Articles for the Month of Februar 2022

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3158

Lepso im Visier – von Michelle Stern
Reginald Bull hat sich inkognito zur Freihandelswelt Lepso aufgemacht. Dort sind in letzter Zeit Artefakte aufgetaucht, die möglicherweise Kosmokratentechnologie entstammen. Entsprechend groß ist das Interesse der Geheimdienste. Auf der Raumstation TSUBEILS ZUFLUCHT kann sich Reginald Bull, der als Joseph Andalous auftritt, einen ersten Eindruck von den Artefakten machen. Es scheinen Nachbauten zu sein, die bei weitem nicht die Funktion leisten, die an sie gestellt werden. Aber ein Artefakt interessiert Bull besonders. Es ist ein Seelenkerker. Er will seinen Quälgeist Sälsinde darin einsperren. Ausgerechnet Sälsinde macht ihn darauf aufmerksam, dass die Yodoren ihre Hände im Spiel haben könnten. Was bezwecken diese Wesen?
In Begleitung des TLD-Informanten Uecker London und unterstützt von dem als Hehler agierenden Báalol Munaur setzt Bull seine Suche auf Lepso fort. Allerhand zwielichtiges Gesindel kreuzt seinen Weg. Zwei der mächtigsten Männer Lepsos mischen in der Angelegenheit mit. Der derzeitige Thakan Santu Potomp ist einer von ihnen. Und seine Leibwächter stellen eine eigene Kategorie der Bedrohung. Der Haluter Spavo Rud ist einer von Potomps Leibwächter. Er trägt ein Gerät, um seine Drangwäsche auf Knopfdruck auszulösen. Der andere mächtige Gegenspieler ist der Direktor des Sozialen Wohlfahrtsdienstes. Wilbart Kortnoy schickt mit Mic seinen besten Mann.
Bull erkennt bald, dass er ohne Unterstützung sein Ziel nicht erreichen wird. Sälsinde wird bereits misstrauisch. Er schließt einen Pakt mit Mic, der wiederum einen Deal mit der Königin von Lepso eingeht. Eine Festung wird infiltriert und Bull befreit einen wichtigen Gefangenen. Kann er Sälsinde überlisten und was treiben die Yodoren?
 
Wie hätte sich wohl Tekener an Bulls Stelle verhalten? Irgendwie hat sich bei mir dieser Gedanke während der Lektüre eingeschlichen. Oder wurde er mir aufgedrängt? Habe ich auch einen Quälgeist wie Bulls Sälsinde? Ich werde meine Träume heute Nacht daraufhin abklopfen.
Doch zurück zu diesem Gedanken. Bull agiert in dieser Geschichte von Michelle Stern in Tekeners „Wohnzimmer“. Und das „Dickerchen“ stellt sich dabei gar nicht mal ungeschickt an. Zumindest in der Auswahl seiner Unterstützer, die ihm letztlich den Weg bereiten, um in Besitz des Seelenkerkers zu gelangen. Genauer gesagt in den Besitz des „Hypersexta-Modulparstrahlungs-Extraktors“. Ein sperriger Begriff, aber im Zusammenhang mit dem Vorhaben hätte ein einfacher Seelenkerker, der ÜBSEF-Konstanten verwahrt, auch nicht gereicht. Denn Sälsindes Geist war nicht etwa frei zugänglich, wie damals bei den Vatrox, sondern musste extrahiert werden.
Der doch ziemlich große Zufall kam Bull natürlich gelegen, ausgerechnet für sein Problem, das passende Werkzeug zu erhalten. Und auch noch eins, das funktioniert. Dass die Yodorin diese Artefakte einsetzte, um chaotarchische Agenten anzulocken, erklärt das Vorhandensein der kosmokratischen Gerätschaften. Nicht jedoch den Seelenkerker und schon gar nicht, dass er, im Gegensatz zu den anderen Geräten, auch tatsächlich funktioniert. Wobei die erfolgreiche Funktion letztlich im Roman nicht zweifelsfrei geklärt wird. Mal wieder typisch für die Serie, die saubere Abschlüsse so sehr verabscheut wie der Teufel das Weihwasser.
Bull hat, ich erwähnte es, ein glückliches Händchen in der Wahl seiner Unterstützer. Allerhand kuriose Figuren beleben die Geschichte, wie bspw. der Haluter, der seine Drangwäsche künstlich stimuliert. Ein Fan ist es gar, der den ehemaligen Residenten zu seinem Glück verhilft. Hier liegt dann auch der große Unterschied zu einer Tekener-Geschichte. Der USO-Agent hätte sein Glück direkter in die Hand genommen. Apropos USO. Die scheint noch eine Rolle zu spielen. Zumindest bringt Bull am Romanende Monkey ins Gespräch.
Michelle Stern hat einen wilden, zuweilen unlogischen, aber immer spannenden Roman geschrieben.

Ansichten zum Magazin SOL 105

Von der 105. Ausgabe der SOL hat mich das Titelbild sofort angesprochen. Das Motiv ist dem Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ von Jan Vermeers nachempfunden. Ich hatte vor einiger Zeit den Film „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ gesehen. Der wiederum nach einem Roman entstandene Film, zeigt die Entstehung des Gemäldes. Ich bin kurz ins Impressum der SOL gesprungen. Die Illustration stammt von Dieter Bohn. Die SOL enthält auch einen Artikel von Dieter Bohn über „Alte Meister der Eastside“. Der Artikel verweist auf eine schon längere Tradition dieses und ähnlicher Bilder, die u.a. in der Facebook-Gruppe „Perry Rhodan visuell“ gezeigt werden. Die Diskussionsteilnehmer haben zu den „Hintergründen“ ein wenig herumgesponnen. Daraus ist nun ein humoriger Text mit schönen Abbildungen für die SOL entstanden. Die Illustrationen sind übrigens auch auf Leinwand gedruckt worden und harren darauf, ausgestellt zu werden. Vielleicht am Colonia-Con im Mai 2022. Es ist schon erstaunlich, auf welche Ideen Fans kommen. Ich finde das klasse!
Die SOL hat sich auch diesmal einen Schwerpunkt gegeben. Es geht um die Autorinnen von Perry Rhodan. Ich bin direkt in die Interviews mit Lucy Guth von Christina Hacker und mit Marlene von Hagen von Reiner Krauss gesprungen. Beide sehr informativ. Es folgen weitere Berichte bspw. über Marianne Sydow, deren Kreativität und Temperament von Bernhard Kempen dargestellt werden. Einen sehr breiten und umfassenden Bericht über Gastautorinnen mit dem Titel „Zu Gast beim Unsterblichen“ steuert auch Christina Hacker bei. Erstaunlich, was die SOL-Redakteurin da alles recherchiert hat.
Interessant wie immer fand ich auch die Reflexionen über den Chaotarchen-Zyklus mit den Heften 3131 bis 3142 von Matthias Hettler. Sein Einstieg diesmal ist das Techno Babbel. Das hat mir gut gefallen und in einzelnen Rezensionen habe ich das eine oder andere gelesen, dass ich auch so gesehen habe.
Eine weitere und sehr ausführliche Betrachtung von Romanen stammt von Marcus Regler. Er hat sich alle Kurzromane von Galacto City vorgenommen und gräbt das eine oder andere interessante Detail aus.
Den Gedanken zur PRFZ von Nils Hirseland ist zu entnehmen, dass es dem Verein gut geht Die Zahl der Mitglieder ist wieder über 1000 gestiegen. Das Engagement ist hoch und es finden viele Aktivitäten statt. Vom 26. Bis 28. August 2022 sollen in Braunschweig die 4. Perry Rhodan-Tage veranstaltet werden. In Präsenz! Ich bin gespannt.
Mein Fazit: Die PRFZ hat wieder eine hochinteressante SOL zusammengestellt!

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3157

Die Suche des Joseph Andalous – von Uwe Anton
Auf Lepso sind technische Artefakte aufgetaucht, die das Interesse von Geheimdiensten der ganzen Galaxis erregen. USO-Agenten kommen einem Seelenkerker auf die Spur. Damit ließe sich die ÜBSEF-Konstante eines Lebewesens einsperren. Das Krathvira der Maahks-Fundamentalisten war ein solches Gerät, aber auch die Vatrox verfügten darüber. Homer G. Adams unterrichtet Reginald Bull. In beiden reift der Plan, dem Werber FENERIKS darin gefangen zu nehmen. Auch wenn Sälsinde wahrscheinlich keine Gedanken lesen kann, muss Bull sich was einfallen lassen, damit der ungebetene Gast nicht hinter den Plan kommt.
Der ehemalige Resident macht Tarnung und reist als Joseph Andalous auf einem Schiff der Raumnomaden nach Lepso. Er wird von Uecker London begleitet. Der Halbferrone arbeitet für den TLD und wird unterwegs versuchen, Sälsinde aufzuspüren. Ein Kantor-Sextant soll ihm das ermöglichen. Tatsächlich gelingt ihm der Nachweis. Sälsinde selbst zeigt sich offen. Die Mission kann nach Meinung der beiden Männer dennoch vor dem Chaoswerber verborgen werden.
Auf Lepso bekommt Andalous/Bull von der USO den Hinweis, dass sich auf der Raumstation TSUBEILS ZUFLUCHT sehr wahrscheinlich Bieter an einer Auktion des Seelenkerkers beteiligen können. Andalous/Bull macht auf Reich und kommt in Kontakt zu den richtigen Personen. Nun gilt es, den Seelenkerker zu erwerben. Aber auch die anderen angebotenen Artefakte bereiten Bull Kopfzerbrechen. Woher kommen sie? Ausgerechnet der Chaoswerber führt Bull auf die Spur der Yodoren.
 
Dafür, dass im Auftakt zu diesem Zyklus, im Jubiläumsband 3100, Reginald Bull mit dem Sternenruf in ein (schlechtes) Licht gerückt wurde, wird die Figur nur wenig eingesetzt. Fünf Monate mussten wir warten, bis mal wieder der älteste Freund des Titelhelden ein Abenteuer bestehen darf.
Das Besondere an diesem Roman von Uwe Anton ist wohl, zumindest für mich, dass die Geschichte um die Figur Bulls einen ganz anderen Verlauf nimmt, als ich es mir vorgestellt hatte. Anders ausgedrückt, den Autoren sind noch andere Geschichten eingefallen, die erzählt werden müssen, ehe der Zyklus auf die Zielgerade geht und wir erfahren, welches Schicksal der Zyklus für Reginald Bull bereit hält.
Ich freute mich also auf ein Abenteuer mit Bully und wurde auch dafür belohnt. Ich habe die Geschichte in einem Rutsch durchgelesen. In Erinnerung, das Wörtchen wird noch Bedeutung bekommen, sind mir ein paar Ausdrücke des Autors geblieben. So wird beim Einsatz der USO-Agenten und später auch bei Reginald Bull vom Autor öfter mal betont, dass „etwas ganz und gar nicht stimmte“ oder „etwas ganz und gar nicht in Ordnung war“. Dieses Element lockerte die Geschichte auf. Allerdings führte es auch dazu, dass ich mir nach der Lektüre doch ein paar Gedanken machte. Nur um festzustellen, dass in dieser Geschichte das eine oder andere ganz und gar nicht stimmte.
Beispielsweise dass der Autor zunächst ein Szenario aufbaut, in der es auf Lepso von Agenten galaktischer Mächte nur so wimmeln würde. Und alle hätten es auf bestimmte technische Artefakte abgesehen. Vor Ort bewegt sich Bull dann mit seinem Begleiter allein auf weiter Flur. Wo sind sie geblieben, die Agenten? Auch mit der Auktion stimmte etwas ganz und gar nicht. Wenn es dem Verkäufer darauf ankommt, einen guten Preis zu erzielen, dann sind viele Bieter ein Muss. Die vier potentiellen Käufer, die sich da eingefunden haben, sind noch nicht mal illustre Gestalten. Der Deckname Joseph Andalous für eine Figur ohne Hintergrund dürfte noch nicht mal reichen, um die Toilette auf dieser Station besuchen zu dürfen. Auch dann nicht, wenn der Kreditchip eine hohe Bonität ausweist. Es fehlen hier schlicht die „angesagtesten“ Kriminellen der Galaxis.
Die Artefakte entpuppen sich als unnützer Kram oder als gefährlich. Alleine die Beschreibung des Rings hätte bei Sichu Dorksteiger wohl Stirnrunzeln erzeugt. Bull macht sich kaum Gedanken oder die falschen. Im Gegenteil, obwohl ihm Schrott angeboten wird, will er weiterhin den Seelenkerker erwerben. Nicht ein Gedanke daran, dass das auch nur Fake sein könnte. Spätestens bei seinem Experiment mit dem Handschuh, wären ein paar Überlegungen diesbezüglich angebracht gewesen. Dies ist allerdings eine grundsätzliche Schwäche der Serie. Die Figuren verschieben solche Überlegungen gerne mal auf Übermorgen.
Bull betont mehrmals, dass Sälsinde keine Gedanken lesen kann. Aber der ungebetene Werber FENERIKS kann auf Bull Erinnerungen zugreifen. Lassen wir für einen Moment außer Acht, worin sich Gedanken lesen von Erinnerungen lesen unterscheidet. Eines dürfte klar sein. Bull wird sich an Geschehnisse erinnern. Und dazu gehört auch, sich einen Seelenkerker zu beschaffen. Um was zu tun? Richtig! Sälsinde einsperren. Der Chaoswerber tut sich ahnungslos.
Ganz ehrlich? Die Geschichte funktioniert nur dann, wenn man sich keine Gedanken darüber macht. Sobald man anfängt, etwas zu hinterfragen, stürzt die Story wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Bin ich deswegen enttäuscht? Nicht wirklich. Die verschiedenen zusammengewürfelten Plots mixt der Autor zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Roman. Und am Ende will ich natürlich wissen, warum die Yodoren diese Artefakte in Umlauf gegeben haben. Und damit ist der Zweck erfüllt, mich als Leser bei der Stange zu halten!