Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3158

Lepso im Visier – von Michelle Stern
Reginald Bull hat sich inkognito zur Freihandelswelt Lepso aufgemacht. Dort sind in letzter Zeit Artefakte aufgetaucht, die möglicherweise Kosmokratentechnologie entstammen. Entsprechend groß ist das Interesse der Geheimdienste. Auf der Raumstation TSUBEILS ZUFLUCHT kann sich Reginald Bull, der als Joseph Andalous auftritt, einen ersten Eindruck von den Artefakten machen. Es scheinen Nachbauten zu sein, die bei weitem nicht die Funktion leisten, die an sie gestellt werden. Aber ein Artefakt interessiert Bull besonders. Es ist ein Seelenkerker. Er will seinen Quälgeist Sälsinde darin einsperren. Ausgerechnet Sälsinde macht ihn darauf aufmerksam, dass die Yodoren ihre Hände im Spiel haben könnten. Was bezwecken diese Wesen?
In Begleitung des TLD-Informanten Uecker London und unterstützt von dem als Hehler agierenden Báalol Munaur setzt Bull seine Suche auf Lepso fort. Allerhand zwielichtiges Gesindel kreuzt seinen Weg. Zwei der mächtigsten Männer Lepsos mischen in der Angelegenheit mit. Der derzeitige Thakan Santu Potomp ist einer von ihnen. Und seine Leibwächter stellen eine eigene Kategorie der Bedrohung. Der Haluter Spavo Rud ist einer von Potomps Leibwächter. Er trägt ein Gerät, um seine Drangwäsche auf Knopfdruck auszulösen. Der andere mächtige Gegenspieler ist der Direktor des Sozialen Wohlfahrtsdienstes. Wilbart Kortnoy schickt mit Mic seinen besten Mann.
Bull erkennt bald, dass er ohne Unterstützung sein Ziel nicht erreichen wird. Sälsinde wird bereits misstrauisch. Er schließt einen Pakt mit Mic, der wiederum einen Deal mit der Königin von Lepso eingeht. Eine Festung wird infiltriert und Bull befreit einen wichtigen Gefangenen. Kann er Sälsinde überlisten und was treiben die Yodoren?
 
Wie hätte sich wohl Tekener an Bulls Stelle verhalten? Irgendwie hat sich bei mir dieser Gedanke während der Lektüre eingeschlichen. Oder wurde er mir aufgedrängt? Habe ich auch einen Quälgeist wie Bulls Sälsinde? Ich werde meine Träume heute Nacht daraufhin abklopfen.
Doch zurück zu diesem Gedanken. Bull agiert in dieser Geschichte von Michelle Stern in Tekeners „Wohnzimmer“. Und das „Dickerchen“ stellt sich dabei gar nicht mal ungeschickt an. Zumindest in der Auswahl seiner Unterstützer, die ihm letztlich den Weg bereiten, um in Besitz des Seelenkerkers zu gelangen. Genauer gesagt in den Besitz des „Hypersexta-Modulparstrahlungs-Extraktors“. Ein sperriger Begriff, aber im Zusammenhang mit dem Vorhaben hätte ein einfacher Seelenkerker, der ÜBSEF-Konstanten verwahrt, auch nicht gereicht. Denn Sälsindes Geist war nicht etwa frei zugänglich, wie damals bei den Vatrox, sondern musste extrahiert werden.
Der doch ziemlich große Zufall kam Bull natürlich gelegen, ausgerechnet für sein Problem, das passende Werkzeug zu erhalten. Und auch noch eins, das funktioniert. Dass die Yodorin diese Artefakte einsetzte, um chaotarchische Agenten anzulocken, erklärt das Vorhandensein der kosmokratischen Gerätschaften. Nicht jedoch den Seelenkerker und schon gar nicht, dass er, im Gegensatz zu den anderen Geräten, auch tatsächlich funktioniert. Wobei die erfolgreiche Funktion letztlich im Roman nicht zweifelsfrei geklärt wird. Mal wieder typisch für die Serie, die saubere Abschlüsse so sehr verabscheut wie der Teufel das Weihwasser.
Bull hat, ich erwähnte es, ein glückliches Händchen in der Wahl seiner Unterstützer. Allerhand kuriose Figuren beleben die Geschichte, wie bspw. der Haluter, der seine Drangwäsche künstlich stimuliert. Ein Fan ist es gar, der den ehemaligen Residenten zu seinem Glück verhilft. Hier liegt dann auch der große Unterschied zu einer Tekener-Geschichte. Der USO-Agent hätte sein Glück direkter in die Hand genommen. Apropos USO. Die scheint noch eine Rolle zu spielen. Zumindest bringt Bull am Romanende Monkey ins Gespräch.
Michelle Stern hat einen wilden, zuweilen unlogischen, aber immer spannenden Roman geschrieben.