druck zu stehen an, dass sie Perry und Co. vertraut. Sie mag ja vielleicht Rowena vertrauen, aber als kühle Logikerin dies auch auf die ihr völlig Unbekannten „Feinde“ zu erweitern, ging mir zu schnell.
Bei Atlan vermisste ich einen Einwurf des Extrasinns. Der hätte eigentlich sagen müssen: „Narr, das Artefakt kann nur in der LT-IV sein. Und Du jagst Rowena und den anderen hinterher?“
Atlans Rückkehr zu dem Kugelraumer wird dann durch den Sturm behindert. Vordergründig werden in den Schilderungen des Autors über die „Methanhölle“ einige Schwierigkeiten für die Figuren eingebaut und es gibt Todesfälle. Aber irgendwie zündeten die Beschreibungen bei mir nicht. Es wird keine Atmosphäre erzeugt. Hier mal ein Sauerstoffmangel, der, bevor er akut werden kann, behoben wird. Dort ein Sturm, der Atlans Rückkehr so passend ausbremst, dass er gleichzeitig zum Showdown mit Perry am Ziel eintrifft. Auch hier wird passend ein Gleiter geschickt, der Atlans Vorankommen dann doch wieder beschleunigt. Das riss mich nicht vom Hocker und wirkte insgesamt etwas gekünstelt. Das Flair, das ich im Kopf hatte, als ich mich an „Planet der Orkane“ zurückerinnerte, stellte sich nicht ein. Inwiefern überhaupt Atlan das Wissen um gewisse kobaltblaue Walzen später wieder genommen wird, bleibt abzuwarten.
Quartam da Quertamagins Erlebnisse auf Atlantis haben mich mehr überzeugt. Sein Vorgehen ist gut durchdacht. Natürlich muss die Frage erlaubt sein, warum die Fremden, die mir bekannt vorkommen, dem Wissenschaftler die Gelegenheit geben, an diese Informationen zu gelangen. Aber die Mini-Serie hat bislang gezeigt, dass sie Antworten darauf liefern kann.
Insgesamt ein kurzweiliger Roman. Die „Methanhölle“ erwies sich allerdings als harmlos.